Unterwegs - Liederzyklus für Sopran und Klavier nach Texten von Hermann Hesse

Song Cycle by Martin Rössler (b. 1934)

Word count: 420

1. Im Nebel  [sung text checked 1 time]

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.

Voll Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.

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  • ENG English [singable] (Walter A. Aue) , "In the mists", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Dans le brouillard", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission
  • IRI Irish (Gaelic) [singable] (Gabriel Rosenstock) , "Sa cheobhrán", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , "Nebbia", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Hermann Hesse, Sämtliche Werke, herausgegeben von Volker Michels, Band 10 Die Gedichte, bearbeitet von Peter Huber, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2002, pages 136-137.


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

2. Landstreicherherberge  [sung text checked 1 time]

Wie fremd und wunderlich das ist,
Daß immerfort in jeder Nacht
Der leise Brunnen weiterfließt,
Vom Ahornschatten kühl bewacht.

Und immer wieder wie ein Duft
Der Mondschein auf den Giebeln liegt
Und durch die kühle, dunkle Luft
Die leichte Schar der Wolken fliegt!

Das alles steht und hat Bestand,
Wir aber ruhen eine Nacht
Und gehen weiter über Land,
Wird uns von niemand nachgedacht.

Und dann, vielleicht nach manchem Jahr,
Fällt uns im Traum der Brunnen ein
Und Tor und Giebel, wie es war
Und jetzt noch und noch lang wird sein.

Wie Heimatahnung glänzt es her
Und war doch nur zu kurzer Rast
Ein fremdes Dach dem fremden Gast,
Er weiß nicht Stadt, nicht Namen mehr.

Wie fremd und wunderlich das ist,
Daß immerfort in jeder Nacht
Der leise Brunnen weiterfließt,
Vom Ahornschatten kühl bewacht!

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  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Hermann Hesse, Sämtliche Werke, herausgegeben von Volker Michels, Band 10 Die Gedichte, bearbeitet von Peter Huber, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2002, pages 88-89.


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

3. Fremde Stadt  [sung text checked 1 time]

Wie das so seltsam traurig macht:
Ein Gang durch eine fremde Stadt.
Man sucht sich ein Quartier zur Nacht,
obwohl man kaum Moneten hat.

Man klopft verzagt am Kolpinghaus
und wird fast wie ein Hund verjagt.
Die Dinge sehen traurig aus,
wenn man am Hungertuche nagt.

Im Stadtpark wartet eine Bank,
im Abfallkorb ein Butterbrot.
Da flüstert man ein «Gott sei Dank!»
und schläft auf dieser Bank wie tot.

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Ville étrangère", copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

4. Reiselied  [sung text checked 1 time]

Sonne, [leuchte]1 mir ins Herz hinein,
Wind, verweh mir Sorgen und Beschwerden!
Tiefere Wonne weiß ich nicht auf Erden,
Als im Weiten unterwegs zu sein.

Nach der Ebene nehm ich meinen Lauf,
Sonne soll mich sengen, Meer mich kühlen;
Unsrer Erde Leben mitzufühlen,
Tu ich alle Sinne festlich auf.

Und so soll mir jeder neue Tag
Neue Freunde, neue Brüder weisen,
Bis ich leidlos alle Kräfte preisen,
Aller Sterne Gast und Freund sein mag.

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Hermann Hesse, Sämtliche Werke, herausgegeben von Volker Michels, Band 10 Die Gedichte, bearbeitet von Peter Huber, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2002, page 173.

1 Wittmer: "scheine"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

5. Glück  [sung text checked 1 time]

Solang du nach dem Glücke jagst,
Bist du nicht reif zum Glücklichsein
Und wäre alles Liebste dein.

[Solang]1 du um Verlornes klagst
Und Ziele hast und rastlos bist,
Weißt du noch nicht, was Friede ist.

Erst wenn du jedem Wunsch entsagst,
Nicht [Ziel]2 mehr, noch Begehren kennst,
Das Glück nicht mehr mit Namen nennst,

Dann reicht dir des Geschehens Flut
Nicht mehr ans Herz, und deine Seele ruht.

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  • ENG English [singable] (Walter A. Aue) , "Happiness", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Sharon Krebs) , "Happiness", copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Bonheur", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Hermann Hesse, Sämtliche Werke, herausgegeben von Volker Michels, Band 10 Die Gedichte, bearbeitet von Peter Huber, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2002, page 164.

1 Kilpinen : "Solange" (?)
2 Kilpinen : "Ziele" (?)

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]