Elegische Gesänge (Zweite Folge) : aus dem Cyklus "Auf meines Kindes Tod" von J. v. Eichendorff für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte

Song Cycle by (Leopold) Heinrich (Picot de Peccaduc), Freiherr von Herzogenberg (1843 - 1900)

Word count: 578

1. Sonett [sung text not yet checked]

Wenn zwei geschieden sind von Herz und Munde,
Da ziehn Gedanken über Berg' und Schlüfte
Wie Tauben säuselnd durch die blauen Lüfte,
Und tragen hin und wider süße Kunde.
 
Ich schweif umsonst, so weit der Erde Runde,
Und stieg ich hoch auch über alle Klüfte,
Dein Haus ist höher noch als diese Lüfte,
Da reicht kein Laut hin, noch zurück zum Grunde.
 
Ja, seit du tot - mit seinen blühnden Borden
Wich ringsumher das Leben mir zurücke,
Ein weites Meer, wo keine Bahn zu finden.
Doch ist dein Bild zum Sterne mir geworden,
Der nach der Heimat weist mit stillem Blicke,
Daß fromm der Schiffer streite mit den Winden.

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2. In der Nacht [sung text not yet checked]

  Von fern die Uhren schlagen,
Es ist schon tiefe Nacht,
Die Lampe brennt so düster,
Dein Bettlein ist gemacht.

  Die Winde nur noch gehen
Wehklagend um das Haus,
Wir sitzen einsam drinne
Und lauschen oft hinaus.

  Es ist, als müßtest leise
Du klopfen an die Thür,
Du hätt'st dich nur verirret,
Und kämst nun müd' zurück.

  Wir armen, armen Thoren!
Wir irren ja im Graus
Des Dunkels noch verloren -
Du fand'st [dich]1 längst nach Haus.

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Confirmed with Joseph Freiherrn von Eichendorff's Werke. Erster Theil. Gedichte. Berlin: M. Simion, 1841, pages 323.

1 in the 1883 version this is "ja"

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3. Ein Gleiches [sung text not yet checked]

Das ist's, was mich ganz verstöret:
Daß die Nacht nicht Ruhe hält,
Wenn zu atmen aufgehöret
Lange schon die müde Welt.
 
Daß die Glocken, die da schlagen,
Und im Wald der leise Wind
Jede Nacht von neuem klagen
Um mein liebes, süßes Kind.
 
Daß mein Herz nicht konnte brechen
Bei dem letzten Todeskuß,
Daß ich wie im Wahnsinn sprechen
Nun in irren Liedern muß.

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Confirmed with Joseph Freiherrn von Eichendorff's sämtliche poetische Werke, dritte Auflage, Erster Band, Gedichte, C. F. Amelang's Verlag, Leipzig, 1883.


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4. Im Herbst [sung text not yet checked]

Der Wald wird falb, die Blätter fallen,
Wie öd und still der Raum!
Die Bächlein nur gehn durch die Buchenhallen
Lind rauschend wie im Traum,
Und Abendglocken schallen
Fern von des Waldes Saum.

Was wollt ihr mich so wild verlocken
hier in der Einsamkeit?
Wie in der Heimat klingen diese Glocken
Aus stiller Kinderzeit-
Ich wende mich erschrocken,
Ach, was mich liebt, ist weit!

So brecht hervor nur, alte Lieder,
Und brecht das Herz mir ab!
Noch einmal grüß ich aus der Ferne wieder,
Was ich nur Liebes hab,
Mich aber zieht es nieder
Vor Wehmut wie ins Grab.

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  • ENG English (Jakob Kellner) , "In Autumn", copyright ©, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "En automne", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Amelia Maria Imbarrato) , "In autunno", copyright © 2007, (re)printed on this website with kind permission

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5. Nach Jahren [sung text not yet checked]

Die Welt treibt fort ihr Wesen,
Die Leute kommen und gehen,
Als wärst du nie gewesen,
Als wäre nichts geschehn.
 
Wie sehen ich mich aufs neue
Hinaus in Wald und Flur!
Ob ich mich gräm', mich freue,
Du bleibst mir treu, Natur.
 
Da klagt vor tiefem Sehnen
Schluchzend die Nachtigall,
Es schimmern rings von Thränen
Die Blumen überall.
 
Und über alle Gipfel
Und Blütenthäler zieht
Durch stillen Waldes Wipfel
Ein heimlich Klagelied.
 
Da spür' ich's recht im Herzen,
Daß du's, Herr, draußen bist -
Du weißt's, wie mir von Schmerzen
Mein Herz zerrissen ist!

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Confirmed with Joseph Freiherrn von Eichendorff's sämtliche poetische Werke, dritte Auflage, Erster Band, Gedichte, C. F. Amelang's Verlag, Leipzig, 1883.

Note: modern spelling would change "Thränen" to "Tränen" and "Blütenthäler" to "Blütentäler".

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6. Ade [sung text not yet checked]

Mein liebes Kind, ade!
Ich konnt' ade nicht sagen
Als sie dich fortgetragen,
Vor tiefem, tiefem Weh.
 
[Jetzt]1 auf lichtgrünem Plan
Stehst du im Myrtenkranze,
Und lächelst aus dem Glanze
Mich still voll Mitleid an.
 
Und Jahre nahn und gehn,
Wie bald bin ich verstoben -
O bitt für mich da droben,
Daß wir uns wiedersehn!

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Joseph Freiherrn von Eichendorff's sämtliche poetische Werke, dritte Auflage, Erster Band, Gedichte, C. F. Amelang's Verlag, Leipzig, 1883.

1 Kiel: "Und"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

7. Ergebung [sung text not yet checked]

Es wandelt, was wir schauen,
Tag sinkt ins Abendrot,
Die Lust hat eignes Grauen,
Und alles hat den Tod.

Ins Leben schleicht das Leiden
Sich [heimlich]1 wie ein Dieb,
Wir alle müssen scheiden
Von allem, was uns lieb.

Was gäb' es doch auf Erden,
Wer hielt' den Jammer aus,
Wer möcht' geboren werden,
Hielt'st Du nicht droben Haus!

Du bist's, der, was wir bauen,
Mild über uns zerbricht,
Daß wir den Himmel schauen -
Darum so klag' ich nicht.

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  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Ce que nous voyons change", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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1 Berg: "leise"

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