[Sechs] Lieder für das Klavier oder Piano-Forte, 5te Sammlung

Song Cycle by Johann Xaver Sterkel (1750 - 1817)

Word count: 994

1. Lied im Freien  [sung text not yet checked]

Wie schön ist's im Freien!
Bei grünenden Maien
Im Walde, wie schön!
Wie süß sich zu sonnen,
Den Städten entronnen,
Auf luftigen Höhn!

Wo unter den Hecken
Mit goldenen Flecken
Der Schatten sich mischt,
Da läßt man sich nieder,
Von Haseln und Flieder
Mit Laubduft erfrischt.

Drauf schlendert man weiter,
Pflückt [Blumen]1 und Kräuter
Und Erdbeern im Gehn;
Man kann sich mit Zweigen,
[Erhizet]2 vom Steigen,
Die Wangen umwehn.

Dort heben und tunken,
Gleich blinkenden Funken,
Sich Wellchen im Bach;
Man sieht sie verrinnen
[In]3 stillem Besinnen,
Halb träumend, halb wach.

In weiten Bezirken,
Mit hangenden Birken
Und Buchen besezt,
Gehn Damhirsch und Rehe
In traulicher Nähe,
Von niemand gehezt.

Am schwankenden Reisig
Hängt zwitschernd der Zeisig,
Vor Schlingen nicht bang;
Erfreut ihn zu hören,
Sucht keiner zu stören
Des Hänflings Gesang.

Hier sträubt sich kein Pförtner,
Hier [schnörkelt]4 kein Gärtner
Kunstmäßig am Hain;
Man braucht nicht des Geldes;
Die Blumen des Feldes
Sind allen gemein.

Wie schön ist's im Freien!
Despoten entweihen
Hier nicht die Natur.
Kein kriechender Schmeichler,
[Kein lästernder]5 Heuchler
[Vergiftet]6 die Flur.

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , "Cançó a l'aire lliure", copyright © 2019, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Lied in de vrije natuur", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Laura Prichard) , "Song in the open air", copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Malcolm Wren) , "Song out in the open", copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Chant en plein air", copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Gedichte von J. G. von Salis. Gesammelt durch seinen Freund Friedrich Matthisson. Zürich, bey Orell, Gessner, Füssli und Compagnie. 1793, pages 58-60; with Gedichte von J. G. von Salis. Neueste Auflage. Wien 1815. Bey B. Ph. Bauer, pages 60-62; and with Musen-Almanach für 1792. Herausgegeben von Joh. Heinr. Voß. Hamburg, bei C. E. Bohn, pages 18-20.

1 Salis-Seewis (Musenalmanach): "Flechten"
2 Righini: "Erhitzet"
3 Schubert: "Mit"
4 Salis-Seewis (Musenalmanach): "schnirkelt"
5 Salis-Seewis (Musenalmanach): "Verläumder und"
6 Salis-Seewis (Musenalmanach): "Vergiften"

Research team for this text: Lau Kanen [Guest Editor] , Peter Rastl [Guest Editor]

2. Mailied [sung text not yet checked]

Der Apfelbaum prangt grün und weiß
Auf zartbegras'ter Weide;
Der Wonneruf des schönen Mais
Weckt uns zu sanfter Freude.
Doch, wird des Frühlings Wiederkehr
Uns alle hier vereinen?
Ach! wessen Stätte trau'rt dann leer?
Und wen muß man beweinen?

Uns atmen Blumen Wohlgeruch,
Die Kelch und Tafel schmücken;
Noch süßer, die am Busentuch
Des holden Mädchens nicken.
Ach! Blumen, die, auf welchem Land?
Aus weichem Kraute sprießen,
Wird einst getreuer Freundschaft Hand
Auf unsre Hügel gießen!

Die Rose bleicht, die Mädchen krönt,
Es bleicht der Mädchen Locke;
In froher Hirten Flöte tönt
Des Dorfes Totenglocke;
Die Jugend tanzt, im Abendlicht,
Froh um des Platzes Maie;
Doch ihren Reigen unterbricht
Der Grabgeleiter Reihe.

Der stille Vollmond schien so klar
Durch blühende Syringen,
Wo jüngst Verlobte, Paar und Paar,
In lauer Dämm'rung gingen;
Seitdem erscholl vom Turm herab
Das traurige Geläute;
Der Mond bescheint das frische Grab
Der früh gestorb'nen Bräute.

Gefährten, ach! die Stunde naht,
Wo wir auch müssen scheiden!
Bestreut indes den kurzen Pfad
Mit Blüten reiner Freuden.
Seid gut! Der Unschuld strahlt das Ziel,
Von Abendrot umgeben,
Und jedes edlere Gefühl
Folgt uns zum bessern Leben.

Authorship

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

3. Frühlingslied [sung text not yet checked]

Unsre Wiesen grünen wieder,
Blumen duften überall;
Fröhlich tönen Finkenlieder,
Zärtlich schlägt die Nachtigall.
Alle Wipfel dämmern grüner,
Liebe girrt und lockt darin;
Jeder Schäfer wird nun kühner,
Sanfter jede Schäferin.

Blüten, die die Knosp' entwickeln,
Hüllt der Lenz in zartes Laub;
Färbt den Sammet der Aurikeln,
Pudert sie mit Silberstaub.
Sieh! das holde Maienreischen
Dringt aus breitem Blatt hervor,
Beut sich zum bescheidnen Sträußchen
An der Unschuld Busenflor.

Auf den zarten Stengeln wanken
Tulpenkelche, rot und gelb,
Und das Geißblatt flicht aus Ranken
Liebenden ein Laubgewölb'.
Alle Lüfte säuseln lauer
Mit der Liebe Hauch uns an;
Frühlingslust und Wonneschauer
Fühlet, was noch fühlen kann.

Authorship

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Researcher for this text: Ferdinando Albeggiani

4. Maireigen [sung text not yet checked]

Singt der Wonn' und Blütenzeit,
Pflanzt die grünen Maien!
Selig, wer des Mais sich freut,
Wie uns die Natur gebeut,
Zu Zweien! Zu Zweien! Zu Zweien!

Zu der Tänze Melodei
Wirbelt das Gestäude;
Waldgesang und Dorfschalmei
Jubeln: Pflicht und Weisheit sei
Die Freude! Die Freude! Die Freude!

Kränzt, Verlobte, kränzt das Haar
Froh mit Myrtenzweigen!
So, wie bald am Brautaltar,
Steht hier alles Paar um Paar
Im Reigen! Im Reigen! Im Reigen!

Amor läßt am Maienfest
Jede Spröde büßen!
Philomele baut ihr Nest!
Alles Holde liebt und läßt
Sich küssen! Sich küssen! Sich küssen!

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5. Ermunterung  [sung text not yet checked]

Seht! wie die Tage sich sonnig verklären!
Blau ist der Himmel und grünend das Land.
Klag' ist ein Mißton im Chore der Sphären!
Trägt denn die Schöpfung ein Trauergewand?
Hebet die Blicke, die trübe sich senken!
Hebet die Blicke: des Schönen ist viel.
Tugend wird selber zu Freuden uns lenken;
Freud' ist der Weisheit belohnendes Ziel.

Öfnet die Seele dem Lichte der Freude,
Horcht! ihr ertönet des Hänflings Gesang.
Atmet! sie duftet im Rosengestäude,
Fühlet! sie säuselt am Bächlein entlang.
Koset! sie glüht uns im Safte der Traube,
Würzet die Früchte beim ländlichen Mahl.
Schauet! sie grünet im Kräutern und Laube,
Mahlt uns die Aussicht ins blumige Tal.

Freunde, was gleiten euch weibische Tränen
Über die blühenden Wangen herab?
Ziemt sich für Männer das weichliche Sehnen?
Wünscht ihr verzagend zu modern im Grab?
Edleres bleibt uns noch viel zu verrichten:
Viel auch des Guten ist noch nicht getan.
Heiterkeit lohnt die Erfüllung der Pflichten,
Ruhe beschattet das Ende der Bahn.

Mancherlei Sorgen und mancherlei Schmerzen
Quälen uns warlich aus eigener Schuld.
Hoffnung ist Labsal dem wundesten Herzen,
Duldende stärket gelaßne Geduld.
Wenn euch die Nebel des Trübsinns umgrauen,
Hebt zu den Sternen den sinkenden Mut;
Heget nur männliches, hohes Vertrauen;
Guten ergeht es am Schluße doch gut.

Laßet uns fröhlich die Schöpfungen sehen:
Gottes Natur ist entzückend und hehr!
Aber auch stillen des Dürftigen Flehen;
Freuden des Wohltuns entzücken noch mehr:
Liebet! die Lieb' ist der schönste der Triebe;
Weiht nur der Unschuld die heilige Glut.
Aber dann liebt auch mit weiserer Liebe
Alles, was edel und schön ist und gut.

Handelt! durch Handlungen zeigt sich der Weise.
Ruhm und Unsterblichkeit sind ihr Geleit.
Zeichnet mit Taten die schwindenden Gleise
Unserer flüchtig entrollenden Zeit.
Den uns umschließenden Zirkel beglücken,
Nützen, so viel als ein jeder vermag;
O das erfüllet mit stillem Entzücken!
O das entwölket den düstersten Tag!

Mutig! auch Leiden, sind einst sie vergangen,
Laben die Seele, wie Regen die Au:
Gräber, von Trauerzypressen umhangen,
Mahlet bald stiller Vergismeinnichtblau.
Freunde, wir sollen, wir sollen uns freuen;
Freud' ist des Vaters erhabnes Gebot.
Freude der Unschuld kann niemals gereuen,
Lächelt durch Rosen dem nahenden Tod.

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6. Gegenliebe [sung text not yet checked]

Wüßt' ich, wüßt' ich, daß du mich
Lieb und wert ein bißchen hieltest,
Und von dem, was ich für dich,
Nur ein Hundertteilchen fühltest;

Daß dein [Dank hübsch]1 meinem Gruß'
Halben Wegs entgegen käme,
Und dein Mund den Wechselkuß
Gerne gäb' und wiedernähme:

Dann, o Himmel, außer sich,
Würde ganz mein Herz zerlodern!
Leib und Leben könnt' ich dich
Nicht vergebens lassen fodern! --

Gegengunst erhöhet Gunst,
Liebe nähret Gegenliebe,
Und entflammt zu Feuersbrunst,
Was ein Aschenfünkchen bliebe.

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Wederliefde", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English [singable] (Bertram Kottmann) , "Love given, love returned", copyright © 2007, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Amour donné", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission

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1 Agthe, Haydn: "Danken"
See also the other Gegenliebe.

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