Bei meines Buhlen Haupte, da steht ein gold'ner Schrein, darin, da liegt verschlossen das junge Herze mein. Wollt' Gott, ich hätt' den Schlüssel, ich würf' ihn in den Rhein! Wär' ich bei meiner Buhlen, wie möcht' mir bass gefreu'n! Bei meines Buhlen Füßen, da fleußt ein Brünnlein kalt, und wer das Brünnlein trinket, der jungt und wird nicht alt. Ich hab' des Brünnleins trunken so manchen stolzen Trunk! Viel lieber wollt' ich küssen mein's Buhlen roten Mund! Und wer uns diesen Reihensang so wohl gesungen hat, das waren zwei Hauer zu Freiberg in der Stadt. Sie haben so wohl gesungen bei Met und kühlem Wein; dabei, da ist gesessen der Wirtin Töchterlein!
Neun Volkslieder für eine Singstimme mit Pianofortebegleitung , opus 8
by Heinrich von Herzogenberg (1843 - 1900)
Translations available for the entire opus: GER
1. Jungbrunnen
Text Authorship:
- by Anonymous / Unidentified Author [an adaptation]
Based on:
- a text in Frühneuhochdeutsch from Volkslieder (Folksongs) , "Eyn schöner Reyen von der Herzallerliebsten"
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2. Schwerer Traum
Ich hab die Nacht geträumet
Wohl einen schweren Traum;
Es wuchs in meinem Garten
Ein Rosmarinenbaum.
...
Die Blüten tät ich sammeln
In einen gold'nen Krug;
Der fiel mir aus den Händen,
Daß er in Stücken schlug.
D'raus sah ich Perlen rinnen
Und Tröpflein rosenrot.
Was mag der Traum bedeuten?
Ach Liebster, bist du tot?
Text Authorship:
- from Volkslieder (Folksongs) , no title, first published 1855
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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):
- CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2022, (re)printed on this website with kind permission
- DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission
- ENG English (Laura Stanfield Prichard) , copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission
- FRE French (Français) (Pierre Mathé) , copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission
Note: the text above is taken from stanzas 1,3-4 of the original text.
3. Sonnenschein
Schein uns, du liebe Sonne, gib uns ein hellen Schein! Schein' uns zwei lieb zusammen, die gern beisammen sein! Dort fern auf jenem berge leit' sich ein kalter Schnee, der Schnee kann nicht zerschmelzen, Gottes Wille muß ergehn. Gottes Wille, der ist ergangen, zerschmolzen ist uns der Schnee. Gott gesegn' euch, Vater und Mutter! Ich seh' euch nimmermehr.
Text Authorship:
- from Volkslieder (Folksongs) , "Sonnenschein"
Based on:
- a text in Mittelhochdeutsch from Volkslieder (Folksongs) , "Sunnenschin"
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4. Rosengarten
„Jungfräulein, soll ich mit Euch geh'n in Euren Rosengarten? Und da die roten Röslein steh'n, die feinen und die zarten! Und auch ein Baum, der blühet, von Ästen ist er weit, und auch ein kühler Brunne, der auch darunter leit.“ „Gut G'sell, darum mich beten hast, das kann und mag nicht sein, du wollest mir zertreten han die liebsten Blümlein mein! So kehr' nur wieder umhin und geh' nur wieder heim! Der Knab' darf weiser Lehre, der mir den Garten auftut!“ Ich ward zu einem Stummen, vor Scham da stund ich rot; bei allen meinen Tagen leid' ich nie größ're Not!
5. Heimlicher Liebe Pein
Mein Schatz, der ist auf die Wanderschaft hin,
Ich weiß aber nicht, was ich so traurig bin,
Vielleicht ist er todt und liegt in guter Ruh,
Drum bring ich meine Zeit so traurig zu.
Als ich und mein Schatz in die Kirche woll'n gehn,
Viel falsche Zungen unter der Thüre stehn,
Die eine redt dies, die and're redet das,
Das macht mir gar oft meine Äuglein naß.
Die Disteln und die Dorn, die stechen also sehr,
Die falschen Zungen aber noch viel mehr,
Kein Feuer auf Erden es brennet also heiß
Als heimliche Liebe, die niemand weiß.
Ach herzelieber Schatz, ich bitte dich noch eins,
Du wollest auch bei meiner Begräbnis seyn,
Bei meiner Begräbnis bis in das kühle Grab,
Dieweil ich dich so treulich geliebet hab.
...
Text Authorship:
- from Volkslieder (Folksongs) , "Heimlicher Liebe Pein", appears in Des Knaben Wunderhorn, first published 1808
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- CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2022, (re)printed on this website with kind permission
- DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission
- ENG English (John Glenn Paton) , copyright © 2004, (re)printed on this website with kind permission
- FIN Finnish (Suomi) (Erkki Pullinen) , "Salaisen rakkauden tuska", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
- FRE French (Français) (Pierre Mathé) , copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission
Note: the text above is taken from stanzas 1-4 of the original text.
Note: modernized German would change "todt" to "tot", "Thüre" to Türe", "seyn" to "sein", "gethan" to "getan".
6. Vom Sterben
Sterben ist ein' harte Buß,
Weiß wohl, daß ich sterben muß.
Und ein Röslein rosenrot
Pflanzt mein Schatz nach meinem Tod.
Wenn ich 'mal gestorben bin,
Wo begräbt man mich denn hin?
Schau nur in den Friedhof 'nein
Da wird noch ein Plätzchen sein!
Wachsen schöne Blümlein d'rauf,
Geben dir ein' schönen Strauß.
Ach, was hilft ein Röslein rot,
Wenn es blüht nach Liebes Tod!
...
Sterben ist ein' harte Pein,
Wenn's zwei Herzallerliebste sein,
Die des Todes Sichel scheid't,
Ach, das ist das größte Leid.
Text Authorship:
- from Volkslieder (Folksongs) , "Ach was hilft ein Blümelein", appears in Des Knaben Wunderhorn
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Note: the text above is taken from stanzas 1-3,7 of the original text.
7. Verschneiter Weg
Es ist ein Schnee gefallen und ist es doch nicht Zeit, man wirft mich mit dem Ballen, der Weg ist mir verschneit. Mein Haus hat keinen Giebel, es ist mir worden alt, zerbrochen sind die Riegel, mein Stüblein ist mir kalt. Ach Lieb, lass dich's erbarmen, daß ich so elend bin, und dich's Arme: so fährt der Winter hin.
Text Authorship:
- by Wernher[r] von Tegernsee (flourished 1172), no title
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- ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2020, (re)printed on this website with kind permission
8. Morgenstern
Es wollt' ein Mädchen früh aufsteh'n, zu einem Abendtanze geh'n; sie leuchtet also fern gleichwie der Morgenstern, der vor dem Tag aufgeht. Ach Mädchen, du viel junge, lass mich nicht sein schabab! Du bist mein's Herzens Wonne, leuchtest wie die helle Sonne, kein' lieber ich auf Erden hab'!
Text Authorship:
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Note for stanza 2, line 2, word 5 ("shabab"): according to Grimm's Deutsches Wörterbuch, to be a "schabab" means to have been turned down by the woman one woos.
9. Die Lind' im Tal
Es stand eine Linde im tiefen Tal, war oben breit und unten schmal, worunter zwei Verliebte saßen und die vor Freud' ihr Leid vergaßen. „Fein's Liebchen, wir müssen von einander, ich muss noch sieben Jahre wandern!“ „Und musst du noch sieben Jahre wandern, heirat' ich mir keinen ander'n!“ Und als die sieb'n Jahre umme war'n, sie meinte, ihr Lieb käme bald. Sie ging wohl in das grüne Holz, ihr feines Lieb zu erwarten, da kam ein Reiter geritten stolz. „Gott grüß' dich, du Hübsche und du Feine! Was machst du hier alleine? Ist dir dein Vater oder Mutter gram? Oder hast du heimlich einen Mann?“ „Mein Vater und Mutter ist mir nicht gram, ich hab' auch heimlich keinen Mann! Heut' sind's drei Wochen über sieben Jahr', dass mein Feinliebchen ausgewandert war!“ „Gestern bin ich geritten durch eine Stadt, da dein fein's Liebchen hat Hochzeit gehat. Was tust du ihm denn wünschen an, dass er seine Treu' nicht gehalten hat?“ „Ich wünsch' ihm all das Beste, soviel der Baum hat Äste! Ich wünsch' ihm so viel gute Zeit, so viel Stern' am Himmel stehen! Ich wünsch' ihm so viel Glück und so viel Segen als Tröpflein, die vom Himmel regnen!“ Was zog er von dem Finger sein? Ein' Ring von rotem Golde fein. Er warf den Ring in ihren Schoß, sie weinte, dass das Ringlein floss! Was zog er aus seiner Taschen? Ein Tuch, schneeweiß gewaschen. „Trockn' ab, trockn' ab dein' Äugelein, du sollst fürwahr mein eigen sein! Ich tät' dich ja nur versuchen, ob du würdest schwören oder fluchen; hätt'st du einen Fluch oder Schwur getan, so wär' ich gleich geritten davon!“