Zwölf Gesänge mit Klavier nach Gedichten von Paul Verlaine

Song Cycle by Richard Trunk (1879 - 1968)

Word count: 1034

1. Mondschein [sung text checked 1 time]

So seltsam scheint mir deine Seele, wie
ein Park, durch den ein Zug von Masken flimmert,
doch Tanz und ihrer Lauten Melodie
verbirgt nur Schmerz, der durch die Masken schimmert.

Von Liebe singen sie, bespöttelnd ihr Geschick,
doch Mollklang macht das lose Klimpern trüber,
es scheint, sie glauben selbst nicht an ihr Glück,
und leise rinnt ihr Lied in Mondschein über.

Im Mondschein, der, sanfttraurig, blass und blank,
die Vögel träumen läßt hoch in den Bäumen
und schluchzen die Fontänen, dass sie schlank
und schauernd in die Marmorschalen schäumen.

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Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

2. Mein Traum [sung text checked 1 time]

Ich träume wieder von der Unbekannten,
Die schon so oft im Traum vor mir gestanden.
Wir lieben uns, sie streicht das wirre Haar
Mir aus der Stirn mit Händen wunderbar.
 
Und sie versteht mein rätselhaftes Wesen
Und kann in meinem dunklen Herzen lesen.
Du fragst mich: Ist sie blond? Ich weiß es nicht.
Doch wie ein Märchen ist ihr Angesicht.
 
Und wie sie heißt? Ich weiß nicht. Doch es klingt
Ihr Name süß, wie wenn die Ferne singt-
Wie Eines Name, den du Liebling heißt
 
Und den du ferne und verloren weißt.
Und ihrer Stimme Ton ist dunkelfarben
Wie Stimmen von Geliebten, die uns starben.

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Die Lyrik des Auslandes in neuerer Zeit, ed. Hans Bethge, Leipzig: Max Hesses Verlag, 1907, pages 194-195, under the title "Traum."

Confirmed with Hermann Hesse, Sämtliche Werke, herausgegeben von Volker Michels, Band 10 Die Gedichte, bearbeitet von Peter Huber, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2002, pages 71-72, under the title "Mon rêve familier aus dem Französischen des Paul Verlaine." Note that in this edition the poem is in two-line stanzas, not the sonnet form above.


Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

3. Mandolinen [sung text not yet checked]

Leis dem Schmeichellied der Lauten
kamen sie im Park zu lauschen,
lächelnd unter blüh'nden Rauten
wollen sie nun Worte tauschen.

Da ist Tirsis und Aminde
und Clitander auch, der gute,
Damis, der manch' schönem Kinde
Verse schrieb mit Herzensblute.

Seidne Puderwämser, lang
schleifen Schleppen, blaue weiche
Schatten schwärmen überm Hang,
spiegeln schimmernd sich im Teiche.

Auf des Mondes Rosenwellen
schwebt ein geisterhaftes Leben,
und die Mandolinen schwellen,
und ein Hauch macht sie erbeben.

Authorship

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Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

4. Regen [sung text checked 1 time]

Wie nun des Regens Gerinn
rauschend die Stadt umsingt,
fühl' ich ein Trauern, das in
meine schauernde Seele dringt.

Regen, o Regengesang,
dächer und bodenwärts,
was bist du für lieber Gesang
für ein einsames Herz!

Dein Klingen und Klagen, es klopft
auch im Herzen, das heiß
sich in Tränen zertropft
und doch seine Trauer nicht weiß.

Wer, o wer sagt mir das,
warum sich mein Herz so betrübt,
dass es stumm ohne Liebe und Hass
einem grundlosen Grame sich gibt?

Authorship

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Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

5. Cythere [sung text checked 1 time]

Ein Gartenhäuschen, lichtumflossen,
hält uns zur süsser Lust umschlossen
in rosenhauchdurchwürzter Luft.

Der Wohlgeruch, der lieblich linde,
verschwimmt im leichten Sommerwinde
mit ihres Puders feinem Duft.

Und was ihr Blick verheissen, gilt!
ihr Busen wirbt, die Lippen [sprühen]1 
und lassen fiebrisch mich [erglühen]2.

Doch da die Liebe alles stillt,
nur nicht den Hunger, muss inzwischen
Sorbet und Naschwerk uns erfrischen.

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1 Trunk: "sprüh'n"
2 Trunk: "erglüh'n"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

6. Winter [sung text not yet checked]

So öde das Land,
es endet nimmer;
das Schneegeflimmer
schimmert wie Sand.

Der kupferne Himmel
gibt keinen Glanz,
der Mond tanzt am Himmel
den Totentanz.

Wie Wolkengespinste
schwanken im Grauen
die Eichen, es brauen
die Nebeldünste.

[ ... ]

So öde das Land,
es endet nimmer,
das Schneegeflimmer
schimmert wie Sand.

Authorship

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

7. Serenade [sung text not yet checked]

Als ob ein Toter im Grabe müd und wund
  nach Leben riefe,
so sucht mein Lied sich zu dir mit klagendem Mund 
  aus dunkler Tiefe.

Laß lauschen dein Ohr, deine Seele dem Klang 
  meiner Zither:
für dich, für dich nur gilt mein Gesang ... 
  so süß, so bitter.

Ich singe von goldlichter Augen Pracht 
  voll süßem Frohlocken,
von selig vergessendem Traum in der Nacht
  schwarz wallender Locken.

Als ob ein Toter im Grabe müd und wund
  nach Leben riefe,
so sucht mein Lied sich zu dir mit klagendem Mund
  aus dunkler Tiefe.

[ ... ]

Laß lauschen dein Ohr, deine Seele dem Klang
  meiner Zither:
für dich, für dich nur war, was ich sang ...
  so süß, so bitter!

Authorship

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

8. Helle Nacht [sung text not yet checked]

Weich küßt die Zweige
der weiße Mond.
Ein Flüstern wohnt
im Laub, als neige,
als schweige sich der Hain zur Ruh:
Geliebte du --

Der Weiher [ruht]1, und
die Weide schimmert.
Ihr Schatten flimmert
in seiner Flut, und
der Wind weint in den Bäumen:
wir träumen -- [träumen]2 --

Die [Weiten]3 leuchten
Beruhigung.
Die Niederung
hebt bleich den feuchten
Schleier hin zum Himmelssaum:
o hin -- o Traum -- --

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , "Nit clara", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English [singable] (Friedrich Karl Grimm) , "Bright night"
  • ENG English (Sharon Krebs) , "Bright night", copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Nuit claire", copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Richard Dehmel, Gesammelte Werke in drei Bänden, Zweiter Band, Berlin: S. Fischer Verlag, 1913, pages 30-31

1 Grimm: "ruft"
2 Grimm, Reger: "wir träumen"
3 Grimm: "Welten"

Research team for this text: Jeroen Scholten , Sharon Krebs [Guest Editor]

9. Die Allee [sung text checked 1 time]

Buntgeschminkt wie zur Zeit der Schäferfeste
unter all den großen Schleifen zart und schlank
promeniert sie unter schattendem Geäste
die Allee hinab, die alten Bänke entlang.
Trippelt mit kurzen Schritten, mit viel Ziererei,
wiegt das toupierte Köpfchen wie ein Papagei.
Blau ihr Schleppkleid raschelt, und ihre schlanke Hand
wirft mit zierem Bogen den Fächer, und sie lächelt
verträumt des krausen Bildwerks, das er spannt
all der galanten Abenteuer, und sie fächelt. --
Lichtblond, ein keckes Näschen, der rote Mund ein Versteckchen
reizender Anmut und holder Grazie, und um
seine Winkel ein leiser Hochmut, ein Schönheitsfleckchen
hebt den Glanz des Blickes, der ein wenig dumm. --

Authorship

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

10. In stiller Dämmerung [sung text checked 1 time]

Hier unter hohen Zweigen,
im stillen Dämmerschein,
lass dieses tiefe Schweigen
in unsre Liebe ein.

Lass hier die Lust verschäumen,
lass schweigen Seele und Sinn,
in müder Schwermut träumen
Kiefer und Geißblatt hin.

Musst halb die Augen schließen
und falte die Hände du,
und lass kein Wünschen sprießen
in deines Herzens Ruh'.

Fühlst du dies weiche Säuseln
umschmeicheln dich und mich?
Zu deinen Füßen kräuseln
die rötlichen Wiesen sich.

Wenn erst des Abends Schlummer
durch die schwarzen Eichen dringt,
erwacht unser klagender Kummer,
die Nachtigall, und singt.

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Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

11. Ruhe [sung text checked 1 time]

Ein großer schwarzer Traum
legt sich auf mein Leben;
Alles wird zu Raum,
Alles [wird]1 entschweben.

Ich kann nichts mehr sehn,
all das Gute, Schlimme;
kann dich nicht [verstehen]2,
o du trübe Stimme.

Eine dunkle Hand
schaukelt meinen Willen,
glättet mein Gewand,
still im Stillen.

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1 Trunk, Zilcher: "will"
2 Zilcher: "verstehn"

Research team for this text: Sharon Krebs [Guest Editor] , Harry Joelson

12. Klagen im Wind [sung text checked 1 time]

Ein schmachtendes heißes Begehren,
ein süßes müdes Gewähren
bebt hin im schauernden Wald;
leis zittern des Windes Geigen,
wie wenn in den grauen Zweigen
ein schüchternes Singen verhallt.

Wie irrendes Stimmenkräuseln
so lallt es und surrt es mit Säuseln
und gleicht dem zarten Lied,
das die wehenden Gräser singen,
wie wenn dem Bache das Klingen
der schlürfenden Kiesel entflieht.

Die Seele, die seufzend schwebte
Und in müden Klagen bebte,
muß wohl die unsere sein;
die meine, sag! und die deine,
die so mit leisem Geweine
wehklagt in den Abend hinein . . .

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Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]