Klassiker (Heft I of 24 Lieder)

Song Cycle by Theodor Streicher (1874 - 1940)

Word count: 679

1. Lied des jungen Reiters [sung text not yet checked]

Mit frühem Morgen
Sey schon mein Pferd gefüttert.
So bald's nur taget,
Mit Sonnenaufgang
Muß ich von hinnen reiten.

Da steht mein Vater,
Da mir zur Seite steht er
Der alte Vater,
Drängt sich an meine Seite.
Er steht mit mir zu sprechen;
Er spricht, mich zu ermahnen,
Und mich ermahnend weint er.

Still, weine nicht, mein Vater!
Still, weine nicht, mein Alter!
So frisch ich weggetrabet,
So frisch trab' ich zurücke,
Um dich nur nicht zu kränken.

Ei, mein Hengstchen,
Ei, mein Brauner,
Wohin streichst du?
Wohin schnaubst du?
Wohin wirst mich tragen?

Ei in Krieg hin!
Hin in fremde Lande!
Dahin streichst du,
(Dahin schnaubst du,)
Dahin wirst mich tragen.

Wird dir zu sauer
Die weite Strasse?
Wird zu schwer dir
Dieser Sack mit Haber?
Oder dieser junge Reuter
In dieser Reuters-Livrei,
Mit dem blanken Säbel?

Ja zu sauer
Wird der lange Weg mir,
Und diese Nacht, stockfinster,
Und diese grüne Heide,
Und dieser schwarze Morast -- -- --

Authorship

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

2. Esthnisches Volkslied [sung text not yet checked]

Jörru, Jörru, darf ich kommen?
Nicht o Liebchen heute.
Wärest du doch gestern kommen,
Nun sind um mich Leute.
Aber morgen, früh am Morgen,
Schlankes liebes Aestchen,
Kannst du kommen ohne Sorgen,
Da bin ich alleine.
Wenn der Maienkäfer schwirret
Früh im kühlen Thaue!
Hüpf ich, Liebe, dir entgegen
Weißt, auf jener Aue.

Authorship

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

3. Ein Fichtenbaum steht einsam [sung text not yet checked]

Ein [Fichtenbaum]1 steht einsam
Im Norden auf kahler Höh';
Ihn schläfert; mit weißer Decke
Umhüllen ihn Eis und Schnee.

Er träumt von einer Palme,
Die fern im Morgenland,
Einsam und [schweigend]2 trauert
Auf brennender Felsenwand.

Authorship

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Confirmed with Heinrich Heine, Buch der Lieder, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1827, page 137.

1 Biegeleben: "Tannenbaum"; further changes may exist not shown above.
2 Marx: "schweigsam"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Pierre Mathé [Guest Editor]

4. Die Teilung der Erde [sung text not yet checked]

Nehmt hin die Welt! rief Zeus von seinen Höhen
Den Menschen zu, nehmt! sie soll euer sein.
Euch schenk ich sie zum ew'gen Lehen,
Doch teilt euch brüderlich darein.

Da lief, was Hände hatte, zu, sich einzurichten.
Es regte sich geschäftig jung und alt.
Der Ackersmann griff nach des Feldes Früchten,
Der Junker birschte durch den Wald.

Der Kaufmann füllte sein Gewölb;
Die Scheune der Fermier, das Fass der Seelenhirt.
Der König sagte: jeglichem das Seine, und mir, mir zollt,
Was geärndtet wird.

Ganz spät, nach dem die Teilung längst geschehen,
Erschien auch der Poet, er kam aus weiter Fern.
Ach! da war überall nichts mehr zu sehen,
Und alles, alles hatte seinen Herrn.

Weh mir! weh mir! so soll ich denn allein von allen
Vergessen sein, ich, dein getreuster Sohn?
So ließ er laut der Klage Ruf erschallen
Und warf sich hin vor Jovis Thron.

Wenn du zu lang dich in der Träume Land verweilet,
Antwortet ihm der Gott, so hadre nicht mit mir.
Wo warft du denn, als man die Welt geteilet?
Ich war, ich war, sprach der Poet, bei dir!

Mein Auge hing an deinem Strahlen Angesichte,
An deines Himmels Harmonie mein Ohr
Verzeih dem Geiste der von deinem Lichte
Berauscht, verzeih das Irrdische verlor,
Verzeih, verzeih, ich war bei dir.

Was tun, spricht Zeus! die Welt ist weg gegeben,
Der Herbst, die Jagt, der Markt sind nicht mehr mein.
Willst du in meinem Himmel mit mir leben,
So oft du kommst, soll er dir offen sein.

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Le partage de la terre", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

5. Ein frühes Liebesleben [sung text not yet checked]

O süßes, süßes Jungfraunbild! 
In Engelfrieden hingegossen! 
Noch Kind, und doch so göttlich abgeschlossen! 
Demütig, sicher, stolz und mild! 

O Jungfraunbild, dich möcht' ich nicht  --  
Es wär mir, wie ein Raub  --  umfangen, 
Ich möchte vor dir niederknie'n und hangen 
An deinem Himmelsangesicht. 

Dann läg' ich stumm in heil'ger Scheu, 
Du aber würdest fromm erglühen, 
Und still und kindlich bei mir niederknieen, 
Und sinnen, wo die Heil'ge sei. 

Authorship

Confirmed with Friedrich Hebbel, Sämtliche Werke, sechster Band: Gedichte, ed. by Adolf Stern, Berlin und Leipzig: Th. Knaur Nachfolge, 1908, page 61. Appears in Vermischte Gedichte, in Ein frühes Liebesleben, no. 1.


Researcher for this text: Melanie Trumbull

6. Sieg [sung text not yet checked]

Zum [ersten Male]1 ist sie heut gegangen  
Als junge Christin zum Altar des Herrn;  
Die dunklen Worte, die vorher erklangen, 
Sie hielten ihr die ganze Erde fern; 
Ein Todesschauer bleichte ihre Wangen 
Und fast verglimmte ihres Auges Stern, 
Denn, wer nicht würdig ist und trinkt, so spricht 
Gott selbst, der ißt und trinkt sich das Gericht. 

Und dennoch hat sie heut sich mir ergeben, 
Wo jegliche Empfindung ihr's verbot; 
Sie wagte einmal, ihre Blick zu heben, 
Da sah sie mich und wurde wieder rot; 
Nun nahte sie sich dem Altar mit Beben 
Und nahm nur noch mit Angst das heil'ge Brot, 
Und als sie auch verschüttete den Wein, 
Da jauchzte ich:  sie ist auf ewig mein! 

Authorship

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Confirmed with Friedrich Hebbel, Sämtliche Werke, sechster Band: Gedichte, ed. by Adolf Stern, Berlin und Leipzig: Th. Knaur Nachfolge, 1908, page 62. Appears in Vermischte Gedichte, in Ein frühes Liebesleben, no. 3.

1 Streicher: "erstenmal"; further changes may exist not shown above.

Researcher for this text: Melanie Trumbull