Lieder der Waldtraut aus Wolff's „Der wilde Jäger“ für 1 Singstimme mit Pianoforte

by Felix Cohn (1853 - 1919)

Word count: 492

1. Es wächst ein Kraut im Kühlen [sung text not yet checked]

Es wächst ein Kraut im Kühlen,
Wo Vollmondstrahl geruht
Und wer es trägt, muß fühlen,
Wie Lieb' im Herzen thut.

Wüßt' ich den Platz, den rechten,
Vom Kraut im grünen Wald,
Wollt' ich's ins Sträußlein flechten,
Einem stolzen Knaben bald.

Und käm' er dann zur Linde
Im Dorfe, wollt' ich sehn,
Wie's mit dem Angebinde
Dem Knaben würd' ergehn.

Ein Blättchen, abgerissen,
Trüg' ich wohl auf der Brust,
Möcht' selber gerne wissen,
Ob's Leid bringt oder Lust.

Schwarzspecht, mit deinen Gaben
Schaff' mir das Kraut heran
Und zeig' mir auch den Knaben,
Dem ich es schenken kann.

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2. Blau Blümlein spiegelten sich im Bach [sung text not yet checked]

Blaublümlein spiegelten sich im Bach
Und riefen den eilenden Wellen nach:
Vergißmeinnicht!

Die lachten: Wir müssen zum Meere hin,
Und aus den Augen ist aus dem Sinn,
Vergißmeinnicht!

Blauäuglein hatte ein Mägdelein,
Die strahlten dem Knaben ins Herz hinein:
Vergißmeinnicht!

Der Knabe zog in die Welt hinaus,
Da blühte und welkte manch Blumenstrauß.
Vergißmeinnicht!

Und als er allein auf unendlicher See,
Da grüßten ihn Sterne, da faßt' ihn ein Weh,
Vergißmeinnicht!

Aus rauschenden Wogen sangen herauf
Die Tropfen im Meere aus Bächleins Lauf:
Vergißmeinnicht!

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3. Es wartet ein bleiches Jungfräulein [sung text not yet checked]

Es wartet ein bleiches Jungfräulein
Den Tag und die dunkle Nacht allein
Auf ihren Herzliebsten am Wege,
    Wegewart! Wegewart!

Sie spricht: Und wenn ich hier Wurzeln schlag
Und warten soll bis zum jüngsten Tag,
Ich warte auf ihn am Wege,
    Wegewart! Wegewart!

Vergessen hat sie der wilde Knab',
Und wo sie gewartet, da fand sie ihr Grab,
Ein Blümelein sprießet am Wege,
    Wegewart! Wegewart!

Der Sommer kommt und der Sommer geht,
Der Herbstwind über die Haide [weht]1,
Das Blümlein wartet am Wege,
    Wegewart! Wegewart!

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Confirmed with Der Wilde Jäger. Eine Waidmannsmär von Julius Wolff, Berlin: G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung, 1879, pages 65-66.

1 Reinecke : “geht” (might be a typo; check Reinecke score)

Research team for this text: Peter Donderwinkel , Sharon Krebs [Guest Editor]

4. Neunerlei Blumen winde zum Kranz [sung text not yet checked]

Neunerlei Blumen winde zum Kranz, 
Knüpfe den Anfang ans Ende, 
Sinn und Bedeutung im blühenden Glanz 
Wirket zur Sonnenwende. 
Aber zum kleinen, zierlichen Strauß 
Brauchst du nicht lange zu wählen, 
Nimm, was du findest, und scheide nicht aus, 
Laß nur den Liebsten sie zählen.

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5. Im Grase thaut's [sung text not yet checked]

Im Grase thaut's, die Blumen träumen 
Von ihrem bunten Honigdieb,
Und oben flüstert's in den Bäumen:
Schläfst du? schläfst du, mein trautes Lieb? 
Der Mond scheint durch den grünen Wald.
 
Ein Aestlein wankt mit leisem Wiegen,
In dunkler Blätterheimlichkeit
Regt sich, ein Kosen, Schweben, Schmiegen: 
Dir treu, dir treu in Ewigkeit! 
Der Mond scheint durch den grünen Wald.

Nun wird es still in Luft und Zweigen,
Ein wonnig Athmen hebt die Brust,
Dich küßt die Nacht mit süßem Schweigen,
Ruh' aus, ruh' aus von Lieb' und Lust,
Der Mond scheint durch den grünen Wald.

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6. Ich ging im Wald durch Kraut und Gras [sung text not yet checked]

Ich ging im Wald 
Durch [Kraut]1 und Gras
Und dachte dies
Und dachte das,
Da hört' ich es kommen und gehn, --
Husch! husch!
Hinter'm Busch,
Da hat mich ein Jäger gesehn.

Hab' mich geduckt,
Durch's Laub gespäht
Und wollte fort,
Da war's zu spät,
Sein Hündlein kam spürend getrappt,
Husch! husch!
Hinter'm Busch,
Da hat mich ein Jäger ertappt.

[Er frug, warum
Ich mich versteckt,
Ob er mir Furcht 
Und Angst erweckt]2,
Ich sagte: O, dass ich nicht wüsst'!
Husch! husch!
Hinter'm Busch --
[Husch! hat]3 mich ein Jäger geküsst.

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1 Oehme: "Laub"; further changes may exist not shown above.
2 Greger: "Er fragte, ob / Er mich erschreckt, / Ob er mir Angst / Und Furcht erweckt."
3 Greger: "Da hat"

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