Five Rilke Songs

Song Cycle by Peter Lieberson (1946 - 2011)

Word count: 448

1. O ihr Zärtlichen [sung text not yet checked]

O ihr Zärtlichen, tretet zuweilen
in den Atem, der euch nicht meint,
laßt ihn an eueren Wangen sich teilen,
hinter euch zittert er, wieder vereint.

O ihr Seligen, o ihr Heilen,
die ihr der Anfang der Herzen scheint.
Bogen der Pfeile und Ziele von Pfeilen,
ewiger glänzt euer Lächeln verweint.

Fürchtet euch nicht zu leiden, die Schwere,
gebt sie zurück an der Erde Gewicht:
schwer sind die Berge. Schwer sind die Meere.

Selbst die als Kinder ihr pflanztet, die Bäume, 
wurden zu schwer längst; ihr trüget sie nicht.
Aber die Lüfte... aber die Räume...

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Knut W. Barde) , "Sonnet to Orpheus", copyright ©, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

2. Atmen, du unsichtbares Gedicht [sung text checked 1 time]

Atmen, [du unsichtbares Gedicht]1 !
Immerfort [um]2 das eigne
[Sein rein eingetauschter Weltraum. 
  Gegengewicht,
in dem ich mich rhythmisch ereigne.]1
 
Einzige Welle, deren
allmähliches Meer ich bin ;
sparsamstes du von allen möglichen 
  Meeren, --
Raumgewinn.
 
Wieviele von diesen Stellen der
  Räume waren schon
innen in mir. Manche Winde
sind wie mein Sohn.
 
Erkennst du mich, Luft, du, voll [noch]1 
  einst meiniger Orte ?
[Du, einmal glatte Rinde,
Rundung und Blatt meiner Worte.]1

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Respire, poème invisible !", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

View original text (without footnotes)
1 omitted by Janson.
2 Janson: "in"

Researcher for this text: Ferdinando Albeggiani

3. Wolle, die Wandlung  [sung text checked 1 time]

Wolle die Wandlung. O sei für die Flamme begeistert, 
[drin sich ein Ding dir entzieht, das mit Verwandlungen prunkt;]1
jener entwerfende Geist, welcher das Irdische meistert, 
liebt in dem Schwung der Figur nichts wie den wendenden Punkt. 

Was sich ins Bleiben verschließt, schon ists das Erstarrte; 
[wähnt es sich sicher im Schutz des unscheinbaren Grau's? 
Warte, ein Härtestes warnt aus der Ferne das Harte. 
Wehe -: abwesender Hammer holt aus! ]1

Wer sich als Quelle ergießt, den erkennt die Erkennung; 
und sie fuhrt ihn entzückt durch das heiter Geschaffne, 
das mit Anfang oft schließt und mit Ende beginnt. 

Jeder glückliche Raum ist Kind oder Enkel von Trennung, 
den sie staunend durchgehn. Und die verwandelte Daphne 
will, seit sie lorbeern fühlt, daß du dich wandelst in Wind.

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English [singable] (T. P. (Peter) Perrin) , copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Désire la transformation", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

View original text (without footnotes)
1 omitted by Janson.

Researcher for this text: Ferdinando Albeggiani

4. Blumenmuskel, der der Anemone [sung text checked 1 time]

Blumenmuskel, der der Anemone
Wiesenmorgen nach und nach erschließt,
bis in ihren Schooß das polyphone
Licht der lauten Himmel sich ergießt,
 
in den stillen Blütenstern gespannter
Muskel des unendlichen Empfangs,
manchmal so von Fülle übermannter,
daß der Ruhewink des Untergangs
 
kaum vermag die weitzurückgeschnellten
Blatterränder dir zurückzugeben:
du, Entschluß und Kraft von wieviel Welten!
 
Wir, Gewaltsamen, wir währen länger.
Aber wann, in welchem aller Leben,
sind wir endlich offen und Empfänger?

Authorship

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Blumenmuskel", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Ferdinando Albeggiani

5. Stiller Freund [sung text checked 1 time]

Stiller Freund der vielen Fernen, fühle,
wie dein Atem noch den Raum vermehrt.
Im Gebälk der finsteren Glockenstühle
laß dich läuten. Das, was an dir zehrt,

wird ein Starkes über dieser Nahrung.
Geh in der Verwandlung aus und ein.
Was ist deine leidendste Erfahrung?
Ist dir Trinken bitter, werde Wein.

Sei in dieser Nacht aus Übermaß
Zauberkraft am Kreuzweg Deiner Sinne,
ihrer seltsamen Begegnung Sinn.

Und wenn dich das Irdische vergaß,
zu der stillen Erde sag: Ich rinne.
Zu dem raschen Wasser sprich: Ich bin.

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , no title, copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]