Alte Weisen - Sechs Lieder

Song Cycle by Christian Sinding (1856 - 1941)

Word count: 453

1. Mir glänzen die Augen [sung text checked 1 time]

Mir glänzen die Augen
Wie der Himmel so klar;
Heran und vorüber,
Du schlanker Husar!

Heran und vorüber
Und wieder zurück!
Vielleicht kann's geschehen,
Du findest dein Glück!

Was weidet dein Rapp mir 
Den Reseda dort ab?
Soll das nun der Dank sein
Für die Lieb, so ich gab?

Was richten deine Sporen
Mein Spinngarn zu Grund?
Was hängt mir am Hage
Deine Jacke so bunt?

Troll [nur dich]1 von hinnen
Auf deinem groben Tier
Und laß meine freudigen
Sternaugen mir!

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  • ENG English (Emily Ezust) , "My eyes gleam", copyright ©
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Mes yeux brillent", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

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1 Sinding: "dich nur"

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2. Du milchjunger Knabe [sung text not yet checked]

Du milchjunger Knabe,
Wie siehst du mich an?
Was haben deine Augen
Für eine Frage getan!

Alle Ratsherrn in der Stadt
Und alle Weisen der Welt
Bleiben stumm auf die Frage,
Die deine Augen gestellt!

Ein leeres Schneckhäusel,
Schau, liegt dort im Gras:
Da halte dein Ohr dran,
Drin brümmelt dir was!

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "You barely-weaned boy", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Toi, garçon à peine sevré", first published 1892, copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • TUR Turkish (Türkçe) (Gül Sabar) , "Sen toy delikanlı", copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission

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3. Ich fürcht' nit Gespenster [sung text checked 1 time]

Ich fürcht nit Gespenster,
Keine Hexen und Feen,
Und lieb's, in ihre tiefen
Glühaugen zu sehn.

Im Wald in dem grünen
Unheimlichen See,
Da wohnet ein Nachtweib,
Das ist weiß wie der Schnee.

Es haßt meiner Schönheit
Unschuldige Zier;
Wenn ich spät noch vorbeigeh,
So zankt es mit mir.

Jüngst, als ich im Mondschein
Am Waldwasser stand,
Fuhr sie auf ohne Schleier,
Ohne alles Gewand.

Es schwammen ihre Glieder
In der taghellen Nacht;
Der Himmel war trunken
Von der höllischen Pracht.

Aber ich hab entblößt
Meine lebendige Brust;
Da hat sie mit Schande
Versinken gemußt!

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  • ENG English (Emily Ezust) , "I fear no ghosts", copyright ©
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Je ne crains pas les fantômes", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

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4. Röschen biß den Apfel an [sung text checked 1 time]

Röschen biß den Apfel an,
Und zu ihrem Schrecken
Brach und blieb ein Perlenzahn
In [dem Butzen]1 stecken.

Und das gute Kind vergaß
Seine Morgenlieder;
Tränen ohne Unterlaß
Perlten nun hernieder.

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  • ENG English (Emily Ezust) , "Rosie bit into the apple", copyright ©

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1 Sinding: "demselben".

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5. Wie glänzt der helle Mond so kalt und fern [sung text checked 1 time]

Wie glänzt der helle Mond so kalt und fern,
Doch ferner schimmert meiner Schönheit Stern!

Wohl rauschet weit von mir des Meeres Strand,
Doch weiterhin liegt meiner Jugend Land!

Ohn Rad und Deichsel gibt's ein Wägelein,
Drin fahr ich bald zum Paradies hinein.

[ ... ]

Dort sitzt Gott Vater, der den Heilgen Geist
Aus seiner Hand mit Himmelskörnern speist.

In einem Silberschleier sitz ich dann
Und schaue meine weißen Finger an.

Sankt Petrus aber gönnt sich keine Ruh,
Hockt vor der Tür und flickt die alten Schuh.

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  • ENG English (Emily Ezust) , "How coldly and distantly the moon gleams!", copyright ©
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • TUR Turkish (Türkçe) (Gül Sabar) , "Ay nasıl da parlıyor öyle soğuk ve uzak", copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission

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6. Alle meine Weisheit [sung text checked 1 time]

Alle meine Weisheit hing in meinen Haaren,
Und all mein Wissen lag auf meinem roten Mund;
Alle meine Macht saß auf dem wasserklaren,
Ach, auf meiner Augen blauem, blauem Grund!

Hundert Schüler hingen an meinem weisen Munde
Und ließen sich von meinen klugen Locken fahn,
Hundert Knechte spähten nach meiner Augen Grunde
Und waren ihren Winken und Blinken untertan.

Nun hängt totenstill das Haar mir armen Weibe,
Wie auf dem Meer ein Segel, wenn keine Luft sich regt,
Und einsam pocht mein Herz in dem verlass'nen Leibe,
Wie eine Kukuksuhr in leerer Kammer schlägt!

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Researcher for this text: John Versmoren