Sieben Lieder op. 14 für Singstimme und Klavier

by Artur Schnabel (1882 - 1951)

Word count: 615

1. Frühlingsdämmerung [sung text checked 1 time]

In der stillen Pracht, 
In allen frischen Büschen und Bäumen 
Flüstert`s wie Träumen 
Die ganze Nacht. 
Denn über den mondbeglänzten Ländern 
Mit langen weißen Gewändern
Ziehen die schlanken
Wolkenfrau'n wie geheime Gedanken, 
Senden von den Felsenwänden
Hinab die behenden
Frühlingsgesellen, die hellen Waldquellen, 
Die's unten bestellen
An die duft'gen Tiefen, 
Die gerne noch schliefen. 
Nun wiegen und neigen in ahnendem Schweigen
Sich alle so eigen
Mit Ähren und Zweigen, 
Erzählen`s den Winden, 
Die durch die blühenden Linden
Vorüber den grasenden Rehen,
Säuselnd über die Seen gehen, 
Dass die Nixen verschlafen auftauchen
Und fragen, 
Was sie so lieblich hauchen -
Wer mag es wohl sagen?

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Researcher for this text: Malcolm Wren [Guest Editor]

2. Oktoberlied [sung text checked 1 time]

Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden!
 
Und geht es draußen noch so toll,
Unchristlich oder christlich,
Ist doch die Welt, die schöne Welt,
So gänzlich unverwüstlich!
 
Und wimmert auch einmal das Herz -
Stoß an und laß es klingen!
Wir wissen's doch, ein rechtes Herz
Ist gar nicht umzubringen.
 
Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden!
 
Wohl ist es Herbst; doch warte nur,
Doch warte nur ein Weilchen!
Der Frühling kommt, der Himmel lacht,
Es steht die Welt in Veilchen.
 
Die blauen Tage brechen an,
Und ehe sie verfließen,
Wir wollen sie, mein wackrer Freund,
Genießen, ja genießen!

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  • ENG English (Walter A. Aue) , "October song", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Harry Joelson

3. Abendständchen [sung text checked 1 time]

Schlafe, Liebchen, weil's auf Erden
Nun so still und seltsam wird!
Oben gehn die goldnen Herden,
Für uns alle wacht der Hirt.

In der Ferne ziehn Gewitter;
Einsam auf dem Schifflein schwank,
Greif' ich draußen in die Zither,
Weil mir gar so schwül und bang.

Schlingend sich an Bäum' und Zweigen
In Dein stilles Kämmerlein,
Wie auf goldnen Leitern, steigen
Diese Töne aus und ein.

Und ein wunderschöner Knabe
Schifft hoch über Tal und Kluft,
Rührt mit seinem goldnen Stabe
Säuselnd in der lauen Luft.

Und in wunderbaren Weisen
Singt er ein uraltes Lied,
Das in linden Zauberkreisen
Hinter seinem Schifflein zieht.

[Ach, den süßen Klang verführet]1
Weit der buhlerische Wind,
Und durch Schloß und Wand ihn spüret
Träumend [jedes schöne]2 Kind.

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  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , "Serenata vespral", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Sharon Krebs) , "Evening serenade", copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Sérénade", copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Paolo Montanari) , "Ninna-nanna", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Joseph Freiherrn von Eichendorff, Gedichte, Berlin, Verlag von M. Simion, 1841, page 233.

1 Mendelssohn: "Und der Töne Klang entführet"
2 Mendelssohn: "wohl das süsse"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

4. Abendlandschaft [sung text checked 1 time]

Der Hirt blast seine Weise, 
Von fern ein Schuß noch fällt, 
Die Wälder rauschen leise 
Und Ströme tief im Feld. 

Nur hinter jenem Hügel 
Noch spielt der Abendschein - 
O hätt ich, hätt ich Flügel,
Zu fliegen da hinein!

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Evening landscape", copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Paysage vespéral", copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Joseph Freiherrn von Eichendorff, Gedichte, Berlin, Verlag von M. Simion, 1841, page 220.


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

5. Hyazinthen [sung text checked 1 time]

Fern hallt Musik; doch hier ist stille Nacht,
Mit Schlummerduft anhauchen mich die Pflanzen:
Ich habe immer, immer dein gedacht;
Ich möchte schlafen, aber du mußt tanzen.

Es hört nicht auf, es rast ohn' Unterlaß;
Die Kerzen brennen und die Geigen schreien,
Es teilen und es schließen sich die Reihen,
Und alle glühen; aber du bist blaß.

Und du mußt tanzen; fremde Arme schmiegen
Sich an dein Herz; o leide nicht Gewalt!
Ich seh dein weißes Kleid vorüberfliegen
Und deine leichte, zärtliche Gestalt. -

Und süßer strömend quillt der Duft der Nacht
Und träumerischer aus dem Kelch der Pflanzen.
Ich habe immer, immer dein gedacht;
Ich möchte schlafen, aber du mußt tanzen.

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  • ENG English (Emily Ezust) , "Hyacinths", copyright ©
  • ENG English (Elisabeth Siekhaus) , "Hyacinths", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Jacinthes", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

6. Heisst es viel dich bittten [sung text checked 1 time]

Heisst es viel dich bitten
Wenn ich einmal still
Nachdem ich lang gelitten
Vor dir knieen mag?
Deine hand ergreifen
Leise drücken mag
Und im kusse streifen
Kurz und fromm und still?
Nennst du es erhören
Wenn gestreng und still
Ohne mich zu stören
Dein wink mich dulden mag?

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7. Die Sperlinge [sung text checked 1 time]

Altes Haus mit deinen Löchern, 
Geiz'ger Bauer, nun ade! 
Sonne scheint, von allen Dächern 
Tröpfelt lustig schon der Schnee, 
Draußen auf dem Zaune munter 
Wetzen unsre Schnäbel wir, 
Durch die Hecken rauf und runter, 
In dem Baume vor der Tür 
Tummeln wir in hellen Haufen 
Uns mit großem Kriegsgeschrei, 
Um die Liebste uns zu raufen, 
Denn der Winter ist vorbei!

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