Sechs Gesänge mit Begleitung des Pianoforte

Song Cycle by Elise Müller (b. 1782)

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1. Idylle [sung text not yet checked]

"Was regst du, mein Wein, in dem Fass dich?
"Es brachten die Düfte mir Kunde
Von der Inbrunst meines Erzeugers,
Das regte das Innre mir auf.

Ich möchte die Baude zersprengen,
Die von ihm mich ferne halten,
Und zerfliessen, und in den Düften
Zusammenströmen mit ihm."

So bringen heimliche Stimmen
Der Geister Psychen die Kunde
Von der unendlichen Liebe
Im unendlichen, ihrem Erzeuger ;

Und es dehnet sich ihr das Herz aus,
In unbeschreiblicher Wehmuth,
In unaussprechlicher Sehnsucht,
Bis die irdische Hülle zerreisst.

Authorship

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2. Nachgefühl [sung text checked 1 time]

Wenn die Reben wieder blühen, 
Rühret sich der Wein im Fasse,
Wenn die Rosen wieder glühen,
Weiß ich nicht, wie mir geschieht.

Tränen rinnen von den Wangen,
Was ich tue, was ich lasse,
Nur ein unbestimmt Verlangen
Fühl ich, das die Brust durchglüht.

Und zuletzt muß ich mir sagen,
Wenn ich mich bedenk und fasse,
Daß in solchen schönen Tagen
Doris einst für mich geglüht.

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Anja Bunzel) , "Emotional retrospect", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Réminiscence", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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3. Selbstbetrug  [sung text not yet checked]

Der Vorhang schwebet hin und her
Bei meiner Nachbarin.
Gewiß sie lauschet überquer,
Ob ich zu Hause bin,

Und ob der eifersücht'ge Groll,
Den ich am Tag gehegt,
Sich, wie er nun auf immer soll,
Im tiefen Herzen regt.

Doch leider hat das schöne Kind
Dergleichen nicht gefühlt.
Ich seh', es ist der Abendwind,
Der mit dem Vorhang spielt.

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

Confirmed with Goethe's poetische und prosaische Werke in zwei Bänden, Volume 1, Issue 1, Stuttgart und Tübingen, Verlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung, 1836, pages 4-5.


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4. Rös'chens Sterbelied [sung text not yet checked]

Das Vöglein zwitschert: Als ich wandern ging,
Hab' ich ein Mägdlein scheidend hier gegrüßt.
Wo ist das Mägdlein? Sagt mirs, wenn ihrs wißt,
Daß ich des Willkomms neuen Gruß ihr sing':
Und find' ich mir mein süßes Mägdlein nicht,
So sing' ich diesen ganzen Maitag nicht.

Das Lüftlein flüstert: Als ich hier entschlief,
Hab' ich das Mägdlein noch zuletzt geküßt.
Wo ist das Mägdlein? Sagt mirs, wenn ihrs wißt,
Sie, deren Lieb' mich aus dem Schlummer rief?
Und find' ich mir mein süßes Mägdlein nicht,
So weh' ich diesen ganzen Maimond nicht.

Das Blümlein seufzet: Als die Sonn' hier schied,
Hat mich ein Mägdlein zu gut Nacht gegrüßt.
Wo ist das Mägdlein? Sagt mirs, wenn ihrs wißt;
Denn sie zu schauen bin ich aufgeblüht.
Und sind' ich mir mein süßes Mägdlein nicht,
So blüh' ich diesen ganzen Sommer nicht.

Das Herzlein weinet: Als ich einst geliebt,
Liebt' ich ein Mägdlein, dem kein gleiches ist.
Wo ist das Mägdlein? Sagt mirs, wenn ihrs wißt,
Um die mein Aug' in Thränenflut sich trübt.
Und find' ich mir mein süßes Mägdlein nicht,
So freu' ich mich mein ganzes Leben nicht.

Die Erde spricht: In meinen Schooß gepflückt
Hat mir der Tod das Mägdlein, das ihr mißt. 
Ihr habt das süße Mägdlein lang geküßt; 
Er hats herein zu meinem Kuß entrückt. 
Ihr sucht im Reich des Lichts, und findets nicht; 
Ich habs im Arm, und lass' es ewig nicht. 

Wollt ihr denn seyn beim süßen Mägdlein hier? 
Und wollt ihrs küssen, wie ihrs sonst geküßt? 
Ihr Lieben kommt, kühl und geräumig ist 
Mein Schooß, o kommt, und ruhet still bei ihr.
Das Mägdlein schläft; wollt ihr denn schlafen nicht? 
Ich schläfr' euch ein, und weck' euch ewig nicht. 

Authorship

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5. Die vier Wünsche  [sung text not yet checked]

Möcht' ich doch der Felsen sein, 
Tief im Grunde das Urgestein, 
Hoch im Himmel das Angesicht,
Ewig stehen und wanken nicht.

Möcht' ich doch das Brünnlein sein,
Sprudelnd aus kühlem Grunde rein,
Gehend durch grünes Ufergeschicht, 
Ewig rinnen und rasten nicht.

Möcht' ich doch das Bäumlein sein,
Die Wurzel gestreckt ins Ufer hinein, 
Die Zweige wiegend im Himmelslicht, 
Ewig blühen und welken nicht.

Möcht' ich doch das Vöglein sein,
Auf den Zweigen im Sonnenschein,
Das Stimmlein tönend zum Himmel gericht,
Ewig tönen und schweigen nicht. 

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6. Frühzeitiger Frühling [sung text not yet checked]

Tage der Wonne,
Kommt ihr so bald?
Schenkt mir die Sonne
Hügel und Wald?
 
Reichlicher fließen
Bächlein zumal,
Sind es die Wiesen?
Ist es das Thal?
 
Blauliche Frische!
Himmel und Höh!
Goldene Fische
Wimmeln im See.
 
Buntes Gefieder
Rauschet im Hain;
Himmlische Lieder
Schallen darein.
 
Unter des Grünen
Blühender Kraft,
Naschen die Bienen
Summend am Saft.
 
Leise Bewegung
Bebt in der Luft,
Reizende Regung
Schläfernder Duft.
 
Mächtiger rühret
Bald sich ein Hauch,
Doch er verlieret
Gleich sich im Strauch.
 
Aber zum Busen
Kehrt er zurück,
Helfet, ihr Musen,
Tragen das Glück!
 
Saget seit gestern
Wie mir geschah?
Liebliche Schwestern,
Liebchen ist da!

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Vroege lente", copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "Early spring", copyright ©
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Printemps précoce", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • FRL Friulian (Ermes Culos) , "Buntìmp di primavera", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • GRE Greek (Ελληνικά) [singable] (Christakis Poumbouris) , "Πρώιμη άνοιξη", copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with: Goethe’s sämmtliche Werke, Erster Band, Paris: Tétot Frères, 1836, page 14.


Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]