Sechs Gesänge , opus 11

by (Karl) Friedrich Curschmann (1805 - 1841)

1. Waldlied [sung text not yet checked]

Im Walde geh ich wohlgemut,
Mir graut vor Räubern nicht;
Ein liebend Herz ist all mein Gut,
Das sucht kein Bösewicht.

Was rauscht, was raschelt durch den Busch?
Ein Mörder, der mir droht?
Mein Liebchen kommt gesprungen, husch!
Und herzt mich fast zu Tod.

Authorship:

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , "Cançó del bosc ", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Chanson de la forêt", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

2. Der Gott und die Bajadere [sung text not yet checked]

  Mahadöh, der Herr der Erde,
  Kommt herab zum sechstenmal,
  Daß er unsers gleichen werde,
  Mit zu fühlen Freud' und Qual.
  Er bequemt sich hier zu wohnen,
  Läßt sich Alles selbst geschehn.
  Soll er strafen oder schonen,
  Muß er Menschen menschlich sehn.
Und hat er die Stadt sich als Wandrer betrachtet,
Die Großen belauert, auf Kleine geachtet,
Verläßt er sie Abends, um weiter zu gehn.

  Als er nun hinausgegangen,
  Wo die letzten Häuser sind,
  Sieht er, mit gemahlten Wangen
  Ein verlornes schönes Kind.
  Grüß' dich, Jungfrau! - Dank der Ehre! 
  Wart', ich komme gleich hinaus -
  Und wer bist du? - Bajadere,
  Und dieß ist der Liebe Haus.
Sie rührt sich, die Cymbeln zum Tanze zu schlagen;
Sie weiß sich so lieblich im Kreise zu tragen,
Sie neigt sich und biegt sich, und reicht ihm den Strauß. 

  Schmeichelnd zieht sie ihn zur Schwelle,
  Lebhaft ihn ins Haus hinein.
  Schöner Fremdling, lampenhelle
  Soll sogleich die Hütte seyn.
  Bist du müd', ich will dich laben,
  Lindern deiner Füße Schmerz.
  Was du willst, das sollst du haben,
  Ruhe, Freuden oder Scherz.
Sie lindert geschäftig geheuchelte Leiden.
Der Göttliche lächelt; er siehet mit Freuden,
Durch tiefes Verderben ein menschliches Herz.

  Und er fordert Sklavendienste;
  Immer heitrer wird sie nur,
  Und des Mädchens frühe Künste
  Werden nach und nach Natur.
  Und so stellet auf die Blüte
  Bald und bald die Frucht sich ein;
  Ist Gehorsam im Gemüthe,
  Wird nicht fern die Liebe seyn.
Aber, sie schärfer und schärfer zu prüfen,
Wählet der Kenner der Höhen und Tiefen
Lust und Entsetzen und grimmige Pein.

  Und er küßt die bunten Wangen,
  Und sie fühlt der Liebe Qual,
  Und das Mädchen steht gefangen,
  Und sie weint zum erstenmal;
  Sinkt zu seinen Füßen nieder,
  Nicht um Wollust noch Gewinnst,
  Ach! und die gelenken Glieder,
  Sie versagen allen Dienst.
Und so zu des Lagers vergnüglicher Feyer
Bereiten den dunklen behaglichen Schleier
Die nächtlichen Stunden, das schöne Gespinst.

  Spät entschlummert unter Scherzen,
  Früh erwacht nach kurzer Rast,
  Findet sie an ihrem Herzen
  Todt den vielgeliebten Gast.
  Schreiend stürzt sie auf ihn nieder,
  Aber nicht erweckt sie ihn,
  Und man trägt die starren Glieder
  Bald zur Flammengrube hin.
Sie höret die Priester, die Todtengesänge,
Sie raset und rennet und theilet die Menge.
Wer bist du? was drängt zu der Grube dich hin?

  Bei der Bahre stürzt sie nieder,
  Ihr Geschrei durchdringt die Luft:
  Meinen Gatten will ich wieder!
  Und ich such ihn in der Gruft.
  Soll zu Asche mir zerfallen
  Dieser Glieder Götterpracht?
  Mein! er war es, mein vor allen!
  Ach, nur Eine süße Nacht!
Es singen die Priester: Wir tragen die Alten,
Nach langem Ermatten und spätem Erkalten,
Wir tragen die Jugend, noch eh' sie's gedacht.

  Höre deiner Priester Lehre:
  Dieser war dein Gatte nicht.
  Lebst du doch als Bajadere,
  Und so hast du keine Pflicht.
  Nur dem Körper folgt der Schatten
  In das stille Todtenreich;
  Nur die Gattin folgt dem Gatten:
  Das ist Pflicht und Ruhm zugleich.
Ertöne, Drommete, zu heiliger Klage!
O nehmet, ihr Götter! die Zierde der Tage,
O nehmet den Jüngling in Flammen zu euch!

  So das Chor, das ohn' Erbarmen
  Mehret ihres Herzens Noth;
  Und mit ausgestreckten Armen
  Springt sie in den heißen Tod.
  Doch der Götter-Jüngling hebet
  Aus der Flamme sich empor,
  Und in seinen Armen schwebet
  Die Geliebte mit hervor.
Es freut sich die Gottheit der reuigen Sünder;
Unsterbliche heben verlorene Kinder
Mit feurigen Armen zum Himmel empor.

Authorship:

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , "El déu i la baiadera", copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "De god en de bajadère", copyright © 2006, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "The god and the dancing-girl", copyright ©
  • ENG English (Leon Malinofsky) , "The God and the Bayadere", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Anne Louise Germaine de Staël-Holstein) , "La Bayadere, et le Dieu de l'Inde" [an adaptation]
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Le Dieu et la bayadère", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission
  • GRE Greek (Ελληνικά) [singable] (Christakis Poumbouris) , "Ο Θεός και η Μπαγιαντέρα", copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission
  • HUN Hungarian (Magyar) (Árpád Tóth) , "Az isten és a bajadér"

Confirmed with Goethe's Werke, Vollständige Ausgabe letzter Hand, Erster Band, Stuttgart und Tübingen, in der J.G.Cotta'schen Buchhandlung, 1827, pages 251-255; and with Musen-Almanach für das Jahr 1798. herausgegeben von Schiller. Tübingen, in der J.G.Cottaischen Buchhandlung, pages 188-193.


Research team for this text: Martin-Beatus Meier , Peter Rastl [Guest Editor]

3. Der Abend [sung text checked 1 time]

Es singt und klagt die Nachtigall
Mit süßem Liebesgruß,
Und von der Lilie raubt im Schlaf
Der Zephyr leisen Kuß. 

Der stille Mond am Himmel steigt
Hinauf die Lichte Bahn; 
und zu den Schilf am Ufer hin
Zieht heim der letzte Schwan. 

Die Elfen schweben auf und ab,  
Und halten ihren Tanz,  
Johanniswürmchen schwärmt und glüht
Im grünen Demantglanz. 

Der Friede Gottes kommt herab
Auf Feld und Flur und Haus,       
Und seinen heil'gen Engel ziehn,  
Uns zu bewahren, aus. 

Authorship:

Researcher for this text: Melanie Trumbull

4. Gedicht [sung text not yet checked]

"Komm, lieber Schatz, komm vor die Thür!
     Vernimmst du nichts? O Liebste, horch,
Dort singt die Schwalbe schon am Dach, 
     Und auf dem Giebel sitzt der Storch, 

O horch, es geht das Mühlenrad, 
     Dieweil das Eis am Bache brach,
Und auf der letzten Scholle fuhr 
     Der liebe Frühling immer nach. 

Und was nur seine Hand berührt, 
     Das grünet auf in voller Pracht;
Laut lacht er in den Wald hinein, 
     Daß laut der Wald zurücke lacht. 

Er sitzt auf einem grünen Reis,
     Und singt und spielt in guter Ruh;
Da stehen Halme rings umher
     Und schaun hinauf und hören zu.

Es findet sich in solcher Lust
     Noch nicht zurecht der Apfelbaum,
Er steht und grünt und sinnt und träumt: 
     Da wird zur Blüthe jeder Traum.

Komm, lieber Schatz, komm vor die Thür!
     Tritt in der neuen Sonne Glanz! 
Ich schmücke dich, ich schatte dir
     Mit einem frischen Blumenkranz." --

O weh, wer hat mich aufgeweckt?
     In dichten Flocken seh' ich's schney'n; 
Im Herzen nur klingt leise noch
     Ein Traum von der Geliebten mein.

Authorship:

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Researcher for this text: Harry Joelson

5. Meine Ruh ist hin [sung text not yet checked]

Meine Ruh' ist hin,
Mein Herz ist schwer;
Ich finde sie nimmer
Und nimmermehr.

Wo ich ihn nicht hab'
Ist mir das Grab,
Die ganze Welt
Ist mir vergällt.

Mein armer Kopf
Ist mir verrückt,
Mein armer Sinn
Ist mir zerstückt.

Meine Ruh' ist hin,
Mein Herz ist schwer;
Ich finde sie nimmer
Und nimmermehr.

Nach ihm nur schau' ich
Zum Fenster hinaus,
Nach ihm nur geh' ich
Aus dem Haus.

Sein hoher Gang,
Sein' edle Gestalt,
Seines Mundes Lächeln,
Seiner Augen Gewalt,

Und seiner Rede
Zauberfluß,
Sein Händedruck,
Und ach sein Kuß!

Meine Ruh' ist hin,
Mein Herz ist schwer,
Ich finde sie nimmer
Und nimmermehr.

Mein Busen drängt
Sich nach ihm hin.
[Ach]1 dürft ich fassen
Und halten ihn!

Und küssen ihn
So wie ich wollt',
An seinen Küssen
Vergehen sollt'!

Authorship:

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission
  • CZE Czech (Čeština) (Otokar Fischer) , "Můj klid ten tam"
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Greetje aan het spinnewiel", copyright © 2005, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) (Geart van der Meer) , copyright © 2022, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Lynn Thompson) , "My peace is gone", copyright © 1997, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Fredric Kroll) , "Gretchen at the Spinning Wheel", copyright © 2005, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Walter A. Aue) , "My peace is gone", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Gérard Labrunie) , appears in Le Faust de Goethe [an adaptation]
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , copyright © 2022, (re)printed on this website with kind permission
  • FRI Frisian (Geart van der Meer) , copyright © 2022, (re)printed on this website with kind permission
  • GRE Greek (Ελληνικά) [singable] (Christakis Poumbouris) , "Το Ριτάκι στο ροδάνι", copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , "La mia pace è perduta", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • NOR Norwegian (Bokmål) (Marianne Beate Kielland) , "Gretchen ved rokken", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
  • SPA Spanish (Español) (Elisa Rapado) , "Margarita en la Rueca"

View original text (without footnotes)

Confirmed with Goethe's Werke, Vollständige Ausgabe letzter Hand, Zwölfter Band, Stuttgart und Tübingen, in der J.G.Cottaschen Buchhandlung, 1828, pages 177-178; with Faust. Eine Tragödie von Goethe, Tübingen, in der J.G.Cotta'schen Buchhandlung, 1808, pages 223-225; and with Faust. Ein Fragment. in Goethe's Schriften. Siebenter Band. Leipzig, bey Georg Joachim Göschen, 1790, pages 133-135. Above the poem it is indicated "Gretchens Stube. Gretchen am Spinnrade allein." Note: Goethe did not split the final eight lines into two stanzas prior to 1828.

1 Zelter: "Als"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Peter Rastl [Guest Editor]

6. Der kleine Hans [sung text checked 1 time]

"Nein, ich will's nicht länger leiden, 
bin ich gleich der kleine Hans,
Nachbar's Michel, gestern Abend 
führt er wieder dich zum Tanz.
An dem Brunnen ganz alleine 
sprach er so vertraut mit dir,
noch dazu im Mondensscheine, 
Liese, das war schlecht von dir."

"Schau, schau! was der Hans sich quälet, 
schau, schau, lieber kleiner Hans!
laß dirs nit zu sehr zu Herzen, 
nit zu sehr zu Herzen gehn, 
denn die Liebe macht nur Schmerzen
und der Gram der macht nicht schön."

"Und das soll mich nicht verdrießen, 
noch dazu im Mondenschein,
ja, der hätt es sollen büßen, 
wär ich nur nicht gar zu klein;
aber wenn es Krieg wird geben, 
endet alle eine Not,
ich geh unter die Soldaten, 
und dann schießen sie mich tot."

Geh, geh! unter die Soldaten,
geh,geh, in die weite Welt!
Aber draußen laß dir raten
draußen ist es schlecht bestellt,
keine Suppe, keinen Braten,
Hansel zieh dich nicht zu Feld.

Und mein Hans ging um die Ecke, 
doch der Weg war just sehr krumm,
und nach einer kleinen Strecke 
bog er richtig wieder um.
"Eines hab ich doch vergessen, 
liebes Liesel, 's ist schon spat,
erst will ich zu Abendessen, 
und dann werd ich desperat."

"Hans, Hans! hab ich dich schon wieder,
schau, schau, hier in meiner Haft!
Lieber Schatz, gib dich zufrieden,
spare deine Heldenkraft,
in der ganzen Welt ist Frieden,
und der Krieg wird abgeschafft."

Authorship:

Researcher for this text: Peter Donderwinkel