Lenz und Liebeslieder

Song Cycle by Hans Huber (1852 - 1921)

Word count: 969

1. Liederfrühling [sung text checked 1 time]

Der Lenz ist da 
Und fern und nah 
Gibt's neue Weisen und Lieder;
Wie einst Merlin, 
So lausch ich hin
Und Alles schreib' ich nieder.

Hoch in der Luft,
Was die Lerche ruft,
Was die Drossel klagt im Holunder,
Was den Rosen all'
[Die Nachtigall
Flötet: Sagen und Wunder]1,

Was die Schlange klug 
Ihre Kinder frug, 
Die im Sonnenlichte schillern;
Was Hänfling und Fink 
Im Fluge flink 
Einander zwitschern und trillern,2

Was die Vögel gewusst, 
Die voll Wanderlust 
Aus dem Süden erst gekommen,
Was im Walde tief 
[An]3 Märchen schlief, 
Hab' Alles, Alles vernommen.

Hab' es abgelauscht, 
Was lenzberauscht 
Die Glockenblumen läuten; --
Lieder und Melodie'n, 
Wie Merlin
Kann ich sie deuten.

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English [singable] (Florence Z. Marshall) , "Spring music"
  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2019, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Gedichte von Heinrich Leuthold, Dritte vermehrte Auflage, Frauenfeld, Verlag von J. Huber, 1884, p. 18.

1 Wurm: "Flötet die Nachtigall / Die lieblichsten Sagen und Wunder"
2 Wurm inserts here: "Tiö, Tiö, Tiö, Tiö, Tiö, Tiö, Tiö, Tiö" (i.e., eight of them)
3 Huber: "In"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

2. Ländler [sung text not yet checked]

Du kehrst mir den Rücken
Mit schiefem Gesicht?
Ich springe, sei stet, in
Den Neckar drum nicht.
Geschnallt ist das Ränzel,
Der Stock ist zur Hand,
Die Welt ist gar helle,
Und offen das Land -
Ade!

Es glühn wohl viel Sterne
Am himmlischen Zelt,
Es ziehn wohl viel Straßen
An's Ende der Welt;
An jeglicher Straße 
Steht mannig ein Haus,
Schaut immer ein freundliches
Paar Augen heraus -
[Juhe]1!

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1 Schoenberg: "Ade"

Researcher for this text: Alberto Pedrotti

3. Abschied [sung text checked 1 time]

Hoch auf des Berges Gipfel,
Da steht meiner Liebsten Haus,
Das schaut über Waldeswipfel
In alle Welt hinaus.

Das ist so öd' und traurig,
Die Fenster blicken so hohl;
Die alte Linde, schaurig.
Flüstert: Lebwohl, lebwohl!

Einst sah ich mein Lieb' wie die Sonne
Ob all den Tälern steh'n,
Da konnte mein Herz vor Wonne
Sein Glück nicht übersehn.

Und jetzt, so weit ich schaue,
Hinaus in's Abendlicht
Über alle die tausend Gaue --
Überschau' ich mein Elend nicht.

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Researcher for this text: Peter Palmer

4. Ländler [sung text checked 1 time]

Mein Lieb ist eine Lerche 
Und singt mit lautem Schall;
Sie singet in den Tag hinein,
Das macht mir Burschen große Pein,
Ich wollt', mein süßes Liebchen 
Wär' eine Nachtigall.

Die Nachtigall ist klüger, 
Die singet in der Nacht.
Der Tag, das ist ein schlimmer Gast,
Der lässt der Liebe keine Rast,
Der weckt viel hundert Augen, 
Die halten alle Wacht.

Feins Lieb, du mußt noch lernen 
Den Nachtigallenschlag:
Mußt zwitschern in [die Nacht]1 hinein
Mit mir im stillen Kämmerlein,
Das ist ein süßres Liedel 
Als all der Sang bei Tag.

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1 Huber: "den Tag"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

5. Chor der Männer [sung text checked 1 time]

Voll Röte [stund]1 ihr Angesicht, 
Bei der ich war alleine;
Ich herzte sie, sie wehrt' es nicht, 
Bei der ich war alleine.
O Lust! O Leid! 
Ade! ich scheid', 
Du Goldige, du Meine!

Und als sie früh am Lädlein stand, 
Bei der ich war alleine,
Sie weinend wohl ihr Haar aufband
Im stillen Morgenscheine;
Und drückt' voll Schmerz 
Mich an ihr Herz 
Bis daß ich selber weine.

Es steht ihr Herz voll Traurigkeit, 
Bei der ich war alleine;
Lass' ab vom Leid, du süße Maid! 
Bei der ich war alleine.
Von Berg zu Tal 
Viel tausend Mal 
Gedenk' ich dein, du Feine!

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1 O. Bach: "stand"; further changes may exist not noted.

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

6. Lied des Junifestes [sung text not yet checked]

Wieder ist die Zeit gekommen mit dem Juni in das Land,
wo die Knaben und die Mädchen allwärts wandeln Hand in Hand.
Alle Blumen haben heute sich geöffnet in dem Feld
wie die Herzen aller Jugend in der ganzen weiten Welt.
Sieh, die Weißdornbüsche blühen und verstreuen süßen Duft,
und die kleinen Vögel paaren schwirrend sich in freier Luft.
Komm, du schönes Lieb, wir wollen zu dem grünen Walde gehn,
dass wir hören durch die schwanken Blätter leis die Winde wehn.
Dass wir hören durch die kleinen Kiesel murmelnd gehn den Quell,
und die Vögel auf der Bäume Wipfel singen froh und hell.
Jedes singt sein Liedchen, jedes singt nach eigner Melodie;
sie erquicken unsre Herzen, unsern Sinn erfreuen sie.

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7. Liebesflämmchen [sung text not yet checked]

Die Mutter mahnt mich abends:  
"Trag Sorg zur Ampel, Kind!  
Jüngst träumte mir von Feuer -  
Auch weht ein wilder Wind."  
                                
Das Flämmchen auf der Ampel,  
Ich lösch es mit Bedacht,  
Das Licht in meinem Herzen  
Brennt durch die ganze Nacht.  
                                
Die Mutter ruft mich morgens:  
"Kind, hebe dich! 's ist Tag!"  
Sie pocht an meiner Türe  
Dreimal mit starkem Schlag  
                                
Und meint, sie habe grausam  
Mich aus dem Schlaf geschreckt -  
Das Licht in meinem Herzen  
Hat längst mich aufgeweckt.

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8. Chor [sung text not yet checked]

Laß' deine Sichel rauschen,
Wohl rauschen durch das Korn;
Hör' auf, hör' auf zu weinen,
Hast du dein Lieb verlorn -
  Laß' rauschen!

Die roten und blauen Blumen,
Sie rauschen aufs breite Feld;
Und Lust und Liebe rauschen
Wohl in die weite Welt -
  Laß' rauschen!

Die Blünnlein und Bächlein rauschen,
Bis in das tiefe Meer;
Die Wolken und Winde rauschen,
Wer weiß wohin und woher -
  Laß' rauschen!

Laß' deine Sichel rauschen,
Laß rauschen, du armes Kind!
Denn was da blitzt und blühet,
Verrauschet so im Wind -
  Laß' rauschen!

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9. Walzer [sung text not yet checked]

Die Füße zerrissen, verloren die Schuh,
ich folge dem Lieb ohne Rast und Ruh;
der Regen, der Hagel, der Sturm und der Schnee,
sie tun der treuen Liebe nicht weh!
Mein Schatz ist ein frisches, ein junges Blut,
nichts weiß ich auf Erden so hold und so gut,
ihr Wort ist gar süß, ihr Blick ist voll Glut,
sie ist das Verlies, da mein Herze drin ruht.
Ich liebe dich, Süße, und finde nicht Rast,
der Nachtigall gleich auf dem Hagedornast:
Sie schlummert, da sticht sie der Dorn, sie erwacht:
Da steigt sie zum Wipfel und singt durch die Nacht.
Oft bin ich der Nachtigall gleich und oft
der armen Seel', die Erlösung hofft;
kein Herz hat gelitten so viele Pein
um dich, mein Lieb, erbarme dich mein!

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10. Schlussgesang [sung text not yet checked]

Mit edeln Purpurröten
Und hellem Amselschlag,
Mit Rosen und mit Flöten
Stolziert der junge Tag.
Der Wanderschritt des Lebens
Ist noch ein leichter Tanz,
Ich gehe wie im Reigen
Mit einem frischen Kranz.

Ihr taubenetzten Kränze
Der neuen Morgenkraft,
Geworfen aus den Lüften
Und spielend aufgerafft -
Wohl manchen ließ ich welken
Noch vor der Mittagsglut
Zerrissen hab ich manchen
Aus reinem Übermut!

Mit edeln Pupurröten
Und hellerm Amselschlag,
Mit Rosen und mit Flöten
Stolziert der junge Tag -
Hinweg du dunkle Klage,
Aus all dem Licht und Glanz!
Den Schmerz verlorner Tage
Bedeckt ein frischer Kranz.

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