Vier Lieder , opus 105

by Franz Peter Schubert (1797 - 1828)

1. Widerspruch [sung text checked 1 time]

Wenn ich durch Busch und Zweig
Brech' auf beschränktem Steig:
Wird mir so weit, so frei,
Will mir das Herz entzwei.
Rings dann im Waldeshaus
Rücken die Wänd' hinaus,
Wölbt sich das Laubgemach
Hoch mir zum Schwindeldach,
Webt sich der Blätter schier
Jedes zur Schwinge mir,
Daß sich mein Herz, so weit,
Sehnt nach Unendlichkeit!

Doch wann [in weitem]1 Raum
Hoch am Gebirgessaum,
Ueber dem Thal' ich steh',
Nieder zum Thale seh'
Ach! wie beschränkt, wie eng
Wird mir's im Luftgedräng;
Rings auf mein Haupt, so schwer,
Nicken die Wolken her,
Niederzustürzen droht
Rings mir das Abendroth,
Und in ein Kämmerlein
Sehnt sich mein Herz hinein!

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  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , "Contradicció", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Tegenstrijdigheid", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "Contradiction", copyright ©
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Contradiction", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Joh. Gabr. Seidl's Dichtungen. Erster Theil. Balladen, Romanzen, Sagen und Lieder, von Johann Gabriel Seidl. Wien. Druck und Verlag von J. P. Sollinger. 1826, pages 191-192; and with Joh. Gabr. Seidl's gesammelte Schriften. Mit einer Einleitung von Julius von der Traun. Herausgegeben von Hans Max. Erster Band. Wien, 1877. Wilhelm Braumüller k.k. Hof- und Universitätsbuchdrucker, pages 179-180.

1 Schubert: "im weiten"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Peter Rastl [Guest Editor]

2. Wiegenlied [sung text checked 1 time]

Wie sich der Äuglein
Kindlicher Himmel,
Schlummerbelastet,
Lässig verschließt! -
  Schließe sie einst so,
  Lockt dich die Erde:
  Drinnen ist Himmel,
  Außen ist Lust!

Wie dir so schlafroth
Glühet die Wange:
Rosen aus Eden
Hauchten sie an:
  Rosen die Wangen,
  Himmel die Augen,
  Heiterer Morgen,
  Himmlischer Tag!

Wie des Gelockes
Goldige Wallung
Kühlet der Schläfe
Glühenden Saum.
  Schön ist das Goldhaar,
  Schöner der Kranz drauf:
  Träum' du vom Lorbeer,
  Bis er dir blüht.
 
Liebliches Mündchen,
Engel umwehn dich:
Drinnen die Unschuld,
Drinnen die Lieb';
  Wahre sie Kindchen,
  Wahre sie treulich:
  Lippen sind Rosen,
  Lippen sind Glut.

Wie dir ein Engel
Faltet die Händchen;
Falte sie einst so:
Gehst du zur Ruh;
  Schön sind die Träume,
  Wenn man gebetet:
  Und das Erwachen
  Lohnt mit dem Traum.

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  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , "Cançó de bressol", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Wiegelied", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Malcolm Wren) , "Lullaby", copyright © 2020, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Berceuse", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Joh. Gabr. Seidl's Dichtungen. Erster Theil. Balladen, Romanzen, Sagen und Lieder, von Johann Gabriel Seidl. Wien. Druck und Verlag von J. P. Sollinger. 1826, pages 143-144; and with Joh. Gabr. Seidl's gesammelte Schriften. Mit einer Einleitung von Julius von der Traun. Herausgegeben von Hans Max. Erster Band. [...] Wien, 1877. Wilhelm Braumüller k.k. Hof- und Universitätsbuchhändler, pages 162-163.


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Peter Rastl [Guest Editor]

3. Am Fenster [sung text checked 1 time]

Ihr lieben Mauern, [sanft]1 und traut,
Die ihr mich kühl umschließt,
Und [silberglänzig]2 niederschaut,
[Wann]3 droben Vollmond ist:
Ihr saht mich einst so traurig da,
Mein Haupt auf schlaffer Hand, -
Als ich in mir allein mich sah,
Und [keiner]4 mich verstand.

Jetzt brach ein [ander]5 Licht heran:
Die Trauerzeit ist um:
Und manche ziehn mit mir die Bahn
Durch's Lebensheiligthum.
Sie raubt der Zufall ewig nie
Aus meinem treuen Sinn:
In tiefster Seele trag' ich sie, -
Da reicht kein Zufall hin.

Du Mauer wähnst mich trüb' wie einst
Das ist die stille Freud';
Wenn du vom Mondlicht wiederscheinst,
Wird mir die Brust so weit.
An jedem Fenster wähn' ich dann
Ein Freundeshaupt, gesenkt,
Das auch so schaut zum Himmel an,
[Und]6 auch so meiner denkt!

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  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , "A la finestra", copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Aan het venster", copyright © 2007, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "At the window", copyright ©
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "À la fenêtre", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , "Alla finestra", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Joh. Gabr. Seidl's Dichtungen. Zweiter Theil. Lieder der Nacht. [...] Von Johann Gabriel Seidl. Wien. Druck und Verlag von J. P. Sollinger. 1826, pages 5-6; with Lieder der Nacht. Von Johann Gabriel Seidl. Zweite, verbesserte und vermehrte Auflage. Wien, 1851. Druck und Verlag von J. P. Sollinger's Witwe, pages 10-11; and with Joh. Gabr. Seidl's gesammelte Schriften. Mit einer Einleitung von Julius von der Traun. Herausgegeben von Hans Max. Erster Band. [...] Wien, 1877. Wilhelm Braumüller k.k. Hof- und Universitätsbuchhändler, page 25.

1 Schubert: "hold"; Seidl (1851 and 1877 editions): "still"
2 Schubert, and Seidl (1877 edition): "silberglänzend"
3 Schubert: "Wenn"
4 Seidl (1851 and 1877 editions): "niemand"
5 Seidl (1851 and 1877 editions): "andres"
6 Schubert: "Das"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Peter Rastl [Guest Editor]

4. Sehnsucht [sung text checked 1 time]

Die Scheibe friert, der Wind ist rauh,
Der nächt'ge Himmel rein und blau:
Ich sitz' in meinem Kämmerlein
Und schau in's reine Blau hinein!

Mir fehlt etwas, das [fühl']1 ich gut,
Mir fehlt mein Lieb, das treue Blut:
Und will ich in die Sterne sehn,
[Muß stets das Aug mir]2 übergehn!

Mein Lieb, wo weilst du nur so fern,
Mein schöner Stern, mein Augenstern?!
Du weißt, dich lieb' und brauch' ich ja, -
Die Thräne tritt mir wieder nah.

Da quält' ich mich so manchen Tag,
Weil mir kein Lied gelingen mag, -
Weil's nimmer sich erzwingen läßt
[Und]3 frei hinsäuselt, wie der West!

Wie mild mich's wieder grad durchglüht! -
Sieh nur - das ist ja schon ein Lied!
[Wenn mich mein Loos vom Liebchen warf,
Dann fühl' ich, daß ich singen darf.]4

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  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , "Nostàlgia", copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Hunkering", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "Longing", copyright ©
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Nostalgie", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , "Desiderio ardente", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Joh. Gabr. Seidl's Dichtungen. Zweiter Theil. Lieder der Nacht. [...] Von Johann Gabriel Seidl. Wien. Druck und Verlag von J. P. Sollinger. 1826, page 31; and with Lieder der Nacht. Von Johann Gabriel Seidl. Zweite, verbesserte und vermehrte Auflage. Wien, 1851. Druck und Verlag von J. P. Sollinger's Witwe, pages 108-109.

1 Seidl (1851 edition): "merk'"
2 Seidl (1851 edition): "Fühl' ich die Augen"
3 Seidl (1851 edition): "Weil's"
1 Seidl (1851 edition): "Muß ich, mein Lieb, dir ferne sein, / Gleich stellt das Lied von selbst sich ein."

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Peter Rastl [Guest Editor]