10 Lieder aus Waldmeisters Brautfahrt, für 4 Männerstimmen

by Ferdinand von Hiller (1811 - 1885)

Word count: 1520

1. Wandervögel [sung text not yet checked]

Ihr Wandervögel in der Luft,
Im Aetherglanz, im Sonnenduft,
In blauen Himmelswellen,
Euch grüß' ich als Gesellen!
Ein Wandervogel bin ich auch,
Mich trägt ein frischer Lebenshauch,
Und meines Sanges Gabe
Ist meine liebste Habe.

Im Beutel rostet mir kein Geld,
Das rennt wie ich in alle Welt.
Die ganze Welt durchfliegen
Ist besser als verliegen.
Dem blanken und dem frischen gar,
Dem gönn' ich gern die Wanderjahr',
Das muß mit all dem andern
Gleich wieder weiter wandern.

Wo mir ein voller Becher blinkt --
Den möcht' ich sehen, der mich zwingt,
Daß ich das Gottgeschenke
Nicht voller Freuden tränke!
Beim Schopfe nimm den Augenblick!
Das ist mein Spruch, das ist mein Schick.
Ich hasse was da staubig,
Nur an das Frische glaub' ich!

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  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Otto Roquette, Waldmeisters Brautfahrt: ein Rhein-, Wein- und Wandermärchen, Ein-und-sechzigste Auflage, Stuttgart: Verlag der J.G. Cotta’schen Buchhandlung, 1890, pages 13-14


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2. Gruss [sung text not yet checked]

So sei mit Gott gegrüßet 
Viel hundert tausendmal! 
Der Frühling weht und sprießet,
Und ruft mit Klang und Schall.
Das läßt mich nicht im engen Haus,
Nun fahr' ich in die Welt hinaus.
Das Thränlein, das da fließet,
Schwellt nicht der Ströme Zahl!

Wohl uns, daß wir uns scheiden,
Dieweil wir frisch und jung,
Dieweil für alle Leiden
Des Trostes noch genung! 
Nun bleibt in alle Ewigkeit 
Wohl durch die Welt, so groß und weit,
Der Jugend Glück uns beiden 
Ein frischer Labetrunk.

Und wirst du einst erglühen 
Von neuem Wonnestrahl,
In deinem Kranz erblühen
Die Knospen dann zumal.
Sie waren mir ein theures Gut,
Drum hege sie in treuer Hut.
Ade, nun laß uns scheiden,
Ade zum letztenmal!

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Confirmed with Otto Roquette, Waldmeisters Brautfahrt: ein Rhein- Wein- und Wandermärchen, Fünfundfünfzigste Auflage. Stuttgart, Verlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung, 1884, pages 85-86.


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3. Pfingsten [sung text not yet checked]

Pfingsten ist gekommen, 
Grün bergauf, bergab,
Nun zur Hand genommen
Hut und Wanderstab! 
Nun mit Maien kränzt euch,
Schmücket und beglänzt euch,
Singt und feiert auf das Best' 
Frühlings Maienfest! 

Grüne Zweige prangen 
Froh vor jeder Thür,
Ros'ge Mädchenwangen 
Lauschen draus herfür.
Frühlingsruf kommt mahnend, 
Herzlein träumen ahnend
Heimlich unterm Maienbaum
Ihren Maientraum. 

Frohe Wandergrüße, 
Flieget mir voraus! 
Tragt mich, leichte Füße,
Nachts zum Waldeshaus!
Laub und Zweige deckt mich,
Bis am Morgen weckt mich
Der mein Schlummerlied auch schuf,
Nachtigallenruf! 

Pfingsten ist gekommen, 
Goldne Blüthenzeit! 
Rings in Glanz verschwommen
Liegt die Erde weit.
Lieb und Lust erneun sich, 
Erd' und Himmel freun sich 
Über Jugend, Gruß und Kuß
Freudigsten Genuß! 

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Confirmed with Waldmeisters Brautfahrt: ein Rhein-, Wein- und Wandermärschen von Otto Roquette, Dreiunddreißigste Auflage, Stuttgart und Tübingen: J. G. Cotta'scher Verlag, 1870, pages 79-81.


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4. Sonnenaufgang [sung text not yet checked]

Die Sonn' hat [mich gewecket]1
Mit ihrem ersten Strahl,
Vom Nebel überdecket
Liegt noch das weite Thal.
Wachet auf, wachet auf! 
Frühling ist draußen, 
In sprudelndem Lauf 
Die Bäche brausen! 
Hoiho!  Hoiho! 
Und thürmten die Wolken sich ohne Zahl, 
Der Nebel zerreißt vor der Sonne Strahl! 
Hoiho!  

Die ihr da unten träumet, 
Verschlaft die Stunde nicht, 
Die Welt steht schon umsäumet 
Vom freien Sonnenlicht! 
Nur des Morgens Glut 
Ist freudiges Leben, 
In des Abends Hut 
Will die Kraft verschweben! 
Hoiho!  Hoiho! 
Wer das junge, das blühende Leben veracht', 
Vermodre im Dunkel der alten Nacht! 
Hoiho!  

Authorship

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Confirmed with Waldmeisters Brautfahrt: ein Rhein-, Wein- und Wandermärschen von Otto Roquette, sechste unveränderte Auflage, Stuttgart und Tübingen: J. G. Cotta'scher Verlag, 1852. Appears in 5. Prinzessin Rebenblüthe, pages 48 - 49.

1 Schultz: "uns erwecket"; further changes may exist not shown above.

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5. Freimuth [sung text not yet checked]

Nun fahrt mir alle aus dem Sinn,
Mit Klagen und mit Quälen, 
Ihr bringt nicht Trost mir, noch Gewinn;
Will Bessres mir erwählen! 
Nun werd' ich nichts mehr als ein Lump,
Voll Wanderlust und Leben,
Aus eurem Moderbrunnen pump'
Ich niemals Saft der Reben! 

Vergeß ich heut in dem Revier
Die Welt mit ihren Wegen, 
Grüßt aus dem Becher doppelt mir 
Die ganze Welt entgegen.
Und wandr' ich ein in jenes Thal,
Bin ich zu Haus auch drüben,
Find' ich nur Wein und Liederschall
Und Mädchen so wie hüben.

Ja scheltet mich, ihr klugen Herrn,
Mit hochgelahrten Nasen! 
Ich gönne eure Weisheit gern 
Den alten Muhmen und Basen.
Ich sag's euch grade in's Gesicht,
Ihr seid zerfreßne Bücher,
Und riechet doch die Weisheit nicht,
Ihr hochwohlweisen Riecher! 

Die freie Welt ist nun mein Haus,
Gegrüßt an meiner Schwelle,
Wer mit mir ziehet ein und aus,
Er sei mein Lustgeselle.
Ein ächter Lump zieh ich herum,
Und scheint euch das geringe,
So scheer' ich mich den Teufel drum,
Und wandre frei und singe!

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Confirmed with Waldmeisters Brautfahrt: ein Rhein-, Wein- und Wandermärschen von Otto Roquette, Dreiunddreißigste Auflage, Stuttgart und Tübingen: J. G. Cotta'scher Verlag, 1870, pages 86-87.


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6. Die goldne Zeit [sung text not yet checked]

Noch ist die blühende, goldene Zeit,
O du schöne Welt, wie bist du so weit!
Und so weit ist mein Herz, und so [froh]1 wie der Tag,
Wie die Lüfte, durchjubelt von Lerchenschlag!
Ihr Fröhlichen, singt weil das Leben noch mait:
Noch [ist]2 die schöne, die blühende Zeit,
Noch sind die Tage der Rosen!

Frei ist das Herz, und frei ist das Lied,
Und frei ist der Bursch, der die Welt durchzieht,
Und ein rosiger Kuß ist nicht minder frei,
So spröd und verschämt auch die Lippe sei.
Wo ein Lied erklingt, wo ein Kuß sich beut,
Da heißt's: Noch ist blühende goldene Zeit,
Noch sind die Tage der Rosen!

Ja im Herzen tief [innen]3 ist Alles daheim,
Der Freude Saaten, der Schmerzen Keim.
[Drum]4 frisch sei das Herz und lebendig der Sinn,
Dann brauset, ihr Stürme, daher und dahin!
Wir [aber sind allzeit]5 zu singen bereit:
Noch [ist]2 die blühende goldene Zeit,
Noch sind die Tage der Rosen!

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Confirmed with Otto Roquette, Waldmeisters Brautfahrt. Ein Rhein-, Wein- und Wandermärchen, 60. Aufl., Stuttgart: Verlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung, 1888. Kap. 5. Prinzessin Rebenblüthe, page 66.

1 Baumgartner, Gade: "blau"; in some editions of the poem "klar"
2 Baumgartner: "ist ja"
3 Baumgartner: "drinnen"
4 Gade: "Darum"
5 Baumgartner: "sind allezeit"

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7. Frauenlob [sung text not yet checked]

Wo sich zum Rheinesstrome
Die Hügel ziehn hinab,
Zu Mainz im alten Dome,
Da ist ein Sängergrab.
Dort unterm Stein zu schauen
Liegt Heinrich Frauenlob,
Der um die holden Frauen
Des Sanges Goldnetz wob.
 
Weil er so hold gesungen,
So treu bis in den Tod,
Sein Lied sich hingeschwungen
Wie letztes Abendrot,
Da war ein großes Klagen,
Da haben all' geweint,
Und ihn zum Grab zu tragen,
Die Frauen sich vereint.
 
Ob sie im Prachtgetose
Auch kam, die Kron' im Haar,
Ob an der Brust die Rose
Der einz'ge Schmuck auch war;
Den ich den schönsten wähne,
Der Schmuck war demuthsvoll:
Die treue Mitleidsthräne,
Die still dem Aug entquoll
 
Sie trugen zum Heiligthume
Die vielgeliebte Last
Und streuten manche Blume
In seine stille Rast;
Und schütteten der Reben
Viel edle Tropfen drauf!
Ihm blühten, wie im Leben,
Im Tod noch Rosen auf.
 
Den Lohn, der ihm beschieden,
Dem Sänger, preis' ich hoch,
Doch eins weiß ich hienieden,
Das nenn' ich schöner noch.
Das möcht' ich mir erstreben,
Das sei mein Hochgewinn,
Wenn ich geschafft im Leben
Mit edlem Männersinn:
 
Wenn von der Jugend Zungen
Mein Lied einst hell erklingt,
Wenn voll Erinnerungen
Man mit den Becher schwingt;
Wenn es in Lust und Schmerzen
Ertönt mit Mark und Kraft:
Er hat mit treuem Herzen
Fürs Vaterland geschafft!

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Confirmed with Waldmeisters Brautfahrt: ein Rhein- Wein- und Wandermärchen von Otto Roquette, Fünfundfünfzigste Auflage. Stuttgart, Verlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung, 1884, pages 88-90.


Research team for this text: Sharon Krebs [Guest Editor] , Harry Joelson

8. Bürgerliche Deputirte [sung text not yet checked]

Dieweil allhier man Hochzeit hält, 
Hochedle Majestäten, 
Und Sie sich festlich heut gesellt
Mit allen Herrn und Räthen,
So hielten wir's daheim nicht aus
Und thäten auf uns machen,
Zu wünschen Ihrem edlen Haus
Die allerschönsten Sachen.

Aus Thüringen der Eine kommt, 
Der Andre kommt aus Sachsen,
Und meint Ihr, daß es uns nicht frommt? 
O dort auch Reben wachsen! 
Der Dritte, ich, aus Schläsigen, 
Vom Grüneberger Steine, 
Zum Trotz all' der hochnäsigen 
Hochedlen Herrn vom Rheine.

Wir wissen's wohl, man spricht uns Hohn,
Und schilt uns eitel Essig,
Das ist, Herr König auf dem Thron,
Recht neidisch und gehässig! 
Vom Handwerk sind wir doch so gut 
Als wie die andern Meister,
Wir sind erfüllt von Willensmuth,
Wenn gleich nicht große Geister.

Man treib' mit uns, sagt man uns nach,
Die Kinder in die Schule;
Wir zögen ein Loch im Strumpfe jach
Zusammen ohne Spule;
Drei Männer hielten Einen kaum, 
Der uns im Leibe spüret --
Wir setzen solchem Lug und Schaum 
Entgegen was gebühret.

Herr König, das bedingen wir 
Uns aus, man soll uns achten,
Und unsern Glückwunsch bringen wir 
Aus tiefsten Herzensschachten:
Von Naumburg der, von Grünberg ich, 
Der Meißner nicht vergessen,
Und unsre Fraun empfehlen sich 
Der gnädigsten Prinzessen.

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Confirmed with Waldmeisters Brautfahrt: ein Rhein-, Wein- und Wandermärschen von Otto Roquette, Dreiunddreißigste Auflage, Stuttgart und Tübingen: J. G. Cotta'scher Verlag, 1870, pages 43-45.


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9. Wanderlied [sung text not yet checked]

Berg um Berg, und Thal inmitten 
Lied der Luft gesellt, 
So mit rüst'gen Wanderschritten
Schau ich mir die Welt.
Abgeschafft sind alle Sorgen, 
Sollen's ewig sein,
Morgen kommt ja erst das Morgen,
Doch das Heut ist mein! 

Klarer Tag aus goldner Truhe 
Giebt mir heitren Sold,
Und umbuscht von Schattenruhe
Bleibt die Nacht mir hold.
Wanderschaft, du ew'ge Quelle
Reinster Lebenslust,
Läutre mir mit klarer Welle
Lange noch die Brust! 

Dampf der Städte laß ich liegen,
Straßen dumpf und toll,
In den blauen Himmel fliegen
Möcht' ich jubelvoll! 
Alle winkt willkommnem Gaste,
Quell und Felsenwand, 
Wo ich wandre, wo ich raste
Bin ich gleich bekannt.

Und so lang noch Lebenstriebe
Froh sich mir gesellt, 
Will ich lieben diese liebe 
Wunderschöne Welt! 
Wollt ihr goldne Schätze heben, 
Zeig' ich sie euch ächt,
Denn die Jugend und das Leben 
Und der Tag hat recht!

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  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Waldmeisters Brautfahrt: ein Rhein- Wein- und Wandermärchen von Otto Roquette, Fünfundfünfzigste Auflage. Stuttgart, Verlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung, 1884, pages 83-84.


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10. Rheinweine [sung text not yet checked]

Das war zu Aßmannshausen,
Wohl an dem grünen Rhein,
Da zog ich frisch und wohlgemuth
Zum alten Thor hinein.
  Zu Aßmannshausen wächst ein Wein,
  Ich meint' das müßt' der beste sein,
  Der Aßmannshäuser Wein.

Und als ich kam zum Niederwald, 
Da sah ich Rüdesheim,
Da war's so lustig und so schön,
Ich meint' ich wär daheim. 
  Zu Rüdesheim da wächst ein Wein,
  Ich meint' das müßt der beste sein, 
  Der Wein von Rüdesheim.

Und weiter ging's nach Geisenheim, 
Da baut' ich Hütten gern.
Doch schon erglänzt Johannisberg --
O aller Sterne Stern! 
  Ja tröste dich, du armer Wicht,
  Johannisberger schenkt man nicht,
  Als nur besternten Herrn!

Nun sagt mir Eins, ist das wohl recht
Von dem besternten Troß, 
Daß er den allerbesten Wein
Dem durst'gen Mund verschloß? 
  Das Beste, das im Lande wächst, 
  Verschließen, gleich als wär's verhext --
  Ei, was mich das verdroß! 

Und gebt ihr nicht das Beste gleich,
Das Gute bleibt uns noch, 
Die bessre Sorte zögert nicht,
Das Beste kommt uns doch!
  Drum trinket bis kein Tropfen mehr,
  Bald zwingt der Durst das Beste her,
  Und sprengt des Fasses Joch! --

Authorship

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "At the Rhine", copyright © 2020, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Waldmeisters Brautfahrt: ein Rhein- Wein- und Wandermärchen von Otto Roquette, Fünfundfünfzigste Auflage. Stuttgart, Verlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung, 1884, pages 90-92.


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]