Sechs Lieder

Song Cycle by Erich Zeisl (1905 - 1959)

Word count: 422

1. Nachts [sung text not yet checked]

Ich [wandre]1 durch die stille Nacht,
Da schleicht der Mond so heimlich sacht
Oft aus der dunklen Wolkenhülle,
Und hin und her im Tal,
Erwacht die Nachtigall
[Dann]2 wieder alles grau und stille.

O wunderbarer Nachtgesang,
Von fern im Land der Ströme Gang,
Leis Schauern in den [dunklen]3 Bäumen --
Wirr'st die Gedanken mir,
Mein irres Singen hier 
Ist wie ein Rufen [nur]4 aus Träumen.

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Emily Ezust) , "I wander through the quiet night", copyright ©
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Je me promenais par une nuit silencieuse", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , "Di notte", copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Joseph von Eichendorff, Sämtliche Gedichte und Versepen, Frankfurt am Main und Leipzig: Insel Verlag, 2001, page 264.

First published in the appendices to the novellas Taugenichts and Marmorbild, 1826 in the cycle Nachtbilder (no. 1)

1 Curschmann, E. Taubert: "wandle"; further changes may exist not shown above for Taubert
2 Curschmann: "Nun"
3 Curschmann, Eckert, Franz, Kletzki, Reger: "dunkeln"
4 omitted by Kiel

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor] , Melanie Trumbull

2. Die Nacht bricht an [sung text not yet checked]

Ein Wolkengebirg' umfließt
Die Sonne, die herabgesunken.
Der Tag, noch müd von allen Kämpfen, schließt.
Einsam am Ufer treibt ein Kahn
Und alles, alles ist getan.

Und alles ruhen will,
So todesmüd, so traurig still.
Ein spätes Lied, die Nacht bricht an,
Und alles, alles ist getan.

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

3. Ein Stündlein wohl vor Tag [sung text not yet checked]

[Derweil]1 ich schlafend lag,
Ein Stündlein wohl vor Tag,
Sang vor dem Fenster auf dem Baum
Ein Schwälblein mir, [ich]2 hört es kaum
Ein Stündlein wohl vor Tag.

"Hör an, was ich dir sag',
Dein Schätzlein ich verklag':
Derweil ich dieses singen tu',
Herzt [er]3 ein Lieb in guter Ruh,
Ein Stündlein wohl vor Tag."

O weh! nicht weiter sag'!
O still! nichts hören mag!
Flieg ab, flieg ab von meinem Baum!
Ach, Lieb' und Treu' ist wie ein Traum
Ein Stündlein wohl vor Tag.

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  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2019, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) (Wijtse Rodenburg) , "Terwijl ik nog in bed lag", copyright ©, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "An hour before daybreak", copyright ©
  • FRE French (Français) (Stéphane Goldet) (Pierre de Rosamel) , "Une petite heure juste avant le jour", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , "Stavo a dormire ancora", copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission

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1 Deprosse, Distler: "Dieweil"
2 Distler: "man"
3 Rheinberger: "es"

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4. Schrei [sung text checked 1 time]

Eine wilde Lokomotive
Schrie in der Nacht,
In den Häusern, in den Betten
Sind die Menschen aufgewacht,
In den Herzen, die sich hoben,
Zitterte der weiße Schrei.
Durch die eisgefror'ne Stille
Sauste er im fahlen Flug,
Roter Rauch auf seiner Stirne,
Leuchtend bleich ein Leichenzug.
Mit den Kolben, die sich warfen,
Bohrte er sich ein mit Gier
In den grenzenlosen Abgrund,
Und umarmend wie ein Tier,
Schrie er: "Du bist mein, du Erde,
Meer und Lande, mein, du Nacht!"
In den Häusern, in den Betten
Sind die Menschen aufgewacht!

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5. Stilleben [sung text not yet checked]

Zankst du schon wieder? sprach Hans Lau
Zu seiner lieben Ehefrau.
"Versoffner, unverschämter Mann"--
Geduld, mein Kind, ich zieh mich an --
"Wo nun schon wieder hin?" Zu Weine.
Zank du alleine.

"Du gehst? -- Verdammtes Kaffeehaus!
Ja! blieb er nur die Nacht nicht aus.
Gott! ich soll so verlassen sein? --
Wer pocht? -- Herr Nachbar? -- nur herein!
Mein böser Teufel ist zu Weine:
Wir sind alleine."

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6. Der Weise [sung text not yet checked]

Es stand vor eines Hauses Tor
Ein Esel mit gespitztem Ohr,
Der käute sich sein Bündel Heu
Gedankenvoll und still entzwei. --

Nun kommen da und bleiben stehn
Der naseweisen Buben zween,
Die auch sogleich, indem sie lachen,
Verhaßte Redensarten machen,

Womit man denn bezwecken wollte,
Daß sich der Esel ärgern sollte. -

Doch dieser hocherfahrne Greis
Beschrieb nur einen halben Kreis,
Verhielt sich stumm und zeigte itzt
Die Seite, wo der Wedel sitzt.

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  • ENG English (Gary Bachlund) , "Wilhelm Busch self-caricature", written 2010, copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]