Fünf vierstimmige Männergesänge , opus 23

by Max Zenger (1837 - 1911)

1. Weinlied [sung text not yet checked]

Schon grüßt ein scharfer Hauch von Ost
  Die sternhell frühen Nächte,
Da rauscht und braust der junge Most,
  Ein Herold neuer Mächte!

Ob Laub an Laub vom Baume fällt,
  Ob jede Blume sterbe,
O Sommerlust, versunkne Welt,
  Der Wein ist jetzt dein Erbe.

Im Wein erglüht der Sonnenschein,
  Der längst hinabgegangen,
Im Wein nur soll die Blume sein,
  Nach der wir noch verlangen.

Dem Wein, dem Wein ist alles Reich
  Der Flammenkraft verliehen;
Ihr Zecher auf! Laßt uns sogleich
  Das Testament vollziehen!

Hier, wo am Herd verglimmt das Laub
  Vom jungen Reis der Rebe,
Stoßt an, hier über Glut und Staub:
  Der Geist des Lebens lebe!

Der Geist, der unterm Schnee noch wärmt
  Die Zukunft reicher Saaten
Und fort und fort die Welt durchschwärmt
  In goldnen Jugendtaten!

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

2. Es ist ein Schnee gefallen  [sung text not yet checked]

Es ist ein Schnee gefallen
und [ist doch noch nit]1 Zeit,
[man wirft mich mit dem Ballen]2,
der Weg ist mir verschneit.

Mein Haus hat keinen Giebel,
es ist mir worden alt,
zerbrochen sind [die]3 Riegel,
mein Stüblein ist mir kalt.

Ach Lieb, lass [dich]4 erbarmen, 
daß ich so elend bin,
und [schleuß mich in dein]4 Arme:
so fährt der Winter hin.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2020, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Wolfgang Golther, Die deutsche Dichtung im Mittelalter 800-1500, Stuttgart: J.B. Metzlersche Buchhandlung, G.m.b.H., 1912, page 480. Note: the first stanza is very close to this text.

1 Franz, Roessel: "ist doch noch nicht"; Krause: "ist es doch nit"; Wolfes: "es ist doch nit"
2 Franz, Roessel: "ich kann nicht weiter wallen"
3 Franz: "mir die"
4 Roessel: "dich's"
5 Franz, Roessel: "schließ mich in deine"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor] , Johann Winkler

3. Ich armes Käuzlein kleine [sung text not yet checked]

Ich armes Käuzlein kleine,
Wo soll ich fliegen aus,
Bei Nacht so gar alleine,
Bringt mir so manchen Graus
Das macht der Eulen Ungestalt
Ihr Trauern mannigfalt.

Ich wills Gefieder schwingen,
Gen Holz in grünen Wald,
Die Vögel hören singen,
In mancherlei Gestalt
Vor allen lieb' ich Nachtigall,
Vor allen liebt' mich Nachtigall.

Die Kinder unten glauben,
Ich deute Böses an,
Sie wollen mich vertreiben
Das ich nicht schreien kann
Wenn ich was deute tut's mir leid,
Und was ich schrei' ist keine Freud'.

Mein Ast ist mir entwichen,
Darauf ich ruhen sollt',
Sein Blättlein all' verblichen,
Frau Nachtigall geholt
Das schafft der Eulen falsche Tück,
Die störet all mein Glück.

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  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2020, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Uiltje", copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Laura Prichard) , copyright © 2020, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Moi, pauvre petite hulotte", copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission

Note: the catalog from Kistner of 1894 indicates the author of this text is Wernher von Tegernsee.

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

4. Dörpertanzweise [sung text not yet checked]

   «Ich versihe mich niuwer maere
  Uns komt der Stiuraere!»
     Kunech Luarin V, 80

Den Finken des Waldes die Nachtigall ruft:
«Vom Geigenstrich schallt es goldrein durch die Luft,
Ihr Zwitschrer, ihr Schreier, nun spart den Diskant,
Der Heini von Steier ist wieder im Land!»

Flickschuster im Gaden schwingts Käpplein und spricht:
«Der Himmel in Gnaden vergißt Unser nicht,
Sohlleder wird theuer, Bundschuh platzt am Rand,
Der Heini von Steier ist wieder im Land.»

Schon schwirren zur Linde, berückt und entzückt
Die lieblichen Kinde mit Kränzen geschmückt:
«Wo säumen die Freier? Manch Herz steht in Brand ...
Der Heini von Steier ist wieder im Land.»

Und Wer schürzt mit Schmunzeln den Rock sich zum Sprung?
Großmutter in Runzeln, auch sie wird heut jung ..
Sie stelzt wie ein Reiher dürrbeinig im Sand ...
Der Heini von Steier ist wieder im Land!

Der Hirt läßt die Heerde, der Wirth läßt den Krug,
Der Knecht läßt die Pferde, der Bauer den Pflug,
Der Vogt und der Maier kommt scheltend gerannt:
«Der Heini von Steier ist wieder im Land!»

Der aber hebt schweigend die Fidel zur Brust ..
Halb brütend, halb geigend -- des Volks unbewußt.
Leis knisternd strömt Feuer um Saiten und Hand ...
Der Heini von Steier ist wieder im Land!

... Im Gärtlein der Nonnen auf blumiger Höh
Lehnt Eine am Bronnen und weint in den Klee:
«O Gürtel und Schleier .. o schwarzes Gewand ..
Der Heini von Steier ist wieder im Land!»

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

5. Kaiser Karl im Untersberg [sung text not yet checked]

Im dunklen Bergesschooße
Schläft wohl an tausend Jahr'
Schon Kaiser Karl der Große
Mit seiner Heldenschar.

Er sitzt auf einem Throne
Wie tief in sich gekehrt,
Auf seinem Haupt die Krone
Und auf den Knien sein Schwert.

Den Heldenleib umschließt ihm 
Ein Panzer guter Art, 
Und bis zur Erde fließt ihm 
Wie rotes Gold sein Bart. 

Die Bergkobolde schaffen 
Und schmieden wohlbedacht 
Viel seltenes Gewaffen 
Zur großen Völkerschlacht. 

Sie festen drein Karfunkel 
Und Gold und Edelstein; 
Das wirft im Bergesdunkel 
Gar wunderbaren Schein. 

Der älteste der Zwerge 
Der prüft genau und mißt, 
Wie lang dem Kaiser im Berge 
Der Bart gewachsen ist. 

Und horch! ein dumpfes Rollen 
Dröhnt fernher durch den Schacht, 
Wie starkes Wettergrollen 
In dunkler Frühlingsnacht. 

Da fährt empor vom Traume 
Der kaiserliche Held 
Und ruft: "Schon rauscht's im Baume 
Dort auf dem Walserfeld; 

"Die jungen Säfte steigen
Im dürren Stamm empor, 
Bald bricht aus allen Zweigen 
Der Blütenschmuck hervor. 

"Ich höre fern Getöse, 
Schlachtruf und Roßgestampf; 
Es naht für Deutschlands Größe 
Der letzte Völkerkampf. 

"Drum will ich euch erwecken,
Ihr Schläfer in der Nacht:
Ihr Paladin' und Recken,
Der Kaiser ruft, erwacht!

"Nun ist es Zeit zu reiten,
Die Waffen in der Hand,
Die Freiheit zu erstreiten
Dem deutschen Volk und Land."

Authorship:

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , "The emperor Charlemagne in the Untersberg", copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Gedichte von Georg Scherer, vierte, vermehrte Auflage, Stuttgart, Leipzig, Berlin, Wien: Deutsche Verlags-Anstalt, 1894, pages 230-232


Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]