Zwölf Volkslieder für vier Männerstimmen, erstes Heft

by (Philipp) Friedrich Silcher (1789 - 1860)

Word count: 1736

1. Wonne des Liebenden [sung text checked 1 time]

Keine Rose, keine Nelke 
Kann blühen so schön, 
Als wenn zwei verliebte Herzen 
Bei einander thun stehn.           

Keine Kohle, kein Feuer
Kann brennen so heiß,
Als heimliche, stille Liebe
Von der Niemand nichts weiß.

Setz' du mir einen Spiegel
In's Herze hinein,
Daß du kannst darinnen sehen
Wie so treu ich es mein'!

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2. Untreue [sung text not yet checked]

[In einem kühlen Grunde]1
da geht ein Mühlenrad,
mein Liebchen ist verschwunden,
[die]2 dort gewohnet hat.

Sie hat mir Treue versprochen,
gab mir einen Ring dabei,
sie hat die Treue gebrochen,
das Ringlein sprang entzwei.

Ich möcht' als Spielmann reisen
[weit]3 in die Welt hinaus,
und singen meine Weisen
und [gehn]4 von Haus zu Haus.

Ich möcht' als Reiter fliegen
wohl in die blut'ge Schlacht,
[um stille]5 Feuer liegen
[Im Feld bei dunkler]6 Nacht.

[Hör' ich]7 das Mühlrad gehen,
[Ich]8 weiß nicht, was ich will,
Ich möcht' am liebsten sterben,
Dann wär's auf einmal still.

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Emily Ezust) , "In a cool valley", copyright ©
  • ENG English [singable] (Walter A. Aue) , "The mill wheel (The broken ringlet)", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Dans une froide vallée", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Amelia Maria Imbarrato) , "La ruota del mulino", copyright © 2005, (re)printed on this website with kind permission

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Note: Kreutzer's version is sometimes credited to Uhland. The original poem is also sometimes titled "Untreue" and substitutes "Liebste" for "Liebchen" in line 1-3.
1 Kreutzer: "In jenem Tale dort unten"
2 or "das"
3 Kreutzer: "wohl"
4 Kreutzer: "zieh'n"
5 Kreutzer: "an stillem"
6 Kreutzer: "einsam bei kühler"
7 Kreutzer: "Ich hör"
8 Kreutzer: "und"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

3. Mailied [sung text checked 1 time]

Tra, ri, ro! Der Sommer, der ist do!
Der Sommer, der ist do! 
Wir wollen naus in Garten,
und woll'n des Sommers warten,
jo, jo, jo, der Sommer, der ist do!

Tra, ri, ro! Der Sommer, der ist do!
Der Sommer, der ist do! 
Wir wollen hinter die Hecken,
und woll'n den Sommer wecken,
jo, jo, jo, der Sommer, der ist do!

Tra, ri, ro! Der Sommer, der ist do!
Der Sommer, der ist do! 
Der Sommer hat's gewonnen,
der Winter ist verronnen,
jo, jo, jo, der Sommer, der ist do!

Tra, ri, ro! Der Sommer, der ist do!
Der Sommer, der ist do! 
der Winter liegt gefangen,
den schlagen wir mit Stangen,
jo, jo, jo, der Sommer, der ist do!

Authorship

Researcher for this text: Bertram Kottmann

4. Die drei Röselein [sung text checked 1 time]

Jetzt gang i ans Brünnele,
trink aber net,
jetzt gang i ans Brünnele, 
trink aber net,
do such' i mein herztausige Schatz,
find' en aber net,
do such' i mein herztausige Schatz,
find' en aber net.

Do lass i meine Äugelein
um und um geh'n,
do lass i meine Äugelein
um und um geh'n,
do sieh'n i mein herztausige Schatz
bei  m'en Andre steh'n,
do sieh'n i mein herztausige Schatz
bei m'en Andre steh'n.

Und bei m'en Andre stehe seh'n,
ach, das tut weh!
und bei m'en Andre stehe seh'n,
ach, das thut weh!
jetzt b'hüt die Gott, herztausiger Schatz,
di bsieh'n i nimmemeh,
jetzt b'hüt die Gott, herztausiger Schatz,
di bsieh'n i nimmemeh.

Jetzt kauf i mir Dinten
und Fed'r und Papier,
jetzt kauf i mir Dinten
und Fed'r und Papier,
und schreib' mei'm herztausige Schatz
einen Abschiedsbrief,
und schreib' mei'm herztausige Schatz
einen Abschiedsbrief.

Jetzt leg' i mi nieder
auf's Heu und auf's Stroh,
jetzt leg' i mi nieder
auf's Heu und auf's Stroh,
do falle drei Röselein
mir in den Schoß,
do falle drei Röselein
mir in den Schoß.

Und diese drei Röselein
sind blutig rot,
und diese drei Röselein
sind blutig rot,
jetz weiß i net, lebt mein Schatz,
oder ist er tot,
jetz weiß i net, lebt mein Schatz,
oder ist er tot.

Authorship

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Researcher for this text: Bertram Kottmann

5. Untreue [sung text not yet checked]

Es stehen drei Sterne am Himmel,
Die geben der Lieb ihren Schein.
Gott grüß euch, schönes Jungfräulein,
Jungfräulein, wo bind ich mein Rösselein hin.
 
Nimm du es, dein Rößlein, beim Zügel, beim Zaum,
Binds an den Feigenbaum.
Setz dich eine kleine Weil nieder,
Mach mir eine kleine Kurzweil.
 
Ich kann und mag nicht sitzen,
Mag auch nicht lustig sein.
Mein Herz ist mir betrübet,
Feinslieb von wegen dein.
 
Was zog er aus seiner Tasche,
ein Messer, war scharf und spitz.
Er stachs seiner Lieben durchs Herze,
daß's rote Blut gegen ihn spritzt.
 
Und da er es wieder heraußer zog,
Von Blut war es so rot.
Ach reicher Gott vom Himmel,
Wie bitter wird mir der Tod.
 
Was zog er ihr aber vom Finger,
Ein rotes Goldringelein,
Er warfs in fließend Wasser,
Es gab einen klaren Schein!
 
Schwimme hin, schwimme hin, Goldringelein,
Bis an die tiefe See!
Mein Feinslieb ist mir gestorben,
Jetzt hab ich kein Feinslieb mehr.
 
So geht's, wen ein Mädel zwei Knaben lieb hat,
Tut wunderselten gut.
Das haben wir beid erfahren,
Was falsche Liebe tut.

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Het lied van de jaloerse jongen", copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "La chanson du garçon jaloux", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Ferdinando Albeggiani

6. Treue Liebe [sung text checked 1 time]

Steh ich in finstrer Mitternacht
So einsam auf der stillen Wacht,
So denk ich an mein fernes Lieb,
Ob mir auch treu und hold verblieb       

Als ich zur Fahne fort gemüßt,
Hat sie so herzlich mich geküßt,
Mit Bändern meinen Hut geschmückt
Und weinend mich ans Herz gedrückt.

Sie liebt mich noch, sie ist mir gut,
Drum bin ich froh und wohlgemut.
Mein Herz schlägt warm in kalter Nacht,
Wenn es ans treue Lieb gedacht.

Jetzt bei der Lampe mildem Schein
Gehst du wohl in dein Kämmerlein,
Und schickst dein Dankgebet zum Herrn
Auch für den Liebsten in der Fern.

Doch wenn du traurig bist und weinst,
mich von Gefahr umrungen meinst,
Sei ruhig, bin in Gottes Hut,
Er liebt ein treu Soldatenblut.

Die Glocke schlägt, bald naht die Rund'
und löst mich ab zu dieser Stund'.
Schlaf wohl im stillen Kämmerlein
und denk' in deinen Träumen mein.

Authorship

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

7. Flug der Liebe [sung text not yet checked]

  Wenn ich ein Vöglein wär',
Und auch zwey [Flüglein]1 hätt',
Flög' ich zu dir;
[Weil es]2 aber nicht kann seyn,
Bleib' ich allhier.

  Bin [ich gleich]3 weit von dir,
[Bin ich doch]4 im Schlaf bey dir,
Und red' mit dir:
Wenn ich erwachen thu',
Bin ich allein.

  [Es vergeht keine Stund']5 in der Nacht,
[Da mein Herze nicht erwacht,
Und an dich gedenkt]6,
Daß du mir [viel tausendmal]7 
Dein [Herz]8 geschenkt.

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Als ik een vogel was", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (David K. Smythe) , "If I were a little bird", copyright ©, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Si j'étais un petit oiseau", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
  • IRI Irish (Gaelic) [singable] (Gabriel Rosenstock) , copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Giulio Cesare Barozzi) , "Foss'io un uccellino", copyright © 2006, (re)printed on this website with kind permission
  • POR Portuguese (Português) (Margarida Moreno) , "Se eu fosse um passarinho", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

View original text (without footnotes)

Confirmed with Stimmen der Völker in Liedern. Gesammelt, geordnet, zum Theilübersezt durch Johann Gottfried von Herder, Tübingen, in der J. G. Cotta'schen Buchhandlung, 1807, page 482.

Modern spelling would change "zwey" to "zwei", "seyn" to "sein", "bey" to "bei", "thu" to "tu", etc.

Note: the first stanza is quoted by Treitschke in a text set by Beethoven, Ruf vom Berge, WoO. 147

1 Greith: "Flügel"; further changes may exist not shown above.
2 Brahms, Henschel, Hiller, Hölzel, Jensen, Schumann, von Weber: "Weil's"
3 Hölzel: "ich auch gleich"
4 Hiller, von Weber: "Bin doch"
5 Hiller: "Kein Stunde"; Brahms, Henschel, Jensen, Schumann, von Weber: "Es vergeht kein' Stund' "
6 Hiller: "Da nicht mein Herz erwacht,/ An dich gedenkt"; Hölzel: "Wo mein Herz nicht in Liebe dein gedacht!"
7 Hiller: "tausendmal, viel tausendmal"
8 von Weber: "Herze"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Auditorium du Louvre , Lau Kanen [Guest Editor]

8. Jagdglück [sung text checked 1 time]

Es ritt ein Jäger wohlgemut,
wohl in der Morgenstunde,
wollt jagen in dem grünen Wald
mit seinem Ross und Hunde;
und als er kam auf grüner Haid,
da fand sein Herz viel Lust und Freud.
Im Maien, am Reihen sich freuen
alle Knaben und Mägdelein.

Der Kuckuck schreit, der Au'rhahn falzt,
dazu die Turteltauben;
da fing des Jägers Rösslein an
zu scharren und zu schnauben.
Der Jäger dacht in seinem Mut:
das Jagen kann noch werden gut.
Im Maien, am Reihen sich freuen
alle Knaben und Mägdelein.

Der Jäger fand ein edles Wild,
frisch, hurtig und geschwinde,
es war ein schönes Frauenbild,
das sich allda ließ finden.
Der Jäger dacht in seinem Sinn:
in diesem Walde jag ich hin.
Im Maien, am Reihen sich freuen
alle Knaben und Mägdelein.

" Ich grüß euch, Jungfrau, tugendreich,
gar schöne und gar feine!
Was ich in diesem Wals erschleich,
das muss auch werden meine. "
" Ach, edler Jäger wohlgestalt,
ich bin nunmehr in eurer G'walt."
Im Maien, am Reihen sich freuen
alle Knaben und Mägdelein.

Er nahm sie bei der schnee'gen Hand,
nach Jägers Art und Weise,
er schwang sie vorne auf sein Ross:
Glück zu, wohl auf die Reise!
Drum ist das Glück so kugelrund,
dess freut sich mancher, der mir kund.
Im Maien, am Reihen sich freuen
alle Knaben und Mägdelein.

Authorship

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Researcher for this text: Bertram Kottmann

9. Hans und Verene [sung text not yet checked]

    Es gfallt mer nummen eini,
und selli gfallt mer gwis!
O wenni doch das Meidli hätt
es isch so flink und dundersnett,
        so dundersnett,
i wär im Paradies!

    's isch wohr, das Meidli gfallt mer,
und 's Meidli hätti gern!
's het alliwil e frohe Muet,
e Gsichtli het's, wie Milch und Bluet,
        wie Milch und Bluet,
und Auge wie ne Stern.

    Und wenni 's sieh vo witem,
se stigt mer's Bluet ins Gsicht;
es wird mer übers Herz so chnapp,
und 's Wasser lauft mer d'Backen ab,
        wohl d'Backen ab;
i weiß nit, wie mer gschicht.

    Am Zistig früeih bim Brunne,
se redt 's mi frei no a:
"Chumm, lüpf mer, Hans! Was fehlt der echt?
Es isch der näume gar nicht recht,
        nei gar nit recht!"
I denk mi Lebtig dra.

    I ha 's em solle sage,
und hätti 's numme gseit!
Und wenn i numme richer wär,
und wär mer nit mi Herz so schwer,
        mi Herz so schwer,
's gäb wieder Glegeheit.

    Und uf und furt, jez gangi,
's würd jäten im Salat,
und sag em's, wenni näume cha,
und luegt es mi nit fründli a,
        nit fründli a,
so bini morn Saldat.

    En arme Kerli bini,
arm bini, sel isch wohr.
Doch hani no nüt Unrechts to,
und sufer gwachse wäri jo,
        das wäri scho,
mit sellem hätt's ke Gfohr.

    Was wisplet in de Hürste,
was rüehrt si echterst dört?
Es fisperlet, es ruuscht im Laub.
O bhüetis Gott der Her, i glaub,
        i glaub, i glaub,
es het mi näumer ghört.

    "Do bini jo, do hesch mi,
und wenn de mi denn witt!
I ha's scho sieder'm Spötlig gmerkt;
am Zistig hesch mi völlig bstärkt,
        jo, völlig bstärkt.
Und worum seisch's denn nit?

    Und bisch nit rich an Gülte,
und bisch nit rich an Gold,
en ehrli Gmüet isch über Geld,
und schaffe chasch in Hus und Feld,
        in Hus und Feld,
und lueg, i bi der hold!"

    "O Vreneli, was seisch mer,
o Vreneli, isch's so?
De hesch mi usem Fegfüür gholt,
und länger hätti 's nümme tolt,
        nei, nümme tolt.
Jo, friili willi, jo!"

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Researcher for this text: Harry Joelson

10. Treue Liebe [sung text checked 1 time]

So viel Stern am Himmel stehen,
An dem blauen Himmelszelt,
Soviel Schäflein als da gehen,
In dem grünen, grünen Feld.
Soviel Vöglein als da fliegen,
Als da hin und wieder fliegen,
Soviel mal sei du gegrüßt.

Soll ich dich denn nimmer sehen,
Nun ich in die Ferne muß?
Ach das kann ich nicht verstehen,
O du bittrer Scheidensschluß!
Wär ich lieber schon gestorben,
Wär ich jetzt nicht so betrübt!

Weiß nicht, ob auf dieser Erden,
Die des herben Jammers voll,
Nach viel Trübsal und Beschwerden
Ich dich wiedersehen soll.
Was für Welle, was für Flammen
Schlagen über mir zusammen!
Ach wie groß ist meine Not!

Mit Geduld will ich es tragen,
Denk ich immer nur zu dir;
Alle Morgen will ich sagen,
O mein Schatz, wann kommst zu mir?
Alle Abend will ich sprechen,
Wenn mir meine Augen brechen:
O mein Lieb, gedenk an mich!

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

12. Schwäbisches Tanzliedchen [sung text checked 1 time]

Mei Schätzle ist fei,
's könnt feiner net sei,
es hat mir versproche,
sei Herzle g'hör mei.
Blaue Äugle im Kopf
und e Grüble im Kinn,
o du herzigs liebs Schätzele,
wie bist du so schön!
Blaue Äugle im Kopf
und e Grüble im Kinn
o du herzigs liebs Schätzele,
wie bist du so schön,
so schön. so schön, ja so schön.

Mei Herzle ist gschlossa,
mei Herzle ist zua,
de Schlüssel zum Herzle
hot a einziger Bua.
Am Bändele, am Schnürle,
am Kettele, am Seil;
in Ewigkeit ist mir
mei Schätzle net feil!
	
Mein Schatz halt i fest,
wie dr Baum seine Äst,
wie dr Äpfel seine Kern,
i han en so gern.
O Schätzle, liebs Schätzle,
wie bist du so schö,
wie lacht mir mei Herzle,
kei schöners gibts meh!

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Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Bertram Kottmann