Zwölf Eichendorff-Lieder

by Othmar Schoeck (1886 - 1957)

Word count: 891

1. Waldeinsamkeit [sung text checked 1 time]

Waldeinsamkeit!
Du [grünes]1 Revier,
Wie liegt so weit
Die Welt von hier!
Schlaf nur, wie bald
Kommt der Abend schön,
Durch den stillen Wald
Die Quellen gehn,
Die Mutter Gottes wacht,
Mit ihrem Sternenkleid
Bedeckt sie dich sacht
In der Waldeinsamkeit,
[Gute Nacht,]2 Gute Nacht! -

Authorship

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  • ENG English [singable] (John Bernhoff) , "Forest-Solitude"
  • ENG English [singable] (Constance Bache) , "Forest solitude" [an adaptation]
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Joseph Freiherrn von Eichendorff's Werke. Dritter Theil. Dichter und ihre Gesellen. Krieg den Philistern, Berlin, Verlegt von M. Simion, 1841, pages 254-255.

1 Wolff: "schönes"
2 omitted by Wolff.

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2. Kurze Fahrt [sung text checked 1 time]

Posthorn, wie so keck und fröhlich
Brachst du einst den Morgen an,
Vor mir lag's so frühlingsselig,
Daß ich still auf Lieder sann.

Dunkel rauscht es schon im Walde,
Wie so abendkühl wird's hier,
Schwager, stoß ins Horn - wie balde
Sind auch wir im Nachtquartier!

Authorship

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  • ENG English (Emily Ezust) , "Short journey", copyright ©

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3. Winternacht [sung text checked 1 time]

Verschneit liegt rings die ganze Welt,
Ich hab' Nichts, was mich freuet,
Verlassen steht der Baum im Feld,
Hat längst sein Laub verstreuet.

Der Wind nur geht bei stiller Nacht
Und rüttelt an den Baume,
Da rührt er seinen Wipfel sacht
Und redet wie im Traume.

Er träumt von künft'ger Frühlingszeit,
Von Grün und Quellenrauschen,
Wo er im neuen Blüten-Kleid
Zu Gottes Lob wird rauschen.

Authorship

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  • ENG English (Emily Ezust) , "Winter night", copyright © 2014
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Nuit d'hiver", copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission

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4. Im Wandern [sung text checked 1 time]

So ruhig geh' ich meinen Pfad,
  So still ist mir zu Mut;
Es dünkt mir jeder Weg gerad'
  Und jedes Wetter gut.

Wohin mein Weg mich führen mag,
  Der Himmel ist mein Dach,
Die Sonne kommt mit jedem Tag,
  Die Sterne halten Wach'.

Und komm' ich spät und komm' ich früh
  Ans Ziel, das mir gestellt:
Verlieren kann ich mich doch nie,
  O Gott, aus Deiner Welt!

Authorship

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Confirmed with Gedichte aus dem Nachlasse des Freiherrn Joseph von Eichendorff, herausgegeben von Heinrich Meisner, Leipzig, C. F. Amelangs Verlag, 1888, p. 3.


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5. Sterbeglocken [sung text checked 1 time]

Nun legen sich die Wogen,
Und die Gewitter schwül
Sind all hinabgezogen,
Mir wird das Herz so kühl. 

Die Täler alle dunkeln,
Ist denn das Morgenzeit? 
Wie schön die Gipfel funkeln
Und Glocken hör' ich weit. 

So hell noch niemals klangen
Sie übern Waldessaum -
Wo war ich denn so lange? 
Das war ein schwerer Traum.

Authorship

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6. Ergebung [sung text not yet checked]

Es wandelt, was wir schauen,
Tag sinkt ins Abendrot,
Die Lust hat eignes Grauen,
Und alles hat den Tod.

Ins Leben schleicht das Leiden
Sich [heimlich]1 wie ein Dieb,
Wir alle müssen scheiden
Von allem, was uns lieb.

Was gäb' es doch auf Erden,
Wer hielt' den Jammer aus,
Wer möcht' geboren werden,
Hielt'st Du nicht droben Haus!

Du bist's, der, was wir bauen,
Mild über uns zerbricht,
Daß wir den Himmel schauen -
Darum so klag' ich nicht.

Authorship

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  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Ce que nous voyons change", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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1 Berg: "leise"

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7. Nachklang [sung text checked 1 time]

Lust'ge Vögel in dem Wald,
Singt, solang es grün,
Ach wer weiss, wie bald,
wie bald Alles muss verblühn! 

Sah ich's doch vom Berge einst
Glänzen überall,
Wusste kaum, warum du weinst,
Fromme Nachtigall. 

Und kaum ging ich über Land,
Frisch durch Lust und Not,
Wandelt' alles, und ich stand
Müd im Abendrot. 

Und die Lüfte wehen kalt,
Übers falbe Grün,
Vöglein,euer Abschied hallt
Könnt' ich mit euch ziehn!

Authorship

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Thomas Zoller

8. Der verspätete Wanderer [sung text checked 1 time]

Wo aber werd' ich sein im künft'gen Lenze?
So frug ich sonst wohl, wenn beim Hüteschwingen
Ins Tal wir ließen unser Lied erklingen,
Denn jeder Wipfel bot mir frische Kränze.

Ich wußte nur, daß rings der Frühling glänze,
Daß nach dem Meer die Ströme [leuchtend]1 gingen,
Von fernem Wunderland die Vögel singen,
Da hatt' das Morgenrot noch keine Grenze.

Jetzt aber wirds schon Abend, alle Lieben
Sind wandermüde längst zurückgeblieben,
Die Nachtluft rauscht durch meine welken Kränze,

Und heimwärts rufen mich die Abendglocken,
Und in der Einsamkeit frag ich erschrocken:
Wo werde ich wohl sein im künft'gen Lenze?

Authorship

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "The wanderer late in the evening", copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Le voyageur attardé", copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Joseph Freiherrn von Eichendorff's sämtliche poetische Werke, dritte Auflage, Erster Band, Gedichte, C. F. Amelang's Verlag, Leipzig, 1883, page 102.

1 Zillig: "funkelnd"

Researcher for this text: Jakob Kellner

9. Nacht [sung text checked 1 time]

[ ... ]
Hörst du die Gründe rufen [In Träumen]1 halb verwacht? O, von des Schlosses Stufen Steig nieder in die Nacht! -- Die Nachtigallen schlagen, Der Garten rauschet sacht, Es will dir Wunder sagen, Die wunderbare Nacht.

Authorship

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  • ENG English [singable] (Constance Bache) , "Night"
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Nuit", copyright ©, (re)printed on this website with kind permission

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When first published in 1828, the poem was one stanza long (usually referred to as Nacht Teil 1); in 1837, Eichendorff added Teil 2, which encompassed stanza 2; in 1839, Eichendorff added Teil 3, which encompassed stanzas 3 and 4; and in 1841 he added Teil 4, encompassing stanzas 5 and 6, and thus giving the poem its final form.

1 Schoeck: "Im Traume"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

10. Lockung [sung text checked 1 time]

Über gelb' und rote Streifen
Ziehen hoch die Vögel fort,
Trostlos die Gedanken schweifen,
Ach! Sie finden keinen Port,
Und der Hörner dunkle Klagen
Einsam nur ans Herz dir schlagen. 

Siehst du blauer Berge Runde
Ferne überm Walde stehn,
Bäche in dem stillen Grunde
Rauschend nach der Ferne gehn? 
Wolken, Bäche, Vögel munter, 
alles ziehet mit hinunter. 

Golden meine Locken wallen,
Süss mein junger Leib noch blüht,
Bald ist Schönheit auch verfallen,
Wie des Sommers Glanz verglüht,
Jugend muss die Blüten neigen,
Rings die Hörner alle schweigen. 

Schlanke Arme zu umarmen,
Roten Mund zum süssen Kuss,
weisse Brust, dran zu erwärmen,
reichen, vollen Liebesgruss,
bietet dir der Hörner Schallen,
Süsser! komm, eh sie verhallen!

Authorship

Researcher for this text: Thomas Zoller

11. An die Lützowschen Jäger [sung text checked 1 time]

Wunderliche Spiessgesellen,
Denkt ihr noch an mich,
Wie wir an der Elbe Wellen
Lagen brüderlich? 

Wie wir in des Spreewalds Hallen,
Schauer in der Brust,
Hell die Hörner liessen schallen
So zu Schreck wie Luft? 

Mancher musste da hinunter
Unter den Rasen grün,
Und der Krieg und Frühling
munter Gingen über ihn. 

Wo wir ruhen, wo wir wohnen:
Jener Waldeshort
Rauscht mit seinen grünen Kronen
Durch mein Leben fort.

Authorship

Researcher for this text: Thomas Zoller

12. Auf dem Rhein [sung text checked 1 time]

Kühle auf dem schönen Rheine
Fuhren wir vereinte Brüder,
Tranken von dem goldnen Weine,
Singend gute deutsche Lieder.

Was uns dort erfüllt die Brust,
Sollen wir halten,
Niemals erkalten,
Und vollbringen treu mit Lust!

Und wo wollen wir uns teilen,
Eines Fels verschiedne Quellen,
Bleiben so auf hundert Meilen
Ewig redliche Gesellen!

Authorship

Researcher for this text: Thomas Zoller