Lieder aus dem Westöstlichen Diwan von Goethe

by Othmar Schoeck (1886 - 1957)

Word count: 772

1. Nachklang [sung text checked 1 time]

Es klingt so prächtig, wenn der Dichter
Der Sonne bald dem Kaiser sich vergleicht;
Doch er verbirgt die traurigen Gesichter,
Wenn er in düstern Nächten schleicht.

Von Wolken streifenhaft befangen,
Versank zu Nacht des Himmels reinstes Blau;
Vermagert [bleich]1 sind meine Wangen
Und meine Herzenstränen grau. 

Laß mich nicht so [der]2 Nacht, [dem Schmerze,]3
Du Alllerliebstes, du mein Mondgesicht! 
O du mein Phosphor, meine Kerze,
Du meine Sonne, du mein Licht!

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  • ENG English [singable] (Florence T. Jameson) , "Remembrance"
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Écho", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission

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1 Eisler: "blaß"
2 Eisler: "in"
3 Eisler: "den Schmerzen"

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2. Suleika und Hatem [sung text not yet checked]

Suleika
 An des lustgen Brunnens Rand,
 Der in Wasserfäden spielt,
 Wußt ich nicht, was fest mich hielt;
 Doch da war von deiner Hand
 Meine Chiffer leis gezogen,
 Niederblickt ich, dir gewogen.

 Hier, am Ende des Kanals
 Der gereihten Hauptallee,
 Blick ich wieder in die Höh,
 Und da seh ich abermals
 Meine Lettern fein gezogen:
 Bleibe! bleibe mir gewogen!

Hatem
 Möge Wasser springend, wallend
 Die Zypressen dir gestehn:
 Von Suleika zu Suleika
 Ist mein Kommen und mein Gehn.

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  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "Suleika and Hatem", copyright ©
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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3. Suleika [sung text not yet checked]

Deinem Blick mich zu bequemen,
Deinem Munde, deiner Brust,
Deine Stimme zu vernehmen
War die letzt' und erste Lust.

Gestern, ach, war sie die letzte,
Dann verlosch mir Leucht und Feuer,
Jeder Scherz der mich ergetzte,
Wird nun schuldenschwer und teuer.

Eh' es Allah nicht gefällt,
Uns [aufs neue]1 zu vereinen,
Gibt mir Sonne, Mond und Welt
Nur Gelegenheit zum Weinen.

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  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Michael P. Rosewall) , copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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1 omitted by Schoenberg.

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4a. Haben sie von deinen Fehlen [sung text checked 1 time]

Haben sie von deinen Fehlen
Immer viel erzählt
Und für wahr sie zu erzählen,
Vielfach sich gequält.
Hätten sie von deinem Guten
Freundlich dir erzählt,
Mit verständig treuen Winken,
Wie man Beßres wählt:
O gewiß! das Allerbeste
Blieb mir nicht verhehlt,
Das fürwahr nur wenig Gäste
In der Klause zählt.
Nun als Schüler mich, zu kommen
Endlich auserwählt,
[Und mich lehrt]1 der Buße Frommen,
Wenn der Mensch gefehlt.

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1 Schoeck: "Lehret mich"

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4b. Höre den Rat, den die Leier tönt [sung text checked 1 time]

Höre den Rat, den die Leier tönt,
doch er nutzet nur, wenn du fähig bist.
Das glücklichste Wort, es wird verhöhnt,
wenn der Hörer ein Schiefohr ist.

"Was tönt denn die Leier?" Sie tönet laut:
Die schönste, das ist nicht die beste Braut;
doch wenn wir dich unter uns zählen sollen,
so mußt du das Schönste, das Beste wollen.

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Researcher for this text: Caroline Diehl

4c. Wie ich so ehrlich war [sung text checked 1 time]

Wie ich so ehrlich war,
Hab ich gefehlt,
Und habe Jahre lang
Mich durchgequält.
Ich galt und galt auch nicht.
Was sollt es heißen?
Nun wollt ich Schelm sein,
Tät mich befleißen;
Das wollt mir garnicht ein,
Mußt mich zerreißen.
Da dacht ich: Ehrlich sein
Ist doch das Beste;
War es nur kümmerlich,
So steht es feste.

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5. Unmut [sung text not yet checked]

Keinen Reimer wird man finden
Der sich nicht den besten hielte,
Keinen Fiedler, der nicht lieber
Eigne Melodien spielte.

Und ich konnte sie nicht tadeln;
Wenn wir andern Ehre geben,
Müssen wir uns selbst entadeln;
Lebt man denn, wenn andre leben?

Und so fand ich's denn auch juste
In gewissen Antichambern,
Wo man nicht zu sondern wußte
Mäusedreck von Koriandern.

Das Gewesne wollte hassen
Solche rüstge neue Besen,
Diese dann nicht gelten lassen
Was sonst Besen war gewesen.

Und wo sich die Völker trennen
Gegenseitig im Verachten,
Keins von beiden wird bekennen,
Daß sie nach demselben trachten.

Und das grobe Selbstempfinden
Haben Leute hart gescholten,
Die am wenigsten verwinden,
Wenn die andern was gegolten.

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  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "Song of ill humor", copyright ©
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Chant de la mauvaise humeur", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

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6. Selige Sehnsucht [sung text not yet checked]

Sagt es niemand, nur den Weisen,
Weil die Menge gleich verhöhnet,
Das Lebend'ge will ich preisen,
Das nach Flammentod sich sehnet. 

In der Liebesnächte Kühlung,
Die dich zeugte, wo du zeugtest,
Überfällt dich fremde Fühlung,
Wenn die stille Kerze leuchtet. 

Nicht mehr bleibest du umfangen
In der Finsternis Beschattung, 
Und dich reißet neu Verlangen
Auf zu höherer Begattung. 

Keine Ferne macht dich schwierig,
Kommst geflogen und gebannt,
Und zuletzt, des Lichts begierig, 
Bist du, Schmetterling, verbrannt. 

Und so lang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und werde! 
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde. 

Tut ein Schilf sich doch hervor,
Welten zu versüßen! 
Möge meinem Schreibe-Rohr
Liebliches entfließen!

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  • ENG English (Emily Ezust) , "Blissful yearning", copyright ©

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7a. Warum leckst du dein Mäulchen [sung text not yet checked]

Warum leckst du dein Mäulchen,
indem du mir eilig begegnest?
Wohl, dein Züngelchen sagt mir,
wie gesprächig es sei.

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7b. Eine einzige Nacht an deinem Herzen! [sung text not yet checked]

Eine einzige Nacht an deinem Herzen! - Das Andre
Gibt sich. Es trennet uns noch Amor in Nebel und Nacht.
Ja, ich erlebe den Morgen, an dem Aurora die Freunde
Busen an Busen belauscht, Phöbus, der Frühe, sie weckt.

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7c. Wie sie klingeln, die Pfaffen! [sung text not yet checked]

Wie sie klingeln, die Pfaffen! Wie angelegen sie's machen,
Daß man komme, nur ja plappre, wie gestern so heut!
Scheltet mir nicht die Pfaffen: sie kennen des Menschen Bedürfniß!
Denn wie ist er beglückt, plappert er morgen wie heut!

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7d. Seh' ich den Pilgrim [sung text not yet checked]

Seh' ich den Pilgrim, so kann ich mich nie der Tränen enthalten.
O, wie beseliget uns Menschen ein falscher Begriff!

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "When I see a pilgrim, I can never . . .", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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7e. Diese Gondel vergleich ich [sung text checked 1 time]

Diese Gondel vergleich ich der [Wiege,
  sie schaukelt gefällig]1
Und das Kästchen darauf
    scheint ein geräumiger Sarg.
Recht so! Zwischen der Wieg und dem Sarg
    wir schwanken und schweben
Auf dem großen Kanal
    sorglos durchs Leben dahin.

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  • ENG English (Emily Ezust) , "I compare this gondola", copyright ©

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1 Schoeck: "sanft / einschaukelnden Wiege"

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