Von Lieb' und Leid

Song Cycle by Ludwig Wilhelm Andreas Maria Thuille (1861 - 1907)

Word count: 608

1. Waldesgang [sung text checked 1 time]

Im Waldesweben ist es Ruh,
Die [Veiglein thun]1 die Augen zu,
Der Drossel letzter Sang verhallt -- --
Und nur wir Zwei sind noch im Wald!

Es dämmert leis -- feucht fällt der Thau,
Feucht ist dein Aug', du schöne Frau,
[Und]2 Alles stumm - kein Laut erschallt -- --
Und nur wir Zwei sind noch im Wald!

Mir graut, mir graut, du süße Fee,
Vor all' der Schönheit, die ich seh',
Mein Herz so heiß, dein Herz so kalt -- 
-- Und nur wir Zwei sind noch im Wald!

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  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Hochland-Lieder von Karl Stieler, Stuttgart, Meyer & Zeller's Verlag (Friedrich Vogel), 1879, page 103.

Note: titled "Waldesgang" in the 1908 edition.
1 in the 1908 edition: "Vöglein tun"
2 1908 version: "'s ist"; Thuille: "S'ist"

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2. Julinacht [sung text checked 1 time]

In der Luft, der schwülen feuchten,
Wogt das Feld, und [stürmend]1 ziehn
Windesrauschen, Wetterleuchten
Durch den dunklen Himmel hin.

Ferne hallt des Donners Dröhnen --
Und des Lebens ganze Kraft
Klingt aus diesen Wundertönen
Nachtumwölkter Leidenschaft!

Was der Tag an Sonnengluten
Aufgesogen, strömt hier aus --
In den Wolken, auf den Fluten,
In dies weite Grün hinaus!

Und inmitten all' des Webens
Trag' ich stumm die heiße Last,
Die du2, Sonne meines Lebens,
In dies Herz ergossen hast!

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "July night", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Nuit de Juillet", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

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1 Thuille: "stürmisch"
2 not in italics in the version of the poem published in 1908.

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3. Nachtlied [sung text checked 1 time]

Die müden Augen
Sie tragen's kaum!
Der Tag ist zergangen,
Nun kommt der Traum.

Da kommt dein Bildnis
Und spricht zu mir:
"Ich lass' auch im Traume
Nicht los von dir!"

"Ich leg' mich nieder
An deiner Seit',
Du bist mein eigen
Für alle Zeit!"

Der Nachtwind rauschet,
Ich lösch' das Licht --
Ich möchte schlafen
Und kann es nicht.

Du bist mein Leben,
Du bist mein Tod --
Vom Abendrothe
Ins Morgenroth.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Night song", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Chanson de nuit", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

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4. Botschaft [sung text checked 1 time]

Wenn's im Thal zu Abend läutet
Und es kommt die Dämmerzeit,
Wo durchs Feld ein Wandrer schreitet:
Süße Frau, dann sei bereit!

Denn zu dir kommt [der]1 gegangen,
Der in dir nur schafft und ruht;
Wanderglut deckt seine Wangen
Und sein Herz füllt Minneglut!

Aber du sollst inne werden,
Wie dies Herz an dir erblüht --
Sonnwendnacht webt um die Erden
Und des Wandrers Auge glüht.

Die verschwiegnen Sterne leuchten
Und sein Haar bedeckt der Thau;
Und in Wonne wird sich feuchten
Deine Wange -- süße Frau!

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Message", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Message", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

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1 Thuille: "er"

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5. Nächtliche Pfade [sung text checked 1 time]

In den Bäumen regt sich's leise,
Mondschein durch die Zweige bricht.
Hier und dort ein Laut der Rüden,
Hier und dort ein einsam Licht.

Nacht liegt über Thal und Bergen.
Und ich wand're durch die Nacht
Dir entgegen -- sehnsuchtbebend,
Dir entgegen -- sachte, sacht!

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  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , "Camins nocturnals", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Sharon Krebs) , "Nocturnal paths", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Sentiers nocturnes", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Hochland-Lieder von Karl Stieler, Stuttgart, Meyer & Zeller's Verlag (Friedrich Vogel), 1879, page 106.


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6. Nicht daheim [sung text checked 1 time]

Mein süßes Lieb, wo weilest du,
Darf ich dich nicht umfangen?
Dein Haus ist zu, dein Herz ist zu --
Ist alles schon vergangen?

Der Schmerzensklang, der Freudenruf,
Den ich dir einst gesungen?
Die Welt voll Glück, die ich dir schuf,
Ist alles schon verklungen?

Es kommt wohl einst ein Tag ins Land,
Da bist du ohn' Geleite;
[Da fliegt der Herbstwind über'n Sand]1,
Da schaust du leer ins Weite.

[Die Augen beide]2 gäbest du,
Könnt' ich dich dann umfangen;
Doch dann sind meine Augen zu --
[Ist]3 alles [schon]4 vergangen!

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Not at home", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Pas à la maison", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Wanderzeit. Ein Liederbuch von Karl Stieler, Stuttgart, Verlag von Adolf Bonz & Comp., 1882, page 86.

1 Thuille: "Der Herbstwind flieget über'm Land"
2 Thuille: "Und beide Augen"
3 Thuille: "Und"
4 Thuille: "längst"

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7. Am Heimweg [sung text checked 1 time]

Ich wandre heim durchs hohe Feld,
Die Wolken ziehn.
In tiefer Ruhe liegt die Welt -- --
Du bist dahin!

Das Abendläuten ist verhallt
Im Lindengrün,
Der letzte Vogel singt im Wald -- --
Du bist dahin!

Da fühl' ich's leise, wie ich krank
Vor Sehnen bin,
Der Vogel schwieg, die Sonne sank -- --
Du bist dahin!

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  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Sur le chemin de la maison", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Hochland-Lieder von Karl Stieler, Stuttgart, Meyer & Zeller's Verlag (Friedrich Vogel), 1879, page 100.


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8. Jahreszeiten [sung text checked 1 time]

Als hoch das Feld in Blumen stand,
Und als die Schwalbe flog ins Land:
Da blühte sie empor in mir,
Die Liebe, schöne Frau, zu dir.

Und als der Tag am längsten war,
So blau und heiß, so sonnenklar:
Da war die Liebe heiß und hoch
Und ich war selig -- weißt du's noch?

Da ward es Herbst, die Schwalben ziehn,
Und schweigend zogst auch du dahin;
Und wie das Laub vom Baume sank:
Da war ich stumm, da war ich krank!

[ ... ]

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "The seasons", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Saisons", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Wanderzeit. Ein Liederbuch von Karl Stieler, Stuttgart, Verlag von Adolf Bonz & Comp., 1882, page 87.


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