Neue Gesänge chinesischer Lyrik

Song Cycle by Léonard Pieter Joseph Michielsen (1872 - 1944)

Word count: 367

1. Die rote Rose [sung text checked 1 time]

Am Fenster saß ich trauernd, stumm geneigt
Über ein seidenes Kissen, das ich stickte.
Da stach ich mich, -- und rotes Blut rann auf 
Die weiße, weiße Rose, die ich stickte,
Und eine rote Rose ward daraus.

Wie dacht ich da an dich, der ferne ist 
Im Kriege! Und ich dacht, wie auch du 
Dein Blut vergießt, -- und heiße Tränen stürzten 
Mir aus den Augen, und ich weinte lang.

Hei, jetzt vernahm ich Hufschlag eines Pferdes!
Ich sprang empor! Er ist's! Da fühlt ich, weh', 
Daß es mein Herz war, [das]1 so heftig schlug.

Und wieder saß ich, stickte trauernd weiter
Und stickte Tränen in das seidene Kissen,
Die schimmerten wie wundervolle Perlen
Rings um die rote, rote Rose her.

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Confirmed with Hans Bethge, Die chinesische Flöte, Insel Verlag, 1918, page 28.

1 Michielsen, Simon: "was"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

2. Nächtliches Bild [sung text checked 1 time]

Vom Wind getroffen, schäumt der Teich empor,
[Nun]1 ruht er wieder still in seinen Ufern.
Die Fische springen: ihre Leiber leuchten,
Als blühten Lotosblumen durch die Nacht.
 
Der Mond schwimmt durch die Wolken, durch die Bäume
Verklärt dahin. Der Silberreif der Nacht
Wandelt den Tau zu wundersamen Perlen,
Die leuchten durch die wundersame Nacht . . .

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Confirmed with Die Lyrik des Auslandes in neuerer Zeit, ed. Hans Bethge, Leipzig: Max Hesses Verlag, 1907, page 76
1 Michielsen: "Dann"

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

3. In der Fremde [sung text checked 1 time]

In fremdem Lande lag ich. 
Weißen Glanz malte der Mond 
vor meine Lagerstätte. 

Ich hob das Haupt, ich meinte erst, 
es sei der Reif der Frühe, 
was ich schimmern sah, 
dann aber wußte ich:
der Mond, der Mond, 
und neigte das Gesicht zur Erde hin.
Und meine Heimat winkte mir von fern.

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (John H. Campbell) , "In foreign land", copyright ©, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "À l'étranger", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission

Die chinesische Flöte, YinYang Media Verlag. ISBN 3-9806799-5-0.

Researcher for this text: Hubert Schmid

4. Liebestrunken [sung text checked 1 time]

Im Garten des Palastes [streift]1 der Wind
Mit weichem Anhauch über Lotosblumen.
Auf der Terrasse, wohlig hingestreckt
In bunte Seidenkissen, ruht der König.
Vor ihm tanzt Si-Schy, funkelnd wie die Sterne,
Schön wie die Schönheit selber, schwebt und schwebt 
Und lächelt, lächelt, wunderbar [zu schauen]2,
Bis [daß]3 ein süß-begehrliches Ermatten
In ihre Glieder sinkt; die Hüften wiegen 
Sich nun nicht mehr; die kleinen Füße ruhn, --
Und schmachtend lehnt sie an den [Jaderand]4,
[Den]5 schimmernden, des königlichen Lagers.

Die holde Si-Schy, schmachtend lehnt sie da...

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Confirmed with Hans Bethge, Die chinesische Flöte, Insel Verlag, 1918, page 30.

1 Ast: "weht"
2 Ast: "anzuschau'n"
3 omitted by Ast.
4 Immisch: "Yaderand"
5 Ast: "des"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

5. Trinken um zu vergessen [sung text checked 1 time]

Laßt uns gesellig niedersitzen und Wein her!
Und die schimmernden Pokale bis zum Rand gefüllt!
Der Lenz entwich mit seinen Wonnen bis übers Jahr. 
Wir wollen trinken, so lang der Mund noch willing ist!
O! dürften trinkend wir vergessen, daß auch
des Lebens Lenz enteilte und daß wir tief im Winter sind . . .

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Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]