Acht Lieder für Sopran, Alt oder Tenor mit Pianoforte , opus 3

by Gustav Flügel (1812 - 1900)

1. Mignon [sung text not yet checked]

Heiß mich nicht reden, heiß mich schweigen,
Denn mein Geheimniß ist mir Pflicht;
Ich möchte dir mein ganzes Innre zeigen,
Allein das Schicksal will es nicht.

[Zur rechten]1 Zeit vertreibt der Sonne Lauf
Die finstre Nacht, und sie muß sich erhellen;
Der harte Fels schließt seinen Busen auf,
Mißgönnt der Erde nicht die tiefverborgnen Quellen.

Ein jeder sucht im Arm [des Freundes]2 Ruh,
Dort kann die Brust in Klagen sich ergießen;
Allein ein Schwur drückt mir die Lippen zu
Und nur ein Gott vermag sie aufzuschließen.

Authorship:

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Doe mij niet spreken, laat mij zwijgen", copyright © 2007, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "Don't ask me to speak", copyright ©
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Ne me dis pas de parler, dis-moi de me taire", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • GRE Greek (Ελληνικά) [singable] (Christakis Poumbouris) , copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , "Non chiedermi di parlare", copyright © 2007, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Paolo Montanari) , "Non chiedere ch'io parli", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Goethe's Werke. Vollständige Ausgabe letzter Hand. Zweyter Band. Stuttgart und Tübingen, in der J.G.Cotta'schen Buchhandlung. 1827, page 117; and with Goethe's Werke. Vollständige Ausgabe letzter Hand. Neunzehnter Band. Stuttgart und Tübingen, in der J.G.Cotta'schen Buchhandlung. 1828, page 262.

First published in Wilhelm Meisters Lehrjahre. Ein Roman. Herausgegeben von Goethe. Dritter Band, Berlin. Bei Johann Friedrich Unger. 1795, pages 203-204. The poem appears in Book 5, Chapter 16 of Goethe's novel.

1 Schubert (first setting, D. 726): "Zu rechter"
2 Goethe (only in the editions of the poems, not in the novel): "der Freunde"

Research team for this text: Thierry Morice , Peter Rastl [Guest Editor]

2. Mignon [sung text not yet checked]

Nur wer die Sehnsucht kennt
Weiß, was ich leide!
Allein und abgetrennt
Von aller Freude
[Seh]1 ich an's Firmament
Nach [jener]2 Seite.
[Ach, der]3 mich liebt [und kennt]4,
Ist in der Weite.
Es [schwindelt]5 mir, es brennt
Mein Eingeweide.
Nur wer die Sehnsucht kennt
Weiß, was ich leide!

Authorship:

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission
  • CZE Czech (Čeština) (Jan Evangelista Nečas) , "Táž"
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Slechts wie de hunk'ring kent", copyright © 2007, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Lawrence Snyder) , no title, copyright ©, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English [singable] (David Paley) , "Only my yearning shows", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • GRE Greek (Ελληνικά) [singable] (Christakis Poumbouris) , copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission
  • IRI Irish (Gaelic) [singable] (Gabriel Rosenstock) , copyright © 2020, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , "Solo chi conosce la nostalgia", copyright © 2007, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Paolo Montanari) , copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • POR Portuguese (Português) (Ana Vargas) , copyright © 2006, (re)printed on this website with kind permission
  • SPA Spanish (Español) (Mercedes Vivas) , copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
  • TUR Turkish (Türkçe) (Gül Sabar) , copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Goethe's Werke. Vollständige Ausgabe letzter Hand. Zweyter Band. Stuttgart und Tübingen, in der J.G.Cotta'schen Buchhandlung. 1827, page 118; and with Goethe's Werke. Vollständige Ausgabe letzter Hand. Neunzehnter Band. Stuttgart und Tübingen, in der J.G.Cotta'schen Buchhandlung. 1828, page 67.

First published in Wilhelm Meisters Lehrjahre. Ein Roman. Herausgegeben von Goethe. Zweyter Band. Berlin. Bei Johann Friedrich Unger. 1795, pages 265-266. The poem appears in Book 4, Chapter 11 of Goethe's novel.

1 Schubert (D. 310, first version): "Blick"
2 Lang: "jeder"
3 Goethe (only in the novel, not in editions of the poems): "Ach! der"; Zelter: "Ach, die"
4 omitted by Zeisl.
5 Goethe (only in editions of the novel later than 1815, not in editions of the poems): "schwindet"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Lawrence Snyder , Peter Rastl [Guest Editor] , Johann Winkler

3. Mignon [sung text not yet checked]

So laßt mich scheinen, bis ich werde,
Zieht mir das weiße Kleid nicht aus!
Ich eile von der [schönen]1 Erde
Hinab in jenes [feste]2 Haus.

Dort ruh' ich eine kleine Stille,
Dann öffnet sich der frische Blick;
Ich lasse dann die reine Hülle,
Den Gürtel und den Kranz zurück.

Und jene [himmlischen]3 Gestalten
Sie fragen nicht nach Mann und Weib,
Und keine Kleider, keine Falten
Umgeben den verklärten Leib.

Zwar lebt' ich ohne Sorg und Mühe,
Doch fühlt' ich tiefen Schmerz genung.
Vor Kummer altert' ich zu frühe;
Macht mich auf ewig wieder jung.

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Laat mij zo lijken tot ik zijn zal", copyright © 2007, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "So let me seem", copyright ©
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , "Lasciatemi apparire così", copyright © 2007, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Paolo Montanari) , "Così lasciate che io appaia, finché non mi trasformi", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • POR Portuguese (Português) (Ana Vargas) , "Deixe-me aparecer, até que eu seja", copyright © 2006, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Goethe's Werke. Vollständige Ausgabe letzter Hand. Zweyter Band. Stuttgart und Tübingen, in der J.G.Cotta'schen Buchhandlung. 1827, page 119; and with Goethe's Werke. Vollständige Ausgabe letzter Hand. Zwanzigster Band. Stuttgart und Tübingen, in der J.G.Cotta'schen Buchhandlung. 1828, page 159.

First published in Wilhelm Meisters Lehrjahre. Ein Roman. Herausgegeben von Goethe. Vierter Band. Berlin. Bei Johann Friedrich Unger. 1796, pages 259-260. The poem appears in Book 8, Chapter 2 of Goethe's novel.

1 Schubert (D. 727): "schönsten"
2 Schubert (D. 877/3): "dunkle"
3 Goethe (editions prior to 1827): "himmlische"

Research team for this text: Richard Morris , Peter Rastl [Guest Editor]

4. Grüssen [sung text not yet checked]

So viel Stern am Himmel stehen,
An dem blauen Himmelszelt,
Soviel Schäflein als da gehen,
In dem grünen, grünen Feld.
Soviel Vöglein als da fliegen,
Als da hin und wieder fliegen,
Soviel mal sei du gegrüßt.

Soll ich dich denn nimmer sehen,
Nun ich in die Ferne muß?
Ach das kann ich nicht verstehen,
O du bittrer Scheidensschluß!
Wär ich lieber schon gestorben,
Wär ich jetzt nicht so betrübt!

Weiß nicht, ob auf dieser Erden,
Die des herben Jammers voll,
Nach viel Trübsal und Beschwerden
Ich dich wiedersehen soll.
Was für Welle, was für Flammen
Schlagen über mir zusammen!
Ach wie groß ist meine Not!

Mit Geduld will ich es tragen,
Denk ich immer nur zu dir;
Alle Morgen will ich sagen,
O mein Schatz, wann kommst zu mir?
Alle Abend will ich sprechen,
Wenn mir meine Augen brechen:
O mein Lieb, gedenk an mich!

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  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2021, (re)printed on this website with kind permission

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

5. Trostlied [sung text not yet checked]

Mag auch die Liebe weinen,
Es kommt ein Tag des Herrn.
Es muß ein Morgenstern
Nach dunkler Nacht erscheinen.

Mag auch der Glaube zagen,
Ein Tag des Lichtes naht.
Zur Heimat führt sein Pfad!
Aus Dämm'rung muß es tagen!

Mag auch die Tugend kämpfen,
Es kommt ein Ruhetag.
Kein Sturmgewölk vermag
Der Sonne Strahl zu dämpfen.

Mag Hoffnung auch erschrecken,
Mag jauchzen Grab und Tod.
Es muß ein Morgenrot
Die Schlummernden einst wecken!

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Researcher for this text: Ferdinando Albeggiani

6. Mein Engel, weiche nicht [sung text not yet checked]

Mein Engel, weiche nicht, 
Wenn ich mich schlafen lege! 
Breit deine Flügel aus, 
Daß ich kein Unfall rege! 
Wehr auch das Böse ab, 
So mich in Traum ansicht, 
Daß rein die Seele bleib: 
Mein Engel, weiche nicht!  

Mein Engel, weiche nicht, 
Wenn ich vom Schlaf aufstehe, 
Und nach des Herrn Befehl 
An mein Geschäfte gehe! 
Halt mich zu jeder Stund 
Ihm treu und meiner Pflicht! 
Ich folge Deinem Wink: 
Mein Engel, weiche nicht!  

Mein Engel, weiche nicht, 
Wenn ich soll Kummer tragen! 
Ob schwer, ob lang er sei, 
Laß mich doch nicht verzagen! 
Wisch ab mit Liebeshand 
Den Schweiß im Angesicht, 
Und stärk' die müde Seel': 
Mein Engel, weiche nicht! 

Mein Engel, weiche nicht, 
Wenn ich einmal soll scheiden 
Von Welt und Freund und Lieb'; 
O hilf mirs thun mit Freuden. 
Kehr zu den Lieben dich, 
Wollst deren Schutzgeist sein, 
Nachdem du mich geführt 
Zu des Himmels Freuden ein! 

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Confirmed with Die Religion der Christen, Kiel und Leipzig: August Hesse, 1814, pages 37 - 38. Appears in Zweites Buch. Vorsehung.


Researcher for this text: Melanie Trumbull

7. Gelübde der Treue [sung text not yet checked]

Wenn alle untreu werden,
So bleib' ich dir [doch]1 treu;
Daß Dankbarkeit auf Erden
Nicht ausgestorben sey.
Für mich umfing dich Leiden,
Vergingst für mich in Schmerz;
Drum geb' ich dir mit Freuden
Auf ewig dieses Herz.

Oft muß ich bitter weinen,
Daß du gestorben bist,
Und mancher von den Deinen
Dich lebenslang vergißt.
Von Liebe nur durchdrungen
Hast du so viel gethan,
Und doch bist du verklungen,
Und keiner denkt daran.

Du stehst voll treuer Liebe
Noch immer jedem bey;
Und wenn dir keiner bliebe,
So bleibst du dennoch treu;
Die treuste Liebe sieget,
Am Ende fühlt man sie,
Weint bitterlich und schmieget
Sich kindlich an dein Knie. 

Ich habe dich empfunden,
O! lasse nicht von mir;
Laß innig mich verbunden
Auf ewig seyn mit dir.
Einst schauen meine Brüder
Auch wieder himmelwärts,
Und sinken liebend nieder,
Und fallen dir ans Herz.

Authorship:

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

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Confirmed with Novalis Schriften. Herausgegeben von Friedrich Schlegel und Ludwig Tieck. Zweiter Theil. Berlin, 1802- In der Buchhandlung der Realschule, pages 136-137; with Novalis Schriften. Herausgegeben von Ludwig Tieck und Fr. Schlegel. Dritte Auflage. Zweiter Theil. Berlin, 1815. In der Realschulbuchhandlung, pages 28-29; and with Novalis Schriften. Kritische Neuausgabe auf Grund des handschriftlichen Nachlasses von Ernst Heilborn. Erster Theil. 1901. Druck und Verlag von Georg Reimer Berlin, page 334.

First published in Musen-Almanach für das Jahr 1802. Herausgegeben von A. W. Schlegel und L. Tieck. Tübingen, in der Cotta'schen Buchhandlung, 1802, pages 200-202.

1 Schubert: "noch"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Peter Rastl [Guest Editor]

8. Geduld [sung text not yet checked]

Es zieht ein stiller Engel
Durch dieses Erdenland,
Zum Trost für Erdenmängel
Hat ihn der Herr gesandt.
In seinem Blick ist Frieden
Und milde, sanfte Huld,
O folg' ihm stets hienieden,
Dem Engel der Geduld!

Er führt dich immer treulich
[Durch alles Erdenleid]1,
Und redet so erfreulich
Von einer schönern Zeit.
Denn willst du ganz verzagen,
Hat er doch guten Muth;
Er hilft das Kreuz dir tragen,
Und macht noch Alles gut.

Er macht zu linder Wehmuth
Den herbsten Seelenschmerz,
Und taucht in stille Demuth
Das ungestüme Herz.
Er macht die finstre Stunde
Allmählich wieder hell,
Er heilet jede Wunde
Gewiß, wenn auch nicht schnell.

Er zürnt nicht deinen Thränen,
Wenn er dich trösten will;
Er tadelt nicht dein Sehnen,
Nur macht er's fromm und still.
Und wenn in [Sturmestoben]2
Du murrend fragst: warum?
[So]3 deutet er nach oben,
Mild lächelnd, aber stumm.

Er hat für jede Frage
Nicht Antwort gleich bereit,
Sein Wahlspruch heißt ertrage,
Die Ruhstatt ist nicht weit!
So geht er dir zur Seite,
Und redet gar nicht viel,
Und denkt nur in die Weite,
An's schöne, große Ziel.

Authorship:

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1 Proch: "Auch durch das schwerste Leid"
2 Proch: "Sturm und Toben"
3 Proch: "Dann"

Research team for this text: Sharon Krebs [Guest Editor] , Johann Winkler