Ein Liebes-Roman in zwölf Liedern. Poesien von Geibel, Heine und A.

Song Cycle by Friedrich Hieronymus Truhn (1811 - 1886)

Word count: 1158

1. Erwachen [sung text not yet checked]

Und als ich aufstand früh am Tag
Und meinte, daß es noch Winter sei,
Da jauchzte schon mit lustigem Schlag
Die Lerch' an meinem Fenster frei:
Tirili, tirili! Vom blöden Traum,
Langschläfer, bist du endlich erwacht?
Du schliefst und merktest das Süße kaum,
Denn sacht, denn sacht
Ist kommen der Frühling über Nacht.

Und als ich schaute zum Himmelsraum,
Da war er so blau, da war er so weit;
Und als ich blickt' auf Strauch und Baum,
Da trugen sie all' ein grünes Kleid.
Und als ich sah in die eigene Brust,
Da saß die Liebe darin und sang,
Was selber so süß ich nimmer gewußt;
Das klang, das klang
Und soll nun klingen mein Leben lang.

Authorship

See other settings of this text.

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

2. Umwandlung [sung text not yet checked]

Wolle Keiner mich fragen,
Warum mein Herz so schlägt,
Ich kann's nicht fassen, nicht sagen,
Was mich bewegt.

Als wie im Traume schwanken
Trunken die Sinne mir;
Alle meine Gedanken
Sind nur bei dir.

Ich habe die Welt vergessen,
Seit ich dein Auge gesehn;
Ich möchte dich an mich pressen
Und still im Kuß vergehn.

Mein Leben möchte' ich lassen
Um ein Lächeln vor dir,
Und du - ich kann's nicht fassen -
Versagst es mir.

Ist's Schicksal, ist's dein Wille?
Du siehst mich nicht. -
Nun wein' ich stille, stille,
Bis das Herz mir zerbricht.

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Anja Bunzel) , "Does nobody want to ask me", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

3. Nachtlied [sung text not yet checked]

Der Mond kommt still gegangen
Mit seinem [goldnen]1 Schein,
Da schläft [in]2 holdem Prangen 
Die müde Erde ein.

Im Traum die Wipfel weben,
Die Quellen rauschen sacht;
Singende Engel durchschweben
Die blaue Sternennacht

Und auf den Lüften schwanken
Aus manchem treuen Sinn
Viel tausend Liebesgedanken
Über die Schläfer hin.

Und drunten im Tale, da funkeln
Die Fenster von Liebchens Haus;
Ich aber blicke im Dunkeln
Still in die Welt hinaus.

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "De maan komt stil gevaren", copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (David Kenneth Smith) , "The moon so peaceful rises", copyright © 1996, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English [singable] (Anonymous/Unidentified Artist)
  • ENG English (Sharon Krebs) , "Night song", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission
  • FIN Finnish (Suomi) (Erkki Pullinen) , "Kuu kohoaa hiljaa esiin", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "La lune vient doucement", copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission

View original text (without footnotes)

Confirmed with Emanuel Geibel, Gedichte, vierte Auflage, Berlin: Verlag von Alexander Duncker, 1845, page 18.

1 Bernoully: "holden"
2 Grimm: "mit"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

4. O stille dies Verlangen! [sung text not yet checked]

O stille [dies]1 Verlangen,
Stille die süße Pein!
Zu seligem Umfangen
Laß den Geliebten ein!
Schon liegt die Welt im Traume,
Blühet die duft'ge Nacht;
Der Mond im blauen Raume
Hält für die Liebe Wacht.
Wo zwei sich treu umfangen,
Da giebt er den holdesten Schein.
O stille dies Verlangen,
Laß den Geliebten ein!

Du bist das süße Feuer,
Das mir am Herzen zehrt;
Lüfte, lüfte den Schleier,
Der nun so lang' mir wehrt!
Laß mich vom rosigen Munde
Küssen die Seele dir,
Aus meines Busens Grunde
Nimm meine Seele dafür -
O stille dies Verlangen,
Stille die süße Pein,
Zu seligem Umfangen
Laß den Geliebten ein!

Die goldnen Sterne grüßen
So klar vom Himmelszelt,
Es geht ein Wehn und Küssen
Heimlich durch alle Welt,
Die Blumen selber neigen
Sehnsüchtig einander sich zu,
Die Nachtigall singt in den Zweigen -
Träume, liebe auch du!
O stille dies Verlangen,
Laß den Geliebten ein!
Von Lieb' und Traum umfangen
Wollen wir selig sein.

Authorship

See other settings of this text.

View original text (without footnotes)
1 Staehle: "das" (second setting)

Researcher for this text: Harry Joelson

5. Erfüllung [sung text not yet checked]

So halt' ich endlich dich umfangen,
In süßes Schweigen starb das Wort,
Und meine trunk'nen Lippen hangen
An deinen Lippen fort und fort!

Was nur das Glück vermag zu geben,
In sel'ger Fülle ist es mein;
Ich habe dich, geliebtes Leben,
Was braucht es mehr als dich allein?

O, decke jetzt des Schicksals Wille
Mit Nacht die Welt und ihre Zier,
Und nur dein Auge schwebe stille,
Ein blauer Himmel über mir.

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (T. P. (Peter) Perrin) , copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

6. Scheiden [sung text not yet checked]

Wem in Rosen und in Blüten
Sich verliert des Lebens Pfad,
Mag die eigne Seele hüten,
Denn gewiß, die Trauer naht.

Da ich alle Lust besessen,
Unter Liebesblick und Kuß
Hatt' ich Sel'ger, ach, vergessen,
Daß ich wieder scheiden muß.

O wie blickt mich nun die weite
Welt so kalt und finster an!
War's doch nur an deiner Seite,
Daß ich all mein Glück gewann.

Früher mocht' ich's schon ertragen,
Dieses Schweifen ohne Licht,
Denn mit Blindheit selbst geschlagen,
Kannt' ich noch die Sonne nicht.

Aber jetzt begreif' ich's nimmer,
Was noch bleiben kann für mich. -
Welch ein Leben ohne Schimmer
Werd' ich leben ohne dich!

Authorship

See other settings of this text.

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

7. Kuss um Kuss [sung text not yet checked]

Viel tausend, tausend Küsse gib,
Süß Liebchen, mir beim Scheiden!
Viel tausend Küsse, süßes Lieb,
Geb' ich zurück mit Freuden.

Was ist die Welt doch gar ohn' End'
Mit ihren Bergen und Meeren,
Daß sie zwei treue Herzen trennt,
Die gut beisammen wären!

Ich wollt', ich wär' ein Vögelein,
Da flög' ich hoch im Winde
Alle Nacht, alle Nacht im Mondenschein
Zu meinem blonden Kinde.

Und fänd' ich sie betrübt zum Tod,
Da wollt' ich mit ihr klagen;
Doch fänd' ich mein Röslein frisch und rot,
Wie wollt' ich jauchzen und schlagen!

Wie wollt' ich mit dem süßen Schall
Die stille Nacht durchklingen!
Im Busch, im Busch die Nachtigall
Sollte nicht besser singen.

O tausend, tausend Küsse gib,
Süß Liebchen, mir beim Scheiden!
Viel tausend Küsse, süßes Lieb,
Geb' ich zurück mit Freuden.

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

8. Abschieds-Kuss [sung text not yet checked]

Nun ist der letzte Tag erschienen,
Und sonnig blickt er in das Tal.
Der Wald scheint tiefer heut zu grünen,
Und Blumen duften ohne Zahl,
Es wogt das Korn in goldnen Ähren,
Die Vögel singen wie zum Fest,
Der Himmel selbst will uns verklären
Der süßen Stunden kurzen Rest.

O laß noch heute drum das Härmen!
Noch ruh' ich ja an deiner Brust.
Wie Jephthas Tochter wolle schwärmen
Durch Berg und Tal in reiner Lust!
Ergib dich selig dem Genusse,
Bis fern der Sonne Strahl verglimmt
Und mit dem letzten Abschiedskusse
Den Kelch uns von den Lippen nimmt.

Authorship

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Andrew Schneider) , copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

9. Entflieh mit mir [sung text not yet checked]

Entflieh mit mir und sei mein Weib,
Und ruh' an meinem Herzen aus;
[Fern in der Fremde]1 sei mein Herz
[Dein]2 Vaterland und Vaterhaus.

[Gehst du nicht mit, so sterb ich hier]3
Und du bist einsam und allein;
Und bleibst du auch im Vaterhaus,
Wirst doch wie in der Fremde sein.

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (August Matthijs)
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Kom, vlucht met mij en wees mijn vrouw", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "Flee with me and be my wife", copyright ©
  • ENG English [singable] (Constance Bache)
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission

View original text (without footnotes)
1 Hiller, Mendelssohn, Schumann: "In weiter Ferne"
2 Hiller: "dir"
3 Griffes: "Kommst du nicht mit, so sterb ich hier"; Hiller, Mendelssohn: "Und fliehst du nicht, so sterb' ich hier"; Schumann: "Entfliehn wir nicht, so sterb' ich hier"; Stanford: "Gehst du nicht mit, ich sterbe hier"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Garrett Medlock [Guest Editor]

10. Flucht [sung text not yet checked]

[O]1 schneller, mein Roß, mit Hast,
wie säumig dünkt mich dein Jagen!
In den Wald, meine selige Last,
mein süßes Geheimnis zu tragen!

Es liegt ein trunkener Abendschein
rot dämmernd über den Gipfeln,
es jauchzen und wollen fröhlich sein
die Vöglein in allen Wipfeln.

O könnt ich steigen mit Jubelschall
wie die Lerch empor aus den Gründen,
und da droben den rosigen Himmeln all
mein Glück verkünden!

Oder ein Sturm mit Flügelgewalt
zum Meer hin brausen, dem blauen,
und dort, was im Herzen mir blüht und schallt,
den verschwiegenen Wellen vertragen!

Es darf mich hören kein menschlich Ohr,
ich kann wie die Lerche nicht steigen,
ich kann nicht wehn wie der Sturm empor
und kann es doch nimmer verschweigen.

So wiss' es, du blinkender Mond im Fluß,
so wißt es, ihr Buchen im Grunde;
Sie ist mein! Es brennt ihr Kuß
auf meinem seligen Munde.

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission

View original text (without footnotes)
1 Fürst: "Nur"; further changes may exist not noted above.

Researcher for this text: John Versmoren

11. Volkslied [sung text not yet checked]

Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht,    
Es fiel auf die [zarten]1 Blaublümelein:
Sie sind verwelket, [verdorrt]2.

Ein Jüngling hatte ein Mädchen lieb;   
Sie flohen heimlich [von]3 Hause fort,
Es [wußt']4 weder Vater noch Mutter.

Sie sind gewandert hin und her,
Sie haben gehabt weder Glück noch Stern,
Sie sind [verdorben, gestorben]5.

Authorship

Based on

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (August Matthijs)
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Er viel eens rijp in de lentenacht", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (David Kenneth Smith) , "There fell a frost on a night of Spring", copyright © 1996, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English [singable] (Constance Bache)
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • IRI Irish (Gaelic) [singable] (Gabriel Rosenstock) , copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , "Discese la brina...", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Amelia Maria Imbarrato) , "Canzone popolare", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission

View original text (without footnotes)

Author's note: Dieses ist ein wirkliches Volkslied, welches ich am Rheine gehört --Heine (Translation: This is a real folksong that I heard on the Rhein)

See also Backer-Grøndahl's song, which uses some of this text.

1 Hiller, Mendelssohn: "bunten"
2 Hermann, Hiller, Mendelssohn, Rubinstein, Schumann: "verdorret"
3 Rubinstein: "vom"
4 Hermann, Hiller: "wusst's"
5 Hiller, Mendelssohn, C. Schumann: words reversed.

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Garrett Medlock [Guest Editor]

12. Ende [sung text not yet checked]

Auf ihrem Grab, da steht eine Linde,
Drin pfeifen die Vögel [und]1 Abendwinde,
Und [drunter sitzt, auf dem grünen]2 Platz,
[Der]3 Müllersknecht mit seinem Schatz.

Die [Winde, die wehen so lind]4 und so schaurig,
Die [Vögel, die singen]5 so süß und [so]6 traurig:
Die schwatzenden Buhlen, [die]7 werden stumm,
Sie weinen und wissen selbst nicht warum.

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • CZE Czech (Čeština) [singable] (Otakar Kučera) , no title
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (August Matthijs)
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Ginds op hun graf, daar torent een linde", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "Over their grave stands a linden tree", copyright ©
  • ENG English [singable] (Constance Bache)
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission

View original text (without footnotes)
1 Griffes, Schumann: "im"
2 Hiller: "drunten sitzt auf dem grünem"
3 Hiller: "Des"
4 Griffes, Schumann: "Winde wehen so lind", Hiller, Mendelssohn: "Winde weh'n so still"
5 Griffes, Hiller, Mendelssohn, Schumann: "Vögel singen"
6 omitted by Hiller
7 Griffes, Hiller, Mendelssohn, Schumann: "sie"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Garrett Medlock [Guest Editor]