Notturno: Fünf Sätze für Bariton und Streichquartett

by Othmar Schoeck (1886 - 1957)

Word count: 968

1. Sieh dort den Berg mit seinem Wiesenhange [sung text not yet checked]

Erste Stimme

Sieh dort den Berg mit seinem Wiesenhange,
Die Sonne hat verzehrend ihn durchglüht,
Und Strahl auf Strahl noch immer niedersprüht;
Wie sehnt er nach der Wolke sich so bange!

Dort schwebt sie schon in ihrem luftgen Gange,
Auf deren Kuß die Blumenfreude blüht;
Wie flehend sich um ihre Neigung müht
Der Berg, daß sie sein Felsenarm umfange!

Sie kommt, sie naht, sie wird herniedersinken,
Er aber die Erquickungsreiche tief
Hinab in seinen heißen Busen trinken.

Und auferblühn in wonniger Beseelung
Wird, was an schönen Blüten in ihm schlief.
Ein treues Bild der Liebe, der Vermählung!

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2. Sieh hier den Bach, anbei die Waldesrose [sung text not yet checked]

Zweite Stimme

Sieh hier den Bach, anbei die Waldesrose.
Sie mögen dir vom Lieben und Vermählen
Die wandelbaren, täuschungsvollen Lose
Getreuer viel, als Berg und Wolk, erzählen.

Die Rose lauscht ins liebliche Getose,
Umsungen von des Haines süßen Kehlen,
Und ihr zu Füßen weint der Ruhelose,
Der immer naht, ihr immer doch zu fehlen.

Ein schönes Spiel! solang der Frühling säumt,
Die Rose hold zum Bach hinunter träumt,
Solang ihr Bild in seinen Wellen zittert.

Wenn Sommersgluten sie vom Strauche jagen,
Wenn sie vom Bache wird davongetragen,
Dann ist sie welk, der Zauber ist verwittert!

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3. Andante appassionato 

— Tacet —

4. Die dunklen Wolken hingen [sung text not yet checked]

Die [dunklen]1 Wolken hingen
Herab so bang und schwer,
Wir beide traurig gingen
Im Garten hin und her.

So [heiß und]2 stumm, so trübe
[Und]3 sternlos war die Nacht,
So ganz, wie unsre Liebe,
Zu Tränen nur gemacht.

Und als ich mußte scheiden
Und gute Nacht dir bot,
Wünscht' ich bekümmert beiden
Im Herzen uns den Tod.

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  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2020, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "De drukkende avond", copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Sharon Krebs) , "The oppressive evening", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Pénible soirée", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Gedichte von Nicolaus Lenau, Stuttgart, Karl Göpel's Verlag, Cotta'scher Druck, 1869, page 182.

1 Bolko von Hochberg, Rübner: "dunkeln"; Schleuning: "schweren"; further changes may exist not shown above.
2 Bolko von Hochberg: "heiß, so"
3 Bolko von Hochberg: "So"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Johann Winkler

5. Sahst du ein Glück vorübergehn [sung text checked 1 time]

[Sahst]1 du ein Glück [vorübergehn]2,
Das nie sich wiederfindet,
Ist's gut in einem Strom zu sehn,
Wo Alles wogt und schwindet.

O, starre nur hinein, hinein,
Du wirst es leichter missen,
Was dir, und soll's dein Liebstes seyn,
Vom Herzen ward gerissen.

Blick' unverwandt hinab zum Fluß,
Bis deine Tränen fallen,
Und sieh durch ihren warmen Guß
Die Flut hinunterwallen.

Hinträumend wird Vergessenheit
Des Herzens Wunde schließen;
Die Seele sieht mit ihrem Leid
Sich selbst vorüberfließen.

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Confirmed with Nicolaus Lenau, Sämmliche Gedichte, herausgegeben von Anastasius Grün, vierter Band, Stuttgart und Augsburg, J. G. Cotta Verlag, 1855, page 355.

1 Mettenheimer: "Sieh'st"; further changes may exist not shown above.
2 Flügel: "vorüberziehn"; further changes may exist not shown above.

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6. Presto 

— Tacet —

7. Der Traum war so wild [sung text not yet checked]

Der Traum war so wild, der Traum war so schaurig,
So tief erschütternd, unendlich traurig.
Ich möchte gerne mir sagen:
Daß ich ja fest geschlafen hab',
Daß ich ja nicht geträumt hab',
Doch rinnen mir noch die Tränen herab,
Ich höre mein Herz noch schlagen.

Ich bin erwacht in banger Ermattung,
Ich finde mein Tuch durchnäßt am Kissen,
Wie man's heimbringt von einer Bestattung;
Hab ich's im Traume hervorgerissen
Und mir getrocknet das Gesicht?
Ich weiß es nicht.
Doch waren sie da, die schlimmen Gäste,
Sie waren da zum nächtlichen Feste.
Ich schlief, mein Haus war preisgegeben,
Sie führten darin ein wüstes Leben.
Nun sind sie fort, die wilden Naturen;
In diesen Tränen find' ich die Spuren,
Wie sie mir Alles zusammengerüttet
Und über den Tisch den Wein geschüttet.

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Confirmed with Neuere Gedichte von Nicolaus Lenau, Stuttgart, Hallberger'sche Verlagshandlung, 1838, page 172.


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8. Es weht der Wind so kühl [sung text not yet checked]

Es weht der Wind so kühl, entlaubend rings die Äste,
Er ruft zum Wald hinein: Gut Nacht, ihr Erdengäste!

Am Hügel strahlt der Mond, die grauen Wolken jagen
Schnell übers Tal hinaus, wo alle Wälder klagen.

Das Bächlein schleicht hinab, von abgestorbnen Hainen
Trägt es die Blätter fort mit halbersticktem Weinen.

Nie hört ich einen Quell so leise traurig klingend,
Die Weid am Ufer steht, die weichen Äste ringend.

Und eines toten Freunds gedenkend lausch ich nieder
Zum Quell, er murmelt stets: wir sehen uns nicht wieder!

Horch! plötzlich in der Luft ein schnatterndes Geplauder:
Wildgänse auf der Flucht vor winterlichem Schauder.

Sie jagen hinter sich den Herbst mit raschen Flügeln,
Sie lassen scheu zurück das Sterben auf den Hügeln.

Wo sind sie? ha! wie schnell sie dort vorüberstreichen
Am hellen Mond und jetzt unsichtbar schon entweichen;

Ihr ahnungsvoller Laut läßt sich noch immer hören,
Dem Wandrer in der Brust die Wehmut aufzustören.

Südwärts die Vögel ziehn mit eiligem Geschwätze;
Doch auch den Süden deckt der Tod mit seinem Netze.

Natur das Ewge schaut in unruhvollen Träumen,
Fährt auf und will entfliehn den todverfallnen Räumen.

Der abgerißne Ruf, womit Zugvögel schweben,
Ist Aufschrei wirren Traums von einem ewgen Leben.

Ich höre sie nicht mehr, schon sind sie weit von hinnen;
Die Zweifel in der Brust den Nachtgesang beginnen:

Ists Erdenleben Schein? - ist es die umgekehrte
Fata Morgana nur, des Ewgen Spiegelfährte?

Warum denn aber wird dem Erdenleben bange,
Wenn es ein Schein nur ist, vor seinem Untergange?

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Le vent froid souffle", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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9. Rings ein Verstummen, ein Entfärben [sung text checked 1 time]

Rings ein Verstummen, ein Entfärben: 
Wie sanft den Wald die Lüfte streicheln, 
Sein welkes Laub ihm abzuschmeicheln; 
Ich liebe dieses milde Sterben. 

Von hinnen geht die stille Reise, 
Die Zeit der Liebe ist verklungen, 
Die Vögel haben ausgesungen, 
Und dürre Blätter sinken leise. 

Die Vögel zogen nach dem Süden, 
Aus dem Verfall des Laubes tauchen 
Die Nester, die nicht Schutz mehr brauchen, 
Die Blätter fallen stets, die müden. 

In dieses Waldes leisem Rauschen 
Ist mir als hör' ich Kunde wehen, 
daß alles Sterben und Vergehen 
Nur heimlich still vergnügtes Tauschen.

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  • ENG English (Emily Ezust) , "All around, there is a silence and a fading of color", copyright ©
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Alentour, tout se tait, se décolore", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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10. Ach, wer möchte einsam trinken [sung text not yet checked]

«Ach, wer möchte einsam trinken, 
Ohne Rede, Rundgesang, 
Ohne an die Brust zu sinken 
Einem Freund im Wonnedrang?» 

Ich; - die Freunde sind zu selten; 
Ohne Denken trinkt das Tier, 
Und ich lad aus andern Welten 
Lieber meine Gäste mir. 

Wenn im Wein Gedanken quellen, 
Wühlt ihr mir den Schlamm empor, 
Wie des Ganges heilge Wellen 
Trübt ein Elefantenchor. 

Dionys in Vaterarme 
Mild den einzlen Mann empfing, 
Der, gekränket von dem Schwarme, 
Nach Eleusis opfern ging.

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Researcher for this text: Ferdinando Albeggiani

11. Allegretto 

— Tacet —

12. O Einsamkeit! wie trink' ich gerne [sung text not yet checked]

O Einsamkeit! wie trink ich gerne
Aus deiner frischen Waldzisterne!

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Impromptu", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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13. Allegretto tranquillo 

— Tacet —

14. Heerwagen, mächtig Sternbild der Germanen [sung text checked 1 time]

Heerwagen, mächtig Sternbild der Germanen, 
das du fährst mit stetig stillem Zuge 
über den Himmel [vor meinen Augen]1 deine herrliche Bahn, 
von Osten aufgestiegen alle Nacht!
O fahre hin und kehre täglich wieder!
Sieh meinen Gleichmut und mein treues Auge,
das dir folgt so lange Jahre!
Und bin ich müde, o so nimm die Seele,
die so leicht an Wert, doch auch an üblen Willen,
nimm sie auf und lass sie mit dir reisen,
schuldlos wie ein Kind, das deine Strahlendeichsel
nicht beschwert, hinüber!
ich spähe weit, wohin wir fahren.

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  • ENG English (Peter Palmer) , copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission

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1 omitted by Schoeck.

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