Vom Baum des Lebens - Sechs Lieder nach Gedichten von Hermann Hesse

Song Cycle by Wilhelm Fehres (b. 1901)

Word count: 354

1. Sommernacht [sung text checked 1 time]

Tropfen sinken, die Luft ist bang.
Noch geht kein Wind.
Ein Trunkener singt die Straße entlang.
Sein Lied ist irr und schwach wie ein Kind.

Nun schweigt er ganz:
Der Himmel zerreißt
Und grell im blauweißen Glanz
Der Blitze die Straße gleißt.

Wie Getrabe von weißen Rossen
Rauscht Regen heran.
Alles Licht erlosch, alle Form zerrann,
Stürzende Wogen halten mich eingeschlossen.

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Confirmed with Hermann Hesse, Sämtliche Werke, herausgegeben von Volker Michels, Band 10 Die Gedichte, bearbeitet von Peter Huber, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2002, pages 155-156.


Research team for this text: Sharon Krebs [Guest Editor] , Pierre Mathé [Guest Editor]

2. Blume, Baum, Vogel [sung text checked 1 time]

Bist allein im Leeren,
Glühst einsam, Herz,
Grüßt dich am Abgrund
Dunkle Blume Schmerz.

Reckt seine Äste
Der hohe Baum Leid,
Singt in den Zweigen
Vogel Ewigkeit.

Blume Schmerz ist schweigsam,
Findet kein Wort,
Der Baum wächst bis in die Wolken,
Und der Vogel singt immerfort.

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Confirmed with Hermann Hesse, Sämtliche Werke, herausgegeben von Volker Michels, Band 10 Die Gedichte, bearbeitet von Peter Huber, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2002, pages 234-235.


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

3. Herbst [sung text checked 1 time]

[Ihr Vögel]1 im Gesträuch,
Wie flattert euer Gesang
Den bräunenden Wald entlang --
Ihr Vögel, sputet euch!

Bald kommt der Wind, der weht,
Bald kommt der Tod, der mäht,
Bald kommt das graue Gespenst und lacht,
Daß uns das Herz erfriert
Und der Garten all seine Pracht
Und das Leben all seinen Glanz verliert.

Liebe Vögel im Laub,
Liebe Brüderlein,
Lasset uns singen und fröhlich sein,
Bald sind [wir]2 Staub.

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Automne", copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Hermann Hesse, Sämtliche Werke, herausgegeben von Volker Michels, Band 10 Die Gedichte, bearbeitet von Peter Huber, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2002, pages 258-259.

1 Kilpinen: "Die Vögel"; Petzold: "Ihr Vöglein"
2 Bohner: "wir im"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

4. Mittag im September [sung text not yet checked]

Es hält der blaue Tag 
Für eine Stunde auf der Höhe Rast.
Sein Licht hält jedes Ding umfaßt,
Wie man's in Träumen sehen mag:
Daß schattenlos die Welt,
In Blau und Gold gewiegt, 
In lauter Duft und reifem Frieden liegt. 

-- Wenn auf dies Bild ein Schatten fällt! --

Kaum hast du es gedacht,
So ist die goldene1 Stunde
Aus ihrem leichten Traum1 erwacht,
Und bleicher wird, indes sie stiller lacht, 
Und kühler wird die Sonne in der Runde.

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Note: According to Peter Spycher, Eine Wanderung durch Hermann Hesse’s Lyrik. Dokumentation und Interpretation, this poem was inaccurately rendered by Karlheinz Deschner in Kitsch, Konvention und Kunst : eine literarische Streitschrift . In addition to the omission of some punctuation marks, Deschner’s version contains two errors, which are footnoted below.

Confirmed with Hermann Hesse, Sämtliche Werke, herausgegeben von Volker Michels, Band 10 Die Gedichte, bearbeitet von Peter Huber, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2002, page 162.

1 Inaccurately given as "goldne" by Deschner
2 Inaccurately given as "Zaubertraum" by Deschner

Research team for this text: John Versmoren , Sharon Krebs [Guest Editor]

5. Der Blütenzweig [sung text checked 1 time]

Immer [hin und wider]1
Strebt der Blütenzweig im Winde,
Immer auf und nieder
Strebt mein Herz gleich einem Kinde
Zwischen hellen und dunklen Tagen,
Zwischen Wollen und Entsagen.

Bis die Blüten sind verweht
Und der Zweig in Früchten steht,
Bis das Herz, der Kindheit satt,
Seine Ruhe hat
Und bekennt: voll Lust und nicht vergebens
War das unruhvolle Spiel des Lebens.

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Hermann Hesse, Sämtliche Werke, herausgegeben von Volker Michels, Band 10 Die Gedichte, bearbeitet von Peter Huber, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2002, page 188.

1 G. Wilhelm: "auf und nieder" (as it is in the third line)

Research team for this text: Claus Swienty , Sharon Krebs [Guest Editor]

6. Spruch [sung text checked 1 time]

So mußt Du allen Dingen
Bruder und Schwester sein,
Daß sie dich ganz durchdringen,
Daß du nicht scheidest Mein und Dein.

Kein Stern, kein Laub soll fallen --
Du mußt mit ihm vergehn!
So wirst du auch mit allen
Allstündlich auferstehn.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Poème gnomique", copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Hermann Hesse, Sämtliche Werke, herausgegeben von Volker Michels, Band 10 Die Gedichte, bearbeitet von Peter Huber, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2002, page 152.


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]