Herbstblätter. Vier Lieder für 1 Singstimme (Baryton) mit Pianofortebegleitung

Song Cycle by Hugo Riemann

Word count: 424

1. Der Nachtwind hat in den Bäumen [sung text not yet checked]

Der Nachtwind hat in den Bäumen
Sein Rauschen eingestellt,
Die Vögel sitzen und träumen
Am Aste traut gesellt.

Die ferne schmächtige Quelle,
Weil alles andre ruht,
Läßt hörbar nun Welle auf Welle
Hinflüstern ihre Flut.

Und wenn die Nähe verklungen,
Dann kommen an die Reih
Die leisen Erinnerungen
Und weinen fern vorbei.

Daß alles vorübersterbe,
Ist alt und allbekannt;
Doch diese Wehmut, die herbe,
Hat niemand noch gebannt.

Authorship

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  • FIN Finnish (Suomi) (Erkki Pullinen) , copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

2. Rings ein Verstummen, ein Entfärben [sung text not yet checked]

Rings ein Verstummen, ein Entfärben: 
Wie sanft den Wald die Lüfte streicheln, 
Sein welkes Laub ihm abzuschmeicheln; 
Ich liebe dieses milde Sterben. 

Von hinnen geht die stille Reise, 
Die Zeit der Liebe ist verklungen, 
Die Vögel haben ausgesungen, 
Und dürre Blätter sinken leise. 

Die Vögel zogen nach dem Süden, 
Aus dem Verfall des Laubes tauchen 
Die Nester, die nicht Schutz mehr brauchen, 
Die Blätter fallen stets, die müden. 

In dieses Waldes leisem Rauschen 
Ist mir als hör' ich Kunde wehen, 
daß alles Sterben und Vergehen 
Nur heimlich still vergnügtes Tauschen.

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Emily Ezust) , "All around, there is a silence and a fading of color", copyright ©
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Alentour, tout se tait, se décolore", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

3. O weh, wie ist so schnell dahin [sung text not yet checked]

O weh, wie ist so [rasch]1 dahin
Der grüne Sommer gegangen,
Und hat mir doch den trüben Sinn
Mit Freuden nicht umfangen!
Dem Maien wollt' ich bieten Gruß,
Da hör' ich schon um meinen Fuß
Die fallenden Blätter rauschen.

O weh, nun hab' ich wieder ein Jahr
Geharrt auf Glück und Frommen,
Und ist das Glück doch nimmerdar
An meine Tür gekommen;
Oder es kam in Nächten tief,
Da ich festen Schlummer schlief,
Und ist vorübergezogen.

Mein Leben deucht' mir als ein Traum,
Den ich geträumet habe;
Rechter Freude denk' ich kaum,
Seitdem ich war ein Knabe.
Tanz und Sang zergeht mit Gram,
Und wenn die Liebe Abschied nahm,
Wohl nimmer kehret sie wieder.

Die Welt ward falsch und eitel Schein,
Wie soll sie mir gefallen?
An Bechers Rande blinkt der Wein,
Doch drunten schwimmen die Gallen.
Was ich redlich focht, mißlang,
Was ich fröhlich sang, verklang
Wie Herbstwind über den Stoppeln.

O weh, nun bin ich gar allein
Mit meinem Harm geblieben.
Dahin mein Jugendsonnenschein!
Dahin mein Singen und Lieben!
Der Abend graut, die Luft geht kalt --
Winter, Winter, kommst du bald,
Auf meinen Hügel zu schneien?

Authorship

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Confirmed with Juniuslieder von Emanuel Geibel, Fünfte unveränderte Auflage, Stuttgart und Tübingen, J. C. Cotta'scher Verlag, 1850, pages 41-42.

1 Riemann: "schnell"; further changes may exist not shown above.

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

4. Mein Herz ist schwer  [sung text not yet checked]

Mein Herz ist schwer, Gott sei's geklagt,
Mein Herz ist schwer für Einen.
O Gott, eine lange Winternacht
Könnt' wachen ich für Einen!
O Leid, für Einen!
O Freud', für Einen!
Die ganze Welt könnt' ich durchziehn für Einen!

Ihr Mächte, reiner Liebe hold,
O lächelt mild auf Einen!
Schützt vor Gefahr ihn, bringt gesund
Zurück mir meinen Einen!
O Leid, für Einen!
O Freud', für Einen!
Ich tät' - o Gott, was tät' ich nicht für Einen?

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