Sechs Lieder für eine Bassstimme und 3 Instrumente

Song Cycle by Michael Gielen (b. 1927)

Word count: 556

1. Sonnett des Michelangelo [sung text checked 1 time]

Des Todes sicher, nicht der Stunde, wann,
Das Leben kurz, und wenig komm ich weiter.
Den Sinnen zwar scheint diese Wohnung heiter,
der Seele nicht, sie bittet mich: "stirb an."

Die Welt ist blind, auch Beispiel kam empor,
dem Bessere Gebräuche unterlagen.
Das Licht erlosch und mit ihm alles Wagen.
Das Falsche frohlockt, Wahrheit dringt nicht vor.

Ach wann, Herr, gibst du das,
was die erhoffen, die dir vertrauen?
Mehr Zögern ist verderblich,
es knickt die Hoffnung, macht die Seele sterblich.

Was hast du Ihnen so viel Licht verheißen, 
wenn doch der Tod kommt,
um sie hinzureißen,
in jenem Stand, in dem er sie betroffen.

Authorship

Based on

Go to the single-text view

Researcher for this text: Malcolm Wren [Guest Editor]

2. Reif sind, in Feuer getaucht [sung text checked 1 time]

Reif sind, in Feuer getaucht, gekochet 
Die Frücht' und auf der Erde geprüfet und ein Gesetz ist,
Daß alles hineingeht, Schlangen gleich,
prophetisch träumend auf 
Den Hügel des Himmels. Und vieles 
Wie auf den Schultern eine 
Last von Scheitern ist 
Zu behalten. [Aber bös sind
Die Pfade.]1 Nämlich unrecht, 
Wie Rosse, gehn die gefangenen 
Element und alten 
Gesetze der [Erd]2. Und immer 
Ins Ungebundene [gehet]3 eine Sehnsucht. [Vieles aber ist
Zu behalten. Und not die Treue.]1
Vorwärts aber und rückwärts wollen wir 
Nicht sehn. Uns wiegen lassen, wie 
Auf schwankem Kahne der See.

[ ... ]

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (John Glenn Paton) , "Ripe, dipped in fire", copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Stéphane Goldet) (Pierre de Rosamel) , "Ils ont mûri, les fruits", copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission

View original text (without footnotes)

Confirmed with Poems of Friedrich Hölderlin: The Fire of the Gods Drives Us to Set Forth by Day and by Night, selected and translated by James Mitchell, San Francisco, Ithuriel's Spear, 2007, pages 94, 96.

1 omitted by Gielen, Reutter.
2 Greif: "Erde"
3 Reutter: "geht"

Researcher for this text: John Glenn Paton [Guest Editor]

3. Gib mir, oh Erde [sung text checked 1 time]

Gib mir, oh Erde den reinen Thon,
für den Tränenkrug mein Wesen,
Ergieße das Weinen,
das sich in dir verschlug.

Dass sich Verhaltenes löse
in das gefügte Gefäß.
Nur das Nirgends ist böse,
alles Sein ist gemäß.

Authorship

Researcher for this text: Malcolm Wren [Guest Editor]

4. Der Umkehrende I [sung text checked 1 time]

Du sollst mich doch nicht fangen,
duftschwüle Zaubernacht.
Es steh'n mit goldnem Prangen,
die Stern auf stiller Wacht.
Und machen überm Grunde
wo du verirret bist,
getreu die alte Runde.
Gelobt sei Jesus Christ!

Wie bald in allem Bäumen
Geht nun die Morgenluft,
sie schütteln sich in Träumen,
und durch den roten Duft
eine fromme Lerche steiget,
wenn alles still noch ist,
den rechten Weg dir zeiget.
Gelobt sei Jesus Christ!

Authorship

See other settings of this text.

Researcher for this text: Malcolm Wren [Guest Editor]

5. Der Umkehrende 2 [sung text checked 1 time]

Hier bin ich Herr! Gegrüßt das Licht,
das durch die stille Schwüle
der müden Brust gewaltig bricht
mit seiner strengen Kühle.

Nun bin ich frei! Ich taumle noch,
und kann mich noch nicht fassen.
O Vater, du erkennst mich doch,
und wirst nicht von mir lassen.

Authorship

See other settings of this text.

Researcher for this text: Malcolm Wren [Guest Editor]

6. Der Umkehrende 3 [sung text checked 1 time]

Was ich wollte, liegt zerschlagen,
Herr, ich lasse ja das Klagen,
Und das Herz ist still.
Nun aber gib auch Kraft, zu tragen,
Was ich nicht will!

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , ""Il ravveduto" dalle "Rime spirituali"", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Joseph Freiherrn von Eichendorff's Werke. Erster Theil. Gedichte. Berlin. Verlegt von M. Simion. 1841, page 365; and with Joseph Freiherrn von Eichendorff's sämmtliche Werke. Zweite Auflage. Erster Band. Leipzig, Voigt & Günther. 1864, page 578, as no. 5 of Sprüche.


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Peter Rastl [Guest Editor]