Fünf Gesänge

Song Cycle by Philipp Jarnach (1892 - 1982)

Word count: 401

1. Lied vom Meer [sung text checked 1 time]

Uraltes Wehn vom Meer,
Meerwind bei Nacht:
  du kommst zu keinem her;
wenn einer wacht,
so muß er sehn, wie er
dich übersteht:
  uraltes Wehn vom Meer,
welches weht
[nur wie]1 für Ur-Gestein,
lauter Raum
reißend [von]2 weit herein . . .

O wie fühlt dich ein
treibender Feigenbaum
oben im Mondschein.

Authorship

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Song of the Sea", subtitle: "Capri. Piccola Marina", copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Rainer Maria Rilke, Die Gedichte, Frankfurt am Main: Insel Verlag, 1997, pages 546-547.

1 Jarnach: "wie nur"
2 Apostel, Paulsen: "wie"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

2. Ich hört ein Sichlein rauschen [sung text checked 1 time]

Ich [hört]1 ein Sichlein rauschen,
Wohl rauschen durch das Korn,
Ich hört [ein Mägdlein]2 klagen,
Sie hätt ihr Lieb verlorn.
 
Laß rauschen. Lieb, laß rauschen,
Ich acht [nicht]3, wie es geh,
[Ich tät mein Lieb vertauschen]4
In [Veilchen und im Klee.]5
 
[Du hast ein Mägdlein worben
In Veilchen und im Klee,]6
So steh ich hier alleine,
Tut meinem Herzen weh.
 
Ich hör ein Hirschlein rauschen
Wohl rauschen durch den Wald,
Ich hör mein Lieb sich klagen,
Die Lieb verrauscht so bald.
 
Laß rauschen. Lieb, laß rauschen,
Ich weiß nicht, wie mir wird,
Die Bächlein immer rauschen,
Und keines sich verirrt.

Authorship

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  • DUT Dutch (Nederlands) (Lidy van Noordenburg) , "Ik hoord' een beekje ruisen", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Laisse bruire, amour, laisse bruire", copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission

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Part of this text is used in Mengelberg's Erinnerung beim Wein.
1 Brahms: "hörte"; Eggers: "hör"
2 Heinemann: "eine feine Magd"
3 Heinemann: "nit"
4 Heinemann: "Ich hab mir ein'n Buhlen erworben"
5 Brahms: "Veiel und grünem Klee" ; Heinemann: "Veil und grünem Klee"
6 Brahms: "Hast du ein Buhlen erworben / In Veiel und grünem Klee" ; Heinemann: "Hast du ein Buhl'n erworben / In Veil und grünem Klee

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

3. Rückkehr [sung text checked 1 time]

Ich fahre heim auf reichem Kahne,
das Ziel erwacht im Abendrot.
Vom Maste weht die weiße Fahne,
wir übereilen manches Boot.

Die alten Ufer und Gebäude,
die alten Glocken neu mir sind.
Mit der Verheißung neuer Freude
bereden mich die Winde lind.

Da taucht aus grünen Wogenkämen
ein Wort, ein rosenes Gesicht:
Du wohntest lang bei fremden Stämmen,
doch unsre Liebe starb dir nicht.

Du fuhrest aus im Morgengrauen,
und als ob einen Tag nur fern
begrüßen dich die Wellenfrauen,
die Ufer und der erste Stern.

Authorship

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

4. Der wunde Ritter [sung text not yet checked]

Ich weiß eine alte Kunde,
Die hallet dumpf und trüb:
Ein Ritter liegt liebeswunde,
Doch treulos ist sein Lieb.

Als treulos muß er verachten
Die eigne Herzliebste sein,
Als schimpflich muß er betrachten
Die eigne Liebespein.

Er möcht in die Schranken reiten
Und rufen die Ritter zum Streit:
"Der mag sich zum [Kampfe]1 bereiten,
Wer mein Lieb eines Makels zeiht!"

Da würden wohl alle schweigen,
Nur nicht sein eigener Schmerz;
Da müßt er die Lanze neigen
[Wider 's]2 eigne [klagende]3 Herz.

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2019, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Le chevalier blessé", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission

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1 Backer-Grøndahl: "Kampf"
2 Backer-Grøndahl: "wieder's"
3 Backer-Grøndahl: "klagendes" (likely a typo)

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

5. Aus einer Sturmnacht [sung text checked 1 time]

In solchen Nächten, wie vor vielen Tagen,
fangen die Herzen in den Sarkophagen
vergangner Fürsten wieder an zu gehn;
und so gewaltig drängt ihr Wiederschlagen
gegen [die]1 Kapseln, welche widerstehn,
daß sie die goldnen Schalen weitertragen
durch Dunkel und Damaste, die zerfallen.
Schwarz schwankt der Dom mit allen seinen Hallen.
Die Glocken, die sich in die Türme krallen,
hängen wie Vögel, bebend stehn die Türen,
und an den Trägern zittert jedes Glied:
als trügen seinen gründenden Granit
blinde Schildkröten, die sich rühren.

Authorship

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Das Buch der Bilder von Rainer Maria Rilke, Leipzig, Iminsel-Verlag, 1920, page 161.

1 omitted by Jarnach.

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]