Goethe-Lieder

Song Cycle by Wolfgang Michael Rihm (b. 1952)

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1. An Zelter [sung text checked 1 time]

Ein Füllhorn von Blüten
Ein zweites von Früchten
Wie möcht ich gemütlich
Zum Feste sie richten!
Doch saust ein Gestöber
In Lüften so wild:
Wo alles erstarret,
Genieße das Bild!
Begrüße die Bilder!
Sie gingen voran,
Und andere folgen-
So fort und fortan!

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Researcher for this text: Peter Schoene

2. Gingo biloba [sung text checked 1 time]

Dieses Baums Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Giebt geheimen Sinn zu kosten,
Wie's den Wissenden erbaut,

Ist es Ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Daß man sie als Eines kennt?

Solche Frage zu erwiedern,
Fand ich wohl den rechten Sinn,
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Daß ich Eins und doppelt bin?

Authorship

Researcher for this text: Peter Schoene

3. Dämmrung senkte sich von oben [sung text not yet checked]

Dämmrung senkte sich von oben,
Schon ist alle Nähe fern;
Doch zuerst emporgehoben
Holden Lichts der Abendstern!
Alles schwankt in's Ungewisse,
Nebel schleichen in die Höh';
Schwarzvertiefte Finsternisse
Widerspiegelnd ruht der See.

[Nun]1 [am]2 östlichen Bereiche
Ahn' ich Mondenglanz und Gluth,
Schlanker Weiden Haargezweige
Scherzen auf der nächsten Fluth.
Durch bewegter Schatten Spiele
Zittert Luna's Zauberschein,
Und durch's Auge [schleicht]3 die Kühle
Sänftigend in's Herz hinein.

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  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , no title, copyright ©
  • ENG English [singable] (Florence T. Jameson) , "Twilight from above has fallen"
  • FRE French (Français) [singable] (Frieda Boutarel) (Amédée Boutarel) , "L'ombre tombe lente et pâle"
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , no title, copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Goethe's Werke Stuttgart und Tübingen, Cotta'schen Buchhandlung, 1833, Band 47, page 52. Note: modern spelling would change "Gluth" to "Glut" and "Fluth" to "Flut".

1 Diepenbrock: "Dort,"
2 some recent editions of Goethe's work have "im"
3 Grimm: "zieht"

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4. Worte sind der Seele Bild [sung text checked 1 time]

Worte sind der Seele Bild -
Nicht ein Bild! sie sind ein Schatten!
Sagen herbe, deuten mild,
Was wir haben, was wir hatten. -

Was wir hatten, wo ist's hin?
Und was ist's denn, was wir haben? -
Nun, wir sprechen! Rasch im Fliehn
Haschen wir des Lebens Gaben.

Authorship

Researcher for this text: Peter Schoene

5. Phänomen [sung text not yet checked]

Wenn zu der Regenwand
Phöbus sich gattet,
Gleich steht ein Bogenrand
Farbig beschattet.

Im Nebel gleichen Kreis 
Seh ich gezogen;
Zwar ist der Bogen weiß,
Doch Himmelsbogen.

So sollst du, muntrer Greis,
Dich nicht betrüben:
Sind gleich die Haare weiß,
Doch wirst du lieben.

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  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Fenomeen", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Siân Goldthorpe) (Christian Stein) , "Phenomenon", copyright ©, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Phénomène", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Giulio Cesare Barozzi) , "Fenomeno", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Siân Goldthorpe

6. Selige Sehnsucht [sung text not yet checked]

Sagt es niemand, nur den Weisen,
Weil die Menge gleich verhöhnet,
Das Lebend'ge will ich preisen,
Das nach Flammentod sich sehnet. 

In der Liebesnächte Kühlung,
Die dich zeugte, wo du zeugtest,
Überfällt dich fremde Fühlung,
Wenn die stille Kerze leuchtet. 

Nicht mehr bleibest du umfangen
In der Finsternis Beschattung, 
Und dich reißet neu Verlangen
Auf zu höherer Begattung. 

Keine Ferne macht dich schwierig,
Kommst geflogen und gebannt,
Und zuletzt, des Lichts begierig, 
Bist du, Schmetterling, verbrannt. 

Und so lang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und werde! 
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde. 

Tut ein Schilf sich doch hervor,
Welten zu versüßen! 
Möge meinem Schreibe-Rohr
Liebliches entfließen!

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  • ENG English (Emily Ezust) , "Blissful yearning", copyright ©

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7. Parabase [sung text not yet checked]

Freudig war vor vielen Jahren,
Eifrig so der Geist bestrebt,
Zu erforschen, zu erfahren,
Wie Natur im Schaffen lebt.
Und es ist das ewig Eine,
Das sich vielfach offenbart.
Klein das Große, groß das Kleine,
Alles nach der eignen Art.
Immer wechselnd, fest sich haltend,
Nah und fern und fern und nah;
So gestaltend, umgestaltend -
Zum Erstaunen bin ich da.

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  • HUN Hungarian (Magyar) (Tamás Rédey) , "Parabázis", copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

8. Lebensgenuß [sung text checked 1 time]

"Wie man nur so leben mag?
Du machst dir gar keinen guten Tag!"
Ein guter Abend kommt heran,
Wenn ich den ganzen Tag getan.

Wenn man mich da- und dorthin zerrt
Und wo ich nichts vermag,
Bin von mir selbst nur abgesperrt,
Da hab' ich keinen Tag.

Tut sich nun auf, was man bedarf
Und was ich wohl vermag,
Da greif' ich ein, es geht so scharf,
Da hab' ich meinen Tag.

Ich scheine mir an keinem Ort,
Auch Zeit ist keine Zeit,
Ein geistreich-aufgeschlossnes Wort
Wirkt auf die Ewigkeit.

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Researcher for this text: Peter Schoene

9. Höchste Gunst [sung text checked 1 time]

Ungezähmt, so wie ich war,
Hab ich einen Herrn gefunden
Und, gezähmt, nach manchem Jahr
Eine Herrin auch gefunden.
Da sie Prüfung nicht gespart,
Haben sie mich treu gefunden
Und mit Sorgfalt mich bewahrt
Als den Schatz, den sie gefunden.
Niemand diente zweien Herrn,
Der dabei sein Glück gefunden;
Herr und Herrin sehn es gern,
Daß sie beide mich gefunden,
Und mir leuchtet Glück und Stern,
Da ich beide sie gefunden.

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Researcher for this text: Peter Schoene

10. Heut und ewig [sung text checked 1 time]

Unmöglich ist's, den Tag dem Tag zu zeigen,
Der nur Verworrnes im Verworrnen spiegelt,
Und jeder selbst sich fühlt als recht und eigen,
Statt sich zu zügeln, nur am andern zügelt;
Da ist's den Lippen besser, dass sie schweigen,
Indes der Geist sich fort und fort beflügelt.
Aus Gestern wird nicht Heute; doch Äonen,
Sie werden wechselnd sinken, werden thronen.

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Researcher for this text: Peter Schoene

11. Aus "Wilhelm Meisters Wanderjahren" [sung text not yet checked]

Ein Wunder ist der arme Mensch geboren,
In Wundern ist der irre Mensch verloren.
Nach welcher dunklen, schwer entdeckten Schwelle
Durchtappen pfadlos ungewisse Schritte?
Dann in lebendigem Himmelsglanz und Mitte
Gewahr', empfind' ich Nacht und Tod und Hölle.

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Researcher for this text: Harry Joelson

12. Willst du dir ein gut Leben zimmern [sung text checked 1 time]

Willst du dir ein gut Leben zimmern,
Mußt ums Vergangne dich nicht bekümmern,
Und wäre dir auch was verloren,
Erweise dich wie neugeboren;
Was jeder Tag will, sollst du fragen,
Was jeder Tag will, wird er sagen;
Mußt dich an eigenem Tun ergötzen,
Was andre tun, das wirst du schätzen;
Besonders keinen Menschen hassen
Und das übrige Gott überlassen.

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Researcher for this text: Peter Schoene