Am gewaltigen Meer
Language: German (Deutsch) 
Am gewaltigen Meer 
In der Mitternacht,
Wo der Wogen Heer 
An die Felsen kracht,
Da schau ich vom Turme hinaus.
Ich erheb einen Sang 
Aus starker Brust
Und mische dem Klang 
In die wilde Lust,
In die Nacht, in den Sturm, in den Graus.

Dringe durch, dringe durch 
Recht freudenvoll,
Mein Lied, von der Burg 
In das Sturmgeroll,
Verkünd es weit durch die Nacht,
Wo [schwanket]1 ein Schiff 
Durch die Fluth entlang,
Wo schwindelt am Riff 
Des Wanderers Gang:
Daß oben ein Mensch hier wacht:

Ein kräftiger Mann, 
Recht frisch bereit,
Wo er helfen kann, 
[Zu wenden das]2 Leid
Mit Ruf, mit Leuchte, mit Hand.
Ist zu schwarz die Nacht, 
Ist zu fern der Ort,
Da schickt er mit Macht 
Seine Stimme fort
Mit Trost über See und Land.

Wer auf Wogen schwebt, 
Sehr leck sein Kahn,
Wer im Walde bebt, 
Wo sich Räuber nahn,
Der denke: Gott hilft wohl gleich.
Wen das wilde Meer 
Schon hinunter schlingt,
Wem des Räubers Speer 
In die Hüfte dringt,
Der denkt' an das Himmelreich.

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Confirmed with Geschichte der deutschen Literatur mit ausgewählten Stücken aus den Werken der vorzüglichsten Schriftsteller von Heinrich Kurz, Dritter Band, Leipzig, Druck und Verlag von V. G. Teubner, 1859, page 189.

1 Gade: "wanket"
2 Gade: "Abzuwenden"

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

Text added to the website: 2005-11-24 00:00:00
Last modified: 2015-09-06 12:19:37
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