German (Deutsch) translations of Mörike-Chorliederbuch, opus 19
by Hugo Distler (1908 - 1942)
Wer sich die Musik erkiest,
Hat ein himmlisch Gut bekommen,
Denn ihr erster Ursprung ist
Von dem Himmel selbst genommen,
weil die Engel insgemein
Selbsten Musikanten sein.
Wenn einst in der letzten Zeit
Alle Ding' wie Rauch vergehen,
Bleibet in der Ewigkeit
Doch die Musik noch bestehen,
Weil die Engel insgemein
Selbsten Musikanten sein.
...
Dieweil ich schlafend lag, Ein Stündlein wohl vor Tag, Sang vor dem Fenster auf dem Baum Ein Schwälblein mir, man hört' es kaum Ein Stündlein wohl vor Tag: "Hör an, was ich dir sag'! Dein Schätzlein ich verklag': Derweil ich dieses singen tu', Herzt er ein Lieb in guter Ruh, Ein Stündlein wohl vor Tag." O weh! nicht weiter sag'! O still! nichts hören mag! Flieg ab, flieg ab von meinem Baum! -- Ach, Lieb' und Treu' ist wie ein Traum Ein Stündlein wohl vor Tag.
Text Authorship:
- by Eduard Mörike (1804 - 1875), "Ein Stündlein wohl vor Tag"
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Aninka tanzte Vor uns im Grase Die raschen Weisen. Wie schön war sie! Mit den gesenkten, Bescheidenen Augen, Das stille Mädchen -- Mich macht' es toll! Da sprang ein Knöpfchen Von ihrer Jacke, Ein goldnes Knöpfchen, Ich fing es auf -- Und dachte Wunder Was mir's bedeute, Doch hämisch lächelt' Jegór dazu, Als wollt' er sagen: Mein ist das Jäckchen, Und was es decket, Mein ist das Mädchen, Und dein -- der Knopf!
Uffem Kirchhof am Chor Blüeht e Blo-Holder-Strauß, Do fliegt e weiß Täuble, Vor's tage tuet, 'raus. Es streicht wohl e Gässele Nieder and zwue, Es fliegt mer ins Fenster, Es kommt uf mi zue. Jetzt siehn i mein Schatz Und sei linneweiß G'wand Und sei silberes Ringle Von mir an der Hand. Es nickt mer en Grueß, Setzt se nieder am Bett, Frei luegt mer's ins G'sicht, Aber a rüehrt me's net. Drei Woche nach Ostern, Wenn's Nachthüele schreit, Do mache mer Hochzig; Mei Schatz hot mer's g'seit. Fei still ist mei Hochzig, Mer halte kein Tanz. Wer goht mit zur Kirchen? Wer flicht mer de Kranz?
Es war ein König Milesint, Von dem will ich euch sagen: Der meuchelte sein Bruderskind, Wollte selbst die Krone tragen. Die Krönung ward mit Prangen Auf Liffey-Schloß begangen. O Irland! Irland! warest du so blind? Der König sitzt um Mitternacht Im leeren Marmorsaale, Sieht irr' in all die neue Pracht, Wie trunken von dem Mahle; Er spricht zu seinem Sohne: "Noch einmal bring die Krone! Doch schau, wer had die Pforten aufgemacht?" Da kommt ein seltsam Totenspiel, Ein Zug mit leisen Tritten, Vermummte Gäste groß and viel, Eine Krone schwankt in Mitten; Es drängt sich durch die Pforte Mit Flüstern ohne Worte; Dem Könige, dem wird so geisterschwül. Und aus der schwarzen Menge blickt Ein Kind mit frischer Wunde, Es lächelt sterbensweh and nickt, Es macht im Saal die Runde, Es trippelt zu dem Throne, Es reichet eine Krone Dem Könige, des Herze tief erschrickt. Darauf der Zug von dannen strich, Von Morgenluft berauschet, Die Kerzen flackern wunderlich, Der Mond am Fenster lauschet; Der Sohn mit Angst and Schweigen Zum Vater tät sich neigen, -- Er neiget über eine Leiche sich.
Text Authorship:
- by Eduard Mörike (1804 - 1875), "Die traurige Krönung"
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Confirmed with Eduard Mörike, Gedichte, Dramatisches, Erzählendes, Zweite, erweiterte Auflage, Stuttgart: J.G. Cotta'sche Buchhandlung Nachf., 1961, pages 56-57.
Sie: Vierfach Kleeblatt, selt'ner Fund! Glückspfand! Holde Feengabe! Vielgesegnet sei der Grund, wo ich dich gepflücket habe! Er: Von dem Felde aus dem Klee will ich mir kein Pfand erwarten, gibst du mir, du süße Fee, eins aus deinem Rosengarten.
Auf ihrem Leibrößlein So weiß wie der Schnee, Die schönste Prinzessin [Reit't]1 durch die Allee. Der Weg, den das Rößlein Hintanzet so hold, Der Sand, den ich streute, Er [blinket]2 wie Gold! Du rosenfarbs Hütlein Wohl auf und wohl ab, O wirf eine Feder, Verstohlen herab! Und willst du dagegen Eine Blüte von mir, Nimm tausend für eine, Nimm alle dafür!
Text Authorship:
- by Eduard Mörike (1804 - 1875), "Der Gärtner"
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View text without footnotesConfirmed with Eduard Mörike, Gedichte, Dramatisches, Erzählendes, Zweite, erweiterte Auflage, Stuttgart: J.G. Cotta'sche Buchhandlung Nachf., 1961, page 59.
1 Killmayer: "reit' "2 Dresel: "glänzet"
Ich hatt' ein Vöglein, ach wie fein! Kein schöners mag wohl nimmer sein: Hätt' auf der Brust ein Herzlein rot, Und sung und sung sich schier zu Tod. Herzvogel mein, du Vogel schön, Nun sollst du mit zu Markte gehn! - Und als ich in das Städtlein kam, Er saß auf meiner Achsel zahm; Und als ich ging am Haus vorbei Des Knaben, dem ich brach die Treu', Der Knab' just aus dem Fenster sah, Mit seinem Finger schnalzt er da: Wie horchet gleich mein Vogel auf! Zum Knaben fliegt er husch! hinauf; Der koset ihn so lieb und hold, Ich wußt' nicht, was ich machen sollt', Und stund, im Herzen so erschreckt, Mit Händen mein Gesichte deckt', Und schlich davon und weinet' sehr, Ich hört' ihn rufen hinterher: "Du falsche Maid, behüt' dich Gott, Ich hab' doch wieder mein Herzlein rot!"
Dort an der Kirchhofmauer, da sitz' ich auf der Lauer, da sitz' ich gar zu gern; es regt sich im Holunder, es regnet mir herunter Rosin' and Mandelkern. Waldwibichlein, das kleine, das goldige, das feine, das hat es mir gebracht. Es hat ein Schloß im Berge, das hüten sieben Zwerge, darin ist große Pracht. Und es hat mir versprochen, in aberhundert Wochen, wenn Agnes wacker sei, da käm' es in dem Schlitten, zu Gaste mich zu bitten; da seid fein auch dabei!
Gelassen stieg die Nacht an's Land,
Lehnt träumend an der Berge Wand,
Ihr Auge sieht die goldne Wage nun
Der Zeit in gleichen Schalen stille ruhn;
Und kecker rauschen die Quellen hervor,
Sie singen der Mutter, der Nacht, in's Ohr
Vom Tage,
Vom heute gewesenen Tage.
Das uralt alte Schlummerlied,
Sie achtet's nicht, sie ist es müd';
Ihr klingt des Himmels Bläue süßer noch,
Der flücht'gen Stunden gleichgeschwung'nes Joch.
Doch immer behalten die Quellen das Wort,
Es singen die Wasser im Schlafe noch fort
Vom Tage,
Vom heute gewesenen Tage.
"Wo gehst du hin, du schönes Kind?" "Zu melken, Herr!" -sprach Gotelind. "Wer ist dein Vater, du schönes Kind?" "Der Müller im Tal!" -sprach Gotelind. "Wie, wenn ich dich freite, schönes Kind?" "Zu viel der Ehre!" -sprach Gotelind. "Was hast du zur Mitgift, schönes Kind?" "Herr, mein Gesichte!" -sprach Gotelind. "So kann ich dich nicht wohl frein, mein Kind." "Wer hat's Euch geheißen?" -sprach Gotelind
Erster Gesell: Seid ihr beisammen all? Ihr Freund', auf allen Fall Zeigt eure Professionen an, Daß wir nach Sitten stoßen an, Mit großem Freudenschall! Chor: Zeigt eure Professionen an, Daß wir nach Sitten stoßen an! Zweiter: Eine Wiege vor die Freud', Eine Bahre vor das Leid: Meinem Hobel ist das alles gleich, Der denkt, ich mach den Meister reich, Spän' gibt es allezeit. Chor: Seinem Hobel ist etc. Dritter: Meine Arbeit ist wohl fein, Von Gold und Edelstein; Allein das kriegt man bald gar satt, Zumal man es nicht eigen hat: Gebt mir so güldnen Wein! Chor: Ich glaub's ihm schon, das wird man satt etc. Vierter: Wen freut ein kecker Mut, Nicht daurt sein junges Blut, Ich schaff ihm Wehre mannigfalt, Zu Scherz und Ernst, wid'r Feindsgewalt; Mein Zeug ist allweg gut. Chor: Und gilt es wider Feindsgewalt, Ein Spieß und Schwert uns auch gefallt. Fünfter: Der Schneider sitzt am Glas; Vom Wirt nehm ich die Maß, Zu Hause schaff ich gar nicht viel, Meine Stich' mach ich beim Kartenspiel, Da weiß ich doch, für was. Chor: Ei, Bruder Leipziger, bess'r Er sich, Denn, sieht Er, das ist liederlich. Sechster: Meine Kunst, das glaubt gewiß, Schreibt sich vom Paradies. Von Mägdlein bin ich wertgeschätzt, Ich hab ja, was ihr Herz ersetzt, Veiel und Röslein süß. Chor: Von Mägdlein ist er etc.
Sehet ihr am Fensterlein Dort die rote Mütze wieder? Nicht geheuer muß es sein, Denn er geht schon auf und nieder. Und auf einmal welch Gewühle Bei der Brücke nach dem Feld! Horch! das Feuerglöcklein gellt: Hinterm Berg, Hinterm Berg Brennt es in der Mühle! Schaut, da sprengt er wütend schier Durch das Tor, der Feuerreiter, Auf dem rippendürren Tier, Als auf einer Feuerleiter! Querfeldein, durch Qualm und Schwüle, Rennt er schon und ist am Ort! Drüben schallt es fort und fort: Hinterm Berg, Hinterm Berg, Brennt es in der Mühle! Der so oft den roten Hahn Meilenweit von fern gerochen, Mit des heil'gen Kreuzes Span Freventlich die Glut besprochen - Weh! dir grinst vom Dachgestühle Dort der Feind im Höllenschein. Gnade Gott der Seele dein! Hinterm Berg, Hinterm Berg, Rast er in der Mühle! Keine Stunde hielt es an, Bis die Mühle borst in Trümmer; Doch den kecken Reitersmann Sah man von der Stunde nimmer. Volk und Wagen im Gewühle Kehren heim von all dem Graus; Auch das Glöcklein klinget aus: Hinterm Berg, Hinterm Berg, Brennt's! - Nach der Zeit ein Müller fand Ein Gerippe samt der Mützen Aufrecht an der Kellerwand Auf der beinern Mähre sitzen: Feuerreiter, wie so kühle Reitest du in deinem Grab! Husch! da fällt's in Asche ab. Ruhe wohl, Ruhe wohl Drunten in der Mühle!
Wie heißt König Ringangs Töchterlein? Rohtraut, Schön-Rohtraut. Was tut sie denn den ganzen Tag, Da sie wohl nicht spinnen und nähen mag? Tut fischen und jagen. O daß ich doch ihr Jäger wär'! Fischen and Jagen freute mich sehr. -- Schweig stille, mein Herze! Und über eine kleine Weil', Rohtraut, Schön-Rohtraut, So dient der Knab' auf Ringangs Schloß In der und hat ein Roß, Mit Rohtraut zu jagen. O daß ich doch ein Königssohn wär'! Rohtraut, Schön-Rohtraut lieb' ich so sehr. -- Schweig' stille, mein Herze! Einstmals sie ruh'ten am Eichenbaum, Da lacht Schön-Rohtraut: Was siehst du mich an so wunniglich? Wenn du das Herz hast, küsse mich! Ach! erschrak der Knabe! Doch denket er: mir ist's vergunnt, Und küsset Schön-Rohtraut auf den Mund. -- Schweig' stille, mein Herze! Darauf sie ritten schweigend heim, Rohtraut, Schön-Rohtraut; Es jauchzt der Knab' in seinem Sinn: Und würdst du heute Kaiserin, Mich sollt's nicht kränken: Ihr tausend Blätter im Walde wißt, Ich hab' Schön-Rohtrauts Mund geküßt! -- Schweig' stille, mein Herze.
Wasch dich, mein Schwesterchen, wasch dich! Zu Robins Hochzeit gehn wir heut: Er hat die stolze Ruth gefreit. Wir kommen ungebeten; Wir schmausen nicht, wir tanzen nicht Und nicht mit lachendem Gesicht Komm ich vor ihn zu treten. Strähl dich, mein Schwesterchen, strähl dich! Wir wollen ihm singen ein Rätsel-Lied, Wir wollen ihm klingen ein böses Lied; Die Ohren sollen ihm gellen. Ich will ihr schenken einen Kranz Von Nesseln und von Dornen ganz: Damit fährt sie zur Hölle! Schick dich, mein Schwesterchen, schmück dich! Derweil sie alle sind am Schmaus, Soll rot in Flammen stehn das Haus, Die Gäste schreien und rennen. Zwei sollen sitzen unverwandt, Zwei hat ein Sprüchlein festgebannt; Zu Kohle müssen sie brennen. Lustig, mein Schwesterchen, lustig! Das war ein alter Ammensang. Den falschen Rob vergaß ich lang. Er soll mich sehen lachen! Hab ich doch einen andern Schatz, Der mit mir tanzet auf dem Platz - Sie werden Augen machen!
Ich hatt' ein Vöglein, ach wie fein! Kein schöners mag wohl nimmer sein: Hätt' auf der Brust ein Herzlein rot, Und sung und sung sich schier zu Tod. Herzvogel mein, du Vogel schön, Nun sollst du mit zu Markte gehn! - Und als ich in das Städtlein kam, Er saß auf meiner Achsel zahm; Und als ich ging am Haus vorbei Des Knaben, dem ich brach die Treu', Der Knab' just aus dem Fenster sah, Mit seinem Finger schnalzt er da: Wie horchet gleich mein Vogel auf! Zum Knaben fliegt er husch! hinauf; Der koset ihn so lieb und hold, Ich wußt' nicht, was ich machen sollt', Und stund, im Herzen so erschreckt, Mit Händen mein Gesichte deckt', Und schlich davon und weinet' sehr, Ich hört' ihn rufen hinterher: "Du falsche Maid, behüt' dich Gott, Ich hab' doch wieder mein Herzlein rot!"
Im Weinberg auf der Höhe ein Häuslein steht so windebang; hat weder Tür noch Fenster, die Weile wird ihm lang. Und ist der Tag so schwüle, sind all' verstummt die Vögelein, summt an der Sonnenblume ein Immlein ganz allein. Mein Lieb hat einen Garten, da steht ein hübsches Immenhaus: kommst du daher geflogen? schickt sie [dich nach mir]1 aus? O nein, du feiner Knabe, es hieß mich Niemand Boten gehn; [dies]2 Kind weiß nichts von Lieben, hat dich noch kaum gesehn. Was wüßten auch die Mädchen, wenn sie kaum aus der Schule sind! Dein herzallerliebstes Schätzchen ist noch ein Mutterkind. Ich bring' ihm Wachs und Honig; ade! ich hab' ein ganzes Pfund; wie wird das Schätzchen lachen, ihm wässert schon der Mund - Ach, wolltest du [ihr]3 sagen, ich wüßte, was viel süßer ist: nichts Lieblichers auf Erden als wenn man herzt und küßt!
Text Authorship:
- by Eduard Mörike (1804 - 1875), "Der Knabe und das Immlein"
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View text without footnotesConfirmed with Gedichte von Eduard Mörike, 4. Aufl., Stuttgart, 1867.
1 Hetsch: "nach mir dich"2 Wolf: "dieses"
3 Hetsch: "ihm"
Des Schäfers sein Haus und das steht auf zwei Rad, steht hoch auf der Heiden, so frühe, wie spat; und wenn nur ein Mancher so'n Nachtquartier hätt'! Ein Schäfer tauscht nicht mit dem König sein Bett. Und käm' ihm zur Nacht auch was Seltsames vor, er betet sein Sprüchel und legt sich auf's Ohr; ein Geistlein, ein Hexlein, so luftige Wicht', sie klopfen ihm wohl, doch er antwortet nicht. Einmal doch, da ward es ihm wirklich zu bunt: es knopert am Laden, es winselt der Hund; nun ziehet mein Schäfer den Riegel - ei schau! da stehen zwei Störche, der Mann und die Frau. Das Pärchen, es machet ein schön Kompliment, es möchte gern reden, ach, wenn es nur könnt'! Was will mir das Ziefer? ist so was erhört? Doch ist mir wohl fröhliche Botschaft beschert. Ihr seid wohl dahinten zu Hause am Rhein? Ihr habt wohl mein Mädel gebissen in's Bein? nun weinet das Kind und die Mutter noch mehr, sie wünschet den Herzallerliebsten sich her. Und wünschet daneben die Taufe bestellt: ein Lämmlein, ein Würstlein, ein Beutelein Geld? so sagt nur, ich käm' in zwei Tag oder drei, und grüßt mir mein Bübel und rührt ihm den Brei! Doch halt! warum stellt ihr zu Zweien euch ein? es werden doch, hoff' ich, nicht Zwillinge sein? Da klappern die Störche im lustigsten Ton, sie nicken und knixen und fliegen davon.
So ist die Lieb'! So ist die Lieb'! Mit Küßen nicht zu stillen : Wer ist der Tor und will ein Sieb Mit eitel Wasser füllen? Und schöpfst du an die tausend Jahr; Und küßest ewig, ewig gar, Du tust ihr nie zu Willen. Die Lieb', die Lieb' hat alle Stund' Neu wunderlich Gelüsten; Wir bißen uns die Lippen wund, Da wir uns heute küßten. Das Mädchen hielt in guter Ruh', Wie's Lämmlein unter'm Messer; Ihr Auge bat: nur immer zu, Je weher, desto beßer! So ist die Lieb', und war auch so, Wie lang es Liebe giebt, Und anders war Herr Salomo, Der Weise, nicht verliebt.
Text Authorship:
- by Eduard Mörike (1804 - 1875), "Nimmersatte Liebe"
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Entflohn sind wir der Stadt Gedränge, Wie anders leuchtet hier der Tag! Wie klingt in unsre Lustgesänge Lerchensang hier and Wachtelschlag! Nun wandern wir and lassen gerne Herrn Griesgram zu Haus; Ein frischer Blick dringt in die Ferne Nur immer hinaus! Wir wandern, bis der späte Abend taut, Wir rasten, bis der Morgen wieder graut. Man lagert sich am Schattenquelle, Wo erst das muntre Reh geruht; Aus hohler Hand trinkt sich der helle, Kühle Trank wohl noch eins so gut. Nun wandern wir and lassen gerne Herrn Griesgram zu Haus; Ein frischer Blick dringt in die Ferne Nur immer hinaus! Wir wandern, bis der späte Abend taut, Wir rasten, bis der Morgen wieder graut.
Ein Tännlein grünet, wo, Wer weiß, im Walde, Ein Rosenstrauch, wer sagt, In welchem Garten? Sie sind erlesen schon, Denk' es, o Seele! Auf deinem Grab zu wurzeln Und zu wachsen. Zwei schwarze Rößlein weiden Auf der Wiese, Sie kehren heim zur Stadt In muntern Sprüngen. Sie werden schrittweis gehn Mit deiner Leiche; Vielleicht noch, vielleicht eh' An ihren Hufen Das Eisen los wird, Das ich blitzen sehe!
Text Authorship:
- by Eduard Mörike (1804 - 1875), "Denk es, o Seele!"
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In dieser Winterfrühe Wie ist mir doch zumut! O Morgenrot, ich glühe Von deinem Jugendblut! Es glüht der alte Felsen, Und Wald and Burg zumal, Berauschte Nebel wälzen Sich jäh hinab das Tal. Mit tatenfroher Eile Erhebt sich Geist and Sinn, Und flügelt goldne Pfeile Durch alle Ferne hin. Auf Zinnen möcht' ich springen In alter Fürsten Schloß, Möcht' hohe Lieder singen, Mich schwingen auf das Roß! Und stolzen Siegeswagen Stürzt' ich mich brausend nach! Die Harfe wird zerschlagen, Die nur von Liebe sprach. -Wie? schwärmst du so vermessen, Herz, hast du nicht bedacht, Hast du mit eins vergessen, Was dich so trunken macht? Ach, wohl! Was aus mir singet, Ist nur der Liebe Glück, Die wirren Töne schlinget Sie sanft in sich zurück. Was hilft, was hilft mein Sehnen? Geliebte, wärst du hier! In tausend Freudentränen Verging' die Erde mir.
«[Lebe wohl!]1» - Du [fühlest]2 nicht, Was es heißt, dies Wort der Schmerzen; Mit getrostem Angesicht [Sagtest du's und]3 leichtem Herzen. [Lebe wohl!]1 - Ach, tausendmal Hab' ich mir es vorgesprochen. Und in nimmersatter Qual Mir das Herz damit gebrochen.
Text Authorship:
- by Eduard Mörike (1804 - 1875), "Lebewohl"
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View text without footnotesConfirmed with Eduard Mörike, Gedichte, Dramatisches, Erzählendes, Zweite, erweiterte Auflage, Stuttgart: J.G. Cotta'sche Buchhandlung Nachf., 1961, pages 54-55.
1 Cahn-Speyer: "Lebewohl!"2 Cahn-Speyer: "fühlst es"; Graben-Hoffmann: "fürchtest" (according to Hofmeister), further changes may exist not shown above.
3 Cahn-Speyer: "Sprachest du's, mit"
Fragst du mich, woher die bange Liebe mir zum Herzen kam, Und warum ich ihr nicht lange Schon den bittern Stachel nahm? Sprich, warum mit Geisterschnelle Wohl der Wind die Flügel rührt, Und woher die süße Quelle Die verborgnen Wasser führt? Banne du auf seiner Fährte Mir den Wind in vollem Lauf! Halte mit der Zaubergerte Du die süßen Quellen auf!
Text Authorship:
- by Eduard Mörike (1804 - 1875), "Frage und Antwort"
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Wasch dich, mein Schwesterchen, wasch dich! Zu Robins Hochzeit gehn wir heut: Er hat die stolze Ruth gefreit. Wir kommen ungebeten; Wir schmausen nicht, wir tanzen nicht Und nicht mit lachendem Gesicht Komm ich vor ihn zu treten. Strähl dich, mein Schwesterchen, strähl dich! Wir wollen ihm singen ein Rätsel-Lied, Wir wollen ihm klingen ein böses Lied; Die Ohren sollen ihm gellen. Ich will ihr schenken einen Kranz Von Nesseln und von Dornen ganz: Damit fährt sie zur Hölle! Schick dich, mein Schwesterchen, schmück dich! Derweil sie alle sind am Schmaus, Soll rot in Flammen stehn das Haus, Die Gäste schreien und rennen. Zwei sollen sitzen unverwandt, Zwei hat ein Sprüchlein festgebannt; Zu Kohle müssen sie brennen. Lustig, mein Schwesterchen, lustig! Das war ein alter Ammensang. Den falschen Rob vergaß ich lang. Er soll mich sehen lachen! Hab ich doch einen andern Schatz, Der mit mir tanzet auf dem Platz - Sie werden Augen machen!
[Frühling]1 läßt sein blaues Band Wieder flattern durch die Lüfte; Süße, wohlbekannte Düfte Streifen ahnungsvoll das Land. Veilchen träumen schon, Wollen balde kommen. -- Horch, [von fern ein leiser]2 Harfenton! Frühling, ja du bist's! Dich hab' ich vernommen!
Text Authorship:
- by Eduard Mörike (1804 - 1875), "Er ist's"
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View text without footnotesConfirmed with Eduard Mörike, Gedichte, Dramatisches, Erzählendes, Zweite, erweiterte Auflage, Stuttgart: J.G. Cotta'sche Buchhandlung Nachf., 1961, page 42.
1 Eitner: "Der Frühling"; further changes may exist not shown above.2 Louis Ferdinand: "von fern her leiser"; Schumann: "ein"
Zierlich ist des Vogels Tritt im Schnee, Wenn er wandelt [auf]1 des Berges Höh': [Zierlicher schreibt]2 Liebchens liebe Hand, Schreibt ein Brieflein mir in ferne Land'. In die Lüfte hoch [ein]3 Reiher steigt, Dahin weder Pfeil noch Kugel [fleugt]4: [Tausendmal]5 so hoch und so geschwind Die Gedanken treuer Liebe sind.
Text Authorship:
- by Eduard Mörike (1804 - 1875), "Jägerlied"
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View text without footnotesConfirmed with Gedichte von Eduard Mörike, Zweite, vermehrte Auflage, Stuttgart und Tübingen, J. G. Cotta'scher Verlag, 1848, page 19.
1 Seifert: "von"2 Seifert: "Zierlich schreibet"
3 Killmayer: "der"
4 Seifert: "reicht"
5 Seifert: "Doch tausendmal"
Laß, o Welt, o laß mich sein! Locket nicht mit Liebesgaben, Laßt dies Herz alleine haben Seine Wonne, seine Pein! Was ich traure, weiß ich nicht, Es ist unbekanntes Wehe; Immerdar durch Tränen sehe Ich der Sonne liebes Licht. Oft bin ich mir kaum bewußt, Und die helle Freude zücket Durch die Schwere, so mich drücket, Wonniglich in meiner Brust. Laß, o Welt, o laß mich sein! Locket nicht mit Liebesgaben, Laßt dies Herz alleine haben Seine Wonne, seine Pein!
Text Authorship:
- by Eduard Mörike (1804 - 1875), "Verborgenheit"
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Note to stanza 3, line 3: in some anthologies this line is given erroneously as "Durch die Schwere, die mich drücket."
Kleine Gäste, kleines Haus. Liebe Mäusin oder Maus, [Stell]1 dich nur kecklich ein [Heut']2 nacht bei Mondenschein! Mach aber die [Tür]3 fein hinter dir zu, Hörst du? [Dabei]4 hüte dein Schwänzchen! Nach Tische singen wir, Nach Tische springen wir Und machen ein Tänzchen: Witt witt! Meine alte Katze tanzt wahrscheinlich mit.
Text Authorship:
- by Eduard Mörike (1804 - 1875), "Mausfallen-Sprüchlein"
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View text without footnotesNote: The poem is preceded by this line: "(Das Kind geht dreimal um die Falle und spricht:)"
1 Holstein, Wolf: "Stelle"2 Holstein, Wolf: "Heute"
3 Holstein: "Türe"
4 Holstein: "Hüte, ja"
Ach, wenn's nur der König auch wüßt', Wie wacker mein Schätzelein ist! Für den König, da ließ' er sein Blut, Für mich aber ebensogut. Mein Schatz hat kein Band und kein' Stern, Kein Kreuz wie die vornehmen Herrn, Mein Schatz wird auch kein General; Hätt' er nur seinen Abschied einmal! Es scheinen drei Sterne so hell Dort über Marien-Kapell; Da knüpft uns ein rosenrot' Band, Und ein Hauskreuz ist auch bei der Hand.
Text Authorship:
- by Eduard Mörike (1804 - 1875), "Die Soldatenbraut"
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Herr! schicke, was du [willt]1, Ein Liebes oder Leides; Ich bin vergnügt, daß beides Aus deinen Händen quillt. Wollest mit Freuden [Und wollest]2 mit Leiden Mich nicht überschütten! Doch in der Mitten, Liegt holdes Bescheiden.
Text Authorship:
- by Eduard Mörike (1804 - 1875), "Gebet"
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View text without footnotesConfirmed with Eduard Mörike, Gedichte, Dramatisches, Erzählendes, Zweite, erweiterte Auflage, Stuttgart: J.G. Cotta'sche Buchhandlung Nachf., 1961, pages 134-135.
1 the modern form, "willst", is often used instead.2 Wallnöfer: "Wollest"
Auf ihrem Leibrößlein So weiß wie der Schnee, Die schönste Prinzessin [Reit't]1 durch die Allee. Der Weg, den das Rößlein Hintanzet so hold, Der Sand, den ich streute, Er [blinket]2 wie Gold! Du rosenfarbs Hütlein Wohl auf und wohl ab, O wirf eine Feder, Verstohlen herab! Und willst du dagegen Eine Blüte von mir, Nimm tausend für eine, Nimm alle dafür!
Text Authorship:
- by Eduard Mörike (1804 - 1875), "Der Gärtner"
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View text without footnotesConfirmed with Eduard Mörike, Gedichte, Dramatisches, Erzählendes, Zweite, erweiterte Auflage, Stuttgart: J.G. Cotta'sche Buchhandlung Nachf., 1961, page 59.
1 Killmayer: "reit' "2 Dresel: "glänzet"
Herr! schicke, was du [willt]1, Ein Liebes oder Leides; Ich bin vergnügt, daß beides Aus deinen Händen quillt. Wollest mit Freuden [Und wollest]2 mit Leiden Mich nicht überschütten! Doch in der Mitten, Liegt holdes Bescheiden.
Text Authorship:
- by Eduard Mörike (1804 - 1875), "Gebet"
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View text without footnotesConfirmed with Eduard Mörike, Gedichte, Dramatisches, Erzählendes, Zweite, erweiterte Auflage, Stuttgart: J.G. Cotta'sche Buchhandlung Nachf., 1961, pages 134-135.
1 the modern form, "willst", is often used instead.2 Wallnöfer: "Wollest"
Früh, [wann]1 die Hähne kräh'n, [Eh']2 die Sternlein [verschwinden]3, Muß ich am [Herde stehn]4, Muß Feuer zünden. Schön ist der [Flammen]5 Schein, [Es]6 springen die Funken. Ich schaue so [drein]7, In Leid versunken. Plötzlich, da kommt es mir, Treuloser Knabe, Daß ich die Nacht von dir Geträumet habe. Träne auf Träne dann Stürzet hernieder; So kommt der Tag heran - O ging' er wieder!
Text Authorship:
- by Eduard Mörike (1804 - 1875), "Das verlassene Mägdlein"
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View text without footnotesConfirmed with Eduard Mörike, Gedichte, Dramatisches, Erzählendes, Zweite, erweiterte Auflage, Stuttgart: J.G. Cotta'sche Buchhandlung Nachf., 1961, pages 61-62.
1 Bock, Feyhl, Zenger: "wenn"; Senger: "eh' " (further changes may exist not noted above).2 Zenger: "Wenn"
3 Schumann, Pfitzner (SJ5), Wolf: "schwinden"
4 van Eijken, Schumann: "Heerde steh'n"
5 Goetz, Schumann, Wetzel: "Flamme"
6 Reinecke: "Hell"
7 Molitor, Reinecke, Schumann, Pfitzner (SJ5), Wolf, Zenger: "darein"
Sausewind, Brausewind, Dort und hier! Deine Heimat sage mir! "Kindlein, wir fahren Seit viel vielen Jahren Durch die weit weite Welt, Und möchten's erfragen, Die Antwort erjagen, Bei den Bergen, den Meeren, Bei des Himmels klingenden Heeren: Die wissen es nie. Bist du klüger als sie, Magst du es sagen. -- Fort, wohlauf! Halt uns nicht auf! Kommen andre nach, unsre Brüder, Da frag wieder!" Halt an! Gemach, Eine kleine Frist! Sagt, wo der Liebe Heimat ist, Ihr Anfang, ihr Ende? "Wer's nennen könnte! Schelmisches Kind, Lieb' ist wie Wind, Rasch und lebendig, Ruhet nie, Ewig ist sie, Aber nicht immer beständig. -- Fort! Wohlauf! auf! Halt uns nicht auf! Fort über Stoppel und Wälder und Wiesen! Wenn ich dein Schätzchen seh', Will ich es grüßen. Kindlein, ade!"
Was im Netze? Schau einmal! Aber ich bin bange; Greif' ich einen süßen Aal? Greif' ich eine Schlange? Lieb' is blinde Fischerin; Sagt dem Kinde, Wo greift's hin? Schon schnellt mir's in Händen! Ach Jammer! O Lust! Mit Schmiegen und Wenden Mir schlüpft's an die Brust. Es beißt sich, o Wunder! Mir keck durch die Haut, Schießt's Herze hinunter! O Liebe, mir graut! Was tun, was beginnen? Das schaurige Ding, Es schnalzet dadrinnen, Es legt sich im Ring. Gift muß ich haben! Hier schleicht es herum, Tut wonniglich graben Und bringt mich noch um!
Text Authorship:
- by Eduard Mörike (1804 - 1875), "Erstes Liebeslied eines Mädchens"
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Confirmed with Eduard Mörike, Gedichte Dramatisches Erzählendes, Stuttgart: J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachf., 1961, page 43
Wenn meine Mutter hexen könnt, Da müßt sie mit dem Regiment, Nach Frankreich, überall mit hin, Und wär die Marketenderin. Im Lager, wohl um Mitternacht, Wenn Niemand auf ist als die Wacht, Und Alles schnarchet, Roß und Mann, Vor meiner Trommel [säß']1 ich dann: Die Trommel müßt' eine Schüssel sein, Ein warmes Sauerkraut darein, Die Schlegel Messer und Gabel, Eine lange Wurst mein [Sabel]2, Mein Tschako wär' ein Humpen gut, Den [füll']3 ich mit Burgunderblut. Und weil es mir an Lichte fehlt, Da scheint der Mond in mein Gezelt; Scheint er auch auf [Franzö'sch]4 herein, Mir fällt doch meine Liebste ein: Ach weh! Jetzt hat der Spaß ein End! - Wenn [nur]5 meine Mutter hexen könnt!
Text Authorship:
- by Eduard Mörike (1804 - 1875), "Der Tambour"
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View text without footnotes1 Riesenfeld: "sass"
2 Riesenfeld: "Säbel"
3 Riesenfeld: "füllt"
4 Riesenfeld: "Französisch"
5 omitted by Riesenfeld
Auf ihrem Leibrößlein So weiß wie der Schnee, Die schönste Prinzessin [Reit't]1 durch die Allee. Der Weg, den das Rößlein Hintanzet so hold, Der Sand, den ich streute, Er [blinket]2 wie Gold! Du rosenfarbs Hütlein Wohl auf und wohl ab, O wirf eine Feder, Verstohlen herab! Und willst du dagegen Eine Blüte von mir, Nimm tausend für eine, Nimm alle dafür!
Text Authorship:
- by Eduard Mörike (1804 - 1875), "Der Gärtner"
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View text without footnotesConfirmed with Eduard Mörike, Gedichte, Dramatisches, Erzählendes, Zweite, erweiterte Auflage, Stuttgart: J.G. Cotta'sche Buchhandlung Nachf., 1961, page 59.
1 Killmayer: "reit' "2 Dresel: "glänzet"
Fragst du mich, woher die bange Liebe mir zum Herzen kam, Und warum ich ihr nicht lange Schon den bittern Stachel nahm? Sprich, warum mit Geisterschnelle Wohl der Wind die Flügel rührt, Und woher die süße Quelle Die verborgnen Wasser führt? Banne du auf seiner Fährte Mir den Wind in vollem Lauf! Halte mit der Zaubergerte Du die süßen Quellen auf!
Text Authorship:
- by Eduard Mörike (1804 - 1875), "Frage und Antwort"
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Zierlich ist des Vogels Tritt im Schnee, Wenn er wandelt [auf]1 des Berges Höh': [Zierlicher schreibt]2 Liebchens liebe Hand, Schreibt ein Brieflein mir in ferne Land'. In die Lüfte hoch [ein]3 Reiher steigt, Dahin weder Pfeil noch Kugel [fleugt]4: [Tausendmal]5 so hoch und so geschwind Die Gedanken treuer Liebe sind.
Text Authorship:
- by Eduard Mörike (1804 - 1875), "Jägerlied"
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View text without footnotesConfirmed with Gedichte von Eduard Mörike, Zweite, vermehrte Auflage, Stuttgart und Tübingen, J. G. Cotta'scher Verlag, 1848, page 19.
1 Seifert: "von"2 Seifert: "Zierlich schreibet"
3 Killmayer: "der"
4 Seifert: "reicht"
5 Seifert: "Doch tausendmal"
Rosenzeit! wie [schnell]1 vorbei,
Schnell vorbei
Bist du doch gegangen!
Wär' mein Lieb' nur blieben treu,
Blieben treu,
Sollte mir nicht bangen.
Um die Ernte wohlgemut,
Wohlgemut
Schnitterrinnen singen.
Aber, ach! mir [kranken]2 Blut,
[Mir kranken]2 Blut
[Will nichts]3 mehr gelingen.
Schleiche so durch's Wiesental,
So durch's Tal,
Als im Traum verloren,
Nach dem Berg, da tausendmal,
Tausendmal,
Er mir [Treu']4 geschworen.
Oben auf des Hügels Rand,
Abgewandt,
Wein' ich bei der Linde;
An dem Hut mein Rosenband,
Von seiner Hand,
Spielet in dem Winde.
Text Authorship:
- by Eduard Mörike (1804 - 1875), "Agnes", written 1831, first published 1838
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View text without footnotesConfirmed with Eduard Mörike, Gedichte, Dramatisches, Erzählendes, Zweite, erweiterte Auflage, Stuttgart: J.G. Cotta'sche Buchhandlung Nachf., 1961, page 62.
Note: the text was written for the novel Maler Nolten, in which it had the title "Refrain-Liedchen". In the 1877 version of the text, stanza 2, line 5, word 2 was "krankem" instead of "kranken".
1 Wöbbe: "bald"; further changes may exist not shown above.2 Jacques-Dalcroze: "Mit krankem"; Kahn, E. Kauffmann, and Wetzel: "Mir krankem"
3 Jacques-Dalcroze: "Will's nicht"
4 Jacques-Dalcroze: "Treue"
Laß, o Welt, o laß mich sein! Locket nicht mit Liebesgaben, Laßt dies Herz alleine haben Seine Wonne, seine Pein! Was ich traure, weiß ich nicht, Es ist unbekanntes Wehe; Immerdar durch Tränen sehe Ich der Sonne liebes Licht. Oft bin ich mir kaum bewußt, Und die helle Freude zücket Durch die Schwere, so mich drücket, Wonniglich in meiner Brust. Laß, o Welt, o laß mich sein! Locket nicht mit Liebesgaben, Laßt dies Herz alleine haben Seine Wonne, seine Pein!
Text Authorship:
- by Eduard Mörike (1804 - 1875), "Verborgenheit"
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Note to stanza 3, line 3: in some anthologies this line is given erroneously as "Durch die Schwere, die mich drücket."
Du heilest den und tröstest jenen, O Quell, so hör auch meinen Schmerz! Ich klage dir mit bittern Tränen Ein hartes, kaltes Mädchenherz. Es zu erweichen, zu durchglühen, Dir ist es eine leichte Pflicht; Man kann ja Hühner in dir brühen, Warum ein junges Gänschen nicht?
Da droben auf dem Markte Spazier ich auf und ab, Den ganzen lieben langen Tag, Und schaue die Straße hinab. Es steht ein Regenbogen Wohl über jenem Haus, Mein Schild ist eingezogen, Ein andrer hangt heraus. Heraus hangt über der Türe Ein Hahn mit rotem Kamm; Als ich die Wirtschaft führte, Da war es ein goldenes Lamm. Mein Schäflein wohl zu scheren, Ich sparte keine Müh, Ich bin heruntergekommen, Und weiß doch selber nicht wie. Nun läuft es mit Köchen und Kellnern Im ganzen Hause so voll, Ich weiß nicht, wem ich von allen Zuerst den Hals brechen soll. Da kommen drei Chaisen gefahren! Der Hausknecht springt in die Höh. Vorüber, ihr Rößlein, vorüber, Dem Lammwirt ist gar so weh!
In aller Früh, ach, lang vor Tag, Weckt mich mein Herz, an dich zu denken, Da doch gesunde Jugend schlafen mag. Hell ist mein Aug' um Mitternacht, Heller als frühe Morgenglocken: Wann hätt'st du je mein gedacht? Wär' ich ein Fischer, stünd' ich auf, Trüge mein Netz hinab zum Flusse, Trüg' herzlich froh die Fische zum Verkauf. In der Mühle, bei Licht, der Müllerknecht Tummelt sich, alle Gänge klappern; So rüstig Treiben wär' mir eben recht! Weh, aber ich! o armer Tropf! Muß auf dem Lager mich müßig grämen, Ein ungebärdig Mutterkind im Kopf.
Text Authorship:
- by Eduard Mörike (1804 - 1875), "Lied eines Verliebten"
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Jung Volker, das ist unser Räuberhauptmann, Mit Fiedel und mit Flinte, Damit er geigen und schießen kann, Nach dem just Wetter und Winde. [Fiedel und die Flint]1, [Fiedel und die Flint]1! Volker spielt auf. Ich sah ihn hoch im Sonnenschein Auf einem Hügel sitzen: Da spielt er die Geig und schluckt roten Wein, seine blauen Augen ihm blitzen. [Fiedel und die Flint]1, [Fiedel und die Flint]1! Volker spielt auf. Auf einmal, er schleudert die Geig in die Luft, Auf einmal, er wirft sich zu Pferde: Der Feind kommt! Da stößt er ins Pfeifchen und ruft: "Brecht ein, wie der Wolf in die Herde!" [Fiedel und die Flint]1, [Fiedel und die Flint]1! Volker spielt auf.
Text Authorship:
- by Eduard Mörike (1804 - 1875), "Jung Volker", subtitle: "Gesang der Räuber"
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View text without footnotesConfirmed with Eduard Mörike, Sämtliche Werke in zwei Bänden. Band 1, München, 1967, page 699.
1 Wallnöfer: "Fiedel und Flint'"Und die mich trug im [Mutterleib]1, Und die mich schwang im Kissen, Die war ein [schön frech braunes]2 Weib, Wollte nichts vom Mannsvolk wissen. Sie scherzte nur und lachte laut, Und ließ die Freier stehen: Möcht' lieber sein des Windes Braut, [Denn]3 in die Ehe gehen! Da kam der Wind, da nahm der Wind Als Buhle sie gefangen: Von dem hat sie ein lustig Kind [In ihren Schoß empfangen]4.
Text Authorship:
- by Eduard Mörike (1804 - 1875)
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View text without footnotesConfirmed with Eduard Mörike, Sämtliche Werke in zwei Bänden. Band 1, München, 1967, pages 699-700.
1 Schumann: "Mutterarm"2 Schumann: "schön, froh, braunes"
3 Schumann: "Als"
4 Schumann: "Jung Volker, mich, empfangen"
Tonleiterähnlich steiget dein Klaggesang
Vollschwellend auf, wie wenn man Bouteillen füllt:
Es steigt und steigt im Hals der Flasche -
Sieh, und das liebliche Naß schäumt über.
O Sängerin, dir möcht ich ein Liedchen weihn,
Voll Lieb und Sehnsucht! aber ich stocke schon;
Ach, mein unselig Gleichnis regt mir
Plötzlich den Durst und mein Gaumen lechzet.
Verzeih! im Jägerschlößchen ist frisches Bier
Und Kegelabend heut: ich versprach es halb
Dem Oberamtsgerichtsverweser,
Auch dem Notar und dem Oberförster.