Sechs Gesänge mit Begleitung des Piano-Forte, 12te Sammlung

Song Cycle by Johann Xaver Sterkel (1750 - 1817)

Word count: 614

1. Schwermuths Tändelei [sung text not yet checked]

Ein heimlich Plätzgen, dort im Grünen, 
In singendes Gebüsch versteckt, 
Lind von der Sonne Hauch beschienen,  
Und von dem weichsten Klee bedeckt, 

Dies nimmt mich auf in seine Arme,
Von ungelegnen Sorgen fern; 
Hier ruht' ich, frei von allem Harme,
Wohl auch den letzten Schlummer gern. 

Wohl dem, den schon die Erd' umfangen!
Auch in dem Grabe schläft sichs schön.
Wo schon so viele hingegangen,
Wer sollte gern dahin nicht geh'n?

Doch wünscht der Mensch zur Schlummerstätte
Und für willkommner Träume Nah'n,
Sich gern ein reinlich friedsam Bette;
Wo könnt' ein schöners mich empfah'n?

Die Vögel sängen ihre Lieder,
Die schönsten Düfte wehten her;
Die reinsten Stralen sänken nieder,  
Da wär' ein Todesschlaf nicht schwer. 

Authorship

Confirmed with Karl Philipp Conz, Gedichte, erster Band, Tübingen: Heinrich Laupp, 1818, page 64. Appears in Lyrische Gedichte.


Research team for this text: Bertram Kottmann , Melanie Trumbull

2. Der Bund  [sung text not yet checked]

Hast du's in meinem Auge nicht gelesen
Was ungestüm dein Mund seit gestern fragt?
Ich [ahn']1 in dir das gleichgeschaffne Wesen,
Und meines Daseins öde Dämmrung tagt;
In dunkler Wolke webt mit leiser Hand
Die Sympathie geheimnißvoll ihr Band.

Empfang', Ersehnter, diese [Freudenzähre]2
Zum Dank, daß du den Himmel mir enthüllt!
Der Erd' entführt ins Thal der Schattenchöre
Einst Psyche nur allein dein holdes Bild;
So rettete von Tauris wildem Strand
Sein Heiligtum Orest ins beßre Land.

Du, den ich kühn aus Tausenden erwähle,
O Schöpfer hoffnungsvoller Blüthenzeit!
In diesem Kuß nimm meine ganze Seele,
In diesem Ring, das Pfand der Ewigkeit;
Am Sternenhimmel flammt das heil'ge Wort:
Der Geister Einklang tönt unendlich fort.

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , "The bond", copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "L'union", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

View original text (without footnotes)
Confirmed with Gedichte von Friedrich von Matthisson, Fünfzehnte Auflage, Zürich: bei Orell, Füßli und Comp., 1851, pages 213-214, in the section "Zweiter Zeitraum. 1787-1793."

1 Westenholz: "ahnd' "
2 Westenholz: "Freudenzähren"

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

3. An eine deutsche Sängerin [sung text checked 1 time]

Mädchen mit der Silberstimme,
Hör' des Blinden Urtheil an,  
Dass im Aug' die Seele schwimme
Ist des Auges stolzer Wahn.

Wahrer tönt aus jeder Kehle,
Quillt nur Harmonie empor,
Zeugnis einer schönen Seele
Für ein fein gebildnet Ohr.

Wälzt sein Lied aus kranker Lunge
Bacchus und Cytherens Sohn
Über die gelähmte Zunge,
Ach!  wie kränkelt da ihr Ton!

Hört den Schmelz der süssen Töne
Wenn zum leisen Flötenspiel
Ihres Jünglings reine Töne
Liebe singt und ihr Gefühl. 

Leidenschaft verstimmt die Saiten,
Stört der Töne Harmonie,
Nur aus reiner Seele gleiten
Silbertöne, rein wie sie. 

Authorship

Researcher for this text: Melanie Trumbull

4. Elise [sung text checked 1 time]

Schön ist einer Rose jugendliche Knospe
Wenn Tau sie benetzt aus grüner Laube unter Dornen lächelt;
Aber schöner ist doch eine noch.

Schön ist hoch am Himmel aus der Wolken Schleier
Luna’s Silberschein, der sich auf der Wange schwankender Wellen spiegelt;
Aber schöner ist doch eine noch.

Schön ist einer Wiese blumenreicher Teppich,
Wo die Biene schwärmt, junge Weste spielend laue Düfte würzen;
Aber schöner ist doch eine noch.

Schöner ist Elise, wenn ihr blaues Auge liebevoll mir winkt,
ihres Mundes Lächeln, ihrer Wangen Grübchen weichet Rose,
weichet Rose Wies’ und Lunas Schein.

Authorship

Note: Sterkel dedicated this song to Elise Barensfeld. See Beethoven's "Für Elise".


Researcher for this text: Joachim Fischer

5. Das stille Land [sung text not yet checked]

Ins stille Land!
Wer leitet uns hinüber?
Schon wölkt sich uns der Abendhimmel trüber,
Und immer trümmervoller wird der Strand.
Wer leitet uns mit sanfter Hand
Hinüber! ach! hinüber
Ins stille Land?

Ins stille Land!
Zu euch, ihr freyen Räume
Für die Veredlung! zarte Morgenträume
Der schönen Seelen! künft'gen Daseyns Pfand.
Wer treu des Lebens Kampf bestand,
Trägt seiner Hoffnung Keime
Ins stille Land.

Ach Land! ach Land!
Für alle Sturmbedrohten
Der mildeste von unsers Schicksals Bothen
Winkt uns, die Fackel umgewandt,
Und leitet uns mit sanfter Hand
Ins Land der großen Todten,
Ins stille Land.

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Naar 't stille land", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Malcolm Wren) , copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Dans le pays du repos", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Antonio Zencovich) , "Nel paese del silenzio", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Gedichte von J. G. von Salis. Neueste Auflage. Wien 1815. Bey B. Ph. Bauer, page 138; and with Iris. Ein Taschenbuch für 1805. Herausgegeben von J. G. Jacobi. Zürich, bey Orell, Füssli und Compagnie, pages 338-339.


Research team for this text: Richard Morris , Peter Rastl [Guest Editor]

6. Frühzeitiger Frühling [sung text not yet checked]

Tage der Wonne,
Kommt ihr so bald?
Schenkt mir die Sonne
Hügel und Wald?
 
Reichlicher fließen
Bächlein zumal,
Sind es die Wiesen?
Ist es das Thal?
 
Blauliche Frische!
Himmel und Höh!
Goldene Fische
Wimmeln im See.
 
Buntes Gefieder
Rauschet im Hain;
Himmlische Lieder
Schallen darein.
 
Unter des Grünen
Blühender Kraft,
Naschen die Bienen
Summend am Saft.
 
Leise Bewegung
Bebt in der Luft,
Reizende Regung
Schläfernder Duft.
 
Mächtiger rühret
Bald sich ein Hauch,
Doch er verlieret
Gleich sich im Strauch.
 
Aber zum Busen
Kehrt er zurück,
Helfet, ihr Musen,
Tragen das Glück!
 
Saget seit gestern
Wie mir geschah?
Liebliche Schwestern,
Liebchen ist da!

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Vroege lente", copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "Early spring", copyright ©
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Printemps précoce", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • FRL Friulian (Ermes Culos) , "Buntìmp di primavera", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • GRE Greek (Ελληνικά) [singable] (Christakis Poumbouris) , "Πρώιμη άνοιξη", copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with: Goethe’s sämmtliche Werke, Erster Band, Paris: Tétot Frères, 1836, page 14.


Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]