Zwölf Kinderlieder für Schule und Haus, von Ernst Moritz Arndt, Agnes Franz, Fr. Güll, Hölty, Wilh. Müller, Christoph Schmid, K.W. Wiedenfeld etc. zwei- und dreistimmig

Song Cycle by (Philipp) Friedrich Silcher (1789 - 1860)

Word count: 1343

1. Gebet [sung text checked 1 time]

Lehr' mich beten,
Gott der Herrlichkeit!
Kindlich vor dich treten,
Wie das Herz gebeut,
Wie das Herz gebeut.

Mach' unschuldig,
Mache fromm dein Kind,
Denn die Welt ist schuldig,
Übervoll von Sünd',
Übervoll von Sünd'.

Nach dem Bilde
Schufest du mich dein,
Vater aller Milde,
Laß mich heilig sein,
Laß mich heilig sein!

Nimm die Erde,
Nimm die Schuld von mir!
Daß ich Engel werde,
Wohne du in mir,
Wohne du in mir!

O Gedanke!
Himmelschein voll Licht!
Erd' und Himmel wanke!
Gott verlässt mich nicht,
Gott verlässt mich nicht!

Authorship

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

Researcher for this text: Bertram Kottmann

2. Abendgebet [sung text checked 1 time]

Meinen Heiland im Herzen,
Da schlaf' ich so süß,
Da träum' ich so selig
Vom Paradies.

Meinen Heiland im Auge,
Da schreckt mich kein Feind,
Er bleibet dem betenden
Kinde vereint.

Meinen Heiland im Sinne,
Bleibt böses mir fern,
Die Sünde entweichet
Vor Gott, meinem Herrn!

Drum will ich ihn halten
Fest, fest und getreu,
Mein Vater im Himmel,
O stehe mir bei!

Authorship

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

Researcher for this text: Bertram Kottmann

3. Abendglöcklein [sung text checked 1 time]

Glöcklein, Abendglöcklein läute
Frieden, Freude allen Menschen zu.
Helle laß dein Lied erschallen,
Und bring' Allen, und bring' Allen
Eine sanfte Ruh'!
Ruhe dem, der sorgt und weint,
Ruh' dem Freunde und dem Feind.
Glöcklein allen Lieben bringe du
Sanfte Ruhe und mir auch dazu.

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

Researcher for this text: Bertram Kottmann

4. Zur Erndtezeit [sung text checked 1 time]

Sicheln schallen;
Ähren fallen
Unter Sichelschall;
Auf den Mädchenhüten
[Zittern blaue]1 Blüten;
[Freud']2 ist überall!

[ ... ]

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

View original text (without footnotes)

Confirmed with Gedichte von Ludewig Heinrich Christoph Hölty. Besorgt durch seine Freunde Friederich Leopold Grafen zu Stolberg und Johann Heinrich Voß. Carlsruhe, bey Christian Gottlieb Schmieder, 1784, pages 28-29; and with Ludwig Christoph Heinrich Hölty's Sämtliche Werke kritisch und chronologisch herausgegeben von Wilhelm Michael, Erster Band, Weimar, Gesellschaft der Bibliophilen, 1914, pages 145-146.

1 Nägeli: "Spielen weisse"
2 Hölty (original version): "Wonn'"
3 Hölty (original version):
Bis das Mondlicht schimmert,
Auf den Stoppeln flimmert,
Frohen Erndtesang.
4 Schubert (Neue Gesamtausgabe): "Alles singet, / Alles springet"
5 Schubert (Neue Gesamtausgabe): "Liebchen fein"
6 Schubert (Neue Gesamtausgabe): "Ziehen"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Melanie Trumbull , Peter Rastl [Guest Editor]

5. Frühlings Einzug [sung text checked 1 time]

Die Fenster auf, die Herzen auf!
Geschwinde! Geschwinde!
Der alte Winter will heraus,
Er trippelt ängstlich durch das Haus,
Er windet bang sich in der Brust
Und kramt zusammen seinen Wust.
Geschwinde! Geschwinde!

Die Fenster auf, die Herzen auf!
Geschwinde! Geschwinde!
Er spürt den Frühling vor dem Thor,
Der will ihn zupfen bei dem Ohr,
Ihn zausen an dem weißen Bart
Nach solcher wilden Buben Art.
Geschwinde! Geschwinde!

Die Fenster auf, die Herzen auf!
Geschwinde! Geschwinde!
Der Frühling pocht und klopft ja schon,
Horcht, horcht, es ist sein lieber Ton!
Er pocht und klopfet, was er kann
Mit kleinen Blumenknospen an.
Geschwinde! Geschwinde!

Die Fenster auf, die Herzen auf!
Geschwinde! Geschwinde!
Es kommt der Junker Morgenwind,
Ein bausebackig rothes Kind,
Und blast, daß alles klingt und klirrt,
Bis seinem Herrn geöffnet wird.
Geschwinde! Geschwinde!

Die Fenster auf, die Herzen auf!
Geschwinde! Geschwinde!
Es kommt der Ritter Sonnenschein,
Der bricht mit goldnen Lanzen ein,
Der sanfte Schmeichler Blüthenhauch
Schleicht durch die engsten Ritzen auch.
Geschwinde! Geschwinde!

Die Fenster auf, die Herzen auf!
Geschwinde! Geschwinde!
Zum Angriff schlägt die Nachtigal,
Und horch, und horch, ein Wiederhall,
Ein Wiederhall aus meiner Brust!
Herein, herein, du Frühlingslust!
Geschwinde! Geschwinde!

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English [singable] (Francis L. Soper) , "Spring Song. To the woods away" [an adaptation]
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Entrée du printemps", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Bertram Kottmann

6. Friedensliedchen [sung text not yet checked]

   Friedlich wandelt Stern an Stern
Dort am blauen Himmel,
Zank und Hader ist dort fern,
Fern das Kriegsgetümmel.
 
   Friedlich fließt durch junges Grün
Hier die Silberquelle,
Und die Sterne spiegeln drin
Ruhig sich und helle.
 
   Erd' und Himmel ruft uns zu:
Menschen; lebt in Frieden!
Sonst; ach, ist euch keine Ruh
Und kein Glück beschieden.
 
Friedlich wollen wir denn seyn --
Uns [sic] einander lieben,
Stets in Eintracht uns erfreu’n,
Andre nie betrüben.
 
Dann fließt; wie die Quelle hier,
Uns dahin das Leben,
Bis in ew'gen Frieden wir
Ueber Sternen schweben.

Authorship

See other settings of this text.

Confirmed with Gesammelte Schriften des Verfassers der Ostereier, Christoph von Schmid, Siebzehntes Bändchen, Augsburg: Verlag der J. Woffischen Buchhandlung, 1844, page 31.


Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

7. Gebet [sung text checked 1 time]

Gott, deine Kinder treten
mit Freuden zu dir hin,
sie stammeln und sie beten;
du kennst der Worte Sinn.

Was aus dem Borne quillet,
der nimmermehr versiegt,
was ihnen selbst verhüllet
im tiefsten Herzen liegt.

Das lockst du hoch nach oben
in seliger Begier,
die Milde dein zu loben
und Güte für und für.

O du der in den Höhen
und in den Tiefen wohnt,
laß kindlich uns verstehen,
was überschwänglich lohnt.

Gieb fromme Kinderworte,
und Kinderglauben du,
so bringt des Himmels Pforte
uns einst zur süßen Ruh.

Authorship

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

Researcher for this text: Bertram Kottmann

8. Des Lilienmädchens Wiegenlied [sung text not yet checked]

Schlafe, Kindlein hold und [weiß]1,
Das noch nichts von Sorgen weiß,
Schlaf in stiller, süßer Ruh,
Thu die kleinen Äuglein zu.

Draußen stehn die Lilien weiß,
Haben allerschönsten Preis,
Droben in der lichten Höh'
Stehn die Englein weiß wie Schnee.

Kommt, ihr Englein weiß und fein,
Wiegt mir schön mein Kindelein,
Wiegt sein Herzchen fromm und gut,
Wie der Wind der Lilie thut.

Schlafe, Kindlein, schlafe nun!
Sollst in Gottes Frieden ruhn;
Denn die frommen Engelein
Wollen deine Wächter sein.

Authorship

See other settings of this text.

View original text (without footnotes)
1 Fassbaender, Taubert: "leis" ; Pezold, Quinche, Wesseler: "süß" ; settings marked with red dots below may have further changes not noted above.

Researcher for this text: Harry Joelson

9. Abendliedchen [sung text not yet checked]

Die Sonne hat uns gute Nacht gegeben;
Die Schafe ziehen heim in's stille Haus,
Kein Vogel mag den Flügel mehr erheben,
Sie schlafen alle,  und ihr Lied ist aus.
Nun leg' auch ich mich hin zur Ruh'
Und schließ'  die müden Augen zu.

Ich bin noch schwach , ich bin noch klein,
Du, guter Gott,  wirst bei mir sein,
Dann fürcht'  ich nicht die finst're Zeit,
Ich weiß, mir widerfährt kein Leid.
Dann täum'  ich, was auch kommen mag,
Von einem schönen gold'nen Tag.

          *     *     *

[Wenn]1 die Kinder schlafen ein,
Wachen auf die Sterne,
Und es steigen Engelein 
Nieder aus der Ferne, 
Halten wohl die ganze Nacht 
Bei den frommen Kindern Wacht.

Authorship

See other settings of this text.

View original text (without footnotes)
Note: the Musikalien-catalog von Heinrichshofen's Verlag indicates the author of the text beginning "Wenn die Kinder schlafen ein" is M. von Buchholtz. Is Güll quoting?

1 Reinecke: "Wann"; further changes may exist not noted above.

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

10. Das Glöcklein auf der Dorfkirche [sung text checked 1 time]

Glöcklein hell vom Türmlein da,
Leutchen rufst du fern und nah:
Daß sie morgens früh aufsteh'n,
Beten und zur Arbeit geh'n,
Beten und zur Arbeit geh'n.

Wieder hör' ich, Glöcklein dich,
Wann der Mittag zeiget sich,
Rufest so mit gutem Klang:
Kommt, nehmt Gottes Speis und Trank,
Kommt, nehmt Gottes Speis und Trank.

Hat der Abend sich genaht,
Ist's zum Wirken dann zu spat,
Rufest, liebes Glöcklein, du:
Leget betend euch zur Ruh,
Leget betend euch zur Ruh!

Kommt ein Sonntag, kommt ein Fest,
Glöcklein du dich hören lässt,
Sprichst mich an in Lust und Leid,
Zeigst mir meine Lebenszeit,
Zeigst mir eine Lebenszeit.

Muß ich von der Erden ab,
Gehst du mit mir bis an's Grab,
Weckst in jeder guten Brust
Trauer und doch Hoffnungslust,
Trauer und doch Hoffnungslust.

Liebes, süßes Glöcklein mein!
Immer will ich lauschen dein,
Daß dein letzter Abendschlag
Führe mich zum Himmelstag,
Führe mich zum Himmelstag.

Authorship

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

Researcher for this text: Bertram Kottmann

11. Kinderlust [sung text not yet checked]

Nun feget aus den alten Staub
Und macht die Laube blank!
Laßt ja kein schwarzes Winterlaub
Mir liegen auf der Bank!

Die erste weiße Blüthe flog
Mir heut' in's Angesicht.
Willkommen, Lenz! Ich lebe noch
Und weiß von Leide nicht.

Und schaue hell, wie du, hinein
In Gottes schöne Welt,
Und möcht' ein kleiner Bube sein
Und kollern durch das Feld.

O seht, da plätschern schon am See
Die lieben Kindelein,
Und ziehn die Hemdchen in die Höh',
Und wollen gern hinein.

Wie lockt der warme Sonnenschein,
Der auf dem Spiegel ruht!
Da ist kein Fuß zu weich, zu klein,
Er probt, wie 's Wasser thut.

Ich sitz' und seh' dem Spiele zu,
Und spiel' im Herzen auch.
Du lieber Lenz, ein Kind bist du,
Und übest Kinderbrauch.

Wie viel du hast, du weißt es kaum,
Und schüttest Alles aus.
Nehmt, Kinder, nehmt! Es ist kein Traum!
Es kommt aus Gottes Haus.

Und wenn du nun ganz fertig bist,
Hast keine Blume mehr,
Dann gehst du wieder ohne Frist,
Kein Abschied wird dir schwer.

Und rufst dem Bruder Sommer zu:
Bringst du die Früchte her?
Was ich versprach, das halte du!
Ei, ei, dein Korb ist schwer!

Authorship

See other settings of this text.

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

12. Kinder auf dem Wasser [sung text not yet checked]

Es [wogen]1 die Wellen,
Es säuselt der Wind,
Sie wiegen uns Kinder
Im Nachen gelind;
Wir gleiten hinunter
Die Ufer entlang
Und singen im Frühling
Den Morgengesang.
 
Der Himmel ist heiter,
Die Fluthen sind hell;
Es springen die Lämmer,
Es sprudelt der Quell;
Wir hören die Vögel
Im sonnigen Grün,
Wo duftend die Blumen
Zu tausenden blüh’n.
 
Wir folgen den Wellen,
Mit lachendem Sinn,
Die Fröhlichen wissen
Am besten wohin;
Noch strahlt uns der Morgen
Mit rosigem Licht,
Wir kennen die Sorgen
Des Lebens noch nicht.
 
O Frühling! o Jugend!
Wie eilst du vorbei,
Gleich singenden Kindern
Im blühenden Mai,
Wie spielende Lüfte,
Wie Wellen im Thal,
Wie Blüthe und Düfte
Enteilet dein Strahl.
 
Und wachsen die Schatten,
Und nahet die Nacht,
In ernster, in stiller
Erhabener Pracht:
Dann fahren wir wieder
Dem Vaterhaus zu,
Dann schweigen die Lieder
Wir kehren zur Ruh’.

Authorship

View original text (without footnotes)

Confirmed with: Guido Görres, Deutsches Hausbuch, I. Band, München: in Commission der literarusch-artistischen Anstalt, [1846], page 85.

1 Silcher: "murmeln" ; further changes may exist not noted above.

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]