Klänge aus der Kinderwelt, Heft IV

by (Karl Gottfried) Wilhelm Taubert (1811 - 1891)

Word count: 1279

1. Guten Morgen [sung text not yet checked]

Nun reibet euch die Äuglein wach!
Die Schwalben zwitschern schon am Dach,
Die Lerche singt schon in der Luft,
Die Blume prangt in Tau und Duft.
Guten Morgen! Guten Morgen!

Die Sonn' ist längst auf ihrer Bahn,
Auf seinem Posten kräht der Hahn,
Die Tauben flattern aus dem Schlag
Und sonnen sich im ros'gen Tag.
Guten Morgen! Guten Morgen!

Schon tönen Lieder und Schalmei'n,
Der Herde Glöcklein klingen d'rein,
Und seinen Morgengruss entbeut
Vom Turme weithin das Geläut!
Guten Morgen! Guten Morgen!

Und Alles regt sich nah und fern
Und rüstet sich und preist den Herrn!
Ihr wollt doch nicht die Letzten sein?
Drum stehet auf, und stimmt mit ein.
Guten Morgen! Guten Morgen!

Authorship

See other settings of this text.

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

2. Wohl zu speisen [sung text checked 1 time]

Mutter fliegt nach Futter aus,
bringt's im Schnabel dann nach Haus';
aus dem Nest entgegen schauen
ihr die Kleinen voll Vertrauen.
Mutter teilt es redlich ein.
Vögelein, Vögelein,
Eure Mutter sollt ihr preisen,
jedem Kind nach seinen Weisen
wohl zu speisen!

Bienchen als ein Wandersmann
klopft bei vielen Blumen an:
„Gib von deinem Eigentume
mir den Honig, liebe Blume!“
Blümlein spricht mit holdem Sinn:
„Nimm ihn hin! Nimm ihn hin!
Ruh' bei mir von deinen Reisen;
jedem Gast nach seinen Weisen
wohl zu speisen!“

An der Straß' in trübem Mut
hält vor sich den leeren Hut
und fleht laut ein alter Blinder:
„Ach, erbarmt euch mein, ihr Kinder!“
Gibt ihm Brot ein frommes Kind:
„Iss geschwind! Iss geschwind!
Allen Müden, allen Greisen,
jedem Herz nach seinen Weisen
wohl zu speisen!“

Authorship

Researcher for this text: Johann Winkler

3. Auf der Wiese [sung text not yet checked]

Auf der Wiese tanzen wir
  Hinauf, herunter. 
Sonne kommt und sieht uns an, 
Freut sich sehr und fragt uns dann:
  Seid ihr Alle munter?

Freilich sind wir Alle jetzt
  Recht froh und munter!
Eben darum tanzen wir
Auf der grünen Wiese hier
  Frisch herauf, hinunter!

Und wir haben kaum die Zeit
  Uns umzublicken, 
Blümlein aber schau'n umher, 
Sind betrübt und klagen sehr;
  Müßt' uns nicht zerknicken!

Nein, das wollen wir nicht thun
  Bei unserm Tanze! 
Eben darum pflücken wir 
Auf der grünen Wiese hier
  Euch zum bunten Kranze.

Und die liebe Sonne sinkt
  Im Westen nieder. 
Geht, so spricht sie, jetzt nach Haus, 
Lieben Kindlein, schlafet aus!
  Morgen komm' ich wieder!

Gut, auch wir sind wieder da!
  Sind froh und munter! 
Morgen, morgen tanzen wir 
Auf der grünen Wiese hier
  Frisch hinauf, herunter!

Authorship

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

4. Wiegenlied [sung text not yet checked]

Sonne hat sich müd gelaufen, 
spricht: "Nun laß ich's sein!"
Geht zu Bett und schließt die Augen 
und schläft rühig ein. 
Sum, sum, sum,
Mein Kindchen macht es eben so,
Mein Kindchen ist nicht dumm!

Bäumchen, das noch eben rauschte, 
spricht: "Was soll das sein?
Will die Sonne nicht mehr scheinen, 
schlaf' ich ruhig ein!"
Sum, sum, sum,
Mein Kindchen macht es eben so,
Mein Kindchen ist nicht dumm!

Vogel, der im Baum gesungen, 
spricht: "Was soll das sein?
Will das Bäumchen nicht mehr rauschen, 
schlaf' ich ruhig ein!"
Sum, sum, sum,
Mein Kindchen macht es eben so,
Mein Kindchen ist nicht dumm!

Häschen spitzt die langen Ohren, 
spricht: "Was soll das sein?
Hör' ich keinen Vogel singen, 
schlaf' ich ruhig ein!"
Sum, sum, sum,
Mein Kindchen macht es eben so,
Mein Kindchen ist nicht dumm!

Jäger höret auf zu blasen, 
spricht: "Was soll das sein?
Seh ich keinen Hasen laufen, 
schlaf' ich ruhig ein!"
Sum, sum, sum,
Mein Kindchen macht es eben so,
Mein Kindchen ist nicht dumm!

Kommt der Mond und guckt herunter, 
spricht: "Was soll das sein?
Kein Jäger lauscht?
Kein Häschen springt?
Kein Vogel singt?
Kein Bäumchen rauscht?
Kein Sonnenschein!
Und's Kind allein
Sollt' wach noch sein?"
Nein! nein! nein!
Lieb' Kindchen macht die Augen zu,
Lieb' Kindchen schläft schon ein!

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , "Lullaby in Autumn", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English [singable] (Addie Funk) , "Autumnal cradle song"

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

5. Verdriesslich Kindlein [sung text checked 1 time]

Der Müller will mahlen, 
das Rädchen geht 'rum,
sein Kind ist verzürnet, 
weiß selbst nicht, warum.
Zürnt und brummt der kleine Zwerg,
nummt er alles überzwerch:
Den Backofen für ein Bierglas,
den Mehlsack für ein Weinfass,
den Kirschbaum für 'nen Besenstiel,
den Flederwisch für 'ne Windmühl',
die Katz' für eine Wachtel,
das Sieb für eine Schachtel,
das Hackbrett für den Löffel,
den Hansel für den Töffel.
O jerum, o jerum!
Mein Kindchen ist fein, 
könnt' feiner nicht sein.
Es hat mir's versprochen, 
sein Herzchen g'hör' mein!
Müllers Kind nur zürnt und brummt,
und weiß doch nicht, warum.
O jerum, o jerum!
Ja, das ist auch mein liebes Kindchen!

Authorship

Researcher for this text: Johann Winkler

6. Christkindlein [sung text checked 1 time]

Hinter all den Sternelein, 
Die dort oben gehen, 
Sitzt das holde Christkindlein, 
Lieblich anzusehen.  

Hütet an dem Himmelszelt 
All' die lichten Schafe; 
Hütet auf zur Nacht die Welt  --  
Daß sie ruhig schlafe. 

Schlaf d'rum süß und fürchte nicht  --  
Wenn du fromm und bieder, 
Schaut im gold'nen Sternenlicht 
Christkindlein hernieder.

Authorship

Based on

Confirmed with Jahrbuch deutscher Bühnenspiele, Berlin: Vereins-Buchhandlung, 1855, pages 25 - 26.


Researcher for this text: Melanie Trumbull

7. Zeisig [sung text not yet checked]

Zeislein, Zeislein,
Wo ist, wo ist dein Häuslein?
Hoch, hoch im Baum,
Aus Moos und Flaum,
Aus zarten Blütenreislein,
Da ist, da ist mein Häuslein.

Zeislein, Zeislein,
Wer wohnt, wer wohnt im Häuslein?
Mein Schätzlein hold,
Treu, treu wie Gold,
Das allerliebste Zeislein,
Das wohnt, das wohnt im Häuslein.

Authorship

See other settings of this text.

Confirmed with Friedrich Rückert, Gesammelte Gedichte, Dritter Band, Erlangen, Carl Heyder, 1837, page 20.


Research team for this text: John H. Campbell , Melanie Trumbull

8. Käuzlein [sung text not yet checked]

Ich armes Käuzlein kleine,
Wo soll ich fliegen aus,
Bei Nacht so gar alleine,
Bringt mir so manchen Graus
Das macht der Eulen Ungestalt
Ihr Trauern mannigfalt.

Ich wills Gefieder schwingen,
Gen Holz in grünen Wald,
Die Vögel hören singen,
In mancherlei Gestalt
Vor allen lieb' ich Nachtigall,
Vor allen liebt' mich Nachtigall.

Die Kinder unten glauben,
Ich deute Böses an,
Sie wollen mich vertreiben
Das ich nicht schreien kann
Wenn ich was deute tut's mir leid,
Und was ich schrei' ist keine Freud'.

Mein Ast ist mir entwichen,
Darauf ich ruhen sollt',
Sein Blättlein all' verblichen,
Frau Nachtigall geholt
Das schafft der Eulen falsche Tück,
Die störet all mein Glück.

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2020, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Uiltje", copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Laura Prichard) , copyright © 2020, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Moi, pauvre petite hulotte", copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission

Note: the catalog from Kistner of 1894 indicates the author of this text is Wernher von Tegernsee.

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

9. Maikäfer, fliege weg [sung text checked 1 time]

Maikäfer, Maikäferchen, fliege hinweg!
Dein Häuschen brennt,
dein Mütterchen flennt.
Fliege hinweg, fliege hinweg!
Dein Vater sitzt auf der Schwelle,
fliege weg 
in den Himmel aus der Hölle.
Flieg' in den Himmel, fliege hinweg,
dein Häuschen brennt,
dein Mütterchen flennt.
Flieg' aus der Hölle zum Himmel!

Maikäfer, Maikäferchen, fliege hinweg!
Die Weiber mit den Stangen
wollen dich empfangen;
fliege hinweg, fliege hinweg!
Die Männer mit den Spießen,
fliege weg,
sie wollen dich erschießen.
Flieg' in den Himmel, fliege hinweg etc.

Authorship

Researcher for this text: Johann Winkler

10. Merkt euch das! Lernt was! [sung text checked 1 time]

Der Hans, der spricht zum Hahn:
„Zur Schule komm mit mir,
was lernen wollen wir!“
Der Hahn, der sieht ihn an
und kräht ... und geht ans Essen.
So machen's auch die Enten,
die Tauben und die Hennen,
und ebenso der Kullerhahn:
Ans Lernen denkt kein einz'ger d'ran.
Sie schreien und sie rennen,
sie girren und sie schwirren,
alles nur ums Essen!
Der Hansel unterdessen
geht fürbass
und lernt was
und wird ein reicher Mann,
hat Frau und Kind,
Hof und Gesind'
und feiert lust'ge Feste
und ladet viele Gäste.
Die kommen denn auch an
und trinken und essen,
und denkt einmal an,
sie essen den Hahn
und essen die Hennen,
die Enten und die Tauben
und essen selbst den alten Kullerhahn,
mussten alle d'ran glauben!
Und wie es denn so geht,
die Reu', die kam zu spät.
D'rum merkt euch das
und lernt was,
dann mögt ihr ein gutes Essen
zur Zeit auch nicht vergessen.
Merkt euch das,
lernt was!

Authorship

See other settings of this text.

Researcher for this text: Johann Winkler

11. Hanswurst [sung text checked 1 time]

I bin der Hans Wurst,
hab' alleweil Durst
und Hunger, au weh!
von der Nas' bis zur Zeh'!

Was hab' i für'n Kleid?
Nit eng und nit weit!
Wo schlaf' i? Im Stroh!
Und doch bin i froh!

Und hör' i a Geig',
so zappel' i gleich;
da hüpft mir vor Lust
mein Herz in der Brust.

Und schleicht ungefähr
Herr Griesgram daher,
so mach' i 'nen Streich,
da lacht er ja gleich!

Und seh' i e Kind,
so lauf' i geschwind
und mach' einen Sprung,
da schäkert der Jung'!

O tät's in der Welt
nur regnen das Geld,
da wär' meine Seel'
noch 'mal so fidel.

Authorship

Researcher for this text: Johann Winkler

12. Patsch in's Händchen [sung text checked 1 time]

Patsche, patsche Küchelchen,
Mir und dir ein Krügelchen,
Mir und dir ein Tellerchen,
Mir und dir ein Hellerchen,
Sind wir zwei Gesellerchen.

Authorship

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]