by Gottfried Keller (1819 - 1890)

Augen, meine lieben Fensterlein
Language: German (Deutsch) 
Available translation(s): ENG FRE
Augen, meine lieben Fensterlein,
Gebt mir schon so lange [holden]1 Schein,
Lasset freundlich Bild um Bild herein:
Einmal werdet ihr verdunkelt sein!

Fallen einst die müden Lider zu,
Löscht ihr aus, dann hat die Seele Ruh';
Tastend streift sie ab die Wanderschuh',
Legt sich auch in ihre finstre Truh'.

[Noch]2 zwei Fünklein sieht sie glimmend stehn
Wie zwei Sternlein, innerlich zu sehn,
Bis sie schwanken [und dann auch vergehn]3
Wie von eines Falters Flügelwehn.

Doch noch wandl' ich auf dem Abendfeld,
Nur dem sinkenden Gestirn gesellt:
Trinkt, o Augen, was die Wimper hält,
Von dem goldnen Überfluß der Welt!

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Confirmed with Gesammelte Gedichte von Gottfried Keller, Erster Band, J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin, 1902, page 43.

1 Thuille: "hellen"
2 Thuille: "Nur"
3 Marx: "und vergehn"

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Emily Ezust) , "Evening song", copyright ©
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Chant du soir", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Caroline Diehl

This text was added to the website between May 1995 and September 2003.
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