Zwölf deutsche Lieder

by Johann Friedrich Bonneval de La Trobe (1769 - 1845)

Word count: 1494

1. An Sylvien [sung text checked 1 time]

Wenn die Zweige Wurzeln schlagen
Wachsen, grünen, Früchte tragen
Möchtest du dem Angedenken
deines Freunds ein Lächeln schenken.

Authorship

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Confirmed with Johann Wolfgang von Goethe, Gedichte, Ausgewählte Werke VI, Berlin, 2019.


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Johann Winkler

2. Bergschloss [sung text checked 1 time]

Da droben auf jenem Berge,
Da steht ein altes Schloß,
Wo hinter Toren und Türen
Sonst lauerten Ritter und Roß.

Verbrannt sind Türen und Tore,
Und überall ist es so still;
Das alte verfallne Gemäuer
Durchklettr ich, wie ich nur will.

Hierneben lag ein Keller,
So voll von köstlichem Wein;
Nun steiget nicht mehr mit Krügen
Die Kellnerin heiter hinein.

Sie setzt den Gästen im Saale
Nicht mehr die Becher umher,
Sie füllt zum Heiligen Mahle
Dem Pfaffen das Fläschchen nicht mehr.

Sie reicht dem lüsternen Knappen
Nicht mehr auf dem Gange den Trank,
Und nimmt für flüchtige Gabe
Nicht mehr den flüchtigen Dank.

Denn alle Balken und Decken,
Sie sind schon lange verbrannt,
Und Trepp und Gang und Kapelle
In Schutt und Trümmer verwandt.

Doch als mit Zither und Flasche
Nach diesen felsigen Höhn
Ich an dem heitersten Tage
Mein Liebchen steigen gesehn,

Da drängte sich frohes Behagen
Hervor aus verödeter Ruh,
Da gings wie in alten Tagen
Recht feierlich wieder zu.

Als wären für stattliche Gäste
Die weitesten Räume bereit,
Als käm ein Pärchen gegangen
Aus jener tüchtigen Zeit.

Als stünd in seiner Kapelle
Der würdige Pfaffe schon da
Und fragte: Wollt ihr einander?
Wir aber lächelten: Ja!

Und tief bewegten Gesänge
Des Herzens innigsten Grund,
Es zeugte, statt der Menge,
Der Echo schallender Mund.

Und als sich gegen Abend
Im stillen alles verlor,
Da blickte die glühende Sonne
Zum schroffen Gipfel empor.

Und Knapp und Kellnerin glänzen
Als Herren weit und breit;
Sie nimmt sich zum Kredenzen
Und er zum Danke sich Zeit.

Authorship

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Le château de la montagne", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

3. Erster Verlust [sung text checked 1 time]

Ach wer bringt die schönen Tage,
Jene Tage der ersten Liebe,
Ach wer bringt nur eine Stunde
Jener holden Zeit zurück!

Einsam nähr' ich meine Wunde
Und mit stets erneuter Klage
Traur' ich [um's verlorne]1 Glück.

Ach, wer bringt die schönen Tage,
[Jene holde Zeit zurück!]2

Authorship

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  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Eerste verlies", copyright © 2006, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "First loss", copyright ©
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Premier manque", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , "Ah, chi mi riporterà i giorni belli", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • NOR Norwegian (Bokmål) (Marianne Beate Kielland) , "Det første tap", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Goethe's Werke, Vollständige Ausgabe letzter Hand, Erster Band, Stuttgart und Tübingen, in der J.G.Cottaschen Buchhandlung, 1827, page 63; and with Goethe's Schriften. Achter Band. Leipzig, bey Georg Joachim Göschen, 1789, page 113.

First written 1785 by Goethe for his fragmentary Singspiel "Die ungleichen Hausgenossen" (Arie der Baronesse, Act II), with different stanzas 2 and 3.

1 Nägeli: "um verlornes"
2 Schubert: "Wer jene holde Zeit zurück!"; Medtner, Zelter: "Wer bringt die holde, süße, liebe Zeit zurück?"

Research team for this text: Richard Morris , Sharon Krebs [Guest Editor] , Peter Rastl [Guest Editor]

4. Freudvoll und leidvoll [sung text checked 1 time]

Freudvoll
Und leidvoll,
Gedankenvoll seyn;
[Langen]1
Und bangen
In schwebender Pein;
Himmelhoch jauchzend
Zum Tode betrübt;
Glücklich allein
Ist die Seele, die liebt.

Authorship

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  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "De liefde", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Richard Morris) , "Joyful and sorrowful", copyright ©, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English [singable] (Charles Fonteyn Manney) , "Joyful and woeful", first published 1911
  • ENG English [singable] (Constance Bache) (William Stigand, né Stigant) , "Clara's song"
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "L'amour", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Goethe's Werke, Vollständige Ausgabe letzter Hand, Achter Band, Stuttgart und Tübingen, in der J.G.Cottaschen Buchhandlung, 1827, pages 231-232, and with Egmont. Trauerspiel von Goethe. Leipzig bei Georg Joachim Göschen 1788, page 97.

1 some editions (not endorsed by Goethe) have "Hangen"; this is also found in the settings by Liszt, and Rubinstein.

Research team for this text: Richard Morris , Peter Rastl [Guest Editor]

5. An Mignon [sung text checked 1 time]

Über [Thal und Fluß]1 getragen,
Ziehet rein der Sonne Wagen.
Ach, sie regt in ihrem Lauf,
So wie deine, meine Schmerzen,
Tief im Herzen,
Immer morgens wieder auf.

Kaum will mir die Nacht noch frommen,
Denn die Träume selber kommen
Nun in trauriger Gestalt,
Und ich fühle dieser Schmerzen,
Still im Herzen,
Heimlich bildende Gewalt.

Schon seit manchen schönen Jahren
Seh' ich unten Schiffe fahren;
Jedes kommt an seinen Ort;
Aber ach, die steten Schmerzen,
Fest im Herzen,
Schwimmen nicht im Strome fort.

Schön in Kleidern muß ich kommen,
Aus dem Schrank sind sie genommen,
Weil es heute Festtag ist;
Niemand [ahnet]2, daß von Schmerzen
Herz im Herzen
Grimmig mir zerrissen ist. 

Heimlich muß ich immer weinen,
Aber freundlich kann ich scheinen
Und sogar gesund und roth;
Wären tödtlich diese Schmerzen
Meinem Herzen,
Ach, schon lange wär ich todt.

Authorship

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  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , "A Mignon", copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Aan Mignon", copyright © 2007, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "To Mignon", copyright ©
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "À Mignon", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Goethe's Werke, Vollständige Ausgabe letzter Hand, Erster Band, Stuttgart und Tübingen, in der J.G.Cottaschen Buchhandlung, 1827, pages 101-102, and with Musen-Almanach für das Jahr 1798, herausgegeben von Schiller. Tübingen, in der J.G.Cottaischen Buchhandlung, pages 179-180.

1 Ore: "Fluß und Thal"; further changes may exist not shown above.
2 Goethe (in all prints prior to 1812): "ahndet"

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6. Der König in Thule [sung text checked 1 time]

Es war ein König in Thule
Gar treu bis an [das]1 Grab,
Dem sterbend seine Buhle
Einen goldnen Becher gab.

Es ging ihm nichts darüber,
Er leert' ihn jeden Schmaus;
Die Augen gingen ihm über,
So oft er trank daraus.

Und als er kam zu sterben,
Zählt' er seine Städt' im Reich,
[Gönnt']2 alles [seinem]3 Erben,
Den Becher nicht zugleich.

Er saß beim Königsmahle,
Die Ritter um ihn her,
[Auf hohem]4 Vätersaale,
Dort auf dem Schloß am Meer.

Dort stand der alte Zecher,
Trank letzte Lebensgluth,
Und warf den [heil'gen]5 Becher
Hinunter in die Fluth.

Er sah ihn stürzen, trinken,
Und sinken tief ins Meer.
Die Augen täten ihm sinken;
Trank nie einen Tropfen mehr.

Authorship

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  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission
  • CZE Czech (Čeština) (Jan Evangelista Nečas) , "Král v Thule"
  • CZE Czech (Čeština) (Otokar Fischer) , "Král v Thule"
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "De koning van Thule", copyright © 2005, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "There was a King of Thule", copyright ©
  • ENG English [singable] (Arthur Westbrook) , "The King of Thule"
  • IRI Irish (Gaelic) [singable] (Gabriel Rosenstock) , "Bhí rí ann fadó in Thule", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Amelia Maria Imbarrato) , "Il re in Tule", copyright © 2006, (re)printed on this website with kind permission
  • POR Portuguese (Português) (Margarida Moreno) , "O rei em Thule", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission
  • SPA Spanish (Español) (Diego Gonzales) , copyright © 2020, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Goethe's Werke, Vollständige Ausgabe letzter Hand, Erster Band, Stuttgart und Tübingen, in der J.G.Cottaschen Buchhandlung, 1827, pages 187-188; and with Faust. Ein Fragment. in Goethe's Schriften. Siebenter Band. Leipzig, bey Georg Joachim Göschen, 1790, pages 94-95.

First published in a different version in Volks- und andere Lieder, mit Begleitung des Forte piano, In Musik gesetzt von Siegmund Freyherrn von Seckendorff. Dritte Sammlung. Dessau, 1782, pages 6-9; see below.

1 Liszt: "sein"
2 Zelter: "Lies"
3 Fritze, Liszt, Schubert (Neue Gesamtausgabe): "seinen"
4 Zelter: "In hohen"
5 Goethe (Faust): "heiligen"

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7. Ungewissheit [sung text checked 1 time]

Der Blütenduft
durchwürzt die Luft,
aus heißer Kehle
singt Philomele
am Silberbach
ihr zärtlich Ach!

O klage nicht!
Im Dämmerlicht
steigt aus den Wellen,
den spiegelhellen,
ein freundlich Bild,
so zart, so mild!

Im Nebelkleid
schwebt's nah' und weit,
bald hell, bald trüber
dem Blick vorüber;
ich sinne nach
mit bangem Ach!

Ach, ist es sie?
O wär' es sie!
O gaukle näher
dem trunk'nen Späher,
du freundlich Bild
so zart, so mild!

Du sinkst, du steigst,
du rufst, du schweigst,
du kommst und schwindest,
ach - ach, verschwindest!
Wohin? Wohin?
Du Zauberin!

Authorship

Researcher for this text: Johann Winkler

8. Phantasie [sung text checked 1 time]

Was schwelgt im Jubellied der Saiten,
was [überfliegt]1 vergang'ne Zeiten
im Wechselsturm der Harmonie?
Der Nachklang aus verwelkten Tagen,
die uns ins bess're Land getragen,
heißt Phantasie!

Und was der Dichter still gegeben,
wer zauberte sein Lied ins Leben,
wer schenkt den Worten Melodie?
Das nie Belebte wie das Tote,
es atmet doch im Morgenrote
der Phantasie!

Wo sich die Muse Tempel baute,
ist sie die einzige Vertraute,
verlischt die heil'ge Flamme nie.
Es herrscht im Schmerz von Melpomenen
wie in Thaliens heiter'n Tönen
nur Phantasie!

Was wär' der Jugend Frühlingsfülle,
was wär' des Herbstes reife Stille,
was Kunst und Leben ohne sie?
Hoch in des Glaubens Lichtgestalten,
und wo der Liebe Zauber walten,
blüht Phantasie!

Am schönsten reift das Kind der Musen
in edler Frauen edlem Busen,
im Sonnenstrahl der Poesie.
Der Frauen zart besaitet' Leben,
ihr Lieben, Glauben, Hoffen, Streben
ist Phantasie!

Und deine Lippe durft' es sagen,
dich hätte nie ihr Flug getragen,
ihr Zaubergeist ergriff dich nie?
Kann sich der Mai vom Frühling trennen? -
Dein Liebling will dich nicht erkennen,
o weine, Phantasie!

Der Augen seelenvolle Klarheit,
der Worte frühlingsheit're Wahrheit,
des ganzen Wesens Harmonie,
das Seraphs-Lied in deinen Tönen!
Wo fehlt' in diesem Kreis des Schönen
je Phantasie?

Und steh' ich dir so gegenüber,
mit Liebesfülle weht's herüber,
und jedes Wort wird Melodie,
und in des Lebens finst're Schranke
tritt wunderhell der Traumgedanke
der Phantasie!

Authorship

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Confirmed with Theodor Körner, Sämtliche Werke, Stuttgart, 1830.

1 La Trobe: "übersteigt"

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9. Das Abendrot [sung text checked 1 time]

Wie lieblich, wann dein roter Schein 
Den stillen See bemalt
und in den taubesprengten Hain 
Durch Blütenzweige strahlt,
auf gold'ner Wogenflut des Korns 
leicht hin und wieder schlüpft. 
und funkelnd auf des Wiesenborns 
umschäumtem Silber hüpft! 

Wie lieblich, wann er mit dem Bach 
die Blumenau durchspielt, 
und sich durch das Holunderdach 
in meine Laube stiehlt; 
Wann wollicht krauser Wölkchen Heer 
sein Purpur überzieht, 
und rot vom Wiederschein das Meer 
wie Lavaströme glüht! 

O Pracht, wann du der Berge Blau 
mit gold'nem Saume zierst,
bevor du dich ins matte Grau 
der Dämmerung verlierst! 
Noch wunderschöner strömt die Flut 
von deinem Rosenlicht 
dem Mädchen unterm Halmenhut 
ins blühende Gesicht. 

Wann, bei der Haidelerchen Sang, 
dein letzter Strahl erstirbt, 
im Totenacker, leis' und bang', 
Noch die Zikade zirpt; 
dann lächelt die Vergangenheit 
durch der Erinn'rung Flor: 
In mildem Lichte steigt der Zeit 
Verblich'nes Bild empor. 

Aus deines Kranzes Rosen taut 
wehmütiges Gefühl; 
im Spiegel stiller Ahndung schaut 
mein Geist der Wallfahrt Ziel. 
Vom Hauch der Hoffnung kühl umweht, 
Vergisst er Gram und Schmerz; 
die Erde rings um ihn vergeht, 
er schwingt sich himmelwärts. 

Authorship

Confirmed with Gedichte von J. G. v. Salis, Zürich, 1821.


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10. Hoffnung [sung text checked 1 time]

Es reden und träumen die Menschen [viel]1
Von [bessern künftigen]2 Tagen,
Nach einem glücklichen goldenen Ziel
Sieht man sie rennen und jagen.
Die Welt wird alt und [wird]3 wieder jung,
Doch der Mensch hofft immer Verbesserung!

Die Hoffnung führt ihn ins Leben ein,
Sie umflattert den fröhlichen Knaben,
Den Jüngling [begeistert]4 ihr Zauberschein,
Sie wird mit dem Greis nicht begraben,
Denn beschließt er im Grabe den müden Lauf,
Noch am Grabe pflanzt er - die Hoffnung auf.

Es ist kein [leerer]5 schmeichelnder Wahn,
Erzeugt im Gehirne des Thoren.
Im Herzen kündet es laut sich an,
Zu was besserm sind wir gebohren,
Und was die innere Stimme spricht,
Das täuscht die hoffende Seele nicht.

Authorship

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  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Hoop", copyright © 2007, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "Hope", copyright ©
  • FIN Finnish (Suomi) (Erkki Pullinen) , "Toivo", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Espoir", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Amelia Maria Imbarrato) , "Speranza", copyright © 2005, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Gedichte von Friederich Schiller, Erster Theil, Leipzig, 1800, bey Siegfried Lebrecht Crusius, page 205; and with Die Horen, Jahrgang 1797, Zehntes Stück. Tübingen in der J.G. Cottaischen Buchhandlung 1797, page 107.

1 Lachner: "so viel"
2 Lachner: "besser'n und künftigen"
3 omitted by Schubert in D. 251; omitted by La Trobe
4 Schubert (D. 251, Alte Gesamtausgabe): "lockt"
5 Schubert (D. 637): "leerer, kein"

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11. Das Bild in mir [sung text checked 1 time]

Was steigt im Strahl der jungen Morgensonne,
im Schimmer der Erinn'rung vor mir auf
und gießt der Sehnsucht schmerzlich süße Wonne
auf meines trüben Tages öden Lauf?

Was geht mit mir durch Fluren und durch Haine,
was teilt Geräusch mit mir und Einsamkeit?
Was naht mir in der Sterne bleichem Scheine
mit Zauberbildern der Vergangenheit?

Und wenn der Schlaf mein müdes Auge grüßet,
und das Getös' des Lebens mir verhallt,
was schwebt auch dann noch vor mir und versüßet
mir meiner Träume düstere Gestalt?

Du bist's, o Bild, das tief in meiner Seele
wie ein Geheimnis still und schweigend ruht,
du, dem ich nicht den inner'n Schmerz verhehle,
der in mir brennt mit namenloser Glut.

[O]1 sei mein Schutzgeist auf der kalten Erde!
Erhebe mich, wenn jede Hoffnung sinkt,
und, dass mein Glaube nimmer wankend werde,
sei du der Stern, der Mut ins Herz mir blinkt!

Authorship

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Confirmed with Taschenbuch zum geselligen Vergnügen, Jg. 21, Leipzig, 1811. Note: the poem was later quoted with variations not shown above in Laurette Waller's novel Hortensia, Camilla, Brandenburg, 1817, p. 18f.

1 La Trobe: "So"

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12. Aus Wallenstein [sung text checked 1 time]

Der Eichwald [brauset]1,
Die Wolken [ziehn]2,
Das Mägdlein [sitzet]3
An Ufers Grün,
Es bricht sich die Welle mit Macht, mit Macht,
Und sie [seufzt]4 hinaus in die [finstre]5 Nacht,
Das Auge [von]6 Weinen [getrübet]7.

"Das Herz ist gestorben,
Die Welt ist leer,
Und weiter giebt sie
Dem Wunsche nichts mehr.
Du Heilige [rufe]8 dein Kind zurück,
Ich habe genossen das irdische Glück,
Ich habe gelebt und geliebet!"

[ ... ]

Authorship

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  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , copyright © 2006, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Linda Godry) , "The oaks roar, the clouds rush by", copyright © 2005, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English [singable] (Shula Keller) , "The maiden's lament", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Plainte de la jeune fille", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Musen-Almanach für das Jahr 1799, herausgegeben von Schiller. Tübingen, in der J.G.Cottaischen Buchhandlung, pages 208-209; with Gedichte von Friederich Schiller. Erster Theil. Leipzig, 1800. bey Siegfried Lebrecht Crusius, pages 67-68; and with Gedichte von Friederich Schiller. Erster Theil. Zweite von neuem durchgesehene Auflage. Leipzig, 1804. bei Siegfried Lebrecht Crusius, pages 67-68.

First published 1799 in Schiller's Musen-Almanach, and later, only stanzas 1-2 (with slight textual modifications and a different line break), in Die Piccolomini, act 3, scene 7 (Thekla's song).

1 La Trobe, Schubert (D.191 and D.389): "braust"
2 Schubert (D.6, first occurrence only): "ziehen"
3 Schubert (D.191 and D.389): "sitzt"; Piccolomini edition, used by Felix La Trobe, Mendelssohn, Zumsteeg and Rheinberger: "wandelt"
4 Piccolomini edition, used by La Trobe, Felix Mendelssohn, Zumsteeg: "singt"
5 Randhartinger: "finstere"
6 Schiller (editions from 1810), and Schubert: "vom"
7 Schubert (D.6): "getrübt"
8 Schubert (D.6): "ruf'"
9 Rheinberger: "entschwundener"; Schubert (D.191, second version only): "verschwund'ner"
10 Quotation mark eliminated in Schiller's revised edition of 1804.
11 Bachmann: "wecket"
12 Rheinberger: "Träne"
13 Schubert (D.191 and D.389), Rheinberger: "trauernde"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Richard Morris , Peter Rastl [Guest Editor] , Johann Winkler