14 Volkstümliche Lieder

Song Cycle by Anna Cramer (1873 - 1968)

Word count: 690

3. Sah im Traum [sung text checked 1 time]

Sah im Traum als gestern ich aufs Bett gesunken
dich du Heißgeliebter, dich im Meer ertrunken,
dich im Tod erblassen und dein Roß erschlagen . . . 
Ach, wen soll ich liebend nun im Herzen tragen! 

Starbst du Heißgeliebter, werd' auch ich es wagen,
soll man in ein einzig Grab uns beide tragen,
bei der Schloßkapelle in die Gruft uns senken,
und auf goldner Tafel uns'rer Namen denken. 

Wer da geht vorüber, Jeder wird es lesen: 
Was da ruht, die Liebe selber ist's gewesen.

Authorship

Researcher for this text: John Versmoren

4. Der Rautenkranz [sung text checked 1 time]

Hatt' einst einen Kranz, war von Rautengrün,
und von Blümlein bunt aus dem Feld, 
tät im Sommer mir wie im Winter Blüh'n,
anders mir erscheint jetzt die Welt;
da versagten dich deine Eltern mir, 
und ich nicht einmal reden darf mit dir,
o das bracht uns tiefes Herzeleid,
daß sie trennten uns für alle Zeit. 

Wenn ich denke noch an die Plätzchen all',
ach, darauf es uns so behagt; 
wenn ich denke noch an die Wörtchen all',
ach, die kosend wir ons gesagt; 
Jede Fiber zuckt und die Brust sich hebt, 
und das Herz mir tief sehnsuchtsbang erbebt,
o das bracht uns schweres Herzeleid,
daß sie trennten uns für alle Zeit.

Authorship

Researcher for this text: John Versmoren

5. Samstag, jeden Samstag [sung text checked 1 time]

Samstag, jeden Samstag, welch ein Wonnetag,
schaut vom Dach Feinsliebchen, ob er kommen mag. 
Nacht wird aus dem Abend wieder,
Liebchen öffnet steigt hernieder, 
möcht ein Wörtchen plaudern, gar zu gern zu zweit. 

Wir sind nicht die Ersten, Schatz, sei wieder froh, 
vor und nach uns Andern geht es ebenso;
die damit einander schmollten, 
und zuletzt sich doch noch wollten: 
was uns Gott beschieden, wird uns alle Zeit!

Authorship

Researcher for this text: John Versmoren

6. Girre graues Täubchen [sung text checked 1 time]

Girre, graues Täubchen, girr im Neste nimmer,
ach, mein Heißgeliebter schmollt mit mir noch immer. 
Wie er mich auch zürne, wollt'er mich vergessen, 
müßt' es ihm das Herze schier zusammen pressen. 

Schwimme Silberfischchen, schwimme durch die Wogen, 
ach mein Heißgeliebter, wie hat mich betrogen 
deine falsche Liebe: möge sich des Armen 
wie des Ungetreuen Gott der Herr erbarmen.

Authorship

Based on

Confirmed with Polnische Dichtung in deutschem Gewande, ed. by Albert Weiß, Halle an der Saale: Otto Hendel, 1891. Appears under the name of Julius Roger under the heading Volks-Lieder aus Ober-Schlesien, page 79.


Research team for this text: John Versmoren , Melanie Trumbull

8. Dore am Bühl [sung text checked 1 time]

O Dore am Bühl wie bleich bist du,
dein Schuh ist nicht mehr blankl 
O, Nachbar vom Anger, wie geht es zu? 
Die Mutter ist so krank, 
hab' keine Zeit, muß warten und pflegen,
muß Schemel rücken und Kissen legen. 

O Dore, ich kan dich bleich nicht seh'n,
geh durch das Gras im Tau, 
und laß die Blässe dir vergeh'n,
ich pflege die kranke Frau; 
und kommst du wieder gesund herein,
dann pflegst du sie nicht mehr allein. 

O Nachbar und stirbt die Mutter mir,
wer soll mir Tröster sein? 
O Dore am Bühl ich steh bei dir,
dann weinen wir zu Zwei'n,
und nimmst du fürlieb, so hast du mich,
und auf den Händen trag' ich dich!

Authorship

Researcher for this text: John Versmoren

9. Es ist ein Brünnlein geflossen [sung text checked 1 time]

Es ist ein Brünnlein geflossen, 
vom Wald zur Au', zur grünen Au';
Das hat zwei Blümlein begossen,
sind fröhlich aufgesprossen,
so rot und blau, 
in Freuden, und Leiden. 

Es kam ein Knabe gesprungen, 
vom Wald zur Au', zur grünen Au';
der hat viel Liedlein gesungen
das hat gar hell geklungen,
Jungmagd, Jungfrau, 
so lauschten sie alle Beide! 

Es sind viel Tränen getropfet, 
in Wald und Au', auf grüner Au';
es haben lange geklopfet, 
zwei Herzlein, und gehoffet,
Jungmagd, Jungfrau, 
auf treue Lieb' vergebens.

Authorship

Researcher for this text: John Versmoren

10. Volksweise [sung text checked 1 time]

Steht ein Haselstrauch an [unsrem]1 Wiesenhang,
der hat Blätter rot wie Blut. 
Saß ich dort so manchesmal und lacht'und sang,
Ach nun ist mir weh zu Mut. 

Hängt ein rotes Kleid in meinem Kleiderspind,
und daneben steh'n die Schuh', 
die den bösen Weg mit mir gewandert sind, 
wo mein Herz verlor die Ruh. 

Liegt ein kleines Bild veborgen tief im Schrein,
seh es nimmer, nimmer an. 
Denn der's einst mir gab, ach er ist Schuld allein, 
daß ich nicht mehr froh sein kann.

Authorship

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1 Henschel: "unserm"; further changes may exist not noted above.

Researcher for this text: John Versmoren

11. Lebewohl [sung text checked 1 time]

Lebe wohl, lebe wohl, mein Lieb!
Muß noch heute scheiden.
Einen Kuß, einen Kuß [mir gib]1!
Muß dich ewig meiden. 

Eine Blüt', eine Blüt' mir brich
Von dem Baum im Garten!
Keine Frucht, keine Frucht für mich!
Darf sie nicht erwarten.

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Emily Ezust) , "Farewell", copyright ©
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Adieu", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission

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1 Karg-Elert: "für mich"

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13. Polnisches Volkslied [sung text checked 1 time]

Wenn die Linde blüht,
sind die jungen Gänschen da.
Wenn ich [dann]1 die jungen Gänschen hüt',
ist mein Liebster da.

Wenn [ich]2 dann mein lieber Liebster küßt,
gehn die Gänschen in die Saat hinein.
Wenn's der Bauer wüßt',
lieber Liebster laß das Küssen sein.

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Garrett Medlock) , copyright © 2020, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission

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1 omitted by Philipp.
2 Cramer, Reger: "mich"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]