Lieder : 2. Sammlung

by Johann Friedrich Hugo, Freiherr von Dalberg (1760 - 1812)

Word count: 1232

1. Bilder und Träume [sung text not yet checked]

Fliegt, Ihr meiner Jugend Träume,
Flattert, leichtbeschwingte Reime,
In mein frohes Jugendland,
Wo ich unter dichten Bäumen,
In der Muse sel'gen Träumen
Wahrheit suchte, Bilder fand.
 
Gleich den bunten Schmetterlingen
Schlüpften mir auf leichten Schwingen
Manche, manche längst vorbei;
Andre sind mir treu geblieben,
Und so bleib' ich Euch, Ihr Lieben,
Auch mit Herz und Seele treu.
 
Ach, in Deinen Schooß versunken
Sind die Welten, die ich trunken
In Dir sahe, Silbersee.
Schlummert sanft! denn auch in jenen
Luftgefärbten hellen Scenen
Winket mir der Wahrheit Höh.
 
Flieht, Ihr meiner Jugend Träume,
Flattert, leichtbeschwingte Reime,
In die Hand der Jugendzeit!
Träume sind wir, denen Schatten
Sich mit Licht und Wahrheit gatten,
Und die auch der Traum erfreut.

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2. Die Schwestern des Schicksals [sung text not yet checked]

Nenne nicht das Schicksal grausam,
Nenne seinen Schluß nicht Neid!
Sein Gesetz ist ewge Wahrheit,
Seine Güte Götterklarheit,
Seine Macht Notwendigkeit.
 
Blick umher, o Freund, und siehe
Sorgsam, wie der Weise sieht!
Was vergehen muß, vergehet;
Was bestehen kann, bestehet;
Was geschehen will, geschieht.
 
Heiter sind des Schicksals Schwestern,
Keine blassen Furien;
Durch der Sanftverschlungnen Hände
Webt ein Faden sonder Ende
Sich zum Schmuck der Grazien.
 
Denn seit aus des Vaters Haupte
Pallas jugendlich entsprang,
Wirket sie den goldnen Schleier,
Der mit aller Sterne Feier
Droben glänzt äonenlang.
 
Und an ihrem Meisterwerke
Hanget stets der Parzen Blick.
Weisheit, Macht und Güte weben
In des Wurms und Engels Leben
Wahrheit, Harmonie und G1ück.
 
Nenne nicht das Schicksal grausam,
Nenne seinen Schluß nicht Neid!
Sein Gesetz ist ewge Wahrheit,
Seine Güte Götterklarheit,
Seine Macht Notwendigkeit.

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3. Die Wassernymphe [sung text not yet checked]

Flattre, flattr' um Deine Quelle,
Kleine farbige Libelle,
Zarter Faden, leichtbeschwingt!
Flieg auf Deinen hellen Flügeln,
Auf der Sonne blauen Spiegeln,
Bis Dein Flug auch niedersinkt.

Deine längsten Lebenstage,
Fern der Freude, frei von Plage,
Hast Du, Gute, schon verlebt;
Als Dich Wellen noch umflossen,
Als Dich Hüllen noch umschlossen,
War ein Traum um Dich gewebt.

Jetzt, nach jenem Nymphenleben,
Darfst Du als Sylphide schweben,
Wie weit Dich der Zephyr trug.
Und Du eilst mit muntern Kräften
Nur zu fröhlichen Geschäften;
Deine Liebe selbst ist Flug.

Flattre, flattr' um Deine Quelle,
Kleine sterbliche Libelle,
Um Dein Grab und Mutterland.
Eben in dem frohsten Stande
Fliegst Du an des Lebens Rande;
Ist das meine mehr als Rand?

Einst, wie Dir, wird Deinen Kleinen
Auch die Sommersonne scheinen;
Gieb der Quelle sie als Zoll
Und erstirb! die matten Glieder,
Seh' ich, welken Dir danieder.
Schöne Nymphe, lebe wohl!

Authorship

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4. An den Schlaf [sung text not yet checked]

Gott des Schlafes, Freund der Ruh,
Dessen dunkle Schwingen
Uns in sanftem süßem Nu
Zu den Auen bringen,
Die ein schöner Licht erhellt,
Wo in einer andern Welt
Harmonien klingen.

Frend der Menschen, holder Gott!
Unser halbes Leben
Ward, dem Ungemach zum Spott,
Deiner Hand gegeben,
Und sie herrscht im Reich der Ruh;
Purpurblumen läßest du
Auf uns nieder schweben.

Schönbekränzter Jüngling, sei
Sei auch mir willkommen!
Der so oft dem Sklaven treu
Seine Last entnommen,
Der die Fessel ihm zerschlug
Und durch neuen süßen Trug
Sein Gemüt entglommen.

Meiner Hoffnung Flügel hebt
Sich nur noch in Träumen.
Du, der sie mit Mut belebt,
Warum willst du säumen?
Komm mit deiner süßen Macht;
Laß, wie in der letzten Nacht,
Mich Verwandlung träumen.

Denn seit Psyche niedersank
In des Himmels Auen,
Sehnt sie sich, Äonen lang
Wieder aufzuschauen;
Und dem Flügel, den sie regt,
Den sie, ach, zerknickt bewegt,
Mag sie nimmer trauen.

Holder Schlaf, mit deinem Tau
Heilst du ihre Schwingen,
Mutig auf zur Lebensau
In das Land zu dringen,
Wo in reinem süßem Ton -
Augen sinkt! ich höre schon
Harmonien klingen.

Authorship

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5. Der Gewinn des Lebens [sung text not yet checked]

Am kühlen Bach, am luft'gen Baum
Träum' ich nun meines Lebens Traum,
Und mag nicht wissen, ob die Welt,
Wie ich mir träume, sei bestellt;
Denn ach, ist Der wol mehr beglückt,
Der, daß sie nicht so sei, erblickt?

Ich ging einmal der Weisheit nach
Und hörte, was die Weisheit sprach.
Sie sprach so viel- und mancherlei,
Was einst die Welt gewesen sei
Und jetzt nicht ist und, sehr verirrt,
Wol nimmer, nimmer werden wird.

Ich grämte mich und ging im Gram,
Als mir der Ruhm entgegen kam.
«Dir,» sprach er, «Sohn, Dir ist beschert,
Zu räumen weg, was Dich, beschwert.»
Ich räumte, wollte vor mich sehn;
Allein die Felsen blieben stehn.

Ermattet, ohne Gram und Zorn,
Sucht' ich nun Rosen unterm Dorn.
Die Rosen, ach! entfärbten sich,
Und ihre Dornen stachen mich;
Zwei Knöspchen unter allen hier,
Lieb' und die Freundschaft, blieben mir.

Am kühlen Bach, am luft'gen Baum
Träum' ich nun meines Lebens Traum.
Die beiden Knöspchen pfleg' ich mir
Und weihe sie, o Sonne, Dir!
Komm, kühler Bach, erquicke sie!
Komm, süßes Lüftchen, stärke sie!

Authorship

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Researcher for this text: Ferdinando Albeggiani

6. An den Abendstern [sung text checked 1 time]

Stern des Abends, der du dem Liebenden leuchtest,
sag', warum blickst du so traurig, 
scheinst aus der Wolke zu winken;
ach, die Geliebte ist fern!

Stern des Abends, der du dem Hoffenden leuchtest,
Blicke so traurig nicht nieder;
meiner gedenkt die Geliebte,
liebend umschwebt mich ihr Geist.

Stern des Abends, der du dem Sehnenden leuchtest,
blicke bald freudiger nieder,
bringe der Tröstungen süß'ste,
lohne des Liebenden Treue!

Authorship

Based on

Researcher for this text: Johann Winkler

7. Liebe [sung text checked 1 time]

Bist Liebe süß und quälest so,
bist bitter und machst so froh;
ich leide gern und weine noch,
ich weine, und es erquickt mich doch.
O bitt're Lust, o süßer Schmerz,
du quälest und erneuerst das Herz.

Ja, liebes Herz, das in mir bebt,
aus Lieb' und Leid bist du gewebt.
Der Pfeil, mit dem die Liebe trifft,
er ward getaucht in süßes Gift.
Die Göttin, voll von süßem Weh',
entsprang aus einem Tränensee.

Authorship

Researcher for this text: Johann Winkler

8. Der Fluß durchs Tal [sung text not yet checked]

Wallest schön, wallest still
Durch das Thal hinab;
Wonnig ist's, am Ufer stehn,
Und da sehn
Deinen Gang ins Thal hinab.

Alles fließt, alles eilt
So dahin, dahin! 
Aber wonnig ist's nicht, stehn,
Und da sehn,
Wie es eilt dahin, dahin! 

Nicht so schön, nicht so still, 
Wie dein Wallen, Fluß!
Ist das menschliche Zergehn:
Stürme wehn;
Gibt Geräusch, und Kummernuß!  -- 

Walle schön, walle still,
Fluß, ins Thal hinab!
Mancher denket, der so geht,
Und da steht:
"Könnt' ich sanft, wie du, hinab" !

Authorship

Confirmed with Schweitzersches Museum, fünfter Jahrgang, drittes Heft, Zürich: Orell, Geßner, Füßli und Comp., 1789, page 183. No author identified.


Researcher for this text: Melanie Trumbull

9. Romance [sung text not yet checked]

Liebe schwärmt auf allen Wegen;
Treue wohnt für sich allein.
Liebe kommt euch rasch entgegen;
Aufgesucht will Treue seyn.

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2019, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Liefde zwerft op alle wegen", copyright © 2006, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (T. P. (Peter) Perrin) , "Passion throngs all lanes and byways", copyright ©, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English [singable] (Shula Keller) , "Love roams wild", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "L'amour voltige sur tous les chemins", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission
  • GRE Greek (Ελληνικά) [singable] (Christakis Poumbouris) , "Η αγάπη", copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Amelia Maria Imbarrato) , "L'amore se ne va dappertutto", copyright © 2007, (re)printed on this website with kind permission
  • SPA Spanish (Español) (Lewis Grenville) , copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Goethe's Werke, Vollständige Ausgabe lezter Hand, Zehnter Band, Stuttgart und Tübingen, in der J.G.Cotta'schen Buchhandlung, 1827, page 217.


Research team for this text: Richard Morris , Peter Rastl [Guest Editor]

10. Wiedersehn [sung text not yet checked]

Der Dichter
Wohin, o Laura, sind entflohn 
Der Liebe süsse Stunden?  

Laura
Ins Wellengrab, ins Meer der Zeit, 
Auf immer, ach!  verschwunden!  

Der Dichter
Ersetzet der Erinn'rung Traum 
Das Paradies der Liebe!  

Laura 
Nichts, o Geliebter, bringt zurück 
Die Wonne reiner Liebe.  

Der Dichter
Wenn Liebe uns nicht mehr erscheint, 
Was sind der Erde Freuden? 

Laura 
Ach, alles hüllt in Trauer sich 
Wenn die Geliebten scheiden!  

Der Dichter 
Undämmert von der Trennung Nacht, 
Was soll den Kummer mindern?   

Laura 
Der Strom der Liebe selbsten beut 
Kein Tröpflein ihn zu lindern! 

[zusammen]  
Nur Wiedersehn, o süsser Laut, 
Bringt Trost dem wunden Herzen, 
Ist Labetrunk, und heilt allein 
Des Scheidens bange Schmerzen!

Authorship

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Researcher for this text: Melanie Trumbull

11. An den Frieden [sung text not yet checked]

Der1 du [von dem Himmel]2 bist,
[Alles Leid]3 und Schmerzen [stillest]4,
Den, der doppelt elend ist,
Doppelt mit [Erquickung füllest]5,
Ach ich bin des Treibens müde!
[Was soll all der Schmerz und Lust?]6
Süßer Friede,
Komm, ach komm in [meine]7 Brust!

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Trekkers nachtlied", copyright © 2005, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "Wanderer's night song", copyright ©
  • ENG English (Edgar Alfred Bowring) , "The wanderer's night-song", appears in The Poems of Goethe, first published 1853
  • ENG English [singable] (Charles Fonteyn Manney) , "O thou who from heaven art", first published 1911
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Le chant de nuit du voyageur I", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • FRL Friulian (Ermes Culos) , "Tu ch'i ti vèns dal paradìs", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • GRE Greek (Ελληνικά) [singable] (Christakis Poumbouris) , copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • HUN Hungarian (Magyar) (Tamás Rédey) , copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Amelia Maria Imbarrato) , "Canto notturno del viandante II", copyright © 2006, (re)printed on this website with kind permission
  • SPA Spanish (Español) (Lewis Grenville) , "La cancion nocturna del caminante", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

View original text (without footnotes)

Confirmed with Goethe’s Werke. Vollständige Ausgabe letzter Hand. Erster Band. Stuttgart und Tübingen, in der J.G. Cotta'schen Buchhandlung. 1827, page 109.

First published in Christliches Magazin Herausgegeben von Joh. Konrad Pfenninger, Dritter Band, 1780, page 243, with the musical setting by Ph. Ch. Kayser.

1 Backer-Grøndahl’s score has a comma after this word (likely a typo)
2 Kirchner: "von den Himmeln"; Hiller: "vom Himmel" (further changes may exist not shown above)
3 Rust: "Kummer, Leid"
4 Schubert: "stillst"
5 Schubert: "Entzückung füllst"
6 Rust: "Bangen Schmerzes, wilder Lust,"; Arnim and J. Marx: "Was soll all der Schmerz, die Lust?"
7 Backer-Grøndahl: "meiner" (likely a typo)

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor] , Peter Rastl [Guest Editor]

12. Nachtgesang [sung text not yet checked]

Tiefe Feyer
Schauert um die Welt.
Braune Schleyer
Hüllen Wald und Feld.
Trüb und matt und müde
Nickt jedes Leben ein,
Und namenloser Friede
Umsäuselt alles Seyn!

Wacher Kummer,
Verlaß ein Weilchen mich!
Goldner Schlummer,
Komm und umflügle mich!
Trockne meine Thränen
Mit deines Schleyers Saum,
Und täusche, Freund, mein Sehnen,
Mit deinem schönsten Traum.

Blaue Ferne,
Hoch über mich erhöht!
Heil'ge Sterne,
In hehrer Majestät!
Sagt mir, ist es stiller, 
Ihr Funkelnden, bey euch, 
Als in der Eitelkeiten
Aufruhrvollem Reich?

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , "Cant de la nit", copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Nachtgezang", copyright © 2007, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Malcolm Wren) , "Night song", copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Chant nocturne", copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • NOR Norwegian (Bokmål) (Marianne Beate Kielland) , "Nattsang", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with L.T.Kosegarten's Poesieen, Neueste Auflage, Zweyter Band, Berlin 1803, pages 10-11; and with Ludwig Theoboul Kosergarten's Poesieen. Zweiter Band. Leipzig bei Heinrich Gräff. 1798, pages 281-282. Kosegarten's poem is slightly different in later editions (see below).

First published in a slightly different version in Poetische Blumenlese, aufs Jahr 1788. Göttingen, bey Johann Christian Dieterich, pages 157-158.


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Peter Rastl [Guest Editor]