[Neun] Gesänge aus "Der wilde Jäger" von Julius Wolff, für 1 Singstimme mit Pianoforte

Song Cycle by Theodor Müller-Reuter

Word count: 1093

1. Leer ist der Tag [sung text not yet checked]

Leer ist der Tag, er geht zu Ende,
Fort, heißes, unbarmherziges Licht!
Komm, süße Trösterin Nacht und sende
Herauf mir mein liebes Traumgesicht.
Dann seh' ich ihn wieder mit Entzücken,
Den Stern meines Lebens, der mir verblich,
Und ich darf an die sehnende Brust ihn drücken,
Und es träumet mein Herz, er liebte mich.
Seine Hand so warm, seine Lippen so wonnig,
Und er spricht es zu mir, das berückende Wort,
Seine Stirn so klar, sein Auge so sonnig,
Durch alle Himmel trägt er mich fort.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Ferdinando Albeggiani

2. Im Grase thaut's [sung text not yet checked]

Im Grase thaut's, die Blumen träumen 
Von ihrem bunten Honigdieb,
Und oben flüstert's in den Bäumen:
Schläfst du? schläfst du, mein trautes Lieb? 
Der Mond scheint durch den grünen Wald.
 
Ein Aestlein wankt mit leisem Wiegen,
In dunkler Blätterheimlichkeit
Regt sich, ein Kosen, Schweben, Schmiegen: 
Dir treu, dir treu in Ewigkeit! 
Der Mond scheint durch den grünen Wald.

Nun wird es still in Luft und Zweigen,
Ein wonnig Athmen hebt die Brust,
Dich küßt die Nacht mit süßem Schweigen,
Ruh' aus, ruh' aus von Lieb' und Lust,
Der Mond scheint durch den grünen Wald.

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

3. Gling glang Gloria [sung text not yet checked]

Das Schlimmste, was ich vom Leben weiß,
Ist, daß es einmal muß enden,
Sonst wollt' ich als tausendjähriger Greis
Mein Krüglein noch drehen und wenden.
Und krähte der nüchterne Morgenhahn,
Mich sollt' er vom Schemel nicht bringen,
Ich wollt' auf den wackligen Schenktisch schla'n
Und trommeln und pauken und singen:
     Gling glang gloria!
     Potori est victoria!
Bring' Einer es dem Andern rum,
Daß es von Eim zum Andern kumm!

Und käm' mir Magister und Doctor ins Haus,
Ich wollte vor Keinem mich ducken,
Ich streckte dem Teufel die Zunge heraus
Und ließ' ihn durchs Schlüsselloch gucken.
Doch ein Brüderchen links und ein Brüderchen rechts,
Das ließ' ich mir gerne gefallen,
Da sollt' in der Hitze des Bechergefechts
Mein Stimmlein gar lieblich erschallen:
     Gling glang gloria!
     Potori est victoria!
Bring' Einer es dem Andern rum,
Daß es von Eim zum Andern kumm!

Noch seh' ich das Ende der Dinge nicht ein
Und das Wenn und Warum hier im Leben,
Noch bin ich so jung wie der älteste Wein,
Will Alles noch nehmen und geben.
Ist die hübscheste Maid doch, der treu'ste Kumpan
Und der stattlichste Humpen mein eigen,
Und was ich so recht mit dem Herzen gethan,
Das kann ich nun mal nicht verschweigen.
     Gling glang gloria!
     Potori est victoria!
Bring' Einer es dem Andern rum,
Daß es von Eim zum Andern kumm!

Beim vorletzten Glas und beim letztletzten Kuß
Da will ich vielleicht mich besinnen
Und denken: meinswegen! was sein muß, das muß!
Die köstlichsten Tropfen verrinnen.
Dem Trinker der Sieg und dem Sänger der Ruhm!
Dafür in der Hölle zu braten,
Das nenn' ich, ihr Nipper, ein Märtyrerthum,
Stoßt an! auf die künftigen Thaten!
    Gling glang gloria!
     Potori est victoria!
Bring' Einer es dem Andern rum,
Daß es von Eim zum Andern kumm!

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Gling glang Gloria", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Der wilde Jäger. Eine Waidmannsmär von Julius Wolff, Berlin: G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung, 1889, pages 56-57.


Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

4. Wegewart [sung text not yet checked]

Es wartet ein bleiches Jungfräulein
Den Tag und die dunkle Nacht allein
Auf ihren Herzliebsten am Wege,
    Wegewart! Wegewart!

Sie spricht: Und wenn ich hier Wurzeln schlag
Und warten soll bis zum jüngsten Tag,
Ich warte auf ihn am Wege,
    Wegewart! Wegewart!

Vergessen hat sie der wilde Knab',
Und wo sie gewartet, da fand sie ihr Grab,
Ein Blümelein sprießet am Wege,
    Wegewart! Wegewart!

Der Sommer kommt und der Sommer geht,
Der Herbstwind über die Haide [weht]1,
Das Blümlein wartet am Wege,
    Wegewart! Wegewart!

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Confirmed with Der Wilde Jäger. Eine Waidmannsmär von Julius Wolff, Berlin: G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung, 1879, pages 65-66.

1 Reinecke : “geht” (might be a typo; check Reinecke score)

Research team for this text: Peter Donderwinkel , Sharon Krebs [Guest Editor]

5. Das Vierblatt [sung text not yet checked]

Ein lustig Vierblatt war einmal
Von Frohen, Wohlgemuthen,
Sie zogen über Berg und Thal
Und wanderten und ruhten.
Der Eine, der hieß Dürstemund
Und Lachemund sein Schätzchen,
Der Andere hieß Singemund
Und Küssemund sein Kätzchen.

Wenn Singemund ein Liedel sang,
Saß Küssemund daneben;
Wenn Dürstemund das Krügel schwang,
Ließ Lachemund ihn leben;
Wenn Küssemund das Mäulchen blies,
Thät Singemund schon winken;
Wenn Lachemund die Perlen wies,
Konnt' Dürstemund nicht trinken.

Und manchesmal von ungefähr
Gab's wunderbare Irrung,
Aus Rand und Band, die Kreuz und Quer
Kam Alles in Verwirrung,
Daß Singemund und Lachemund
Sich nicht zu scheiden wußten
Und Dürstemund und Küssemund
Die Flammen löschen mußten.

Es kam auch vor, daß Singemund
Ein Dürsten wohl verspürte,
Und daß gar lieblich Dürstemund
Ein Singen auch vollführte,
Und dann geschah's, daß ihm zu lieb
Lachmund ans Küssen dachte
Und Küssemund nichts übrig blieb,
Als daß sie saß und lachte. 

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

6. Alle Blumen möcht' ich binden [sung text not yet checked]

Alle Blumen möcht' ich binden,
Alle dir in einen Strauß
Und mit Kränzen dich umwinden,
Daß du lachend säh'st heraus.

Alle Vögel möcht' ich fangen,
Alle dir nach meinem Sinn,
Wenn sie in den Zweigen sangen,
Wies ich stets zu dir sie hin.

Alle Schätze möcht' ich heben,
Alle aus der Tiefe Schoß,
Daß ich dir sie könnte geben
Und du würdest reich und groß.

Ach! was kann ich, und was hab' ich!
Bin ich doch so arm wie du,
Was ich hatte, ach! das gab ich,
Und mich selbst, mich selbst dazu.

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7. Ein Jäger ging zu birschen [sung text not yet checked]

Ein Jäger ging zu birschen
Durch Gras und grünen Klee,
Nicht Bär, nicht Luchs und Hirschen,
Ach! nur ein braunes Reh.
Das hatte blaue Aeugelein,
Und wild war's allerdings
Und hatt' ein rothes Mündelein,
Und auf zwei Füßen ging's.

Das Lächeln seines Grußes,
Dem Jäger lag's im Sinn,
Die Fährte seines Fußes
Stand ihm im Herzen drin.
Wo schleichest du, mein Rehlein schlank?
Wo steckst du im Verhau?
Du knicktest ja in Schritt und Schrank
Kein Gräschen um im Thau.

So wank' ich denn und schweife,
Wohin mein Herz mich führt,
Ob nicht auf Such' und Streife
Die Liebe dich verspürt.
Dann werfe ich wie ein Geflecht
Um dich die Arme rund
Und geb' den Fang nach Jägerrecht
Dir auf den Rosenmund.

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8. Ich ging im Wald durch Kraut und Gras [sung text not yet checked]

Ich ging im Wald 
Durch [Kraut]1 und Gras
Und dachte dies
Und dachte das,
Da hört' ich es kommen und gehn, --
Husch! husch!
Hinter'm Busch,
Da hat mich ein Jäger gesehn.

Hab' mich geduckt,
Durch's Laub gespäht
Und wollte fort,
Da war's zu spät,
Sein Hündlein kam spürend getrappt,
Husch! husch!
Hinter'm Busch,
Da hat mich ein Jäger ertappt.

[Er frug, warum
Ich mich versteckt,
Ob er mir Furcht 
Und Angst erweckt]2,
Ich sagte: O, dass ich nicht wüsst'!
Husch! husch!
Hinter'm Busch --
[Husch! hat]3 mich ein Jäger geküsst.

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1 Oehme: "Laub"; further changes may exist not shown above.
2 Greger: "Er fragte, ob / Er mich erschreckt, / Ob er mir Angst / Und Furcht erweckt."
3 Greger: "Da hat"

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9. Vergissmeinnicht [sung text not yet checked]

Blaublümlein spiegelten sich im Bach
Und riefen den eilenden Wellen nach:
Vergißmeinnicht!

Die lachten: Wir müssen zum Meere hin,
Und aus den Augen ist aus dem Sinn,
Vergißmeinnicht!

Blauäuglein hatte ein Mägdelein,
Die strahlten dem Knaben ins Herz hinein:
Vergißmeinnicht!

Der Knabe zog in die Welt hinaus,
Da blühte und welkte manch Blumenstrauß.
Vergißmeinnicht!

Und als er allein auf unendlicher See,
Da grüßten ihn Sterne, da faßt' ihn ein Weh,
Vergißmeinnicht!

Aus rauschenden Wogen sangen herauf
Die Tropfen im Meere aus Bächleins Lauf:
Vergißmeinnicht!

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