Hölderlin-Lieder: Erster Zyklus

Song Cycle by Wilhelm Killmayer (1927 - 2017)

Word count: 1315

1. Der Frühling [sung text checked 1 time]

Die Sonne glänzt, es blühen die Gefilde,
Die Tage kommen blütenreich und milde,
Der Abend blüht hinzu, und helle Tage gehen
Vom Himmel abwärts, wo die Tag entstehen.
 
Das Jahr erscheint mit seinen Zeiten
Wie eine Pracht, wo Feste sich verbreiten,
Des Menschen Tätigkeit beginnt mit neuem Ziele,
So sind die Zeichen in der Welt, der Wunder viele.

Authorship

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Spring", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission

Note: the original poem is signed: "Mit Untertänigkeit Scardanelli, d. 24 April 1839". [Note added by Sharon Krebs, August 6, 2008]. In his madness Hölderlin seemed convinced sometimes that his name was Scardanelli. [Note added by Emily Ezust, August 6, 2008]

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2. Der Herbst [sung text checked 1 time]

Das Glänzen der Natur ist höheres Erscheinen,
Wo sich der Tag mit vielen Freuden endet,
Es ist das Jahr, das sich mit Pracht vollendet,
Wo Früchte sich mit frohem Glanz vereinen.
 
Das Erdenrund ist so geschmückt, und selten lärmet
Der Schall durchs offne Feld, die Sonne wärmet
Den Tag des Herbstes mild, die Felder stehen
Als eine Aussicht weit, die Lüfte wehen

Die Zweig und Äste durch mit frohem Rauschen,
Wenn schon mit Leere sich die Felder dann vertauschen,
Der ganze Sinn des hellen Bildes lebet
Als wie ein Bild, das goldne Pracht umschwebet.

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  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "L'automne", copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission

The poem has this beneath it: "d. 15ten Nov. 1759"

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3. Der Winter [sung text checked 1 time]

Wenn sich der Tag des Jahrs hinabgeneiget
Und rings das Feld mit den Gebirgen schweiget,
So glänzt das Blau des Himmels an den Tagen,
Die wie Gestirn in heitrer Höhe ragen.
 
Der Wechsel und die Pracht ist minder umgebreitet,
Dort, wo ein Strom hinab mit Eile gleitet,
Der Ruhe Geist ist aber in den Stunden
Der prächtigen Natur mit Tiefigkeit verbunden.

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  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "L'hiver", copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission

The poem has this beneath it:
Mit Unterthänigkeit,
Scardanelli
d. 24. Januar 1743 

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4. Der Frühling [sung text checked 1 time]

Der Tag erwacht, und prächtig ist der Himmel,
Entschwunden ist von Sternen das Gewimmel,
Der Mensch empfindet sich, wie er betrachtet,
Der Anbeginn des Jahrs wird hoch geachtet.
 
Erhaben sind die Berge, wo die Ströme glänzen,
Die Blütenbäume sind, als wie mit Kränzen,
Das junge Jahr beginnt, als wie mit Festen,
Die Menschen bilden mit Höchsten sich und Besten.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Spring", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission

Note: the original poem is signed: "Mit Untertänigkeit Scardanelli". [Note added by Sharon Krebs, August 6, 2008]. In his madness Hölderlin seemed convinced sometimes that his name was Scardanelli. [Note added by Emily Ezust, August 6, 2008]

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5. Überzeugung [sung text checked 1 time]

Als wie der Tag die Menschen hell umscheinet
Und mit dem Licht, das den Höh'n entspringet
Die dämmernden Erscheinungen vereinet,
Ist Wissen, welches tief der Geistigkeit gelinget.

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  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Conviction", copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission

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6. Höheres Leben [sung text checked 1 time]

Der Mensch erwählt sein Leben, sein Beschließen,
Von Irrtum frei kennt Weisheit er, Gedanken,
Erinnrungen, die in der Welt versanken,
Und nichts kann ihm der innern Wert verdrießen.
 
Die prächtige Natur verschönet seine Tage,
Der Geist in ihm gewährt ihm neues Trachten
In seinem Innern oft, und das, die Wahrheit achten,
Und höhern Sinn, und manche seltne Frage.
 
Dann kann der Mensch des Lebens Sinn auch kennen,
Das Höchste seinem Zweck, das Herrlichste benennen,
Gemäß der Menschheit so des Lebens Welt betrachten,
Und hohen Sinn als höhres Leben achten.

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7. Winter [sung text checked 1 time]

Wenn sich das Laub auf Ebnen weit verloren,
So fällt das Weiß herunter auf die Tale,
Doch glänzend ist der Tag vom hohen Sonnenstrahle,
Es glänzt das Fest den Städten aus den Toren.
 
Es ist die Ruhe der Natur, des Feldes Schweigen
Ist wie des Menschen Geistigkeit, und höher zeigen
Die Unterschiede sich, daß sich zu hohem Bilde
Sich zeiget die Natur, statt mit des Frühlings Milde.

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8. Der Frühling [sung text checked 1 time]

Der Mensch vergißt die Sorgen aus dem Geiste,
Der Frühling aber blüht, und prächtig ist das meiste,
Das grüne Feld ist herrlich ausgebreitet,
Da glänzend schön der Bach hinuntergleitet.
 
Die Berge stehn bedecket mit den Bäumen,
Und herrlich ist die Luft in offnen Räumen,
Das weite Tal ist in der Welt gedehnet
Und Turm und Haus an Hügeln angelehnet.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Spring", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission

Note: the original poem is signed: "Mit Untertänigkeit Scardanelli". [Note added by Sharon Krebs, August 6, 2008]. In his madness Hölderlin seemed convinced sometimes that his name was Scardanelli. [Note added by Emily Ezust, August 6, 2008]

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9. Der Sommer [sung text checked 1 time]

Die Tage gehn vorbei mit sanfter Lüfte Rauschen,
Wenn mit der Wolke sie der Felder Pracht vertauschen,
Des Tales Ende trifft der Berge Dämmerungen,
Dort, wo des Stromes Wellen sich hinabgeschlungen.
 
Der Wälder Schatten sieht umhergebreitet,
Wo auch der Bach entfernt hinuntergleitet,
Und sichtbar ist der Ferne Bild in Stunden,
Wenn sich der Mensch zu diesem Sinn gefunden.

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  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "L'été", copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission

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Scardanelli
d. 24. Mai 1758

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10. Der Herbst [sung text checked 1 time]

Die Sagen, die der Erde sich entfernen,
Vom Geiste, der gewesen ist und wiederkehret,
Sie kehren von der Menschheit sich, und vieles lernen 
Wir aus der Zeit, die eilends sich verzehret. 
 
Die Bilder der Vergangenheit sind nicht verlassen 
Von der Natur, als wie die Tag' verblassen
Im hohen Sommer, kehrt der Herbst zur Erde nieder, 
Der Geist der Schauer findet sich am Himmel wieder 
 
In kurzer Zeit hat vieles sich geendet, 
Der Landmann, der am Pfluge sich gezeiget, 
Er siehet, wie das Jahr sich frohem Ende neiget, 
In solchen Bildern ist des Menschen Tag vollendet. 
 
Der Erde Rund mit Felsen ausgezieret, 
Ist wie die Wolke nicht, die Abends sich verlieret, 
Es zeiget sich mit einem goldnen Tage, 
Und die Vollkommenheit ist ohne Klage.

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  • ENG English (John Glenn Paton) , "Autumn", copyright © 1994, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English [singable] (Walter A. Aue) , "Autumn", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

11. Der Winter [sung text checked 1 time]

Wenn bleicher Schnee verschönert die Gefilde,
Und hoher Glanz auf weiter Ebne blinkt,
So reizt der Sommer fern, und milde
Naht sich der Frühling oft, indes die Stunde sinkt.
 
Die prächtige Erscheinung ist, die Luft ist feiner,
Der Wald ist hell, es geht der Menschen keiner
Auf Straßen, die zu sehr entlegen sind, die Stille machet
Erhabenheit, wie dennoch alles lachet.
 
Der Frühling scheint nicht mit der Blüten Schimmer
Dem Menschen so gefallend, aber Sterne
Sind an dem Himmel hell, man siehet gerne
Den Himmel fern, der ändert fast sich nimmer.
 
Die Ströme sind, wie Ebnen, die Gebilde
Sind, auch zerstreut, erscheinender, die Milde
Des Lebens dauert fort, der Städte Breite
Erscheint besonders gut auf ungemeßner Weite.

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12. Der Kirchhof [sung text checked 1 time]

Du stiller Ort, der grünt mit jungem Grase,
Da liegen Mann und Frau, und Kreuze stehn,
Wohin hinaus geleitet Freunde gehn,
Wo Fenster sind glänzend mit hellem Glase.
 
Wenn glänzt an dir des Himmels hohe Leuchte
Des Mittags, wann der Frühling dort oft weilt,
Wenn geistige Wolke dort, die graue, feuchte,
Wenn sanft der Tag vorbei mit Schönheit eilt!
 
Wie still ists nicht an jener grauen Mauer,
Wo drüber her ein Baum mit Früchten hängt;
Mit schwarzen tauigen, und Laub voll Trauer,
Die Früchte aber sind sehr schön gedrängt.
 
Dort in der Kirch' ist eine dunkle Stille
Und der Altar ist auch in dieser Nacht geringe,
Noch sind darin einige schöne Dinge,
Im Sommer aber singt auf Feldern manche Grille.
 
Wenn einer dort Reden des Pfarrherrn hört,
Indes die Schar der Freunde steht daneben,
Die mit dem Toten sind, welch eignes Leben
Und welcher Geist, und fromm sein ungestört.

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13. Aussicht [sung text checked 1 time]

Der offne Tag ist Menschen hell mit Bildern,
Wenn sich das Grün aus ebner Ferne zeiget,
Noch eh des Abends Licht zur Dämmerung sich neiget,
Und Schimmer sanft den Klang des Tages mildern.
Oft scheint die Innerheit der Welt umwölkt, verschlossen,
Des Menschen Sinn von Zweifeln voll, verdrossen,
Die prächtige Natur erheitert seine Tage
Und ferne steht des Zweifels dunkle Frage.

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14. Der Sommer [sung text checked 1 time]

Das Erntefeld erscheint, auf Höhen schimmert
Der hellen Wolke Pracht, indes am weiten Himmel
In stiller Nacht die Zahl der Sterne flimmert,
Groß ist und weit von Wolken das Gewimmel.
 
Die Pfade gehn entfernter hin, der Menschen Leben,
Es zeiget sich auf Meeren unverborgen,
Der Sonne Tag ist zu der Menschen Streben
Ein hohes Bild, und golden glänzt der Morgen.
 
Mit neuen Farben ist geschmückt der Gärten Breite,
Der Mensch verwundert sich, daß sein Bemühn gelinget,
Was er mit Tugend schafft, und was er hoch vollbringet,
Es steht mit der Vergangenheit in prächtigem Geleite.

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15. Freundschaft [sung text checked 1 time]

Wenn Menschen sich aus innrem Werte kennen,
So können sie sich freudig Freunde nennen,
Das Leben ist den Menschen so bekannter,
Sie finden es im Geist interessanter.
 
Der hohe Geist ist nicht der Freundschaft ferne,
Die Menschen sind den Harmonien gerne
Und der Vertrautheit hold, daß sie der Bildung leben,
Auch dieses ist der Menschheit so gegeben.

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16. Höhere Menschheit [sung text checked 1 time]

Den Menschen ist der Sinn ins Innere gegeben,
Daß sie als anerkannt das Beßre wählen,
Es gilt als Ziel, es ist das wahre Leben,
Von dem sich geistiger des Lebens Jahre zählen.

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17. Die Aussicht [sung text checked 1 time]

Wenn in die Ferne geht der Menschen wohnend Leben,
Wo in [die]1 Ferne sich erglänzt die Zeit der Reben,
Ist auch dabei des Sommers leer Gefilde,
Der Wald erscheint mit seinem dunklen Bilde.

Daß die Natur ergänzt das Bild der Zeiten,
Daß die verweilt, sie schnell vorübergleiten,
Ist aus Vollkommenheit, des Himmels Höhe glänzet
Den Menschen dann, wie Bäume Blüt umkränzet.

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  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "La perspective", copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission

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The poem is printed with this beneath it:
Mit Untertänigkeit
Scardanelli.
d. 24 Mai 1748. 
1 Saariaho: "der" (according to the Chester Novello website)

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18. Der Frühling [sung text not yet checked]

Wenn auf Gefilden neues Entzücken keimt
Und sich die Ansicht wieder verschönt und sich
An Bergen, wo die Bäume grünen,
Hellere Lüfte, Gewölke zeigen,

O! welche Freude haben die Menschen! froh
Gehn an Gestaden Einsame, Ruh' und Lust
Und Wonne der Gesundheit blühet,
Freundliches Lachen ist auch nicht ferne.

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  • ENG English (John Glenn Paton) , "Spring", copyright © 1994, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Le printemps", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Michael Komma