In Freud' und Leid. Zwölf Lieder für 1 Singstimme mit Pianoforte

Song Cycle by Clemens Schultze-Biesantz (1876 - 1935)

Word count: 886

1. Ringel, Ringel, Reihe [sung text checked 1 time]

„Ringel, Ringe, Reihe,
wir sind der Kinder dreie!“
Hör' ich die lust'ge Melodie,
wird mir zumut', ich weiß nicht wie.
Ein Wunder ist geschehen,
ich kann als Kind mich sehen
mit blühenden Wangen, blondem Haar,
inmitten froher Kinderschar.

„Ringel, Ringe, Reihe,
wir sind der Kinder dreie!“
Die ganze Welt ist wieder mein
mit Liedern, Duft und Sonnenschein.
Doch plötzlich ist zerronnen
der Traum mit allen Wonnen,
und ich bin wieder, der ich war,
ein Greis mit Altersreif im Haar.

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2. Das kleine Lied [sung text checked 1 time]

Ein kleines, heit'res Lied bin ich,
ich zieh' durch die Lüfte und träume.
Komm, mein Poet, und finde mich
und bringe mich in Reime.

Dann nimm mich, lieber Musikant,
und, dass deine Kunst mich verschöne,
web' mir ein freundlich schlicht Gewand
und kleide mich in Töne.

Und nun, du sangesfrohe Brust,
nun lass mich lieblich erklingen
und singe mich herzlich, denn du musst
mich in die Herzen singen!

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3. An den Weiden die Kätzchen [sung text checked 1 time]

An den Weiden die Kätzchen,
an den Birken das Grün,
und im Garten, mein Schätzchen,
ist das ein Wachsen und Blüh'n.

Lieg' ich am Bache und denke,
denke an dich, Marei,
was ich dem Schätzchen schenke,
treiben die Schafe vorbei.

Wolle zum Röckchen, zum groben,
Seide für Sonntags. Horch!
War's nicht der Kuckuck? Und oben
segelt der erste Storch!

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4. Winter-Spaziergang [sung text checked 1 time]

In Nacht und Winter, Sturm und Wind
spaziert' ich mit meinem herzlieben Kind.
Und wie ihr der Sturmwind ins Antlitz pfiff,
nach meinem Arme Herzliebchen griff
und schmiegte sich eng an meinen Arm -
mir ward im Winter sommerwarm.
Da fühlt' ich ihr Herzchen an meiner Brust!
Im Sturm und Winter, o Wonne, o Lust!
„Wem klopft's so laut da? Das sage mir!“
Wie süß sie da lachte! „Nur dir, nur dir!“
Schön ist's, im Frühling spazieren allein,
doch schöner, im Winter spazieren zu Zwei'n.

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5. Das Kätzchen [sung text not yet checked]

Kam ein Kätzchen angesprungen
so den Wiesenrain entlang,
hört es eines kecken Jungen
schmetternd hellen Lustgesang.

Und das Kätzchen schlich zur Seite
über Stock und über Stein,
suchte schleunigst dann das Weite
links vom grünen Wiesenrain.

Kam ein Mädchen angegangen
ganz genau denselben Steg,
braunes Haar, verbrannte Wangen,
trat der Bursch ihr in den Weg,

fanden bald ein heimlich Plätzchen
o du wunderschöner Mai!
Ja, das Mädel war kein Kätzchen
deshalb kam es nicht vorbei!

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6. Der Spielmann [sung text checked 1 time]

Mein Schatz ist ein Spielmann, ein lustiges Blut,
und streicht er die Fiedel, ist jeder ihm gut.
Dann winken die Burschen: „Komm, trinke mit mir!“
Dann lächeln die Mädchen: „Mein Herz gehört dir!“
Dann fliegen die Zöpfe, dann klappern die Schuh',
dann tönt durch die Lüfte ein jauchzend Juchhu!
Bildhübsch ist der Bursche, kein and'rer ihm gleicht,
jedes Herz fliegt ihm zu, wenn die Fiedel er streicht.
Er aber lacht lustig: „Dich lieb' ich allein!“
Ja, der Spielmann, ihr Mädel, der Spielmann ist mein!
Liegt alles im Schlafe, tönt hell seine Fiedel,
dann lockt mich ans Fenster ein schelmisches Liedel.
„O komm, Schatz!“ so fleht er, „dich lieb' ich allein!“
Ja, der Spielmann, ihr Mädel, der Spielmann ist mein!

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7. Herbst [sung text checked 1 time]

Wie Geigenklang
so schluchzend bang
des Herbstes Nah'n,
ein dumpfer Schmerz
durchbohrt mein Herz
und Grabeswahn.

Die Wangen fahl,
erstickt die Qual,
von Tod umgraut
denk' ich der Zeit
so schön und weit
und weine laut.

Es reißt geschwind
ein rauher Wind
mich von hier fort;
bald sink' ich matt,
ein müdes Blatt,
verwelkt, verdorrt!

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8. Die Reise [sung text not yet checked]

Tipp, tapp, Stuhlbein,
hüh, du sollst mein Pferdchen sein!
Klipp, klapp, Hutsche,
du bist meine Kutsche,
wutsch!

Wipp, wapp, zu langsam,
hott, wir fahren Eisenbahn!
Alle meine Pferde,
um die ganze Erde,
rutsch!

Tipp tapp, zipp zapp,
halt, wann geht das Luftschiff ab!
Fertig, Kinder, eingestiegen,
wollen in den Himmel fliegen,
futsch!

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9. Letzte Bitte  [sung text not yet checked]

Laß mich noch einmal dir ins schwarze Auge sehn, 
Laß mich noch einmal tief ins heiße Dunkel senken 
Den trunkenen Blick, dann will ich [weitergehn]1 
Und dich vergessen ... Nur in harter Zeit, 
Wenn sich der Sehnsucht Augen rückwärts lenken, 
Wenn meine Seele nach Vergangenem schreit, 
Dann will ich jenes einen Blicks gedenken, 
Des liebeheißen, gütereichen Blicks, 
Der mir im Bann versagenden Geschicks 
Das Herz zu einem schmerzentiefen Glück geweiht.

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Laura Prichard) , "Last request", copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Dernière prière", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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1 Reger: "weiter gehen"

Researcher for this text: Ferdinando Albeggiani

10. Komm her und lass dich küssen [sung text not yet checked]

Die Luft ist wie voll Geigen,
Von allen Blütenzweigen
Das weiße Wunder schneit;
Der Frühling tobt im Blute,
Zu allem Uebermute
Ist jetzt die allerbeste Zeit.

Komm her und laß dich küssen!
Du wirst es dulden müssen,
Daß dich mein Arm umschlingt.
Es geht durch alles Leben
Ein Pochen und ein Beben:
Das rote Blut, es singt, es singt.

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11. Sehnsucht [sung text not yet checked]

Komme doch, komme doch, komm in mein Haus,
Herzensprinz, laß mich nicht warten,
Führ mich doch, führ mich doch, führ mich hinaus,
Der Mond steht über dem Garten.

O, sieh, wie sein Silber die Beete beglänzt,
Die Blumen sind wie aus Seide,
Ich habe mein Haar mit Rosen bekränzt,
Ich warte in mondweißem Kleide.

Komme doch, komme doch, nimm mich mit Dir,
Herzensprinz, laß mich nicht warten,
Und kommst Du nicht balde, so sterbe ich hier,
Der Mond steht über dem Garten.

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12. Erlauschtes [sung text not yet checked]

   Ich hört' ein Stimmlein klingen
aus glühendem Rosenhag:

   „Meine Glieder sind weiß und schön.
Das sagen alle Blumen,
das sagen alle Vögel,
die mich einmal gesehn ...

   „Ich kann auch blühen und singen,
viel schöner als der Frühlingstag ...

   „Meine Mutter ist ein Kettenhund,
sie hält mir immer zu den Mund,
wenn ich blühen will und singen ...

   „Da Keiner knien will und schmachten,
thu' ich mich selber betrachten...

„Meine Glieder sind weiß und schön ...

„Meine Glieder sind weiß und schön"...

Authorship

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , "Overheard", copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Alfred Mombert, Tag und Nacht. Gedichte, Heidelberg: Verlag von J. Hörning, 1894, page 45


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]