Lieder : 1. Sammlung

by Johann Friedrich Hugo, Freiherr von Dalberg (1760 - 1812)

Word count: 1872

1. An die Freude aus Klopstocks Ode [sung text not yet checked]

[ ... ]

[Treuer]1 Zärtlichkeit voll, in den Umschattungen,
In den Lüften des Walds, und mit gesenktem Blick
Auf die silberne Welle,
That ich schweigend den frommen Wunsch:

Wäret ihr auch bey uns, die ihr mich ferne liebt,
In des Vaterlands Schooss einsam von mir verstreut,
Die in seligen Stunden
Meine suchende Seele fand;

O so bauten wir hier Hütten der Freundschaft uns!
Ewig wohnten wir hier, ewig! Der Schattenwald
Wandelt' uns sich in Tempe,
Jenes Thal in Elysium!

Authorship

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Confirmed with Friedrich Gottlieb Klopstock, Oden, Band 1, Leipzig, 1798, pages 82-87.

1 Dalberg: "Voller"; further changes may exist not shown above.

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2. Das schlafende Mädchen [sung text not yet checked]

Schlummre, schlummre sanft, o Schöne!
Stöhrt sie nicht, der Nachtigallen Töne!
Sterblich ist sie nicht: ach nein!
Eine Göttinn muß sie seyn.
O ich will auf diesen Auen
Gleich ihr einen Altar bauen;
Weihrauch will ich auf ihn streun:
Ja! -- sie kann nicht sterblich seyn.
Aber wenn sie nun erwachet;
Freundlich diese Wange lachet --
Armes Herz! wie wird dirs gehn!
O wie schlummert sie so schön!

Authorship

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Confirmed with Sämmltiche poetische Schriften, erster Theil, erste vollständige Ausgabe, Wien: F. A. Schrämbl, 1794, page 104. Appears in Kleinere Tändeleien.


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3. Liebe [sung text not yet checked]

Stark ist des Todes rauhe Hand,
Doch stärker ist die Liebe; 
Und fest umarmt des Grabes Band,
Doch fester herzt die Liebe.
Die Kohle glimmt, das Feuer sprüht,
Doch höher flammt und tiefer glüht
Die Wonne süßer Liebe.

Kein Wasser löscht ihr Feuer aus,
Kein Strom ertränkt die Liebe.
Böt' ein Verschmähter Hof und Haus
Für ungeschminkte Liebe,
Umsonst wär' alles Gut und Geld,
Denn fern von Kauf und Gold und Welt,
Bleibt ewig frei die Liebe.

Authorship

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4. Der Zauber der Erinnerung [sung text checked 1 time]

Aus dem Strome des Genusses
fließt ein Tropfen rein und klar,
zwar ein Teilchen nur des Flusses,
der doch auch beim Ursprung war.

Der Erinnerung Götterschale
beut den süßen Tropfen mir.
Trunken werde ich vom Mahle
des Entzückens für und für.

O der zauberischen Wonne;
des Genusses Strom erscheint,
glänzend von der Lebenssonne,
mit der Vorzeit Strom vereint.

Auf des Flusses glatter Fläche
schwebet des Vergang'nen Bild,
abgehärmt, voll Todesschwäche,
doch im Blicke sanft und mild.

Sieh! der Jugend gold'ne Träume
tanzen alle vor mir her;
in des Grabes dunkle Räume
sinken sie und sind nicht mehr.

Leise Wellen, rollet immer,
Bilder der Vergangenheit!
Lauschen werd' ich euch bald nimmer,
denn mir droht die Sterblichkeit.

Authorship

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5. Ehlicher guten Morgen [sung text not yet checked]

Guten Morgen, guten Morgen!
Groß' und kleine Sorgen,
Weibchen, theilen wir,
Du, die mir im Leben
Gott zum Trost gegeben:
O wie theuer bist du mir!
Guten Morgen, guten Morgen!
Hehr und unverborgen
Glänzt das Morgenlicht.
Und das Gold der Sonne,
Weibchen, welche Wonne!
Spielt auf deinem Angesicht.
O, der Freude!
Hier an meiner Seite
Sitzt das holde Kind.
Ihre Finger schweben
Ueber Goldgeweben,
Wie im Blüthenbusch der Wind.
Freudenzähren
Fließen dir zu Ehren,
Der mein Weibchen schuf.
Leicht ist mir der Tage
Zugemeßne Plage
Und ein Spiel ist mein Beruf.
Guten Morgen, guten Morgen!
Alle unsre Sorgen,
Weibchen, theilen wir.
Gerne will ich leben,
Gern in Eden schweben;
Aber, Engel, nur mit dir.

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6. Ehliche gute Nacht [sung text not yet checked]

Gute Nacht, gute Nacht!
Unser Tagwerk ist vollbracht,
Goldne Sternlein äugeln wieder
Von des Himmels Zinne nieder;
Und des Mondes Scheibe lacht,
Gute Nacht!
Zum Klavier,
Herzensweibchen, eilen wir!
Um ins Goldgeweb' zu spielen,
Was wir für einander fühlen;
Ich mit dir und du mit mir,
Am Klavier.
Gottes Ruh'
Säuselt uns vom Himmel zu;
Bringt uns der Empfindung Fülle,
Zärtlichkeit und Herzensstille,
Ach ich fühle sie wie du,
Gottes Ruh'.
O gewiß,
Welt, du bist ein Paradies;
Wenn wir schon im Erdenleben
Liebe nehmen, Liebe geben;
Welt, so bist du uns gewiß
Paradies.
Schimmernd fällt
Unsre Thrän' dem Herrn der Welt.
Ach! dem Stifter unsrer Ehe
Flammt der Dank zur fernsten Höhe!
Sieh, die Zähre, Herr der Welt,
Wie sie fällt!
Gute Nacht!
Sieh den Mond in stiller Pracht
Uns mit goldnen Strahlen winken,
Um in deinen Arm zu sinken,
Weib, zur Wonne mir gemacht.
Gute Nacht!

Authorship

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7. An die Fantasie [sung text checked 1 time]

Holde, süße Phantasie,
du allein verlässt mich nie.
Dank sei deinen Zauberbildern,
die mein hartes Schicksal mildern,
Dank dir, dass mir deine Kraft
Freude, noch zu leben, schafft.

O wie manchen langen Tag
irr' ich deinem Blendwerk nach!
Im Vergangenen verloren,
in der Zukunft neu geboren,
wachend, träumend, dort und hier
folg' ich immer freudig dir!

Ein Gesicht verschwindet kaum,
winkt mir schon ein neuer Traum.
Sink ich kraftlos und beladen,
reichst du mir den gold'nen Faden,
der mein trauerndes Gemüt
sanft zu dir hinüberzieht.

Holde, süße Phantasie, 
Täuscherin, verlass mich nie!
Nur im Kreise deiner Kinder
eilt das Leben hin geschwinder;
weiche nimmermehr von mir,
auch im Tode folg' ich dir.

Authorship

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8. Fischerlied [sung text checked 1 time]

Wir schwanken hin, wir schwanken her
im leichten Kahn 
und folgen weit ins off'ne Meer
der Wogen Bahn,
wenn sich die Morgensonne hebt 
aus Titans Schoß,
und sie auf feuchter Fläche schwebt, 
so hehr und groß.

Treibt seinen Kahn der Fischer hin,
sein einzig Gut,
sieht Haus und Hof und Land entflieh'n
mit frohem Mut;
auf Meereswogen schwebt er nun,
ein freier Gott,
das Herz ist froh, die Sorgen ruh'n
und Angst und Not.

Oft hat das Netz, der Kahn nicht Raum
für seinen Fang,
oft angelt er ein Fischlein kaum
den Tag entlang.
Und weit treibt er sein Schifflein hin,
hinab, hinan;
die dunkle Nacht ereilet ihn
im off'nen Kahn.

Er speiset oft sein mäßig Mahl
in Näss' und Frost,
doch tauscht' er nicht, hätt' er die Wahl,
mit Fürstenkost.
Des Fischers Reichtum ist nicht groß,
sein Schatz nicht schwer,
doch ist Zufriedenheit sein Los,
und das ist mehr.

Dann ziehet er den Wellen nach
bei Mondenschein;
der blaue Himmel ist sein Dach,
so schläft er ein.
Der gold'ne Morgen weckt ihn auf
im hohen Meer,
dann treibt den Kahn in schnellem Lauf
ans Ufer er.

Ihr Brüder, lasst das Leben so
auch uns vergeh'n,
auf schnellen Fluten frei und froh
im Kahne steh'n.
Erreicht uns auch die frühe Nacht
im off'nen Meer:
Seht dort, ein schön'rer Morgen lacht
vom Himmel her.

Authorship

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9. Die Schiffende [sung text not yet checked]

Sie wankt dahin; die Abendwinde spielen,
  Ihr Apfelblüten zu;
Die Vögelein, so ihre [Gottheit]1 fühlen,
  Erwachen aus der Ruh.

Wie ihr Gewand im Mondenglanze flittert,
  Und ihres Busens Flor!
Sie wankt dahin; der helle Vollmond zittert
  Aus jeder Well' hervor.

Da rauscht der Kahn durch hangende Gesträuche,
  Birgt mir das Engelbild, 
Schwankt izt hervor, tanzt wieder auf dem Teiche, 
  Den ihre Gottheit füllt.

Verdeckt mir nicht, ihr hangenden Gesträuche,
  Ihr lächelndes Gesicht;
Sie tanzt so schön auf ihrem Silberteiche:
  Ihr Erlen, bergt sie nicht.

Weht, Winde, weht, o flügelt sie, ihr Winde,
  An diese Laub' heran,
Daß ich mich ihr im Schauer dieser Linde
  [Zu Füssen werfen]3 kann.

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , "La navegant", copyright © 2019, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "De varende", copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "The floating vision", copyright ©
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Gedichte von Ludewig Heinrich Christoph Hölty. Besorgt durch seine Freunde Friederich Leopold Grafen zu Stolberg und Johann Heinrich Voß. Carlsruhe, bey Christian Gottlieb Schmieder, 1784, pages 170-171; and with Poetische Blumenlese Auf das Jahr 1775. Göttingen und Gotha bey Johann Christian Dieterich, pages 85-86.

1 Hensel: "Nähe"
2 Hensel: "lächelnd Angesicht"
3 Hensel: "Beseligt nahen"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Peter Rastl [Guest Editor]

10. Das Mädchen am Ufer [sung text not yet checked]

Im säuselnden Winde, am murmelnden Bach
Saß Lila auf Blumen und weinet und sprach:
Was blüht ihr, ihr Blumen? Was säuselt du West?
Was murmelst du Strom, der mich murmelnd verläßt.

Mein Lieber erblühte am Herzen mir hier,
War frisch wie die [Welle]1, war lieblicher mir
Als Zephir; o Zephir, wo flohest du hin?
O Blume der Liebe, du mußtest verblüh'n!

Von Busen, vom Herzen riß ab sie den Strauß,
Und seufzet und weinet die Seele sich aus.
Was weinst in der Welle? Was seufzest in Wind?
O Mädchen, Wind, Welle und Leben zerrinnt.

Der Strom kommt nicht wieder, der Westwind verweht,
Die Blume verwelket, die Jugend vergeht,
Gib, Mädchen, die Blume dem Strome, dem West:
Es ist ja nicht Liebe, wenn Leibe verläßt.

Authorship

Based on

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Confirmed with J. G. von Herder's ausgewählte Werke in einem Bande, Stuttgart und Tübingen: J. G. Cotta'scher Verlag, 1844. Appears in Stimmen in Völker in Liedern, in 3. Das dritte Buch. Nordwestliche Lieder, page 371.

1 Pohl: "Quelle"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Melanie Trumbull

11. An die Laute [sung text checked 1 time]

Ja, süsse Laute, je länger er lebt, 
Und stets sich tiefer in Sorge webt; 
Er kann zu Linderung wahrer Pein 
Sich Wahn ja dichten und fröhlich sein.  

Ja, süsse Laute, denn Bild und Wahn 
Ist uns doch alles!  Man staunt es an, 
Umfängts, wie dort, wahnsinnig ja schon, 
Sein Bildnißmädchen Pygmalion;  

Kann glauben, ach!  ohn' Art und Sinn, 
Schifft gegen Wind und Wellen hin 
Und täuscht sich selig und lacht der That, 
Daß man so selig betrogen sich hat. 

Grauhaariger Thor, so manche Zeit 
Hast du gerungen mit Müh' und Leid, 
Hast stets gehoffet dir Ende der Pein, 
"Und ist's nicht heute, wird's morgen sein."   

Der Morgen kommt, ist Mittag, ist Nacht, 
Und stets noch immer in Sorge verwacht, 
Gehofft nun wieder auf Morgenfrist, 
Bis er am Morgen gestorben ist. 

Sing's, liebe Laute, von Falkenhöh' 
Ist man nur selig:  je und je 
War uns statt Haben der ganze Gewinn 
Zu hoffen, blicken im Fluge dahin.  

O lange, lange läg' ich im Grab', 
Hätt' Lebens Bürde geworfen ab, 
Wenn du nicht, Liebe, du süßer Wahn, 
Und Ehre gelockt mein Leben hinan. 

Authorship

Based on

Confirmed with Johann Gottfried Herder, Volkslieder, zweiter Theil, Leipzig: Weygandschen Buchhandlung, 1779, pages 46 - 47. Appears in Nordwestliche Lieder.


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12. An die Vergänglichkeit [sung text checked 1 time]

Vergänglichkeit, du Sohn der ewigen Nacht,
dir huldigt, was auf Erden lebt.
Kein Menschensohn entgehet deiner Macht,
kein Schmetterling aus Duft gewebt;
es gähnt dein ewig off'ner gier'ger Schlund
durch tausend, tausend Jahre schon,
und was die Zeit gebar, verschlingt dein Mund;
auf Leichen baust du deinen Thron.

Wie manchen lichten, gold'nen Faden spinnt
die holde, süße Jugendzeit -
wofür? Des Lebens leichter Sand zerrinnt
ins tiefe Meer der Ewigkeit.
Da liegen tausend in den Staub gestreckt,
einst alle, ach, wie ich belebt;
ein Erdenspann, ein moosig Grab bedeckt,
was jüngst nach Götterglück gestrebt.

Du reger Geist, wirst du auch einst vergeh'n
wie dieser bunte Blumenstaub,
von einem Gotte ewig ungeseh'n
gleich träger Erd' des Todes Raub;
Verwandlung schrieb des Schicksals harte Hand
auf jedes Erdenwesen hin,
doch blicke freudenvoll ins ferne Land,
Gott hat Unsterblichkeit verlieh'n.

Authorship

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