Frau Aventiure. 6 Lieder von Scheffel für 1 Singstimme mit Pianofortebegleitung

Song Cycle by Oswald Körte

Word count: 854

1. Wächterlied (Neujahrsnacht des Jahres 1200) [sung text not yet checked]

Schwingt euch auf, Posaunen-Chöre,
Daß in sternenklarer Nacht,
Gott der Herr ein Loblied höre,
Von der Thürme hoher Wacht;
Seine Hand führt die Planeten
Sichern Laufs durch Raum und Zeit,
Führt die Seele nach den Fehden
Dieser Welt zur Ewigkeit.

Ein Jahrhundert will zerrinnen
Und ein neues hebt sich an,
Wohl dem, der mit reinen Sinnen
Stetig wandelt seine Bahn!
Klirrt sie auch in Stahl und Eisen,
Gold'ne Zeit folgt der von Erz,
Und zum Heil, das ihm verheißen,
Dringt mit Kampf ein männlich' Herz.

Rüstig mög drum Jeder schaffen,
Was sich ziemt nach Recht und Fug,
In der Kutte, in den Waffen,
In der Werkstatt wie am Pflug :
Dazu, Herr, den Segen spende
Deiner Burg, dem Berg, der Au'...
Netz' an des Jahrhunderts Wende
Sie mit deiner Saelde Tau.

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  • ENG English (Emily Ezust) , "The watchman's song of Wartburg", copyright ©
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Chant du veilleur de Wartbourg", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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2. Wartburg-Heimweh [sung text not yet checked]

Wo ich streife, wo ich jage,
Bleibt ein Wunsch mir ungestillt, 
Weil ich stets im Sinne trage
Wartburg, deiner Schönheit Bild.
In des Forst's umlaubtem Grunde, 
In der Thalschlucht dunklem Graus
Sehnt das Aug' zu jeder Stunde
Sich nach Dir, mein "Herz-ruh-aus!"

Hei, nun ist der Grat erstiegen, 
Der sich hub als Scheidewand,
Und ich seh' dein Banner fliegen 
Fern um schmalen Felsenrand. 
Gleich erregten Meereswogen 
Sträubt sich Berg an Berg empor,
Deiner Mauern lichter Bogen
Ragt als Leuchtthurm drüber vor. 

Und ich kenn' aus luf'ger Ferne
Jedes Stück des stolzen Bau's, 
Bergfrid, Zwinger und Zisterne, 
Palas, Thor und Ritterhaus! 
Und ich grüß' die kleine Lücke 
In de Thurmes hoher Wand,
Wo ich mir und meinem Glücke 
Eine zweite Heimath fand. 

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3. Wartburg-Dämmerung [sung text not yet checked]

Die Sonne ist verglommen
Und Dämmnmg wandelt sacht,
Willkommen, Gottwillkommen,
O Burg auf hoher Wacht:
Gleich einem, dem im Dunkeln
Der Freundin Auge winkt,
Hat mir ein spätes Funkeln
Vom Turm noch zugeblinkt.

Denn wie der Tag erstehend
Mit erstem Strahl dich grüßt,
Hat er, zur Rüste gehend,
Zuletzt noch dich geküßt.
Noch schmiegt sich warm ein Glühen
Um deiner Felsen Moos,
Als riss es nur mit Mühen
Und Schmerz von dir sich los.

Dich liebt das Licht. Es webet
Goldfäden in dein Kleid,
Und jeden Stein umschwebet
Ein Hauch von Heiterkeit:
Drum hebt das Herz sich freier,
Der Sinn wird frisch und rein,
Dunstnebels blasser Schleier
Hüllt nur die Niedrung ein.

Und was am Niedern kleblich,
Vertörung, Haß und Wahn,
Das kreucht und keucht vergeblich
Zu deinen Höhn hinan.
Zu Gottes klaren Sternen
Hebst du das Haupt empor,
Aus lichten Himmelsfernen
Hörst du der Engel Chor.

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4. Biterolf im Lager von Akkon (1190) [sung text not yet checked]

Kampfmüd' und sonn'verbrannt,
Fern an der Heiden Strand,
Waldgrünes Thüringland,
Denk' ich an dich.
Mildklarer Sternenschein,
Du sollst mir Bote sein,
Geh, grüß' die Heimat mein,
Weit [über]1 Meer!

Feinden von allerwärts,
Trotzt meiner Waffen Erz;
Wider der Sehnsucht Schmerz
Schirmt mich kein Schild.
Doch wie das Herz auch klagt,
Ausharr' ich unverzagt:
Wer Gottes Fahrt gewagt,
Trägt still sein Kreuz.

Drüben am Belusbach
Ist schon die Vorhut wach;
Heut noch klingt Speerestrach
Durch Kisons Flur.
Horch, wie die Hähne krähn!
Heut bleibt das Frühmal stehn,
Heut, werter Sarazen,
Hau'n wir uns satt!

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  • ENG English (Emily Ezust) , "Battle-weary and sunburnt", copyright ©
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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1 Bruch, Rheinberger, Wolf: "überm"

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5. Die Heimkehr [sung text not yet checked]

Im [heiligen]1 Land, im Wüstensand
Bin ich zu Feld gelegen 
Und kehre sonnenbraungebrannt 
Zu heimischen Gehegen: 
Nun erst mein alter Heimatwald,
Weiß ich dich ganz zu schätzen,
Mich deiner dunkeln Prachtgestalt
Tagtäglich neu zu letzen.

Ich sah die Ebne Esdrelon,
Der Aquäducte Bogen,
Und sah in rauschender Fächerkron' 
Den Palmenhain erwogen.
Fern sei, solch adlig schlank Gehölz
Dem Sarazen zu neiden;
Ich mußte um den Trunk des Quells 
Mit sieben Heiden streiten.

Ich hab viel giftigen Schmack und Ruch 
Auf Syriens Feld erlitten; 
Wie anders schmeckt ein voller Zug 
Der Luft in Harzwaldmitten! 
Wer einmal diesen Jungbrunn fand 
Der schöpft aus keinem andern; 
Thüringer Wald, Thüringer Land,
Nur hier mag ich noch wandern! 

Will je, der Meerfahrt Rest, an mir 
Ein Wüstenpesthauch zehren,
Such' ich im Nadelholz Quartier 
Ihn siegreich abzuwehren: 
Denn das ist deutschen Waldes Kraft,
Daß er kein Siechthum leidet 
Und Alles was gebrestenhaft,
Aus Leib und Seele scheidet.

Daß ich wieder singen und jauchzen kann, 
Daß alle Lieder gerathen, 
Verdank' ich nur dem Streifen im Tann,
Den stillen Hochwaldpfaden:
Aus schwarzem Buch erlernst Du's nicht,
Auch nicht mit Kopfzerdrehen: 
O Tannengrün, o Sonnenlicht,
O freie Luft der Höhen! 

Mein Kreuzfahrtschild hangt im Geäst,
Kriegsruhmes gern ich darbe,
Ich schließe meiner Tage Rest 
Als Mann der grünen Farbe.
Noch möcht' ich pflegen manchen Baum
Den Enkeln einst zum Schatten,
Noch roden manchen wüsten Raum
Zu Wald und Wiesenmatten;

Noch auf und ab am Inselsberg
Manch waidlich Jagdlied singen,
Und so mein Forstmanntagewerk 
Treu, wie sich's ziemt, vollbringen.
Klopft dann der Oberforstherr Tod 
An meine Kemenaten,
Sein Klopfen wird mir nicht zu Noth
Und ewiger Pein gerathen.

Näht mich in eine Hirschhaut ein
Im grünen Sonntagkleide,
Das Jagdhorn von Weißelfenbein,
Den Spieß legt mir zur Seite: 
Verschließt die Berggruft mit dem Schild,
Deckt sie mit Moos und Rasen,
Ich hoff' von dort einst Wald und Wild 
Zur frohen Urstend zu blasen. 

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1 Holstein: "heil'gen"; further changes may exist not noted.

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6. Irene imperatrix (Epitaphium) [sung text not yet checked]

     Ros'âne dorn, ein tûbe sunder gallen.
     --Walter v. d. Vogelweide. 

Nascituram Orientis 
laurus quondam atque palmae 
cum cypressis salutarunt; 
morituram occidentis 
ilices et quercus almae 
commoerentes adumbrarunt : 
nobilis Grajorum nata 
en, quo dura trahunt fata 
sepulturae requiem! 
nec solamine carebis, 
iam cum angelis videbis 
quem planxisti, conjugem. 

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