Junge Lieder. Letztes Buch

by (Friedrich) August Bungert (1845 - 1915)

Word count: 731

1. O wie wunderschön [sung text not yet checked]

Wenn der Frühling auf die Berge steigt
 Und im Sonnenstrahl der Schnee zerfließt,
Wenn das erste Grün am Baum sich zeigt,
 Und im Gras das erste Blümlein sprießt --
   Wenn vorbei im Thal
   Nun mit einem Mal
 Alle [Regenzeit]1 und Winterqual,
   Schallt es von den Höh'n
   Bis zum Thale weit:
   O, wie wunderschön
   Ist die Frühlingszeit!

Wenn am Gletscher heiß die Sonne leckt,
 Wenn die Quelle von den Bergen springt,
Alles rings mit jungem Grün sich deckt
 Und das [Lustgetön]2 der Wälder klingt--
   Lüfte lind und lau
   Würzt die grüne Au,
 Und der Himmel lacht so rein und blau,
   Schallt es von den Höh'n
   Bis zum Thale weit:
   O, wie wunderschön
   Ist die Frühlingszeit!

War's nicht auch zur jungen Frühlingszeit,
 Als Dein Herz sich meinem Herz erschloß?
Als von Dir, du wundersüße Maid,
 Ich den ersten langen Kuß genoß!
   Durch den Hain entlang,
   Heller Lustgesang,
 Und die Quelle von den Bergen sprang--
   Scholl es von den Höh'n
   Bis zum Thale weit:
   O, wie wunderschön
   Ist die Frühlingszeit!

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English [singable] (Natalie Macfarren) , "Flow'ry May"
  • FRE French (Français) [singable] (François Nicollin)
  • ITA Italian (Italiano) (Amelia Maria Imbarrato) , "Quando la primavera arriva sui monti", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission

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1 Mandyczewski: "Regenszeit"
2 Mandyczewski: "Luftgetön" (typo in the score?)

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

2. Seh' ich deine zarten Füsschen [sung text not yet checked]

Seh' ich deine zarten Füßchen an,
So begreif' ich nicht, du süßes Mädchen,
Wie sie so viel Schönheit tragen können!
 
Seh' ich deine kleinen Händchen an,
So begreif' ich nicht, du süßes Mädchen,
Wie sie solche Wunden schlagen können!
 
Seh' ich deine rosigen Lippen an,
So begreif' ich nicht, du süßes Mädchen,
Wie sie einen Kuß versagen können!
 
Seh' ich deine klugen Augen an,
So begreif' ich nicht, du süßes Mädchen,
Wie sie nach mehr Liebe fragen können,
 
Als ich fühle. -- Sieh mich gnädig an!
Wärmer als mein Herz, du süßes Mädchen,
Wird kein Menschenherz dir schlagen können!
 
Hör' dies wonnevolle Liedchen an!
Schöner als mein Mund, du süßes Mädchen,
Wird kein Mund dir Liebe klagen können!

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  • ENG English [singable] (Constance Bache) (William Stigand, né Stigant) , "When thy tiny feet I see"
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Ferdinando Albeggiani

3. Gemma [sung text not yet checked]

Laß mir diese schöne Sehnsucht,
Dieses Leid um deinetwillen;
Oder willst du, schönste Donna,
Willst du sie, die glüh'nde, stillen,

Still' sie nicht mit lauem Grusse,
Nicht in flüchtiger Erwarmung;
Stille sie mit heißem Kuße,
Fesselloser Glutumarmung!

Birg auf ewig mir des Auges
Glückverheißende Verklärung,
Deines Dichters Herz verwirre
Nie ein Wink der Huldgewährung,

Oder reich' in vollem Becher
Wie mein dürstend Herz ihn fodert,
Deiner Liebe gold'ne Flut mir
Heiß, wie sie mich selbst durchlodert!

Authorship

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

4. Gemma [sung text not yet checked]

Sind sie's wirklich denn, die Sterne
Deiner Augen, schönste Fraue,
Die mir sonst gestrahlt von ferne,
Drein ich nun so selig schaue?

Sind sie's wirklich, deine prächtig
Schwarzen Locken, seidne Pfühle
Deines Hauptes, drin mitternächtig
Ich die heißen Wangen kühle?

Ist sie's wirklich denn, die Welle
Deines Busens, langersehnet,
Meines Glückes Liljenschwelle,
Dran mein selig Haupt sich lehnet?

Bist du's wirklich, schönste Donna,
Die mit liebendem Erbarmen
Süß berauscht und süß berauschend
Endlich ruht in meinen Armen?

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

5. Wärst du krank [sung text checked 1 time]

Wärst du krank, daß ich dich könnte pflegen,
  Wärst du nackt, daß ich dich könnte kleiden,
  Ohne Stätt' an's Herz wollt' ich dich legen,
  Ohne Freund, von dir wollt' ich nicht scheiden!
Wärst du blind, daß, um die Welt zu sehen,
  Ich dir meine Augen müßte leihen.
  Wollt' ich doch, daß dir ein Weh geschehen,
  Daß ich könnte dich davon befreien!
Sieh dein thöricht stolzes Weib! es könnte
  Wünschen, daß dem liebsten Mann auf Erden
  Alles fehlte, nur damit mir gönnte
  Das Geschick, ihm alles dann zu werden.

Authorship

Confirmed with Gesammelte Gedichte von Friedrich Rückert, Volume 1, Vierte Auflage (fourth edition), Verlag von Carl Heyder, 1837, page 370.


Researcher for this text: Michael Schwalb

6. Morgenthau  [sung text not yet checked]

Wir [wollten]1 mit Kosen und Lieben
Geniessen der köstlichen Nacht.
Wo sind doch die Stunden geblieben?
Es ist ja der Hahn schon erwacht.

Die Sonne, die bringt viel Leiden,
Es weinet die scheidende Nacht;
Ich also muß weinen und scheiden,
Es ist ja die Welt schon erwacht.

Ich wollt' es gäb' keine Sonne,
Als eben dein Auge so klar.
Wir weilten in Tag und in Wonne,
Und schliefe die Welt immerdar.

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  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Sharon Krebs) , "Morning dew", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Rosée du matin", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission

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1 Seldeneck: "wollen" ; further changes may exist not noted above.

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

7. Lebensüberfluss [sung text not yet checked]

Rauschende Bäche quellenden Lebens,
Tönet wie Lieder in meine Ruh!
Sehet, erfüllt ist's: nimmer vergebens
Schau' ich in Sehnsucht den Wellen zu.
Draußen in sommerdämmernder Laube
Wiegt die holde Geliebte mein Kind,
Hoch an dem Dache reift mir die Traube,
Goldne Fäden die Parze spinnt.
Schwellende Segel auf ruhigen Wogen
Bringen mir Gäste, Früchte und Fracht;
Meine Auen sind bienenumflogen,
Nachtigallen singen bei Nacht.
Rauschende Bäche quellenden Lebens,
Spült ihr mich fort einst in Wogenschaum,
Singen dann will ich: nicht vergebens
Hab' ich geträumt den irdischen Traum!

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8. Epilog an die Liebste [sung text not yet checked]

O danke nicht für diese Lieder,
Mir ziemt es dankbar dir zu sein;
[Du gabst sie mir]1, ich gebe wieder,
Was [jetzt und einst]2 und ewig dein.

Dein sind sie alle ja gewesen;
Aus deiner lieben Augen Licht
Hab ich sie treulich abgelesen:
Kennst du die eignen Lieder nicht?

Authorship

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  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Barbara Miller) , "Dedication", copyright © 2004, (re)printed on this website with kind permission

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1 Dresel: "Dein sind sie ja"
2 Dresel: "einst und jetzt"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]