19 Gedichte deutscher Dichter, Heft II

by Felix Josef Mottl (1856 - 1911)

Word count: 453

1. Aus dem Wiener Prater [sung text not yet checked]

Horch die geigenden Zigeuner!
    Wie vom Teufel selbst gepackt!
Die Gesichter immer bräuner,
    Immer wilder Ton und Takt.

Was vor vielen tausend Jahren
    Einst am Ganges schon erscholl,
Macht die ungrischen Husaren
    Und die deutschen Mädchen toll.

Bald zerreißt die erste Saite,
    Bald zerspringt die erste Brust,
Denn der Tod ist im Geleite
    Einer so dämon'schen Lust.

Instrument und Musikanten
    Sind dem Untergang geweiht,
Wie die rasenden Bacchanten,
    Die sich hier zum Tanz gereiht.

Und im ganzen Taumelkreise
    Ist auch nichts, was übrig bleibt,
Als die dunkle Zauberweise,
    Die sie in den Abgrund treibt.

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

2. Don Fadrique [sung text not yet checked]

Don Fadrique bringt ein Ständchen
Der possierlichen Pepita:
"Liebchen, strecke durch die Türe
Deines Füsschen Spitze nur!"

Und die drollige Pepita
Streckt durch eine schmale Spalte
Eines allerliebsten Fusses
Weisses Spitzchen in die Luft.

Don Fadrique krümmt den Rücken,
Will das weisse Spitzchen küssen,
Knabe Amor steht beiseite,
Der den Bogen lachend spannt.

Nach dem ewigjungen Herzen
Zielt er; doch wer lacht, der zielt schlecht:
In des Ritters alten Rücken
Schiesst er einen Hexenschuss.

Don Fadriques Knochen rasseln,
Don Fadrique stürzt zusammen,
Figaro holt eine Sänfte,
Figaro bringt ihn zu Bett.

"Frommer Bruder Agostino,
Exorziere mir das frevle
Allerliebste weisse Füsschen,
Das durch meine Beichte tanzt!"

Don Fadrique sucht den Hades,
Zierlich schreitend wie ein Stutzer,
Tänzelnd leuchtet ihm ein weisses
Füsschen durch die Unterwelt.

Authorship

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3. Es ist das alte Minnelied [sung text checked 1 time]

Es ist das alte Minnelied,
das Meister Gottfried gesungen;
das Lied begibt sich täglich neu,
wir singen's in allen Zungen!

Es ist der Minne Zaubertrank,
der alte, wunderholde,
von welchem einst Herr Tristan trank
und Frau Isolde!

Es ist der alte Liebesfluch:
Tristan bricht ihr die Treue,
die Treue, die sie dem Gatten brach;
es gibt kein Glück ohne Reue!

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Researcher for this text: Johann Winkler

4. Unruhige Nacht [sung text not yet checked]

Heut' ward mir bis zum jungen Tag
Der Schlummer abgebrochen,
Im Herzen ging es Schlag auf Schlag
Mit Hämmern und mit Pochen,

Als trieb sich eine Bubenschar
Wild um in beiden Kammern,
Gewährt hat, bis es Morgen war,
Das Klopfen und das Hammern.

Nun weist es sich bei Tagesschein,
Was drin geschafft die Rangen,
Sie haben mir im Herzensschrein
Dein Bildnis aufgehangen!

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Peter Palmer) , "Restless night", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Nuit sans repos", copyright © 2021, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Conrad Ferdinand Meyer, Gedichte, Leipzig: H. Haessel, 1882, page 157. Appears in 5. Liebe.


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Melanie Trumbull

5. Schließe mir die Augen beide [sung text not yet checked]

[Schließe mir]1 die Augen beide
mit den lieben Händen zu;
geht doch alles, was ich leide,
unter deiner Hand zur Ruh.
Und wie leise sich der Schmerz
Well' [um]2 Welle schlafen [leget]3,
[wie]4 der letzte Schlag sich [reget]5,
füllest du mein ganzes Herz.

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Jakob Kellner) , "Close both my eyes", copyright ©, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Elisabeth Siekhaus) , "Close both my eyes", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English [singable] (Bertram Kottmann) , "Both my eyes, come, close and cover", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English [singable] (Florence Z. Marshall) , "Come and close my aching eyelids"
  • ENG English (Emily Ezust) , copyright © 2012
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Ferme-moi les deux yeux", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission

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1 Karg-Elert: "Schliess mir du"
2 Wolff: "und"
3 Greger: "legt"
4 Karg-Elert: "wenn"
5 Greger: "regt"

Researcher for this text: Jakob Kellner

6. Könnt' ich die schönsten Sträusse winden [sung text not yet checked]

Könnt' ich die schönsten Sträusse winden,
Dir wünscht' ich dennoch schönern Strauss.
Könnt' ich die schönsten Lieder finden,
Sie sprächen doch mein Herz nicht aus!

Was auch aus freier Brust wir reden,
Ein [Tiefstempfund'nes]1 sagt sich nicht,
Es gibt ein reiches Blumen-Eden,
Aus dem man keine Sträusse bricht.

O nimm zum Strauss, den ich gebrochen,
Zum Worte, das umsonst sich müht,
Was ungepflückt, unausgesprochen
In meiner Seele dir erblüht!

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1 Draeseke, Witte: "Tiefempfund'nes"

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]