Volks- und andere Lieder, mit Begleitung des Forte piano, Zweyte Sammlung

Song Cycle by Karl Sigmund Freiherr von Seckendorff (1744 - 1785)

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1. Die Gewalt der Liebe [sung text not yet checked]

Über die [Berge,
Über]1 die Wellen,
Unter den Gräbern,
Unter den Quellen,
Über Fluten und Seen
In der Abgründe Steg,
Über Felsen, über Höhen,
Find't Liebe den Weg!

In Ritzen, in Falten,
Wo der Feu'rwurm nicht liegt,
In Höhlen, in Spalten,
Wo die Fliege nicht kriecht,
Wo Mücken nicht fliegen
Und schlüpfen hinweg,
Kommt Liebe, sie wird siegen
Und finden den Weg.

Sprecht, Amor sei nimmer
Zu fürchten, das Kind!
Lacht über ihn immer,
Als Flüchtling, als blind,
Und schließt ihn durch Riegel
Vom Taglicht hinweg:
Durch Schlösser und Siegel
Find't Liebe den Weg.

Wenn Phönix und Adler
Sich unter euch beugt,
Wenn Drache, wenn Tiger
Gefällig sich neigt,
Die Löwin läßt kriegen
Den Raub sich hinweg,
Kommt Liebe, sie wird siegen
Und finden den Weg.

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "De weg der liefde I", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "The path to love", copyright ©
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Chemin de l'amour", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission

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1 Fuchs: "Berge und über"; further changes may exist not noted above.

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

2. Ännchen von Tharau [sung text not yet checked]

Ännchen von Tharau ist, die mir gefällt,
Sie ist mein Leben, mein Gut und mein Geld.
Ännchen von Tharau hat wieder ihr Herz
Auf mich gerichtet in Lieb' und in Schmerz.
Ännchen von Tharau, mein Reichthum, mein Gut,
Du meine Seele, mein Fleisch und mein Blut!

Käm' alles Wetter gleich auf uns zu schlahn,
Wir sind gesinnet bei einander zu stahn.
Krankheit, Verfolgung, Betrübnis und Pein
Soll unsrer Liebe Verknotigung seyn.
Ännchen von Tharau, mein Licht, meine Sonn,
Mein Leben schließ' ich um deines herum.

Recht als ein Palmenbaum über sich steigt,
Je mehr ihn Hagel und Regen anficht;
So wird die Lieb' in uns mächtig und groß
Durch Kreuz, durch Leiden, durch allerlei Noth.
Ännchen von Tharau, mein Reichthum, mein Gut,
Du meine Seele, mein Fleisch und mein Blut!

Würdest du gleich einmal von mir getrennt,
Lebtest, da wo man die Sonne kaum kennt;
Ich will dir folgen durch Wälder, durch Meer,
Durch Eis, durch Eisen, durch feindliches Heer.
Was ich gebiete, wird von dir gethan,
Was ich verbiete, das läßt du mir stahn.

Was hat die Liebe doch für ein Bestand,
Wo nicht Ein Herz ist, Ein Mund, Eine Hand?
Wo man sich peiniget, zanket und schlägt,
Und gleich den Hunden und katzen beträgt?
Ännchen von Tharau, das woll'n wir nicht thun;
Du bist mein Täubchen, mein Schäfchen, mein Huhn.

Was ich begehre, ist lieb dir und gut;
Ich laß den Rock dir, du läßt mir den Hut!
Dies ist uns Ännchen die süsseste Ruh,
Ein Leib und Seele wird aus Ich und Du.
Dies macht das Leben zum himmlischen Reich,
Durch Zanken wird es der Hölle gleich.

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Confirmed with Herders sämmtliche Werke, fünfundzwanzigster Band, herausgegeben [edited] von Bernhard Suphan, Berlin: Weidmannsche Buchhandlung, 1885. Appears in Herders Poetische Werke, erster Band, herausgegeben [edited] von Carl Redlich; in Alte Volkslieder, zweiter Theil, Englisch-Nordisch und Deutsch, no publisher named, Altenburg: 1774 (reproduced in the 1885 critical edition), in Drittes Buch: Englisch und Deutsch, no. 12, pages 79 - 80.


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Melanie Trumbull

3. Morgengesang [sung text not yet checked]

CLOTEN
Horch, horch die Lerch' am Himmelsthor singt; 
  Die liebe Sonn' wacht auf! 
Von allen Blumenkelchen trinkt
  Sie schon ihr Opfer auf.
Das Hochzeitknospchen freundlich winkt, 
  Und thut fein Äuglein auf;
Was hold und lieb ist, lieblich blinkt,
  Auf, schönes Kind, wach' auf,
Wach' auf, wach' auf!

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

4. Die Wiese [sung text not yet checked]

Ich ging einst einen Frühlingstag,
Wo alles schön und lustig lag,
Kam an ein einsam Sommerhaus,
Ein liebes Mädchen trat heraus,
Und weint' und ging und sang betrübt:
"Ach, wer hat je, wie ich, geliebt!"

Sie gieng die Wiese still umher,
Und rang die Hand und seufzte schwer;
Dann pflückte sie ein Blümchen ab,
Wie's hie und da die Wiese gab,
Maasliebchen, klein' Vergiß mein nicht,
Und seufzte: "ach er liebt mich nicht!"

Sie band die Blumen in ein Bund,
Weint' noch einmal aus Herzensgrund:
"Vergiß mein nicht! hier bind' ich dich.
Für wen? -- Maasliebchen, schaust auf mich,
Weinst um mich! -- Ja, ich bin betrübt;
Er hat mich nicht, wie ich ihn g'liebt."

Nun hatt' sie Busen voll und Schoos, 
Und ach! nun ward ihr Schmerz zu groß;
Sie goß die liebe Bürd' hinab;
"Liegt, sprach sie, seyd mein sanftes Grab!"
Und sank dahin -- ein stilles Ach! 
Voll Lieb' und Leid ihr Herz zerbrach.

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

5. Prosperina I [sung text checked 1 time]

O du hörst mich freundlich, lieber Vater,
wirst mich wieder aufwärts heben,
daß, befreyt von langer schwerer Plage
ich an deinem Himmel wieder mich ergötze.

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Researcher for this text: Ferdinando Albeggiani

6. Prosperina II [sung text checked 1 time]

Laß dich genießen, freundliche Frucht!
laß mich vergessen alle den Harm,
wieder mich wähnen droben in Jugend,
in der vertaumelnden lieblichen Zeit,
in den umduftenden himmlischen Blüthen,
in den Gerüchen seliger Wonne,
die der Entzückten, der Schmachtenden ward, labend...

Authorship

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Researcher for this text: Ferdinando Albeggiani

9. Edward [sung text not yet checked]

Dein Schwerdt, wie ists [von]1 Blut so roth?
     [Edward, Edward]2!
Dein Schwerdt, wie ists [von]1 Blut so roth
     Und gehst so traurig da! - O!
Ich hab geschlagen meinen Geyer todt
     Mutter, Mutter!
Ich hab geschlagen meinen Geyer todt,
     Und das, das geht mir nah! - O!

[Dein's]3 Geyers Blut ist nicht so roth!
     Edward, Edward!
[Dein's]3 Geyers Blut ist nicht so roth,
     Mein Sohn, bekenn mir frey! - O!
Ich hab geschlagen mein Rothroß todt!
     Mutter, Mutter!
Ich hab geschlagen mein Rotroß todt!
     [Und's]4 war so stolz und treu! O!

Dein Roß war alt und hasts nicht noth!
     Edward, Edward,
Dein Roß war alt und hasts nicht noth,
     Dich drückt ein [ander]5 Schmerz. O!
Ich hab geschlagen meinen Vater todt,
     Mutter, Mutter!
Ich hab geschlagen meinen Vater todt,
     Und das, das quält mein Herz! O!

Und was wirst du nun an dir thun?
     Edward, Edward!
Und was wirst du nun an dir thun?
     Mein Sohn, [bekenn mir mehr]6! O!
Auf Erden soll mein Fuß nicht ruhn!
     Mutter, Mutter!
Auf Erden soll mein Fuß nicht ruhn!
     Will wandern [über]7 Meer! O!

Und was soll werden dein Hof und Hall,
     Edward, Edward,
Und was soll werden dein Hof und Hall,
     So herrlich [sonst und]8 schön! O!
Ach! immer stehs und sink' und fall,
     Mutter, Mutter!
Ach immer stehs und sink' und fall,
     [Ich werd es nimmer]9 sehn! O!

Und was soll werden [dein]10 Weib und Kind,
     Edward, Edward?
Und was soll werden [dein]10 Weib und Kind,
     [Wann]11 du gehst [über]7 Meer - O!
Die Welt ist groß! laß sie betteln drinn,
     Mutter, Mutter!
Die Welt ist groß! laß sie betteln drinn,
     Ich seh sie nimmermehr! - O!

Und was soll deine Mutter thun?
     Edward, Edward!
Und was soll deine Mutter thun?
     Mein Sohn, das sage mir! O!
Der Fluch der Hölle soll auf Euch ruhn,
     Mutter, Mutter!
Der Fluch der Hölle soll auf Euch ruhn,
     Denn ihr, ihr [riethets]12 mir! O.

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , "Una antiga balada escocesa", copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Een oude Schotse ballade", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Kelly Dean Hansen) , copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Une ballade écossaise", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Johann Gottfried Herder's Von Deutscher Art und Kunst. Einige fliegende Blätter. Hamburg, 1773. Bey Bode, pages 25-27.

Note: This is the first version of Herder's translation of the old Scottish ballad Edward, Edward which he found in Thomas Percy's Reliques of Ancient English Poetry. A later, somewhat different translation has been published by Herder in his Volkslieder in 1779.

1 Schubert (Neue Gesamtausgabe): "vom"
2 Schubert: "Eduard, Eduard", passim
3 Loewe, Schubert: "Deines"
4 Schubert (Neue Gesamtausgabe): "Und es"
5 Loewe, Schubert: "andrer"
6 Loewe, and Schubert (1862 edition only): "das sage mir"
7 Loewe, Schubert (Alte Gesamtausgabe): "übers"
8 Loewe: "sonst, so"
9 Schubert (Alte Gesamtausgabe only), and Herder (1779 edition): "Mag nie es wieder"
10 Loewe: "aus"
11 Schubert: "Wenn"
12 Schubert (Neue Gesamtausgabe): "rietet es"

Note: Schubert's setting exists in three versions. Version 3 is phrased as a duet (in the last stanza). In addition, it substitutes "weh!" for each "O!", and replaces "Geyer" by "Falke" in stanzas 1 and 2.


Research team for this text: Richard Morris , Peter Rastl [Guest Editor]

11. Liebeserscheinung [sung text checked 1 time]

Denk, Liebchen! Denk! Auch fern von dir
kann ich mit dir noch seyn;
denn du erscheinest täglich mir,
du laß'st mich nie allein;
mit mir besichest di den Wald,
du irrst mit mir im Thal,
und deine liebliche Gestalt
verfolgt mich überall.

Kömmt nur ein Lüftchen von dir her,
so wird mirs wohl und warm,
stoß ich an was von ohngefer,
gleich dünkt mich, 's wär dein Arm.
Die ganze Gegend spricht von dir;
So weit mein Aug mich trägt,
seh ich auf jedem Gräschen schier
dein süßes Bild geprägt.

So, Liebe, bleib ich dir getreu,
treu der geschwornen Pflicht;
auch nicht ein Stündchen geht vorbey,
wo ich dein dächte nicht:
Am vollen Tisch im bunten Kreis
Schwebst du mir in dem Sinn,
und alles drängt sich zum Beweis,
daß ich ganz dein noch bin.

Authorship

Researcher for this text: Ferdinando Albeggiani

12. O weh, o weh, hinab ins Thal [sung text checked 1 time]

O weh, o weh, hinab ins Thal,
und weh, und weh den Berg hinan,
und weh, weh jenem Hügel dort,
wo er und ich zusammen kam;
ich lehnt mich an ein'n Eichenstamm,
und glaubt', ein treuer Baum es sey,
der Stamm gab nach, der Ast zerbrach,
so mein Treulieb ist ohne Treu.
Oh weh, hinab ins Thal, und weh
Dem Berg und weh dem Hügel dort.

Authorship

Researcher for this text: Ferdinando Albeggiani