Töne der Liebe aus dem hohen Lied von G. Fr. Daumer, für 1 Singstimme mit Pianoforte

Song Cycle by Gerrit Jan van Eijken (1832 - 1879)

Word count: 1011

1. Stark wie der Tod die Liebe [sung text checked 1 time]

Stark wie der Tod die Liebe,
Fest wie Scheol ihr Wille,
eine Flamme Gottes,
jede Gewalt der Erde höhnend,
ihre Glut. 

Nicht erlischt die Liebe
durch gewaltiger Wogen
brausende Wasserfülle;
nicht hinweg geflutet
wird sie durch empörter Ströme
wilde Wut.

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2. Auf meinem Lager wach' ich in der Nacht [sung text checked 1 time]

Auf meinem Lager wach' ich in der Nacht
und misse den, der mir den Frieden giebt;
ich schlummer' ein und wache wieder auf
und suche den, den meine Seele liebt. 
Doch greif' ich, ach, in eitle Leere nur
und werde bang und stöhne tiefbetrübt:
"Was hemmet ihm die Schritte durch die Nacht? 
was säumet er, den meine Seele liebt?" 

Aufsteh'n will ich, so wie die Sonne blickt
und, sich zu regen, alle Wesen übt,
und mich bemüh'n, auf Strasse und auf Markt
zu finden ihn, den meine Seele liebt. 
Und find' ich ihn, so schmeichl' ich ihm so lang,
bis er besiegt sich mir zu eigen giebt;
denn, ach, wie sollte mir erträglich sein,
zu missen ihn, den meine Seele liebt?

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3. Gebadet und gesalbt von Myrrhe troff ich [sung text checked 1 time]

Gebadet und gesalbt von Myrrhe troff ich,
von köstlicher, balsamischen Geruchs;
ich harrte des Geliebten in der Nacht,
ich harrete vergeblich und entschlief. 
Da pocht es, horch! des Freundes Stimme tönt:
"Tu' auf, o meine traute Schwesterseele,
tu' auf, o meine zarte Taube mir! 
feucht ist mein Haupt, es träuft die Locke mir
vom Tau der Nacht; o säume nicht und öffne!" 

Beraubt der Sinne, bin ich vor Entzücken
ob dieser Stimme Klang; es schlägt mein Herz,
mit lautem Schlage seinem Glück entgegen;
ich fliege, reisse den Riegel rasch zurück
und späh' erschrocken in die leere Nacht. 
Entwichen ist, verschwunden ohne Spur
mein süsses Heil. Ich rufe niemand hört! 

Ich hülle mich in meinen Mantel ein,
ich walle manche dunkle Strasse hin,
ich wage mich in's freie Gefild hinaus,
ich suche meinen Freund und such' umsonst. 

Da finden mich die Wächter, die die Mauern
der Stadt umwandeln; sie ergreifen mich,
sie reissen mir den Mantel ab, sie schlagen
mich weh und wund mit ihrer rauhen Faust,
da wach' ich auf und merk', es ist ein Traum,
ein böser Traum. 

O ich beschwör' euch, Töchter Jerusalems,
begegnet euch mein Freund,
sagt ihm, das ich vor Liebe matt und krank,
tut ihm die Leiden meiner Seele kund,
beschwöret ihn, so wie ich euch beschwöre:
er eile, komme, küsse mich gesund!

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4. O hättest du, begrüssend [sung text checked 1 time]

O hättest du, begrüssend
des Lebens erste Sonnen,
die selbe Brust gesogen,
die meiner Kindheit Bronnen,
o wärst du mir ein Bruder
gesellig auferzogen,
des Hausses süsser Sohn! 

Ich brauchte nicht mit Bangen
an deinem Blick zu hangen;
ich müsste nicht erröten,
dir in das Ohr zu flöten
der Liebe Schmeichelton,
kein Lauscher würde flüstern,
kein Auge würde düstern,
kein Finger würde droh'n;

mein Sehnen und Verlangen,
man würd' es nicht verschwärzen;
mein Küssen und Umfangen,
mein Drücken und mein Herzen,
es würde nicht vor aller Welt zum Hohn.

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5. Komm, komm, o Freund, nicht länger lass uns weilen [sung text checked 1 time]

Komm, komm, o Freund, nicht länger lass uns weilen;
Verspotten wir der Feinde Macht;
hinaus lass uns in freie Fluren eilen
und bergen uns in ihrer Pracht! 

Dort auf den Hügeln, wo die Reben sprossen,
die feurige Granate brennt,
wird' ungescheut das traute Glück genossen,
das uns die harte Welt missgönnt. 

Dort werden uns nicht Späher-Augen stören,
nür holde Blüten Zeuge sein;
dort soll dir Alles ohne Maass gehören,
was von ersehnter Wonne mein.

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6. Ein solcher ist mein freund [sung text checked 1 time]

Ein solcher ist mein Freund,
ein solcher ist mein Buhle,
ein Einziger, erlesener
aus sämmtlicher Männerschaar:
wie ein Rabe, so schwarz sein Haar,
und seine milden Augen
ein Tauben-Augenpaar;
sein Leib, wie Elfenbein,
und wie gehau'n aus Marmor
der Schenkel Prachtgebilde;

Wie lüfte, die gelinde
hinsäuseln über Rosen,
sind seine Minnegrüsse;
wie des Honiges Seim en Süsse
die Küsse die er beut;
sein ganzes Sein und Wesen
nur Glück und Seligkeit.

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7. Auf unsern Rebenhügel [sung text checked 1 time]

Auf unsern Rebenhügel
ward ich hinaus gesendet,
auf dass ich hier die Blüte,
Die labevolle hüte,
die aus der Ende Schoosse,
so lieblich aufgelacht. 

Ich hatte trefflich Acht;
sie wurde nicht geschändet,
es wurde nichts entwendet,
von ihrer reichen Pracht. 

Doch ach das eigne Gütchen,
das eigne junge Blütchen,
das hab' ich nicht bewacht. 
Mir meiner Reize Trauben
gefällig abzuklauben,

bemühte sich ein Dieb. 
Und ihn hinweg zu jagen,
und seinen Näschertrieb
in ernste Flucht zu schlagen,
hatt' ich ihn leider allzu lieb.

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8. Mein Freund, er ist ein Myrrhenstrauss [sung text checked 1 time]

Mein Freund, er ist ein Myrrhenstrauss,
der zwischen meinen Brüsten ruht;
da halt' ich ihn mit fester Hand
in meiner heissen Haft. 

Mein Freund, er ist ein Brausekelch,
gefüllt mit edler Traube blut;
ich bin besiegt, ich bin berauscht,
von seiner Flammenkraft. 

Mein Freund, er ist ein Blütenlenz;
wie lacht die Welt in seinem Hauch! 
es sprosset unser Freudenbett
von lauter Rosen auf. 

Mein Freund, er ist ein Wonnesee;
ich stürze mich in seine Flut,
in seine klare Flut hinein,
und kühle meine Glut. 

Mein Freund, er ist ein Labebaum,
der schwellend reife Früchte senkt;
die süssen all' in meinen Schooss
entschüttelt seine Huld.

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9. Schön, wie Thirza, bist du [sung text checked 1 time]

Schön, wie Thirza, bist du,
wonnevollen Anblicks,
wie die Pracht Jerusalems
und wie kriegerische
Heldenheere furchtbar. 
Wende, weh, sie töten,
wende deine Blicke,
ende meinem Herzen
diesen Zauberbann! 

Aufgelöst in Sehnsucht,
nimmermehr begnügter,
schmacht' ich hin und sterbe,
sterb' an einem Glücke,
das die Brust, die schwache,
menschliche, nicht fassen,
nicht ertragen kann. 

Wende, weh, sie töten,
wende deine Blicke,
ende meinem Herzen
diesen Zauberbann!

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10. Den König umwunden [sung text checked 1 time]

Den König umwunden
und hart gefangen,
vom lieblichen Bande
der Locke gebunden
und nicht mehr prangen
in alter Ehre
den Herrscher sieh! 

Und will er wohl in's freie brechen
und seine Schmach die süsse rächen
am schönen Feind und strenge richten? 
Er will 's mit nichten er wind es nie.

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11. Es sind der Königinnen [sung text checked 1 time]

Es sind der Königinnen
in ihrer Reize Strahl
nicht weniger, den Sechszig,
der Kebsinnen sind achtzig
in meinem Freudensaal;
Es eifern ausser ihnen,
mich blühend zu bedienen
ausbündig schöne Mädchen ohne Zahl. 

Alleine so feine, so blütenhold, wie keine
in diesem Rosenhaine, ist eine,
mein Täubchen ist, ja meine
begehrte Wonn' ist eine
von ihnen ailzumal. 

Die Königinnen schaun sie,
die Kebsinnen, die Mädchen,
und loben sie und preisen sie
und nennen dreimal selig
die glückliche Beglückende,
die mir das Aug' entzückende,
die mir den Geist berückende,
die mir das Herz umstrickende,
des Königes schönste Wahl.

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