Waldlieder für tiefere Stimme

Song Cycle by H. Vagedes

Word count: 845

1. Vertrauen [sung text not yet checked]

Das Thal ist wintertraurig,
Der Hügel blüthenleer,
Die Luft vom Nebel so schaurig,
Der Himmel so wolkenschwer;

Das Herz ist tief beklommen,
Die Brust zusammengepresst
Als wär' ihr hinweggenommen
Der letzte Freudenrest.

Doch rastlos im Geheimen
Schaltet und schafft die Natur,
Und aus verborgnen Keimen
Erneuen sich Wald und Flur;

Doch fort in ewiger Jugend
Strebt der menschliche Geist,
Und seine Kraft und Tugend
Entquillt dem Leide zumeist.

So laß den Schmerz verglühen
Am wärmsten Hoffnungsstrahl:
Es muß ja grünen und blühen,
Durchzieht der Lenz das Thal.

Authorship

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Düsseldorfer Künstler-Album, 4. Jahrgang (1854), page 11


Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

2. Am Quell [sung text not yet checked]

Am Quell von Blumen umduftet,
Im grünen Waldesthal, 
Da liegt gefällt ein Eichstamm, 
Drauf sitz' ich hundertmal;

Und schaue dahin und frage, 
Warum so fern sie weilt,
Aus wirrem Getös und Gedränge 
Ins liebliche Thal nicht eilt.

Kannst du nicht her sie winken, 
Du Hügel so heiter zu schau'n? 
Du Fels nicht her sie bannen 
Mit deinen gigantischen Brau'n?
 
Kannst du nicht her sie schmeicheln, 
Du zartes schwellendes Moos?
Du Bächlein nicht her sie plaudern
Mit deinem Wellengekos?

Könnt ihr nicht her sie lächeln,
Ihr Blumen am klaren Teich?
Und du herbei sie nicht singen 
Lieb Vöglein im grünen Zweig? --

Der Quell, in den ich schaue,
Nicht stockt er in seinem Lauf;
In meiner Brust das Sehnen 
Nicht hört es zu quellen auf,

Der Stamm, darauf ich sitze, 
Nicht wird er wieder grün;
Im Herzen meine Liebe, 
Wann wird sie ins Leben blühn? --

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , "At the water-spring", copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Gustav Pfarrius, Die Waldlieder, Köln: Verlag der M. DuMont-Schonberg'schen Buchhandlung, 1850, pages 29-30


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

3. Sonntag ist's [sung text not yet checked]

Sonntag ist's, ein sonnenheller Tag
Schimmert lächelnd über Flur und Hag,
Gruß und Dank in freudenvoller Ruh
Winken Himmel sich und Erde zu.

Ihr Gebirge, feierlich und hehr,
Triften ihr, so still und menschenleer,
Und du Wald, so andachtsvoll, ihr wißt
Alle, daß der Tag des Herrn es ist.

Fern der kleinen Hütte engem Raum
Rast' ich mild umschattet unter'm Baum,
Der den kronenreichen Säulenbau
Als ein Dom erhebt in's Ätherblau.

Vom Gewirr der Blätter grün umkränzt
Durch sein Dach ein Stückchen Himmel glänzt,
Unabsehbar tief und blau und licht,
Wie ein Aug' in Gottes Angesicht.

Alles harrt im Schmuck, kein Lüftchen weht,
Alles schweigt, sich sammelnd zum Gebet --
Nur der Biene träumerisch Gesumm
Zittert hin im großen Heiligthum.

Authorship

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , "It is Sunday", copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Gustav Pfarrius, Die Waldlieder, Köln: Verlag der M. DuMont-Schonberg'schen Buchhandlung, 1850, page 78


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

4. Das Irrlicht [sung text not yet checked]

Irrlichtchen fein und klein,
Kannst nicht gefährlich sein,
Bist lustig anzuschau'n, --
Doch will ich dir nicht trau'n.

Irrlichtchen, wie du hüpfst,
Durch Busch und Gräser schlüpfst! --
Mir ist des Baches Rand
Und Wies' und Wald bekannt.

Irrlichtchen, wie du lockst,
Bald eilst, bald wieder stockst! --
Ich halte fest den Pfad,
Auf dem ins Thal ich trat.

Irrlichtchen, bist getreu,
Ich seh' dich ohne Scheu,
Wer trüg'risch dich genannt,
Dem fehlte der Verstand.

Irrlichtchen bist -- o weh,
Im Unkensumpf ich steh'!
Verwirrung, Nacht und Graus!
Wer hilft mir hier heraus?

Authorship

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , "Will-o'-the-wisp", copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Gustav Pfarrius, Die Waldlieder, Köln: Verlag der M. DuMont-Schonberg'schen Buchhandlung, 1850, page 13


Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

5. Das Hünengrab [sung text not yet checked]

Zur Nacht im Windgeheule
 . . . . . . . . . .

— The rest of this text is not
currently in the database but will be
added as soon as we obtain it. —

Authorship

6. Mein Lieb ist das Bächlein [sung text not yet checked]

  Mein Lieb' ist das Bächlein,
Das Bächlein im Wald,
Es sprudelt durch Schatten
[Durch]1 Sonnenschein bald;

  Und schau' ich vom Ufer 
In's Wasser hinein, 
Kein Spiegel kann klarer, 
Kann reiner nicht sein; 

  Steh' fern ich am Hügel, 
Winkt's immer noch hold,
Blitzt hell durch die Büsche,
Wie Silber und Gold;

  Und wird's meinem Auge 
Vom Laub noch verhüllt, 
So hör' ich wie's [drunter]2
Seinen Eimer noch füllt;

  Dann tönt's aus dem Dunkel 
So treu an mein Ohr, 
Und plaudert von Sehnsucht 
Und Heimweh mir vor.

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (John H. Campbell) , "The brooklet is my devotion", copyright ©, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Sharon Krebs) , "My love is the brooklet", copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission

View original text (without footnotes)

Confirmed with Deutsche Dichterhalle des neunzehnten Jahrhunderts, von Dr. J. Schenkel. Nach dessen Tode neu bearbeitet und vermehrt von Dr. F.C. Paldamus, Zweiter Band, Mainz: Verlag von C.F. Kunze, 1856, page 469

1 Vagedes: "Und"
2 Vagedes: "drunten"

Research team for this text: John H. Campbell , Sharon Krebs [Guest Editor]

7. Der Postillon [sung text not yet checked]

Den Forst durchschauert die Winternacht,
Im Dörfchen waltet Ruh,
Der Friedhof glänzt in Mondscheinpracht,
Die Rosse traben zu.

Sein Horn ergreift der Postillion
Und setzt es an den Mund,
Was gibt der wehmuthsvolle Ton
Dem stillen Thale kund?

Sein Kamerad -- noch ist's nicht lang --
Er schlummert dort im Grab;
Gewiß er hört des Hornes Klang,
Er kennt der Rosse Trab.

Und haben sie dich auch versenkt
Dort an des Kreuzes Fuß,
Mein Herz im Leibe dein gedenkt
Und sendet dir den Gruß!

Die Töne rufen durch die Nacht;
Schlafwohl, Herzbruder, du! --
Der Friedhof glänzt in Mondscheinpracht,
Die Rosse traben zu.

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission

Incipit for Vagedes: "Den Forst durchschauert die Winternacht"
Incipit for Weidt: "Den Forst durchschauert Mitternacht"

Confirmed with Gustav Pfarrius, Die Waldlieder, Köln: Verlag der M. DuMont-Schonberg'schen Buchhandlung, 1850, page 52


Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

8. Sie war die Schönste von Allen [sung text not yet checked]

Wohl [ist]1 [im]2 Busch und [Rasen]3
Kein Plätzchen so still und klein,
Wo nicht zusammen wir sassen, --
Ich sitze jetzt hier allein;

Wohl haben wir Kränze gewunden,
Wohl manchen duftigen Strauss
Aus Blumen des Walds gebunden, --
Dies Alles, Alles ist aus; 

Die Blätter sie sind gefallen,
Die Blumen sie sind verdorrt,
Sie war die Schönste von Allen,
Sie hielt nicht Treue, nicht Wort;

Ihr Nam' in die Birke geschnitten
Verwittert im Windeswehn,
Doch was ich gekämpft und gelitten,
Das will nicht und kann nicht vergehn.

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission

View original text (without footnotes)

Confirmed with Rheinische Musik-Zeitung für Kunstfreunde und Künstler, 1. Jahrgang, Nro. 39 (29. März 1851), page 311

1 Jensen, F. Jansen, Siebmann: "war", more changes may exist, not noted
2 A. Horn, Sieber, Siebmann, Vagedes: "in", more changes may exist, not noted
3 F. Jansen: "Bau", more changes may exist, not noted

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

9. Warnung [sung text not yet checked]

Es geht der Tag zur Neige,
Der Licht und Freiheit bot,
O schweige, Vöglein, schweige,
Du singst dich in den Tod;

Die Winde nächtlich rauschen,
Die Blätter zittern bang,
Den Feinden, die drin lauschen,
Verräth dich dein Gesang;

Gluthäugig durch's Gezweige
Der finstre Schuhu droht:
O schweige, Vöglein, schweige,
Du singst dich in den Tod!

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , "Advertiment", copyright © 2020, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Waarschuwing", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Sharon Krebs) , "Warning", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Avertissement", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Gustav Pfarrius, Die Waldlieder, Köln: Verlag der M. DuMont-Schonberg'schen Buchhandlung, 1850, pagev49


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

10. Der Lenz ist fern [sung text not yet checked]

Fühlt der Wald zum Sterben sich bereit,
Holt er aus der Truh' sein Hochzeitskleid,
Prangt in Gold, erglänzt in Scharlach roth,
So geschmückt erwartet er den Tod;

Und die Sonne lächelt seiner Pracht,
Gleich als wär' er neu zum Lenz erwacht,
Doch sein Lenz ist fern, nach kurzem Glanz
Tanzt der Sturm mit ihm den Totentanz;

Hei, wie saust und braust's dann im Revier!
Wie zerfährt der Blätter bunte Zier!
Kaum ein leiser Klageton erschallt,
Und gestorben ist der grüne Wald.

Authorship

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , "Spring is far away", copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Düsseldorfer Künstler-Album, 1. Jahrgang (1851), [n.p.]


Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]