Lyrische Gedichte vermischten Inhalts mit Melodie zum Singen beim Klavier

by Friedrich August Baumbach (1753 - 1813)

Word count: 1580

1. O wie schön, wie heiter [sung text not yet checked]

O wie schön, wie heiter 
Alles um mich her! 
Auf der Wesenleiter 
Keines Freudenleer!  
Und ich sollte klagen? 
Klagen und verzagen? 
Nein, der alles schön gemacht 
Hat mein Schicksal auch gedacht!  

Wie umwölkt' der Himmel 
In entwichner Nacht!  
Wie ins Lustgetümmel 
Er jetzt fröhlich lacht! 
Und ich sollte klagen? 
Klagen und verzagen? 
Nein, der alles schön gemacht 
Hat mein Schicksal auch gedacht!  

Wie die Blum' voll Liebe 
Schloß den Kelch der Lust; 
Wie sie nun der Freude 
Öffnet ihre Brust! 
Und ich sollte klagen? 
Klagen und verzagen? 
Nein, der alles schön gemacht 
Hat mein Schicksal auch gedacht!  

Lerchen Freudenlieder 
Stummten nahem Tod:  
Wie ihr Jubel wieder  
Dringt ins Morgenroth!  
Und ich sollte klagen? 
Klagen und verzagen? 
Nein, der alles schön gemacht 
Hat mein Schicksal auch gedacht! 

Ströme, Wälder, Wiesen, 
Alles jauchzt ihm Dank, 
Alles Ein Ergießen, 
Alles Ein Gesang!  
Und ich sollte klagen? 
Klagen und verzagen? 
Nein, der alles schön gemacht 
Hat mein Schicksal auch gedacht! 

Authorship

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Confirmed with Liebe nur beglückt: ein deutsches Singeschauspiel, Berlin: Winters Erben, 1781, pages 46 - 48. Appears in zweiter Akt.


Researcher for this text: Melanie Trumbull

2. Die Forelle [sung text not yet checked]

In einem Bächlein helle,
Da schoß in froher Eil
Die launische Forelle
Vorüber, wie ein Pfeil:
Ich stand an dem Gestade,
Und sah' in süsser Ruh
Des muntern [Fisches]1 Bade
Im klaren Bächlein zu.

Ein Fischer mit der Ruthe
Wol an dem Ufer stand,
Und sah's mit kaltem Blute
Wie sich das Fischlein wand.
So lang dem Wasser Helle,
So dacht' ich, nicht gebricht,
So fängt er die Forelle
Mit seiner Angel nicht.

Doch [endlich]2 ward dem Diebe
Die Zeit zu lang; er macht
Das Bächlein tückisch trübe:
Und eh' ich es gedacht,
So zuckte seine Ruthe;
Das Fischlein zappelt dran;
Und ich, mit regem Blute,
Sah die Betrogne an.

[Ihr, die ihr noch am]3 Quelle
Der sichern Jugend weilt,
Denkt doch an die Forelle;
Seht ihr Gefahr, so eilt!
Meist fehlt ihr nur aus Mangel
Der Klugheit; Mädchen, seht
Verführer mit der Angel -
Sonst blutet ihr zu spät.

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , "La truita", copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission
  • CHI Chinese (中文) (Yen-Chiang Che) , "鱒魚", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "De forel", copyright © 2005, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "The trout", copyright ©
  • ENG English (Walter Meyer) , "The Trout", copyright © 1995, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English [singable] (Shula Keller) , "The trout", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English [singable] (Daniel Platt) , "The trout", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • FIN Finnish (Suomi) (Erkki Pullinen) , "Forelli", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "La truite", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
  • GRE Greek (Ελληνικά) [singable] (Christakis Poumbouris) , "Η πέστροφα", copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Amelia Maria Imbarrato) (Antonio Zencovich) , "La trota", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Chr. Daniel Friedrich Schubarts Gedichte aus dem Kerker. Mit allerhöchst-gnädist Kaiserl. Privilegio. Carlsruhe, bey Christian Gottlieb Schmieder 1785, pages 228-229; with Christian Friedrich Daniel Schubarts sämtliche Gedichte. Von ihm selbst herausgegeben. Zweiter Band. Stuttgart, in der Buchdruckerei der Herzoglichen Hohen Carlsschule, 1786, pages 139-140; and with Christian Friedrich Daniel Schubart's Gedichte. Herausgegeben von seinem Sohne Ludwig Schubart. Zweyter Theil. Frankfurt am Main 1802, bey J. C. Hermann, pages 302-303.

Schubart, who set the poem himself, had an additional stanza (between stanza 3 and 4) which he supressed in the printed edition:

So scheust auch manche Schöne
Im vollen Strom der Zeit
Und sieht nicht die Sirene
Die ihr im Wirbel dräut.
Sie folgt dem Drang der Liebe
Und eh' sie sichs versieht
So wird das Bächlein trübe
Und ihre Unschuld flieht.

1 Schubert: "Fischleins"
2 Schubart (1786 and 1802 editions): "plözlich"
3 Schubart (1786 and 1802 editions): "Die ihr am goldnen"

Note: Schubert produced over the years four copies of Die Forelle, resulting in five slightly different versions. The third version, dedicated to Josef Hüttenbrenner and presumably written down from memory, has the final two lines (of stanza 3) differently:

Ich sah mit regem Blute
Das arme Fischlein an.


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Peter Rastl [Guest Editor]

3. Die Erscheinung [sung text not yet checked]

Ich lag auf grünen Matten,
An klarer Quellen Rand.
Mir kühlten Erlenschatten
Der Wangen heissen Brand.
Ich dachte dieß und jenes,
Und träumte [sanftbetrübt]1
Viel [Süsses mir und]2 Schönes,  
[Das]3 diese Welt nicht giebt.

Und sieh dem Hayn entschwebte
Ein Mägdlein sonnenklar.
Ein weisser Schleyer webte
Um ihr nußbraunes Haar.
Ihr Auge feucht und schimmernd
Umfloß ätherisch Blau.
Die [Wimpern nässte]4 flimmernd
Der Wehmuth Perlenthau.

Ein [traurend]5 Lächeln schwebte
Um ihren süssen Mund.
Sie schauerte, sie bebte.
Ihr Auge [thränenwund]6,
Ihr Hinschaun liebesehnend,
[So]7 wähnt' ich, suchte mich.
Wer war wie ich so wähnend,
So selig wer, wie ich!

Ich auf sie zu umfassen -
Und ach! sie trat zurück.
Ich sah sie schnell erblassen,
Und trüber ward ihr Blick.
Sie sah mich an so innig,
Sie wies mit ihrer Hand,
[Erhaben]8 und tiefsinnig
Gen Himmel, und verschwand.

Fahr wohl, fahr wohl, Erscheinung!
Fahr wohl, dich kenn' ich wohl!
Und deines Winkes Meinung
Versteh' ich, wie ich soll! -
Wohl für die Zeit geschieden
[Eint]9 uns ein schön'res Band.
Hoch [droben]10, nicht hienieden,
Hat Lieb' ihr Vaterland.

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , "L'aparició", copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Herinnering - De verschijning", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Malcolm Wren) , copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "L'apparition -- Souvenir", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with L.T.Kosegarten's Poesieen, Neueste Auflage, Zweyter Band, Berlin 1803, pages 196-198; and with Kosegarten's Dichtungen. Siebenter Band. Lyrischer Gedichte Siebentes, achtes, neuntes Buch. Greifswald, gedruckt beym Königl. Directeur J.H. Eckhardt. 1813, pages 20-22.

1 Schubert: "sanft betrübt"
2 Schubert: "Gutes und viel"
3 Kosegarten (1813 edition): "Was"
4 Schubert (Neue Gesamtausgabe - NGA): "Wimper faßte"; Kosegarten (1813 edition): "Wimper näßte"
5 Schubert (NGA): "traurig"
6 Schubert (NGA): "tränend wund"
7 Schubert (NGA): "Sie,"
8 Schubert (NGA): "Bedeutend"
9 Schubert (NGA): "Knüpft"
10 Schubert (NGA): "oben"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Peter Rastl [Guest Editor]

4. Im Frühling [sung text not yet checked]

Unsre Wiesen grünen wieder,
Blumen duften überall;
Fröhlich tönen Finkenlieder,
Zärtlich schlägt die Nachtigall.
Alle Wipfel dämmern grüner,
Liebe girrt und lockt darin;
Jeder Schäfer wird nun kühner,
Sanfter jede Schäferin.

Blüten, die die Knosp' entwickeln,
Hüllt der Lenz in zartes Laub;
Färbt den Sammet der Aurikeln,
Pudert sie mit Silberstaub.
Sieh! das holde Maienreischen
Dringt aus breitem Blatt hervor,
Beut sich zum bescheidnen Sträußchen
An der Unschuld Busenflor.

Auf den zarten Stengeln wanken
Tulpenkelche, rot und gelb,
Und das Geißblatt flicht aus Ranken
Liebenden ein Laubgewölb'.
Alle Lüfte säuseln lauer
Mit der Liebe Hauch uns an;
Frühlingslust und Wonneschauer
Fühlet, was noch fühlen kann.

Authorship

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Researcher for this text: Ferdinando Albeggiani

5. Jugendphantasien [sung text not yet checked]

Froh und selig, wild und wach, 
Leb' und web' ich in Vergnügen; 
Grüsse jeden jungen Tag, 
Sehe jeden Zephyr fliegen; 
Kränze mich im Veilchenthal, 
Singe mit der Nachtigall. 

Jugend, o wie halt' ich dich? 
Jugend, eile nicht von hinnen! 
Möchtest du so wonniglich 
Neu mit jedem Lenz beginnen! 
Nähm' ich dich ins späte Grab, 
Holde Jugend, mit hinab! 

Schöpferin der Lebenskraft, 
Alles kömmt zu deinen Füllen! 
Laß mir Lebensglut und Kraft 
Ewig unerschöpflich quillen! 
Frisch' aus deinem Strahlenquell 
Meine Blicke adlerhell!  

O wie bläht sich diese Brust!
O wie lärmt, wie lodert drinnen 
Blut und Flamme!  Dichterlust! 
Wie es tobt in allen Sinnen! 
Genius, die Fackel her! 
Länger halt' ich mich nicht mehr! 

Schwinge deine Fackel hoch, 
Leuchte mir voran im Fluge! 
Glimmt das Fünkchen Erde noch 
Aus der Tief' her?  Fleug dem Zuge 
Jener Sonnen stracks vorbei! 
Wähnst du, daß ich laß schon sei!  

Ungemeßne, tiefe Flut, 
Feuermeer der Fantaseien, 
Neugetauft mit deiner Glut, 
Will ich mich des Zaubers freuen, 
Der in Haine mich entrückt, 
Die kein sterblich' Aug erblickt, 

Lebensodem wehet hier, 
Überall rauscht heilig Leben; 
Blumen lispeln für und für, 
Bäche singen, Lauben beben; 
Jedes Gräschen fühlt den Lauf 
Seines Bluts, und schauert auf. 

In den regen Wipfeln träuft 
Dichterwort von Vögelzungen; 
Weisheit, die zur Freude reift, 
Die einst Griechenland gesungen. 
Deine Töne, Tejermann, 
Stimmet hier ein Zeisig an.  

"Lebt!  Das Leben ist ein Bach, 
Wer geniessen kann, geniesse!  
Lebt!  Das Leben ist ein Tag, 
Daß er sich nicht fruchtlos schliesse! 
Ferne ziehen Wölkchen her; 
Lebt!  bald ist's nicht heiter mehr."  

Schöner Vogel, frei wie du, 
Unterm Dach von Maienblättern, 
Fürcht' ich mich in stolzer Ruh 
Nicht vor Stürmen, nicht vor Wettern, 
Trifft ein rascher Strahl mein Haus, 
Spann' ich meine Flügel aus. 

"Doch, was sind die Freuden all', 
Was ist Leben, Erdensöhne? 
Wenn nicht Schwester Nachtigall 
Eine zauberische Thräne, 
Die nach mildern Trieben geizt, 
Eurem heissen Aug' entreizt?" 

Filomele, Himmelskind! 
Lehre diese Thräne quillen! 
Lehre mich, was Freuden sind,  
Die die ganze Seele füllen. 
Du beginnst!  --  Was hör' ich!  Schallt 
Sapphos Leier in den Wald?  

"Leiser linder Flügelschlag 
Säuselt fachend überm Herzen; 
Weckt ein Seufzerchen, ein Ach!   
Losung ungeflohner Schmerzen!  
Wie die kranke Lippe bebt!  
Wie der volle Busen strebt!  

"Schwebe steigender empor, 
Wehmutschwang'res Wölkchen!  Dringe 
Durch die Wang' ins Aug' hervor, 
Wenn ich süße Leiden singe.
Wenn ich dann zu mächtig bin, 
Schmilz, ein Abendthau, dahin.  

"Schmilz!  es harren Veilchen dein,  
Die für Mädchenbusen blühen; 
Trinken deine Labung ein, 
Hellern Schmuckes einst zu glühen. 
Die ein solches Veilchen bricht, 
Weilt im Schooß der Ruhe nicht. 

"Die ein solches Blümchen hegt, 
Hat der Liebe Kelch getrunken; 
Wie im Thal ein Sturm sich legt, 
Ist ihr stolzes Herz gesunken. 
So zerrinnt die stille Luft, 
Also wallt ihr Seufzerduft. "  

Ach  --  du singst mir in die Brust, 
Zauberin, Entzückens Fülle! 
Wehmut, überthaut mit Lust, 
Freuden, in der Seufzer Hülle. 
Steigt das Wölkchen schon empor?
Durch die Wange schon empor?  

Ach!  die Wonneknospe bricht! 
Perle, du bist schnell geboren!  
Kind Dionens, säume nicht, 
Schmilz für die, die mir erkoren!  
Sei die Feindin ihrer Ruh, 
Hauche süße Pein ihr zu!  

Genius, wir gleiten noch 
Auf dem Meer der Fantaseien! 
Deine Fackel leuchtet hoch, 
Wehet strömender von neuen. 
Doch verschwiegen sei das Bild, 
So sie jetzo mir enthüllt. 

Wenn einst näher diesem Blick 
Sich der Zukunft Ufer zeiget, 
Und ein lächelndes Geschick 
Mir den goldnen Zepter neiget, 
Genius, dann will ich mich 
Freu'n des Bildes inniglich.

Authorship

Confirmed with Musen Almanach, ed. by Johann Heinrich Voss and Goeckingk, Hamburg: Carl Ernst Bohn, 1782, pages 148 - 154.


Research team for this text: Bertram Kottmann , Melanie Trumbull

6. Sag, wo sind die Veilchen hin [sung text not yet checked]

[Sagt]1, wo sind die Veilchen hin?
Die so freudig glänzten,
Und der Blumen-Königinn [sic]
Ihren Weg bekränzten?
     "Jüngling, ach! Der Lenz entflieht:
     "Diese Veilchen sind verblüht!"
 
Sagt, wo sind die Rosen hin?
Die wir singend pflückten,
Als sich Hirt' und Schäferinn
Hut und Busen schmückten?
     "Mädchen, ach! Der Sommer flieht:
     "[Jene]2 Rosen sind verblüht!"
 
Führe denn zum Bächlein mich,
Das die Veilchen tränkte;
Das mit leisem Murmeln sich,
In die Thäler senkte.
     "Luft und Sonne glühten sehr:
     "Jenes Bächlein ist nicht mehr!"
 
Bringe denn zur Laube mich,
Wo die Rosen standen,
Wo in treuer Liebe sich
Hirt' und Mädchen fanden.
     "Wind und Hagel stürmten sehr:
     "Jene Laube grünt nicht mehr."
 
Sagt, wo ist das Mädchen hin,
Das, weil ich's erblickte,
Sich mit demuthvollem Sinn
Zu den Veilchen bückte?
     "Jüngling! alle Schönheit flieht:
     "Auch das Mädchen ist verblüht.["]
 
Sagt, wo ist der Sänger hin,
Der auf bunten Wiesen
Veilchen, Ros' und Schäferinn;
Laub und Bach gepriesen?
     "Mädchen, unser Leben flieht:
     "Auch der Sänger ist verblüht."

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , "After an old song", copyright © 2006, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with J.G. Jacobi's sämmtliche Werke, Volume 3, third edition, Zürich: Orell, Füßli und Compagnie, 1819, pages 51-53.

1 Baumbach, Berger: "Sag' "; further changes may exist not shown above.
2 Lang: "Diese"

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

7. Der Morgen [sung text not yet checked]

Willkommen früher Morgenglanz!
  Willkommen, junger Tag! 
Dort aus des Berges dunkelm Wald
  Blitzt schon dein Strahl hervor.

Schon blinket er im Wasserfall,
  Im Thau auf jedem Laub;
Und Munterkeit und Wonne kömmt
  Mit deinem Glanz daher.

Der Zephir, der in Blumen schlief,
  Verläßt sein Bett, und schwärmt
Um Blumen her, und schüttelt die,
  Die itzt noch schlasen, wach.

Der buntgemengten Träume Schaar
  Entflieht itzt jeder Stirn;
Wie Liebesgötter schwärmten sie
  Um Chloens Wangen her.

Eilt, Zephir'! raubet jeder Blum'
  Den lieblichsten Geruch;
Und eilet, eilt zu Chloen hin,
  Itzt, da sie bald erwacht!

Da flattert um ihr weiches Nett,
  Und weckt das schönste Kind,
Mit sanftem Spiel auf ihrer Brust,
  Und ihrem süßen Mund.

Wann sie erwacht, dann flüstert ihr:
  Schon vor der Morgensonn'
Hab' einsam ihren Namen ich
  Am Wasserfall geseufzt!

Authorship

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

8. An ein kleines Mädchen [sung text not yet checked]

[Tanze]1, liebe Kleine, hüpfe
Durch dies Leben froh und frei;
Und des Lebens Kummer schlüpfe, 
Trautchen, leicht bei dir vorbei!  

Fühle jede reine Freude!  
Öffne deine kleine Brust 
Jeder Wonn' im Rosenkleide, 
Jeder frommen Jugendlust!  

Brich', o Klein', in deinem Lenze 
Blümchen dir bei jedem Schritt! 
Pflücke, binde sie und kränze 
Deine kleine Stirn damit.  

Denn nicht immer wirst du spielen, 
Ach, dein Frühling fährt dahin!  --  
Noch ist's Zeit, ihn ganz zu fühlen; 
Fühl' ihn, kleine Spielerin! 

Authorship

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Confirmed with Die Feyerstunden der Grazien, zweiter Theil, ed. by Johann Georg Heinzmann, Bern: Haller'sche Buchhandlung, 1782, page 39.

1 Rust: "Tanz"; further changes may exist not shown above.

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Melanie Trumbull

9. Das Veilchen [sung text not yet checked]

Einsam blüh' ich hier im Thal; 
Düfte still, und düfte 
In den Morgen-Sonnenstrahl, 
Und in Abendlüfte: 

Harre bis der Edle kommt, 
Der nach mir hinblicket; 
Bis der gute Edle kommt, 
Der mich, Veilchen, pflücket: 

Still mich traget und genießt 
In der Liebe Fülle; 
Und so einst sein Leben schließt, 
Sanft wie ich, und stille. 

Authorship

Confirmed with Johann Ludwig Ambühl, Die Brieftasche aus den Alpen, Zürich: Orell, Geßner, Füßli und Co., 1780, page 24. Appears in Gedichte.


Researcher for this text: Melanie Trumbull